Das Förderstipendium 2021/22 der Kunststiftung DZ BANK ist vergeben

Einstimmige Entscheidung der Jury für Jens Klein und Anja Manfredi

© Gordon Johnson auf Pixabay

Die Kunststiftung DZ BANK hat erneut zwei Arbeitsstipendien an herausragende Nachwuchskünstler vergeben, deren Schaffensprozess maßgeblich vom Fotografischen geprägt ist. Einstimmig kam die Jury zu dem Ergebnis, dass die eingereichten Projektideen von Jens Klein und Anja Manfredi aus 50 eingegangenen Bewerbungen am stärksten überzeugten. Zu den ersten fünf Kandidaten der Auswahl zählen zudem Lilly Lulay, Karina Nimmerfall und Valter Ventura.

Die Kunststiftung DZ BANK vergibt alle zwei Jahre ein Projektstipendium an Künstlerinnen und Künstler, die sich – analog zum Schwerpunkt der Sammlung – mit fotografischen Ausdrucksformen im weitesten Sinne auseinandersetzen. Mit dem Stipendium soll der Preisträgerin Anja Manfredi und dem Preisträger Jens Klein die Möglichkeit geboten werden, ein Jahr lang intensiv an ihren eingereichten künstlerischen Projekten zu arbeiten. Im Herbst 2022 werden die neu entstandenen Arbeiten gemeinsam mit ausgewählten Werken von Lilly Lulay, Karina Nimmerfall und Valter Ventura in der Kunststiftung DZ BANK zu sehen sein. Alle in der Ausstellung gezeigten Werke werden für die Kunstsammlung der DZ BANK erworben. So kommt das Stipendium nicht nur den Preisträgerinnen und Preisträgern zugute, sondern auch drei weiteren Kunstschaffenden, die durch den Ankauf gefördert werden.


Jens Klein
Foto: Stefan Schreiber

In seiner künstlerischen Praxis beschäftigt sich Jens Klein (* 1970 Apolda, lebt in Leipzig) mit gefundenen historischen Fotografien in ihrer Funktion als Speicher von sozialer Wirklichkeit. In Archiven forscht er nach Erzählungen und verfolgt dabei ein Interesse an der Geschichte und ihrer aktuellen Bewertung. Klein faszinieren nicht die markanten Bilder historisch bedeutsamer Ereignisse, sondern die weniger spektakulären, alltäglichen Fotografien, die er in staatlichen und privaten Bildarchiven findet. Ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Archiv der Behörde des Beauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU). Im Rahmen des Projektstipendiums wird Jens Klein mit dem Archiv des 2013 verstorbenen Hobbyfotografen Ingo Wrzalik arbeiten. Es entstand im Zeitraum von 1969–1982 und wurde zum Großteil im gemeinsamen Heimatdorf in Thüringen aufgenommen. Über die Erschließung und Bearbeitung der über 14.000 Negative hinaus wird Jens Klein Gespräche mit den Menschen des Ortes führen. Besonders interessant ist für ihn die Frage nach der Darstellbarkeit von historischen Ereignissen eines Landes, welches nicht mehr existiert. Wie lässt sich dabei die Differenz zwischen der persönlichen Erinnerung und dem vorherrschenden Geschichtsbild dieser Zeit darstellen? Das ist eine der zentralen Fragen für Jens Klein.


Anja Manfredi
Foto: Theresa Wey

Anja Manfredi (*1978 Lienz, lebt in Wien) widmet sich in ihrem künstlerischen Schaffen einem Bildatlas zur Geste sowie zur Bewegung des Körpers. Mit Rückgriffen auf historische Konzepte bis hin zu gegenwärtigen Inszenierungen, fragt sie nach den Ausdrucksformen des Leibes. Gesten versteht sie als eine Form unserer Kommunikation, als eine nonverbale Sprache des Körpers, die durch mehrere Kategorien, wie das biologische Geschlecht, Sexualität, Historie, Religion oder durch pädagogische Konzepte geprägt ist. Um die Gesten erfahrbar werden zu lassen, untersucht Manfredi auch die äußeren Hüllen dieser Kategorien: Architektur, Kleidung und Haut. Dabei entsteht ein thematisch vielschichtiges Fotoarchiv, das sie um installative Elemente ergänzt und so zu Tableaux vivants verdichtet. Im Rahmen des Stipendiums wird sich Anja Manfredi eingehend mit dem Begriff des Atlas beschäftigen. Ein Stein, den sie von einer Reise nach Marokko – ins Atlasgebirge – mitgebracht hat, bildet dabei den materiellen Ausgangspunkt. Gedanklich begleiten sie die Figuren der Mnemosyne und Karyatide. Welche Bedeutung haben diese mythologischen Figuren für uns heute? Welche Rolle spielen ihre Erzählungen in Zeiten der Pandemie und geopolitischen Unruhen? Wie können wir in „Stein gemeißelte Gesten“ erodieren lassen? Es sind Fragen wie diese, denen sich Anja Manfredi nähern möchte.


Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus Nela Eggenberger (Chefredakteurin, EIKON – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Wien), Dr. Stefan Gronert (Kurator für Fotografie und Medienkunst, Sprengel Museum, Hannover), Dr. Beate Kemfert (Stiftungsvorstand und Kuratorin, Kunst- und Kulturstiftung, Opelvillen Rüsselsheim), Dr. Christina Leber (Geschäftsführerin der Kunststiftung DZ BANK und Leiterin der Kunstsammlung der DZ BANK), Adrian Sauer (Künstler, Leipzig), Ulrike Schneider (Referentin für Bildende Kunst, Niedersächsische Sparkassenstiftung / VGH-Stiftung, Hannover), Dr. Walter Seidl (Kurator, Autor, Künstler, Wien).

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