Der September an den Landungsbrücken Frankfurt

Gier ~ Landunsgbrücken Frankfurt / Kortmann & Konsorten ~ © Niko Neuwirth

Der September an den Landungsbrücken Frankfurt steht eigentlich ganz im Zeichen des 2. Teils der Sarah Kane Werkschau. Aber die Landungsbrücken wären nicht die Landungsbrücken, wenn nicht noch zusätzlich alles mögliche andere auf dem Spielplan serviert würde.

So gehen im Kultursommergarten im eigenen Hinterhof die beiden Reihen KINDER KINDER und PLATTFORM PLATTFORM weiter, die jeweils sonntags entweder spannende Kinderstücke oder Performances in einer hoffentlich noch halbwegs spätsommerlichen Athmosphäre an der frischen Luft präsentieren.

In den Landungsbrücken Frankfurt stehen derweil 4 weitere Premieren an:

Premiere GESÄUBERT am 02. September 2021
von Sarah Kane // Regie: Sebastian Bolitz
Eine Produktion von pan productions im Rahmen von 20.21 KANE innen

Premiere GIER am 09. September 2021
von Sarah Kane // Regie: Sarah Kortmann
Eine Produktion von Kortmann&Konsorten im Rahmen von 20.21 KANE innen

Premiere 4.48 PSYCHOSE am 15. September 2021
von Sarah Kane // Regie: Mareike Buchmann
Eine Produktion von Mareike Buchmann/Fiel Impuks im Rahmen von 20.21 KANE innen

Premiere NIEMAND am 23. September 2021
Regie: Hannah Schassner
Eine Produktion von Hannah Schassner


Gesäubert

Gesäubert
Landungsbrücken Frankfurt / pan productions
© Niko Neuwirt

Von: Sarah Kane

Das Stück

Es ist dunkel. Und dann: Ein Licht, das schon bald wieder … Nebel steigt auf und wird räumlich im Schatten der Dunkelheit und … schafft einen Ort für das, was hinter Wänden geschieht: Hier tüftelt Tinker beflissen daran, die Liebe … zu verstehen. Oder: Das zu verstehen, was von der Liebe bleibt, wenn … ihr Körperteile und Leben geopfert wurden. Und da trotzdem nicht mehr ist als … Tinker ist es, der diese Wände aus Nebel hochgezogen hat, um seine eigenen einzureißen. In seiner Dunkelheit: Grace, die ihrem Bruder gleichen will, um ganz bei ihm zu sein. Graham, der in der Sucht das Sehnen zu ersetzen sucht. Robin, der mit dem kindlichen Glauben an die wahre Liebe beschenkt, die Angst vor der Zeit entwickelt. Die Frau, die namenlos bleiben muss, um als Sehnsuchtsort zu dienen und dem Schmerz ins Auge schaut. Carl, der durch die Liebe seine Sprache verliert. Und Rod, der durch seine Sprache die Liebe verliert … Die Liebe, die bleibt … die Liebe, die geht … die Liebe, die nie da war … die Liebe, die zu Gewalt wird … die Liebe, die ausgenutzt wird … Und dann, ganz im Nebel eingehüllt: Tinkers Versuch, überhaupt zu fühlen, oder einfach nur … Gesäubert erzählt viele und gleichzeitig nur eine Geschichte: die Geschichte von dem Gefühl, wahrhaftig fühlen zu wollen. Und in der Liebe die Projektionsfläche der eigenen Leere zu finden. In der Inszenierung von pan prodcutions agiert der Tüftler Tinker als Leiter einer Psychiatrie, die gleichermaßen zum Versuchslabor um die verschiedenen Formen und Grenzen der Liebe wird.

Brutal und liebevoll zugleich manipuliert Tinker im Nebel seiner großen Suche nach emotionaler Fülle die Figuren seines inneren Auges bis zum »Ich liebe dich«. Doch was bleibt noch von der Liebe, wenn die Projektionen Wunden werden? Was bleibt, außer Überresten von Körpern im Licht, das in der Dunkelheit zu seinem eigenen Schatten wird?

Die Inszenierung

Wie also nun in der Ästhetik von pan productions ein Stück inszenieren, das an sprachlicher, realer und psychischer Gewalt kaum zu übertreffen ist? Wie also den lieb gewonnen Kitsch, die Sehnsucht und das Atmosphärische finden in einer Geschichte, die nur mehr von amputierten Gliedmaßen erzählt, Vergewaltigung und der Angst vor dem langsamen Sterben? Die an Brutalität kaum zu überbieten ist, weil sie ihre Handlung einer Collage an schrecklichen Zeitungsartikeln entnimmt? pan productins erfüllt hierfür den Raum mit Nebel und Dunkelheit, begleitet die Figuren in ihrem Leid sensibel und langsam und findet mit ihnen den Ursprung aller Handlungen: das Scheitern an der Liebe. Einsamkeit begleitet diese Figuren, unterstützt durch ein Licht, das nur dort anzugehen vermag, wo eine*r gesehen werden muss, um zu verstehen, wie die Geschichte um die Suche nach Liebe weitergeht.


Premiere an den Landungsbrücken Frankfurt: 2. September 21

Eine Produktion von pan productions im Rahmen von 20.21 KANE innen.

weitere Termine: 07.11.//25.11.2021//26.01.//27.01.//09.02.2022, jeweils um 20:00 Uhr

Regie: Sebastian Bolitz
Dramaturgie: Hannah Schassner
Kostüme: Josephin Berger
Bühne: Hannah von Eiff
Fotos: Niko Neuwirth

Mit: Andreas Jahncke, Christoph Maasch, Eric Lenke, Marko Schmidt, Marlene Zimmer und Ole Bechtold


Gier

Von: Sarah Kane

Vier Körper, vier Münder, acht Beine, acht Arme, unzählige Facetten gefangen im Kreis. In Sarah Kanes viertem Stück GIER verflüchtigen sich Figuren in einer von ihnen scheinbar losgelösten, poetisch, explosiven Sprache. Dieser Herausforderung stellen sich die Darsteller Andreas Jahncke, Sven Marko Schmidt, Patrick Twinem und Gregor Andreska mit höchster körperlicher Konzentration. Ein Abarbeiten an der Textvorlage erfordert geistige Anspannung, Präzision und die Fähigkeit ständig in Charakteren, Haltungen und Situationen zu wechseln.

Sarah Kortmann inszeniert Sarah Kanes Originaltext, die Welt zu diesem Text schaffen Torsten Kauke (Musik), Nina Kömpel (Licht), Anna Hasche und Prisca Ludwig (Bühne).

C Es ist untragbar für mich, ich zu sein.
A Vor meinen Augen verlierst du deinen Verstand.
M In aller Stille ist er außer Kontrolle geglitten.
B Lass mich.
M Gehn.

Premiere an den Landungsbrücken Frankfurt: 9. September 21

Eine Produktion von Kortmann&Konsorten im Rahmen von 20.21 KANE innen.
weitere Termine: 10.09.//12.09.2021//11.02.2022

Regie: Sarah Kortmann
Dramaturgie: Lucia Primavera
Bühne: Prisca Ludwig
Kostüme: Anna Hasche
Musik: Torsten Kauke
Lichtdesign: Nina Kömpel
Körperarbeit: Sarah Kortmann, Katharina Wiedenhofer
Assstenz: Melissa Breitenbach
Foto: Niko Neuwirth

Mit: Andreas Jahncke, Gregor Andreska, Patrick Twinem, Sven Marko Schmidt

4.48 Psychose

4.48 Psychose
Landungsbrückn Frankfurt / Kortmann&Konsorten
Foto: De-Da Productions

Von: Sarah Kane

Das Stück

4.48 Psychose ist Sarah Kanes letztes Theaterstück, welches nach ihrem Suizid am 20. Februar 1999 posthum uraufgeführt wurde. Formal führt die Autorin hier radikal weiter, was sie in ihren vorherigen Stücken bereits erprobte. In diesem Text gibt es keine Personenbezeichnungen, keine Angabe über Anzahl oder Geschlecht der Darsteller:innen. Das ganze Stück beschreibt die Reise durch eine innere Landschaft, in der sich die Grenzen des Bewusstseins auflösen. Der Text besteht aus Selbstgesprächen, Anklagen, Gedankenfetzen, Hasstiraden, Erinnerungen, Sehnsüchten, Liebesbekundungen, Auflistungen von Medikamenten, Beschreibungen von Körperzuständen, Krankenblatteinträgen, Testergebnissen und mehr. All diese Themen schwirren wie Fraktale durch den Text: Poetisch, radikal, schonungslos, hoffnungsvoll, wütend und widerständig.

Der Zugang

Wie inszeniert man eine Psychose? Es war klar: Nicht als Erzählung einer persönlichen Krankheitsgeschichte. Stattdessen steht in der Inszenierung ein psychotischer Zustand im Mittelpunkt, der sich als Traum, Wahn und Realität in den Nischen und Ritzen der Körper, Sprache und des Raumes einnistet. Durch einen tänzerisch-performativen Zugang und einen eigens komponierten Soundtrack wird dem im Text angelegten Atmosphären und Bildern nachgespürt und Schicht für Schicht offengelegt. Die Bewegungssprache ist dabei stilisierte Langsamkeit auf- und abbrechender Gesten, in der sich hin und wieder unerwartete Energie bahnbricht. Die drei Performer:innen haben keine eindeutig zugewiesene Sprechrolle, vielmehr sprechen sie als ein Bewusstsein, dass viele Stimmen hat. Ein Ich, ein Du, ein Wir.

Premiere an den Landungsbrücken Frankfurt: 15. September 21

Eine Produktion von Mareike Buchmann/Fiel Impuks im Rahmen von 20.21 KANE innen
weitere Termine: 16.09.//19.09//21.10.//24.10.2021//12.02.2022

Mit: Constantin Orth, Jessica Pfrengle, Lisa Schaar
Regie und Choreografie: Mareike Buchmann
Dramaturgie: Robert Krajnik
Sound: Mirko Danihel
Kostüm: Julia Graf
Büühne: Theresa Lawrenz
Fotos: De-Da Productions
Licht: Mareike Buchmann & Robert Krajnik


NIEMAND

Niemand
Landungsbrücken Frankfurt
© Christian Schuller

Eine paradiesische Groteske

Von: Hannah Schassner

Die eine und der andere. Der eine und die andere. Paradiesische Freiheit. Macht über Raum, Zeit und Licht: Die Möglichkeit, sich auszuleben, die Möglichkeit, zu gestalten, die Möglichkeit, sich gegenseitig zu erschaffen, die Möglichkeit, zu gehen. Niemand hat ihnen gesagt, wieso sie heute hier stehen, sprechen, ihr Innerstes nach Außen kehren und von ihrem Leben erzählen sollen.
Niemand schreibt ihnen diese paradiesische Menschheitsgeschichte, in die sie sich einfach selbst nur einschreiben müssen. Niemand hat ihnen gesagt, wie das funktioniert. Ist Niemand denn niemand?
Niemand beschäftigt sich mit der Macht des einen über die andere und der Macht der einen über den anderen. Niemand beschäftigt sich mit den unbegrenzten Möglichkeiten der unbegrenzten Möglichkeiten in einem Raum voller unbegrenzter Möglichkeiten. Niemand beschäftigt sich mit dem Leben, das die eine oder der andere und der eine und die andere leben könnten, würde Niemand ihnen sagen, wo das Paradies endet.
Niemand ist ab September in den Landungsbrücken. Du auch?

Premiere an den Landugsbrücken Frankfurt: 23. September 21

Eine Produktion von Landungsbrücken Frankfurt
Weiterer Termin: 24.09.21

Regie/Text: Hannah Schassner
Dramaturgie: Ole Bechtold
Bühnenbild: Anna Hasche
Kostümbild: Marijke WehrmannK
Fotografie: Christian Schuller

Mit: Léa Zehaf & Julius Ohlemann


KINDER KINDER: FIGURENTHEATER

Kultursommergarten in der Milchsackfabrik
So., 19.09.21, 11:00 Uhr

Eine Produktion von FIGURENTHEATER EIGENTLICH.


Figurentheater Eigentlich:
SIEBEN GEISSLEIN (…und der Wolf)
Vicky, das Kleinste von SIEBEN GEISSLEIN ist mittlerweile groß und erinnert sich an das größte Abenteuer ihrer Kindheit: DER BÖSE WOLF versuchte sie zu fressen, doch MAMA Geißlein rettet sie alle…
Ausgezeichnet mit dem Frankfurter Kinder- u. Jugendtheaterpreis Karfunkel 2014.

Regie: Susanne Olbrich
Spiel, Puppen & Ausstattung: Birte Hebold
Bühnenbau: Natalia Haagen


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