Das Staatstheater Mainz ist wieder im Spiel ~ Vorstellungen ab 30. Mai

Tage des Verrats ~ Staatstheater Mainz ~ Vorabfoto ~ © Andreas Etter

Ab Ende Mai dürfen nach Beschluss der Landesregierung die Theater in Rheinland-Pfalz ihre Türen öffnen. Das Staatstheater Mainz arbeitet mit Hochdruck daran, unter allen Sicherheitsauflagen in den Wochen bis zur Sommerpause einen anregenden und allen Beteiligten gegenüber zu verantwortenden Spielplan anzubieten.
Karten für alle Vorstellungen gibt es ab dem 27. Mai, ab dann ist auch die Theaterkasse wieder physisch zu den gewohnten Zeiten geöffnet.


Gerade Kindern und Eltern wird derzeit einiges abverlangt. Darum wurde sich ganz bewusst dafür entschieden, mit einer Familienvorstellung das Sonderprogramm zu eröffnen – ab dem 30. Mai wird im Kleinen Haus Der Bärbeiß gespielt. Und natürlich hat die grummelige Hauptfigur so ihre ganz eigene Meinung zur Lage der Dinge.
Mit Krabat wird zudem noch ein weiteres Stück für Kinder und Jugendliche angeboten, die berüchtigte Mühle im Koselbruch ist zwar unheimlich, aber immerhin groß genug, um allen Darsteller*innen den nötigen Abstand einräumen zu können.

Dem großen Einsatz und Engagement des Teams und Ensembles um K.D. Schmidt ist es zu verdanken, dass doch noch in dieser Spielzeit eine Premiere im Schauspiel stattfinden wird. Gemeinsam haben sie in den letzten Wochen einen künstlerischen Weg gefunden, Tage des Verrats so zu inszenieren, dass es keine hygienischen Einwände geben kann. Moralisch allerdings bleiben die handelnden Figuren in diesem Stück über Macht und Politik absolut fragwürdig. Ab dem 7. Juni ist das Publikum eingeladen, sich das im Kleinen Haus anzusehen.

Mit Abstand am leidenschaftlichsten dürften im Sonderspielplan die Vorstellungen von Werther im Großen Haus sein. Im Kleinen Haus heißt es Abschied nehmen von Ramstein Airbase – Game of Drones. Außerdem fragt sich Vincent Doddema passend zu Gesamtlage Was denn da fehlt oder Wie ich im Internet Foucault kennen lernte.

Der Tanz stellt alle vor besondere Herausforderungen, denn Nähe zu vermeiden und dennoch aufregendes Tanztheater zu zeigen, verlangt viel Einfallsreichtum und künstlerische Offenheit. Das Staatstheater Mainz freut sich darum riesig, dass Pierre Rigal, der Choreograf von Welcome Everybody, seine durch Corona zusätzlich entstandene Zeit mit dem tanzmainz-Ensemble genutzt hat, um eine völlig neue Kreation zu entwickeln! Künstlerisch gesehen, sind Soli derzeit das Gebot der Coronastunde und so kommen die Zuschauer*innen in den Genuss einer besonderen Produktion, die es nicht gegeben hätte, wenn aus der erzwungenen Pause nicht neue Kreativität entstanden wäre. Konsequenterweise heißt das Stück auch so: Extra Time wird am 14. Juni im Großen Haus uraufgeführt!

Generalmusikdirektor Hermann Bäumer und das Philharmonische Staatsorchester (in reduzierter Besetzung) freuen sich ebenfalls auf ihre Rückkehr ins Große Haus: Sie laden ein zum Sinfoniekonzert mit Werken von Ludwig van Beethoven und Josef Suk, die Solovioline spielt Naoya Nishimura.

Schauspiel, Tanz und Konzert sind damit wieder im Spiel und natürlich soll auch so bald wie möglich das Musiktheater die Bühne zurückerobern. Die Oper stellt allerdings die komplexeste Aufgabe dar und hier heißt es darum noch, die weiteren Entwicklungen und Vorgaben abzuwarten – die dann umgehend umgesetz werden.

Alles anders im Zuschauerraum – „Machen Sie es sich bequem!“

In diesen Tagen wird der Zuschauerraum des Kleinen Hauses umgestaltet. Die verordnete Distanz wird für mehr Gemütlichkeit genutzt ! Viele haben in den letzten Wochen ihr Zuhause neu eingerichtet. Das Staatstheater bietet allen ausrangierten Sofas einen Ehrenplatz im Kleinen Haus! Nach gründlicher Reinigung und Desinfektion wird es zum Zuschauermöbel, sodass die Besucher*innen ebenso bequem wie geschützt eine völlig neue Theatererfahrung machen können. Wer sein Sofa (nur Ein- und Zweisitzer) oder Sessel dem Theater spenden möchte, schickt bitte ein Foto und die ungefähren Maße an kommunikation@staatstheater-mainz.de. Die Kolleg*innen melden sich und holen das Sofa ins Theater. Außerdem werden alle edlen Spender*innen zur Generalprobe von Tage des Verrats eingeladen, die sie dann vom eigenen Sofa aus verfolgen können.

Theater – aber sicher

lm Zuschauerraum, in den Foyers, auf und hinter der Bühne: Die große Freude, wieder spielen zu können, geht einher mit einem ebenso großen Verantwortungsgefühl. Um alle Beteiligten zu schützen, wurden umfangreiche Maßnahmen getroffen. Und einiger theatraler Ehrgeiz gilt dem Ziel, in nötigen Vorkehrungen kreatives Potenzial zu entdecken. Denn Humor und Phantasie sind keine schlechten Waffen gegen das Virus.

Dank an die Abonnent*innen

Ein besonders großer Dank der Theaterleitung und aller Kolleginnen und Kollegen im Staatstheater geht ausdrücklich an die Abonnentinnen und Abonnenten – für zahlreiche Zeichen der Solidarität und für die große Treue. Wer ein Abo hat, ist in nächster Zeit mit einem Vorkaufsrecht klar im Vorteil: Aufgrund der Beschränkungen wird es weit weniger Plätze im Zuschauerraum geben, diese dürften sehr begehrt sein. Für Abonnent*innen ist in jeder Vorstellung ein Kontingent reserviert!

Dass wir in verrückten Zeiten leben, gerinnt bereits zur Phrase. Und doch ist zu erwarten, dass all das, was gerade passiert, uns im Wortsinne verrücken wird. Denn es macht etwas mit unserer Gesellschaft. ln die anfängliche Utopie einer in der Not entstehenden neuen Gemeinsamkeit kommen erste Risse, wenn wir nicht sehr aufpassen, vertiefen sie sich und teilen die Welt in Gewinner und Verlierer. Die wirtschaftlichen Folgen treffen uns unterschiedlich hart und Schuldige werden gesucht. Die Verächter der Demokratie harren ihrer Stunde. Das Staatstheater Mainz ist sind darum sehr froh, dass, auch wenn vieles anders sein wird als vorher, wieder im Theater mit Publikum zusammen sein zu können. Um miteinander ins Gespräch zu kommen, um die Geschichten auf der Bühne als das nehmen, was ihre wichtigste Kraft ausmacht: Anlass zur Auseinandersetzung mit uns selbst und mit der Frage, wie wir, auch in verrückten Zeiten, aufrichtig und gut miteinander leben können. „Wir sind wieder im Spiel!“

staatstheater-mainz .de


Sonderspielplan Juni 2020:

Der Bärbeiß (Anette Pehnt)
Inszenierung: Jule Kracht
30., 31.5., 1., 21. und 28.6. sowie 5.7., jeweils 15 Uhr (Kleines Haus)

Was denn da fehlt oder Wie ich im Dating Portal Foucault kennen lernte (von und mit Vincent Doddema)
9., 14. (18 Uhr), 15., 22. und 27.6., jeweils 19.30 Uhr (Kleines Haus

Tage des Verrats (Beau Willimon)
Inszenierung: K.D. Schmidt
Premiere: 7.6. (18 Uhr), weitere Vorstellungen: 10., 11. (18 Uhr), 12., 17., 20. und 25.6. sowie 2.7., jeweils 19.30 Uhr (Kleines Haus)

Extra Time (UA)
Tanzstück von Pierre Rigal
Premiere: 14.6. (18 Uhr), weitere Vorstellungen: 16., 17., 21. (18 Uhr), 22., 24., 25.6. sowie 4. und 5.7. (18 Uhr), jeweils 19.30 Uhr (Großes Haus) * mehr Info *

Werther (nach dem Briefroman von Johann Wolfgang von Goethe)
Inszenierung: Brit Bartkowiak
15., 18., 26., 27. und 29.6. sowie 3.7., jeweils 19.30 Uhr (Großes Haus)

Sinfoniekonzert
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
19., 20.6. und 28.6. (18 Uhr), jeweils 20 Uhr (Großes Haus)

Krabat (nach Otfried Preußler)
Inszenierung: Markolf Naujoks
23.6. und 1.7., jeweils 19.30 Uhr (Kleines Haus)

Ramstein Airbase (UA)
Game of Drones – reloaded, Trump Edition (Jan-Christoph Gockel)
19., 24.6. und 4.7., jeweils 19.30 Uhr (Kleines Haus)