Das moers festival verkündet die 16. Improviser in Residence

Recursion (© Tobias Müller)

Das Improviser in Residence-Jahr 2022 endet, wo es begonnen hat: im Moerser Schloss. Ihr letztes Konzert als Moerser Stadtmusikerin spielte Tomeka Reid gestern Abend im voll besetzten Rittersaal.

Als Tomeka Reid im Januar 2022 im Puppenmuseum startete, trugen alle, wie sie am Ende des gestrigen Konzerts feststellte, noch Mundschutz. Umso bewegter sei sie, dass sie im Laufe des Jahres ihr Publikum zunehmend wieder „sehen“ konnte.

Das Konzert selbst war der beste Beweis dafür, wozu Improvisation fähig ist, als im ersten Teil des Konzerts das venezolanische Duo Jianma Trujillo (Gitarre) und Leonor Falcón (Viola) spielte. Als der Gitarrenverstärker von Trujillo kurzerhand den weihnachtlichen Geist aufgab, improvisierte Falcón an der elektronisch manipulierten Bratsche einfach weiter, während ihr Duettpartner in aller Ruhe den Gitarrenverstärker austauschte. Im zweiten Teil gesellte sich dann Tomeka Reid dazu, neben der spontan als Überraschungsgast dazugekommenen Gunda Gottschalk aus Wuppertal an der Viola.

Tomeka Reid gab bei ihrem letzten Konzert wirklich alles. Ein intensives, sich verdichtendes Saitenquartett lotete die klanglichen Möglichkeiten der Instrumente im Rittersaal aus und das Quartett spielte den grandiosen Abschluss des Jahres.

Am Ende überreichten Tomeka Reid und Michael Schroer, Vorsitzender der moersfriends an Georg Kresimon, Leiter der Moerser Musikschule, und Anke van den Bosch, Vorsitzende des Föderkreises der Moerser Musikschule, einen symbolischen Scheck über 1.516 EUR zur Förderung von jungen Menschen, die sich sonst das Erlernen von Instrumenten nicht leisten können. Der Betrag stammt aus den gesammelten Spenden der Residenzkonzerte und wurde von den moersfriends verdoppelt. Dieser Betrag war Tomeka Reid besonders wichtig. Ohne Förderungen und finanzieller Unterstützung, so Reid, hätte sie selbst nie eine so tolle Ausbildung am Cello genießen können. Dies möchte sie hiermit weitergeben.

Tomeka Reid bedankte sich in mittlerweile sehr gutem Deutsch bei allen Beteiligten. Es sei großartig gewesen, so willkommen geheißen zu werden. Während ihres intensiven Residenzjahres habe sie sehr viele Konzerte gespielt und viel gelernt, aber auch zahlreiche Spaziergänge im Moerser Stadtpark gemacht, Eis gegessen und gemeinsam mit ihrem Mann David die Gegend erkundet. So sei denn auch der Abschied von Moers sehr emotional und sie genieße diese letzten Momente, bevor es nun zurück nach Chicago gehe.

Nahtlos wurde dann am heutigen Tag zur Pressekonferenz der Improviser in Residence 2023 bekanntgegeben. Das Übergabekonzert des alten und neuen Improviser in Residence wird am 22. Januar 2023 um 19 Uhr stattfinden. Tomeka Reid wird dann im Rahmen einer Europa-Tour nochmals nach Moers kommen und den Staffelstab musikalisch an Recursion vergeben.

Die Entscheidung für das Kollektiv Recursion, das sich bereits in den letzten beiden Ausgaben des moers festivals mit herausragenden Projekten präsentierte, fiel in diesem Jahr bewusst vor dem Hintergrund der Nachwuchsförderung und der Realisierung von Formaten, die vor allem junge Menschen erreichen. Das in 2019 von den Musikern und Klangkünstlern Christopher Retz, Steven Koch und Jan Krause gegründete Kunst- und Klangkollektiv „Recursion“ ist ein Gewächs der Region, das ganz wesentlich durch das moers festival geprägt und sozialisiert wurde. Recursion verfolgt das Ziel, experimentelle Kunst und Musik in der Region zu etablieren. Das Hauptaugenmerk der drei neuen Improviser in Residence ist daher die Vermittlung einer Niedrigschwelligkeit beim Kreieren von Musik und Kunst. Das Publikum bzw. die Bewohner*innen von Moers und Umgebung sollen animiert werden, selbst kreativ tätig zu werden, sich am Prozess zu beteiligen oder sogar selbstständig Kunst- und Kulturveranstaltungen zu realisieren. Speziell junge Menschen sollen eingebunden und angesprochen werden, sodass die Entwicklung einer lokalen Szene weiter vorangetrieben werden kann. Dabei spielen zum einen ungewöhnliche Formate wie bspw. ein Dunkelkonzert oder ungewöhnliche Spielorte wie bspw. im Bus der Linie 921 eine besondere Rolle. Zum anderen ermöglichen Formate wie das „Open House“ in der Kleinen Allee 10 Zugang und Nähe mit dem Kollektiv und ihren Gästen herzustellen.

Das Kollektiv hat in den vergangenen drei Jahren bereits mit zahlreichen namhaften Künstler*innen der Szene wie bspw. Richard Scott, Mariá Portugal und weiteren ehemaligen Improviser in Residence zusammengearbeitet und wird diese Zusammenarbeit im Laufe des Residenzjahres ausweiten und intensivieren. Selbsterklärte Aufgabe von Recursion ist es, das Konzept des Improviser in Residence noch viel stärker im Stadtbild zu verankern. Damit unterstützen Recursion genau das Vorhaben des Festivalteams um Jeanne-Marie Varain und Tim Isfort die Tür für junge Leute zum moers festival zu öffnen.

Das Projekt des Improviser in Residence wird von der Kunststiftung NRW, der Stadt Moers und dem moers festival realisiert.

moers-festival.de