Der Opernsänger William Cochran ist am Sonntag verstorben

William Cochran (1943 - 2022; Foto: privat)

Der US-amerikanische Opernsänger William Cochran ist am 16. Januar 2022 im Alter von 78 Jahren in seiner Wohnung in Königstein im Taunus gestorben. Das teilte die Familie des Verstorbenen mit.

Seit Anfang seiner international beachteten Karriere trat William Cochran als Heldentenor regelmäßig in den bedeutendsten Opernhäuser Nord- und Mittelamerikas sowie Europas und Asiens auf.

Nachdem er mit 24 Jahren bereits viele der bedeutendsten Gesangs-Wettbewerbe der Vereinigten Staaten – u.a. als erster Co-Preisträger des Lauritz Melchior Heldentenor Foundation Grant – gewonnen hatte, begann der Schüler Lotte Lehmanns seine Karriere 1969, als er an den „New York Metropolitan Opera Auditions“ teilnahm und ihn Sir Rudolf Bing noch vor dem Halbfinale dieses Wettbewerbs als „Jugendlicher Heldentenor“ an die Metropolitan Opera berief. Ein bis dato einzigartiger Vorgang in der Geschichte der Met.

Der 1943 geborene Sänger kam 1969 nach Europa, wo er Mitglied des Ensembles der Oper Frankfurt am Main unter Christof von Dohnanyi und regelmäßiges Mitglied der Bayerischen Staatsoper in München wurde. Es folgten regelmäßige Engagements an den bedeutendsten Opernbühnen der Welt (z.B.: Metropolitan Opera New York, San Francisco Opera, Royal Opera Covent Garden London, Nationaloper Amsterdam, Opéra Nationale de Paris, La Monnaie Brüssel, Opernhaus Zürich, Wiener Staatsoper, Berliner Staatsoper, Staatsoper Hamburg, u.v.m.).

Sein Repertoire umfasste mehr als 60 Opern, darunter alle Heldentenor-Partien Richard Wagners, aber auch – und da lag seine künstlerische Vorliebe – Charakterrollen zeitgenössischer Opern. Große Erfolge feierte er auch mit Hauptrollen wie beispielsweise in Leos Janaceks Oper „Jenufa“ sowie in Benjamin Brittens Opern. Als „Peter Grimes“ in Willy Deckers Inszenierung der Brüsseler Oper brillierte er 1997 auch am Teatro Real in Madrid. Auch in der Düsseldorfer Oper am Rhein trat er langjährig auf, wie beispielsweise in Schrekers „Die Gezeichneten“ (1987), aber auch in Operetten Jacques Offenbachs, die seinem schauspielerischen und komödiantischen Talent entgegenkamen. Denn auf die Qualität des Schauspielerischen in der Operndarstellung legte William Cochran größten Wert. Zu erleben war das unter Ruth Berghaus‘ epochaler Inszenierung von Wagners „Ring“-Zyklus (1985-1987) in Frankfurt eindrucksvoll. „Technisch ist die deutsche Sängerausbildung nach wie vor hervorragend“, sagte William Cochran 2002 gegenüber der dpa, „aber den Ausschlag für den Erfolg gibt das Charisma der Sängerin oder des Sängers. Es kommt auf den letzten Schliff an.“

Aufnahmen und Preise

Bekannt wurde William Cochran auch durch Film-, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen sowie mit zahlreichen Schallplatten, wie der erste Akt aus „Die Walküre“ (Richard Wagner/EMI) unter Otto Klemperer und „Doktor Faustus“ (Ferruccio Busoni/DGG) mit Dietrich Fischer-Dieskau unter der Leitung von Ferdinand Leitner. (Diese Aufnahme gewann den „Grand Prix du Disque“ 1971.) Zu erleben war der Sänger auch in Fernseh- und Rundfunk-Aufnahmen mit Dirigenten wie Leonard Bernstein, Claudio Abbado, Richard Kubelik, Bernard Haitink, Wolfgang Sawallisch und vielen mehr.

Für sein Wirken erhielt William Cochran zahlreiche Kritikerpreise.

1991 wurde ihm der Ehrentitel „Kammersänger“ verliehen und Frankfurt am Main ehrte ihn mit der „Harlekin“-Trophäe der Frankfurter Volksbühne. Im Jahre 1997 wurde Cochran mit dem Binding-Kulturpreis zur Ehrung seiner herausragenden, kulturellen Leistungen als integraler Bühnenkünstler und als Verkörperung des Frankfurter Musiktheater-Stils ausgezeichnet. „(..)Dass das Gesamtkunstwerk Oper in diesen dreißig Jahren so bewegend und so oft zustande gekommen sei, habe man in hohem Maße auch William Cochran zu verdanken (..).“, zitierte die „FAZ“-Sonntagszeitung die Begründung zur Preisverleihung am 22.06.1997.

Seine Bühnenkarriere fand 2001 durch einen Unfall ein jähes Ende, das ihn am Vorabend der Uraufführung der Oper „Re in Ascolto“ von Luciano Berio, deren Hauptrolle er singen sollte, ereilte. Mit den Folgen des Unfalles hatte er bis zuletzt zu kämpfen.

Die Zeit nach seiner aktiven Karriere widmete William Cochran der musikalischen Bildung junger Sänger*innen und dem Ziel, Kinder in den Schulen möglichst früh an die spezifische Kunstform Oper heranzuführen. Mit dem unter der Schirmherrschaft des Hessischen Kultusministeriums und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst stehenden und geförderten Projekt „Oper in die Schule!“ erreichte er von 2004 bis 2008 überregional etwa 10.000 Schüler*innen in Grund- und weiterführenden Schulen. William Cochrans Wirken und das Projekt mit Studierenden der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wurde 2004 von dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau mit dem Förderpreis INVENTIO ausgezeichnet.

Die Frankfurter Oper ehrte ihn zu seinem 70. Geburtstag mit den Worten: „William Cochrans szenische Sprengkraft, das unverkennbare stimmliche Idiom und die strahlende Durchschlagskraft seiner hohen Spitzentöne erzeugten das, was man im Theater als „magischen Moment“ bezeichnen könnte.“

William Cochran hinterlässt vier Kinder aus erster Ehe, acht Enkelkinder sowie seine Lebensgefährtin und Familie.