Das Schauspiel Frankfurt verabschiedet sich in die Sommerpause

»Öl!«, »Nach Mitternacht«, »Michael Kohlhaas« und »Im Herzen tickt eine Bombe« ab September auf dem Spielplan

Torsten Flassig (Foto: Alexandra Polina)

Das Schauspiel Frankfurt verabschiedet sich mit den heutigen Vorstellungen »Andorra« von Max Frisch und »Eternal Peace« von Alexander Eisenach in die Sommerpause. Die Theaterkasse ist noch bis 24. Juli, der Telefonische Vorverkauf noch bis 25. Juli erreichbar.

Ab 30. August ist das Haus wieder aus den Theaterferien zurück. Aufgrund der noch nicht absehbaren pandemischen Entwicklungen und Vorschriften und im Sinne einer besseren Planbarkeit beginnt der Vorverkauf für alle Vorstellungen für September und Oktober erst am 10. September.

Mit der Premiere »Öl!« nach Upton Sinclair und in der Regie von Jan-Christoph Gockel eröffnet das Schauspiel Frankfurt am 16. September im Schauspielhaus die neue Spielzeit 2021/22.

»Nach Mitternacht« ist Irmgard Keuns großer Frankfurt-Roman, den sie 1936 im Exil veröffentlichte. Die bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus wird inszeniert von Barbara Bürk, die in Frankfurt in der Spielzeit 2019/20 »Am Südhang« auf die Bühne brachte. Premiere ist am 17. September.

Mit Heinrich von Kleists wohl bekanntester Erzählung und der Figur eines Privatmanns, der zum politisch Handelnden, zum Rächer wird und dabei auch Unrecht schafft, kehrt Felicitas Brucker nach »Die Ratten« mit »Michael Kohlhaas« am 19. September zurück nach Frankfurt und ins Schauspielhaus.

In »Im Herzen tickt eine Bombe« erzählt der preisgekrönte libanesisch-kanadische Autor Wajdi Mouawad von einem jungen Mann, dessen Erfahrungen sich in vielen Biografien wiederholt: Flucht, Migration, Kriege. Premiere ist am 26. September in der Box.


Caroline Dietrich
Foto: Alexandra Polina

»Öl!« nach dem Roman von Upton Sinclair

Premiere am 16. September 2021, 19.30 Uhr, Schauspielhaus
Es glänzt und klebt: Öl! Aus dem »schwarzen Gold« entsteht Anfang des 20. Jahrhunderts ein neues Menschheitszeitalter. Dass der Traum von Reichtum und Macht durch Öl Realität werden kann, zeigt die Geschichte des ehrgeizigen und gerissenen Erdölmagnaten J. Arnold Ross in Upton Sinclairs Roman »Öl!« aus dem Jahr 1926. Dessen Imperium hat auch schon einen Erben: Doch sein Sohn Bunny ist anders als Ross. Je älter er wird, umso mehr widern Ausbeutung und Bestechung den idealistischen Bunny an. Während sein Vater auf dem Weg ist, Hollywood zu einem weiteren Baustein seines Erfolges einzukassieren, gerät Bunny mit seinem Idealismus zwischen die Fronten von Glamour und Politik, Glaube und Kapital, seinen eigenen Privilegien und den Sympathien gegenüber der Arbeiterschaft.


Jan-Christoph Gockel bearbeitet Sinclairs Epos, das unter dem Titel »There Will Be Blood« verfilmt wurde. »Öl!« verbindet einprägsam das dreckige Geschäft um den Rohstoff, die Ausbeutung der Natur und die Auswüchse des größenwahnsinnigen Kapitalismus.

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Matthias Grübel
Video: Eike Zuleeg
Dramaturgie: Katrin Spira

Mit: Caroline Dietrich, Torsten Flassig, Wolfram Koch, André Meyer, Lotte Schubert, Andreas Vögler
Live-Video: Benjamin Lüdtke, Eike Zuleeg

Die nächsten Vorstellungen 20./22./23. und 30. September 2021, jeweils um 19.30 Uhr


Christina Geiße
Foto: Alexandra Polina

»Nach Mitternacht« nach Irmgard Keun

Premiere am 17. September, 20.00 Uhr, Kammerspiele

»Nach Mitternacht« ist Irmgard Keuns großer Frankfurt-Roman: Es ist das Jahr 1936. Adolf Hitler ist am Opernplatz. Vom Balkon des Cafés Esplanade sehen Sanna und ihre Freundin Gerti seinem Aufmarsch zu, der die ganze Stadt blockiert. Sanna versteht die fieberhafte Hysterie nicht. So wenig wie die Tatsache, dass Gerti nicht mit Dieter Aaron tanzen darf, weil es »Rassengesetze« gibt, Sannas Bruder Alois, ein bisher angesehener sozialkritischer Schriftsteller plötzlich Bücher schreibt, die auf der Liste der verbotenen Bücher stehen, und ihre eigene Tante Adelheid sie denunziert, weil sie sich weigert, sich im Radio von Göring beschimpfen zu lassen. Irmgard Keuns Roman ist eine bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus. Keun veröffentlichte ihren Roman im Frühjahr 1936 im Exil. Eine Zeit lang lebte, schrieb und trank sie mit Joseph Roth. Und kehrte dann mit falschem Pass nach Deutschland zurück, um in der Nachkriegszeit das Fortleben des deutschen Ungeistes zu geißeln.


Regie:
Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Musik: Markus Reschtnefki
Dramaturgie: Julia Weinreich

Mit: Christina Geiße, Christoph Pütthoff, Michael Schütz, Melanie Straub, Wolfgang Vogler, Uwe Zerwer
Live-Musik: Markus Reschtnefki

Die nächsten Vorstellungen: 18. /26. September, 3. Oktober 2021


Stefan Graf
Foto: Alexandra Polina

»Michael Kohlhaas« nach Heinrich von Kleist

Premiere am 19. September 2021, 18.00 Uhr, Schauspielhaus

Ein Pferdehändler wird von den Mächtigen schikaniert, scheitert in seinen Versuchen, sich auf legalem Weg Recht zu verschaffen, und greift zur blutigen Selbstjustiz: Heinrich von Kleists wohl bekannteste Erzählung handelt vom Geworfen-Sein des Menschen in ein Spannungsfeld sich stetig verschiebender Ordnungen von Macht und Recht. Die Figur des Bürgers als Rächer markiert hierin eine katastrophale Leerstelle: In der Überlagerung verschiedener Systeme von Recht und Gerechtigkeit entstehen zwischen Selbst und Welt Paradoxien, »gordische Knoten«, die sich nur in gewaltsamer Handlung zerschlagen zu lassen scheinen. Gibt es eine Gerechtigkeit, die sich der Willkür des Staates entzieht? Die Wunde, die Kohlhaas und seine Welt verbindet und sie zugleich zu Todfeinden macht, heilt nur durch Zerstörung. So entsteht ein Vexierbild: Der Rächer schafft Recht und Unrecht zugleich.

Regie: Felicitas Brucker
Bühne und Kostüme: Viva Schudt
Video/ Animation: Luis Krawen
Musik: Mark Badur
Dramaturgie: Alexander Leiffheidt

Mit: Stefan Graf, Sarah Grunert, Nils Kreutinger, Annie Nowak, Matthias Redlhammer, Sebastian Reiß
Die nächsten Vorstellungen 26./29. September und 3. Oktober 2021

schauspiel-frankfurt.de