Deutsche Erstaufführung von Franco Faccios Oper Hamlet im Opernhaus Chemnitz am 3. November 2018

Hamlet ~ Bregenzer Festspiele 2016 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Hamlet-Inszenierung von Regisseur Olivier Tambosi, kreiert für die Bregenzer Festspiele 2016, wurde als sensationelle Opern-Entdeckung gefeiert und wird nun als Deutsche Erstaufführung an der Oper Chemnitz herauskommen.

Die Handlung
Am Hofe des dänischen Königshauses wird der neue König Claudius gefeiert. Prinz Hamlet bewegen dunkle Gedanken über den Tod seines Vaters und die schnelle Heirat seiner Mutter mit Claudius, dem Bruder des verstorbenen Königs. Er kann seine dunkle Ahnung, dass Claudius seinen Vater ermordet und sich dessen Krone und Frau zu Eigen gemacht hat, nur schwer ertragen. Eine schicksalhafte Begegnung mit dem Geist seines Vaters bestätigt schließlich seinen Verdacht. Er erteilt seinem Sohn den Auftrag, seinen Tod zu rächen. Hamlet beginnt ein Spiel aus Rache, Blut und Tränen, bei dem er zunächst Ophelia, die ihm in Liebe zugeneigte Tochter des Hofmarschalls Polonius, barsch zurückweist. In einer Gruppe von Sängern, die zu Gast am Hof ist, sieht er die Möglichkeit, mit den Mitteln des Theaters den König zu entlarven. Er erbittet die Aufführung der Tragödie „Die schreckliche Ermordung König Gonzagas“, deren Erzählung den Geschehnissen rund um den Tod von Hamlets Vater gleicht. König Claudius ist entsetzt.

Hamlet beobachtet den von seinen Gewissensbissen gequälten König beim Beten, kann ihn aber nicht töten, da er im Gebet ermordet in den Himmel auffahren würde. Stattdessen stellt er seine Mutter, die Königin, zur Rede, die sich in höchster Bedrohung wähnt. Aus einem Versteck dringen Hilferufe, Hamlet sticht zu und tötet somit Polonius. Im Moment größter Erregung erscheint ihm erneut der Geist, der ihn an sein Versprechen erinnert. Überwältigt von den Ereignissen verfällt Ophelia dem Wahnsinn und nimmt sich schließlich das Leben. Auf ihrem Begräbnis verflucht Laertes, Ophelias Bruder, Hamlet. Dieser stürmt aus seinem Versteck, es kommt zur Konfrontation. Hamlet bekräftigt seine Liebe zu Ophelia.

Auf Einladung des Königs treffen sich Hamlet und Laertes zum Duell. Um Hamlet sicher zu töten, wurde Laertes‘ Degen vergiftet. Da aber Hamlet größeres Glück im Kampf beweist, steht ein Trank mit Gift für ihn bereit, aus dem aber die Königin trinkt. Zwar trifft Laertes seinen Kontrahenten mit dem vergifteten Degen, doch Hamlet kann auch ihn damit verletzen, sodass beide dem Tode geweiht sind. Im Angesicht der sterbenden Königin tötet Hamlet König Claudius, bevor er selbst zu Boden sinkt.


Shakespeares „Hamlet“
William Shakespeares „Hamlet“ hat in seiner ca. 415-jährigen Rezeptionsgeschichte eine Unmenge an literatur- und theaterwissenschaftlichen Reflexionen erfahren – so viele, dass, wie Jann Kott wiederholt zitiert wird, die gesamte Bibliografie rund um „Hamlet“ doppelt so umfassend wäre wie das Warschauer Telefonbuch. Die Komplexität der Tragödie sowie der Charakteristik des Protagonisten, die politischen und konfessionellen Hintergründe sowie das Geheimnisvolle, das dem Stück innewohnt, trugen stets zur Faszination bei.
„Hamlet“ gehört neben „King Lear“, „Othello“ und „Macbeth“ zum großen Tragödienquartett Shakespeares, das in seiner Art in der Weltliteratur einzigartig ist. 1603 erstmals erschienen, erfreute sich das Stück bereits beim zeitgenössischen Publikum großer Beliebtheit, wie die rasch nachgedruckten Ausgaben bezeugen können. Es entstand zwischen 1600 und 1602, parallel zu „Measure For Measure“, das eine ähnliche dunkle Grundstimmung aufweist.
Die Geschichte rund um eine Figur namens Hamlet ist vor Shakespeares Bearbeitung in anderen Quellen zu finden. So erzählt eine nordische Sage aus der „Historia Danica“ des Saxo Grammaticus von der Rivalität zweier Männer am dänischen Königshof, die sehr viele Elemente des späteren Shakespearschen Stücks aufweist. Darüber hinaus wurden 1576 die „Histoires Tragiques“ von François Belleforest veröffentlicht, die 1608 erstmals auf Englisch erschienen waren. Auch wenn letztere Schrift erst nach der Entstehung der Tragödie in Shakespeares Muttersprache erschienen ist, kann es sein, dass der Autor die Geschichte bereits auf Französisch gelesen hat. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich Shakespeare für sein Stück auf den sogenannten „Ur-Hamlet“ gestützt hat, ein Schauspiel, dessen Verfasser unbekannt ist, ab ca. 1580 sehr populär gewesen war und dem er viele Elemente für sein Werk entnommen haben könnte.

„Hamlet“ als Oper
Neben den zahlreichen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit Shakespeares „Hamlet“ inspirierte die Tragödie auch viele Künstler zu eigenen Adaptionen und Bearbeitungen. Neben bildkünstlerischen Auseinandersetzungen und Bearbeitungen für Ballett entstanden diverse Vertonungen wie die Opern von Ambroise Thomas und Francesco Gasparini, Franz Liszt‘ sinfonische Dichtung sowie zeitgenössische musikdramatische Werke. Aber auch eine italienische Vertonung des Stoffes entstand, die nach einer fulminanten Premiere allerdings durch eine weniger erfolgreiche zweite Inszenierung schnell in Vergessenheit geriet: Franco Faccios und Arrigo Boitos „Amleto“.

Franco Faccio und Arrigo Boito, Kommilitonen, die in den 1850er Jahren gemeinsam am Mailänder Konservatorium studiert hatten, verfolgten neben verschiedenen politischen Ideen eine Erneuerung der italienischen Musik. Ähnlich wie Wagner strebten sie eine Verbindung zwischen Leben und Kunst bzw. der verschiedenen Künste untereinander an. Als exemplarisches Werk sollte „Amleto“ gelten.

Faccio und Boito hielten sich überwiegend an die Shakespearsche Vorlage, mussten allerdings Straffungen und Streichungen in Handlung und Personage vornehmen, um das Stück für die Anforderungen der Opernbühne vorzubereiten. Musikalisch bietet sich von seelenvollem Pathos über tänzerische Zwischenspiele und elegisch-lyrische Passagen bis hin zu großen Chorszenen die ganze Palette italienischer Opernkunst.

Die Autoren, zur Entstehung des Werkes erst Anfang 20, schufen einen faszinierenden Operntext voll Sensibilität und poetischer Kraft – doch die Zeit schien trotz einer begeisterten Uraufführung 1865 in Genua noch nicht reif zu sein für ein Werk dieser Art. Nach einer zweiten Aufführung 1871 an der Mailänder Scala, bei der der Darsteller des Hamlet aus gesundheitlichen Gründen kaum singen konnte, verschwand es völlig in der Versenkung. Erst 2014 war es erstmalig wieder auf einer Bühne zu sehen – zunächst nur in den USA, zwei Jahre später mit ebenso sensationellem Erfolg in der Inszenierung von Olivier Tambosi bei den Bregenzer Festspielen, die der international gefragte Regisseur nun als Deutsche Erstaufführung auf die Chemnitzer Opernbühne bringen wird.

Hamlet
Oper von Franco Faccio, Libretto von Arrigo Boito
Eine Produktion der Bregenzer Festspiele 2016

Premiere im Opernhaus Chemnitz: 3. November 2018

Musikalische Leitung: Gerrit Prießnitz
Inszenierung: Olivier Tambosi
Choreografie: Ran Arthur Braun
Bühne: Frank Philipp Schlößmann
Kostüme: Gesine Völlm
Chor: Stefan Bilz

Besetzung:

Amleto: Gustavo Peña
Claudio: Pierre-Yves Pruvot
Polonio: Magnus Piontek
Orazio: Ricardo Llamas Márquez
Marcello: Matthias Winter
Laerte: Cosmin Ifrim
Ofelia: Tatiana Larina / Guibee Yang
Gertrude: Katerina Hebelkova
Geist / Priester: Noé Colín
Herold / König Gonzaga: Tommaso Randazzo
Königin: Ina Yoshikawa
Luciano / Erster Totengräber: André Eckert
u. a.

Chor der Oper Chemnitz
Elevinnen des Balletts Chemnitz
Statisterie
Robert-Schumann-Philharmonie

www.theater-chemnitz.de