Deutsche Oper Berlin zeigt »Francesca da Rimini« am 14. März im kostenfreien Stream

Sara Jakubiak (© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de)

Mit Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI setzt Christof Loy seine Auseinandersetzung mit wenig bekannten Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin fort. Die Premiere am 14. März 2021 unter musikalischer Leitung von Carlo Rizzi und mit Sara Jakubiak in der Titelpartie wird um 19 Uhr live gestreamt auf deutscheoperberlin.de und takt1.de .

Die Aufzeichnung steht auf beiden Plattformen 3 weitere Tage kostenfrei als Video on Demand zur Verfügung, danach ist sie auf takt1.de abrufbar (gebührenpflichtig). Die Deutsche Oper Berlin dankt ihren Kooperationspartnern NAXOS, Deutschlandfunk Kultur und takt1.

2018 hatte Christof Loy Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE gemeinsam mit Marc Albrecht am Pult und Sara Jakubiak in der Titelpartie auf die Bühne der Deutschen Oper Berlin gebracht – eine Produktion, die gleich doppelt ausgezeichnet wurde: als „Wiederentdeckung des Jahres 2018“ von der Zeitschrift „Opernwelt“ und die DVD-Aufzeichnung des Labels NAXOS mit dem OPUS KLASSIK als beste „Operneinspielung 20./21. Jahrhundert“.

Nun folgt eine weitere Zusammenarbeit von Christof Loy und Sara Jakubiak für Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI. Auch hier steht das Psychogramm einer selbstbewussten, unangepassten Frau im Zentrum, die sich jeglichen moralischen und gesellschaftlichen Zwängen entzieht.

Der 1883 geborene Riccardo Zandonai war Schüler Mascagnis und galt um 1910 als neuer Stern am italienischen Opernhimmel. Sein Verleger Tito Ricordi plante mit ihm eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie eine Generation früher sein Vater Giulio Ricordi mit dem jungen Puccini. Dafür scheute Ricordi keine Kosten und Mühen und erwarb für die neue Oper Zandonais die exorbitant teuren Rechte an einem der Skandalstücke der Zeit: Gabriele D’Annunzios fünfaktiges Drama „Francesca da Rimini“, uraufgeführt 1901 in Rom mit Eleonora Duse in der Titelrolle. Gabriele D’Annunzio hatte mit „Francesca da Rimini“ auf einen Stoff aus Dantes „Göttlicher Komödie“ zurückgegriffen, der im 19. Jahrhundert zum Lieblingsthema der Romantik gehörte. Grausame Leidenschaften, blutige Szenen in Bürgerkriegszeiten, ein in flagranti erwischtes, ehebrecherisches Paar und seine todessehnsüchtige Liebe, schließlich finaler Doppelmord aus Eifersucht: Publikum und Presse waren gespalten, für die Künstler der Zeit wurde D’Annunzios „Poem aus Blut und Wollust“ jedoch mit seiner Ästhetik des Fin de Siècle zur Attraktion.

Der 31-jährige Riccardo Zandonai sah in dem Drama nun die Chance zu einer großdimensionierten Oper, für grelle Farbwechsel und eine musikalische Sprache, die unterschiedlichste Stile und Zeiten amalgamiert: Zwischen Reminiszenzen an die Madrigale der Renaissance, der Härte des Verismo, präfaschistischen Marschrhythmen, Wagners TRISTAN UND ISOLDE als Vorbild und dem französischem Impressionismus eines Debussy findet Zandonai einen ganz eigenen Weg eines europäischen Musiktheaters.

Im Zentrum der Handlung stehen gleich drei Brüder, die sich in dieselbe Frau verlieben: Francesca aus dem Haus der Polenta in Ravenna wird von ihrer Familie aus strategischen Gründen an das Haus Malatesta in Rimini verheiratet. Doch der zukünftige Bräutigam Giovanni, alt und unansehnlich, wagt die Brautwerbung nicht selbst und schickt seinen attraktiven Bruder Paolo vor. Diese Täuschung nicht ahnend, verliebt sich Francesca in Paolo und unterschreibt den Ehevertrag. Im Haus Malatesta lebt sie fortan an der Seite eines ungeliebten Mannes und stürzt sich in eine ambivalente Beziehung zu Paolo zwischen Wut und glühender Liebe. Francesca erscheint als Opfer und Täterin zugleich, als todessehnsüchtig Liebende und machtvolle Verführerin, der auch noch der dritte, sadistisch veranlagte Bruder der Familie erliegt. Das gesamte Potenzial dieser Frauenfigur entfaltet sich als widersprüchlicher und komplexer Charakter, zwischen Hingabe und zerstörerischen Kräften – immer auf der Suche nach dem eigenen Seelenfrieden, den Francesca erst im gemeinsamen Liebestod mit Paolo finden kann.

Die Produktion der Deutschen Oper Berlin entstand unter strengen Hygieneauflagen und täglichen Testungen der Beteiligten. So konnten Abstände reduziert und auf Mund-Nasen-Bedeckungen der Darsteller*innen verzichtet werden. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt in voller Stärke, ebenfalls durch Hygienemaßnahmen und tägliche Testungen abgesichert. Der Chor ist szenisch nicht eingesetzt, er wird live aus dem Orchesterprobensaal auf die Bühne übertragen.

Die Texte des Programmhefts dieser Produktion stehen auf der Landing Page der Deutschen Oper Berlin in Deutsch und Englisch zur Verfügung.

Francesca da Rimini

Tragedia in vier Akten und fünf Bildern von Riccardo Zandonai
Libretto von Tito Ricordi nach Gabriele D’Annunzios gleichnamiger Verstragödie
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer: 2 Stunden 40 Minuten (incl. einer Pause)

Musikalische Leitung: Carlo Rizzi
Regie: Christof Loy
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Olaf Winter
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

Besetzung:

Francesca: Sara Jakubiak
Samaritana: Alexandra Hutton
Ostasio: Samuel Dale Johnson
Giovanni lo Sciancato, genannt Gianciotto: Ivan Inverardi
Paolo il Bello: Jonathan Tetelman
Malatestino dall’Occhio: Charles Workman
Biancofiore: Meechot Marrero
Garsenda: Mané Galoyan
Altichiara: Arianna Manganello
Adonella: Karis Tucker
Smaragdi, die Sklavin: Amira Elmadfa
Ser Toldo Berardengo: Andrew Dickinson
Il Giullare, der Spielmann: Dean Murphy
Il Balestriere, der Armbrustschütze: Patrick Cook
Il Torrigiano, der Türmer: Thomas Lehman

Schauspieler: Jan Gerrit Brüggemann, Farouk El-Khalili, Hanno Jusek, Marcus Mundus, Andrea Spartà, Koray Tuna, Benjamin Werth, Nicolas Franciscus, Franz Gnauck, Kay Bretschneider, Paul Krügener, Lukas Lehner, Maximilian Reisinger, Pablo Nina Toculescu

Orchester und Chor der Deutschen Oper Berlin

deutscheoperberlin.de