»Der Zigeunerbaron« als »Show-in-der-Show« ~ Tobias Heyder inszeniert am Theater Magdeburg die Operette von Johann Strauß

Kann man Straußʾ opernhafteste Operette »Der Zigeunerbaron« mit all seinen Klischees und Rassismen, seinen »Zigeunern« und seiner Kriegsbegeisterung heute noch auf die Bühne bringen? Das Theater Magdeburg wagt es und vertraut auf Regisseur Tobias Heyder, der am Theater Magdeburg bereits höchst erfolgreich Mozarts Oper »Die Gärtnerin aus Liebe« und Händels »Xerxes« inszenierte. Premiere ist am Sa. 24. 10. 2020, 19.30 Uhr im Opernhaus.

In der Tat ist die Handlung der 1885 am Theater an der Wien in Wien uraufgeführten Operette heute eine echte Herausforderung: Ein Exilant – Sándor Barinkay – kehrt zurück in seine Heimat. Sein Vater hatte einst mit der türkischen Besatzungsmacht kollaboriert und nach deren Vertreibung allen Besitz verloren. Nun geht es gegen einen neuen Feind, und die ehemals Verfemten kommen in den Genuss einer Amnestie. Barinkay erhält die Ländereien seiner Familie zurück. Er muss jedoch feststellen, dass sich Nachbar Zsupán, ein Schweinezüchter, inzwischen großer Teile des Besitzes bemächtigt hat. Eine Ehe mit dessen Tochter Arsena würde den Konflikt lösen, aber Barinkay verliebt sich Hals über Kopf in die Zigeunerin Saffi. Mit ihrer Hilfe findet Barinkay einen alten Schatz, den sein Vater einst versteckte. Doch Saffi entpuppt sich als die verlorene Tochter des einstigen türkischen Statthalters der Region, eines Paschas. Barinkay, der sich als Bürgerlicher ihrer nicht würdig erachtet, lässt sich daraufhin als Soldat anwerben und zieht in den Krieg. Erst als er siegreich heimkehrt und für seinen mutigen Einsatz zum Baron erhoben wird, kann er Saffi standesgemäß entgegentreten.

Straußʾ Operette zählt zu den beliebtesten im europäischen Raum, vor allem aufgrund des musikalischen Reichtums des Werkes, in der praktisch jede Nummer ein Hit ist. Zwischen 2019 und 2021 gibt es allein 12 Neuproduktionen im europäischen Raum. Tobias Heyder verlegt die Vorgänge auf der Bühne in ein kleines Revuetheater, den »Club der drei Affen« und spielt mit den Erwartungen eines Publikums, das in der Operette unterhalten werden möchte und von problematischen Themen nichts hören, sehen und darüber nicht nachdenken bzw. reden möchte. In diesem Kellertheater (Bühnenbild: Pascal Seibicke) probt eine Theatertruppe lustvoll und auch kritisch die Show »Der Zigeunerbaron«. Bereits durch die Verlagerung der Operette in eine »Show-in-Show-Revue« wird die Handlung gebrochen. Dabei unterstützen unter anderem die Conférencière (Susi Wirth), eine Showtreppe und ein Tanzensemble diesen Showcharakter und die Doppelbödigkeit der Inszenierung.

In die Rolle des Exilanten Sándor Barinkay schlüpft Anders Kampmann, den das Publikum bereits in der Schauspielproduktion »Meisterklasse« als Schüler der Callas erleben konnte. Seinen Widersacher, den Schweinezüchter Zsupán, singt Stephanos Tsirakoglou, der in Magdeburg erstmals als Don Pasquale in der Spielzeit 2018/2019 zu erleben war. Marko Pantelić spielt den Grafen Peter Homonay, Benjamin Lee übernimmt die Partie des Ottokar. Als Arsena, Zsupáns Tochter, ist Hyejin Lee zu erleben, Emilie Renard und Karina Repova spielen alternierend Arsenas Gouvernante Mirabella, Katharina von Bülow gibt die Zigeunerin Czipra und Noa Danon singt sich als Saffi in das Herz von Barinkay. Die musikalische Leitung hat Pawel Poplawski, der für die Magdeburgische Philharmonie eine eigene reduzierte Orchesterfassung erstellt hat.


Der Zigeunerbaron

Operette in drei Akten

Von: Johann Strauß
Text von: Ignatz Schnitzer nach der Novelle »Saffi« von Mór Jókai

Premiere am Theater Magdeburg: 24. Oktober 20 (Opernhaus Bühne)

Musikalische Leitung: Pawel Poplawski
Regie: Tobias Heyder
Bühne: Pascal Seibicke
Kostüme: Janine Werthmann
Choreografie: Kerstin Ried
Dramaturgie: Thomas Schmidt-Ehrenberg
Choreinstudierung: Martin Wagner/Philipp Schweizer

Besetzung:

Conférencière/Conte Carnero: Susi Wirth
Graf Peter Homonay: Marko Pantelić
Sándor Barinkay: Anders Kampmann
Kálmán Zsupán: Stephanos Tsirakoglou
Arsena: Hyejin Lee
Mirabella: Emilie Renard/Karina Repova
Ottokar: Benjamin Lee
Czipra: Katharina von Bülow
Saffi: Noa Danon
Pali: Bartek Bukowski/Chan Young Lee

8 Tänzer*innen: Jacqueline Krell, Melania Mazzaferro, Lisa Radl, Emmy Louise Thomsen; Adriàn Sánchez Cancillo, Yael Shervashidze, Andrea Spartà, Lars Wandres

Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie
Statisterie


Premierenfieber: So. 11. Oktober, 11.00 Uhr Opernhaus Wagnerfoyer
Weitere Vorstellungen: Sa. 7. 11., So. 29. 11. 2020 sowie weitere Vorstellungen im Dezember, Januar, Februar, März und Mai 2021

Karten Premiere & weitere Vorstellungen:
zwischen 15 € und 34 € / ermäßigt zwischen 10 € und 24 €

Reservierung und Kauf an der Theaterkasse telefonisch: (0391) 40 490 490, online: theater-magdeburg.de oder per Mail: kasse@theater-magdeburg.de