Cello Akademie Rutesheim – nächste Ausgabe erst wieder im Herbst 2021

Hohe Internationalität macht Organisatoren Strich durch die Rechnung

Cello Akademie Rutesheim ~ Abschlusskonzert Uraufführung "Symbiosis" von Thomas Prechal ~ on links nach rechts: Samuel Weilacher – Thomas Prechal. Stuttgarter Kammerorchester. Musikalische Leitung: Olivier Pols (Foto: Stephan Haase)

Wie jedes Jahr hätte die Cello Akademie Rutesheim in den baden-württembergischen Herbstferien Ende Oktober stattfinden sollen. Schweren Herzens hat der Gründer und Künstlerische Leiter Matthias Trück jetzt die Reißleine gezogen. Die nächste Ausgabe eines der führenden Cello-Festivals in Europa kommt nun erst im Herbst 2021, konkret vom 31. Oktober bis 6. November 2021.

Der Hauptgrund für die konsequent frühe Absage ist ausgerechnet die große Stärke der Cello-Akademie: ihre ausgeprägte Internationalität. Schließlich reisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt an. Entsprechend früh muss der Auswahlprozess abgeschlossen sein, müssen die Flüge nach Deutschland gebucht und die Gasteltern für die privat arrangierten Übernachtungen gefunden werden. All dies ein Ding der Unmöglichkeit unter den derzeitigen Beschränkungen.
Eine weitere Überlegung steht damit in direktem Zusammenhang: Die vielgerühmte familiäre Atmosphäre in Rutesheim könnte gar nicht erst aufkommen, wenn die aktuellen Abstandsregeln auch noch später im Jahr verpflichtend wären: keine heiß umkämpften Tischkicker-Matches zwischen Dozenten und Studierenden, kein gemeinsames Essen in der Mensa des Schulzentrums, kein Fachsimpeln an den Ständen der Musikmesse, kein angeregtes Dicht an Dicht im Foyer, bevor der Saal für das Publikum geöffnet wird. Das, was die Cello-Akademie künstlerisch und pädagogisch ausmacht, ginge dadurch komplett verloren.

Angesichts der sich rasant verändernden Situation ist es Matthias Trück jedoch wichtig zu betonen: Sollten die derzeitigen Beschränkungen unerwartet rasch aufgehoben oder deutlich abgemildert werden, könnte er sich durchaus ein abgespecktes Konzert- und Meisterkurs-Programm in Rutesheim vorstellen.

Wer sich die Wartezeit bis zum Wiedersehen verkürzen und in Erinnerungen an die bisherigen Festivals schwelgen möchte, kann zumindest virtuell aus dem Vollen schöpfen. Der laufend ergänzte YouTube-Kanal (youtube.com/user/celloakademie/videos) der Cello-Akademie überrascht mit schon mehr als 100 Live-Videos mit Konzerthöhepunkten der vergangenen Jahre.

Über die Cello Akademie Rutesheim

Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 punktet die Cello Akademie Rutesheim mit drei ungewöhnlichen Stärken: dem kommunikativen Cello-Campus im Rutesheimer Schulzentrum, dem einladenden Konzept und der offenen, kollegialen Philosophie der Akademie. Wenn sich der internationale Cello-Nachwuchs in der baden-württembergischen Herbstferien-Woche in Rutesheim bei Stuttgart trifft, entsteht ein musikalischer Mikrokosmos, der in dieser Form weltweit seinesgleichen sucht.
Renommierte Cello-Professoren unterrichten junge Talente aus der ganzen Welt, klassische Streicher lernen Jazz, fortgeschrittene Studenten bereiten sich auf Probespiele vor, Cello-Liebhaber spielen als Cello-Orchester zusammen – und abends strömt das Publikum zu den Konzerten des Cello-Festivals. Innerhalb von einer Dekade hat sich die Cello-Akademie nicht nur als wichtiges Klassikfestival für Baden-Württemberg etabliert. Dank der zahlreichen begeisterten Meisterschüler aus aller Welt genießt die Akademie hohes Ansehen in der internationalen Musikszene. In den vergangenen Jahren engagiert sich die Cello-Akademie zunehmend als Produktionsfestival, das bei den jungen Teilnehmern Werke in Auftrag gibt und zur Uraufführung bringt.

Dass die Akademie mit ihrem Credo, die pädagogische Qualität über alles zu stellen, goldrichtig liegt, beweisen die Erfolge der Rutesheimer Meisterkurs-Teilnehmer, die sich bei den großen internationalen Musikwettbewerben regelmäßig auf die vorderen Plätze spielen. In den Monaten vor dem Festival 2019 ging ein veritabler Preisregen auf junge Talente mit Rutesheim-Connection nieder. Beim ARD-Wettbewerb 2019 gab es Platz 1 für Haruma Sato (Japan, 21 Jahre, Student bei Jens Peter Maintz, Meisterkurse in den Jahren 2015 und 2017), Platz 2 sowie den Publikumspreis für Friedrich Thiele (23, Deutschland, Student bei Wolfgang Emanuel Schmidt) und Platz 3 für Sihao He (26, China, Meisterkurse in den Jahren 2017 und 2018). Vorzeige-„Rutesheimer“ ist auch Yibai Chen aus Shanghai, der über die Cello-Akademie erst in die Meisterklasse von Prof. Danjulo Ishizaka an der Universität der Künste Berlin aufgenommen wurde und dieses Jahr als Finalist am weltberühmten Tschaikowsky-Wettbewerb für Cello in St. Petersburg teilnahm.

Die karrierefördernde Wirkung der Cello-Akademie ist aber auch nach dem Studium spürbar. Eine Reihe ehemaliger „Rutesheimer“ sind heute Solo-Cellisten bei Top-Orchestern wie den Berliner Philharmonikern oder dem Leipziger Gewandhausorchester. Einer von ihnen – Jakob Spahn, Erster Solocellist im Orchester der Bayerischen Staatsoper München – wurde erst neulich als Professor an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen. Sie alle kommen immer wieder gerne nach Rutesheim zurück, um nunmehr selbst zu unterrichten.

Ihre Entstehung verdankt die Cello-Akademie der Initiative des Cellisten Matthias Trück. Unermüdlich im Einsatz als Gestalter und Manager der Cello-Akademie, scheint der gebürtige Rutesheimer trotzdem nicht ausgelastet zu sein. Mit dem Celloquartett quattrocelli, dem Celloduo ponticellos und als Studiomusiker für Pop-Produktionen verfolgt er weiterhin in erster Linie seine Karriere als international profilierter Cellist.

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