brüderlich virtuos~ Arthur und Lucas Jussen geben vierhändige Klavier-Matinee im Festspielhaus Baden-Baden

Arthur und Lucas Jussen (© Marco Borggreve)

Arthur und Lucas Jussen – vierhändig debütieren die niederländischen Brüder mit Werken von Mozart, Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Fay am Sonntag, 13. Oktober 2019 um 11 Uhr im Festspielhaus

26 und 22 Jahre alt sind Lucas und Arthur Jussen – und ungeachtet ihrer Jugend sorgen die beiden Pianisten längst international für Furore. Dass die beiden Brüder schon seit Kindertagen zusammenspielen, merkt man am gemeinsamen Klangideal, das sie flexibel auf die jeweils geforderte Stilistik abstimmen.

Ihren ersten Klavierunterricht erhielten die Brüder Jussen in ihrem niederländischen Geburtsort Hilversum, erste Auszeichnungen bei Wettbewerben folgten. Lucas, der als Älterer als Erster mit dem Klavierspiel beginnt, ist Vorbild für den drei Jahre jüngeren Arthur. „Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemand anderem zu spielen. Es ist, als ob wir eine Person sind“, sagt Lucas Jussen. Als Wunderkinder gelten die Jussen-Brüder, als sie mit zehn und dreizehn Jahren im Amsterdamer Concertgebouw Mozarts Konzert für zwei Klaviere KV 365 spielen. Mittlerweile sind sie etablierte Künstler, die international Erfolg haben. 2005 studierten die beiden auf Einladung der portugiesischen Meisterpianistin Maria João Pires ein Jahr lang in Portugal und Brasilien. Lucas vervollständigte seine Ausbildung bei Menahem Pressler in den USA und bei Dmitri Bashkirov in Madrid. Arthur schloss sein Studium bei Jan Wijn am Konservatorium in Amsterdam ab. Ihre Debüt-CD mit Werken von Beethoven wurde mit Platin ausgezeichnet und erhielt den Edison Klassiek Publikumspreis. 2015 spielten sie mit der Academy of St Martin in the Fields und Sir Neville Marriner die Klavierkonzerte KV 365 und KV 242 von Wolfgang Amadeus Mozart ein, ein Album, das vom britische Magazin Gramophone zu den 50 besten Mozart-Einspielungen aller Zeiten gezählt wird und sich in die Riege von Referenzaufnahmen von Alfred Brendel, Murray Perahia, Emil Gilels oder Martha Argerich einreiht. Nach der mit dem Echo Klassik ausgezeichneten CD „Karneval der Tiere“ ist die aktuellste Produktion ein Album mit Bachwerken. Sie spielen international mit renommierten Klangkörpern und unter Dirigenten wie Stéphane Denève, Valery Gergiev, Sir Neville Marriner, Yannick Nezét-Séguin und Jukka-Pekka Saraste. In diesem Sommer debütierten die Brüder bei den Salzburger Festspielen und dem Mostly Mozart Festival in New York und gehen auf Konzerttournee u.a. nach Asien.

Klaviermusik zu vier Händen hatte im 19. Jahrhundert Konjunktur – meist an einem, seltener an zwei Klavieren. Weil gute Konzerte von sinfonischen Werken selten zu hören waren, erfreuten sich entsprechende Bearbeitungen und Aufführungen zu vier Händen großer Beliebtheit. Dazu kam eine ständig anwachsende Originalliteratur. Einige solcher eigens für Klavier komponierten Werke werden uns Arthur und Lucas Jussen bei Ihrem Festspielhausdebüt am 13. Oktober vorführen. Mit Mozarts Sonate für zwei Klaviere von 1781 beginnt die eben angedeutete Entwicklung. Das Werk zählt zu den glänzendsten Sonaten aus der Feder des Komponisten. Mozart imitiert hier den Stil einer Sinfonie und gibt damit eine Richtung vor, der viele weitere Komponisten nachfolgen werden – so auch Franz Schubert: Dessen Klaviermusik zu vier Händen lässt oft an Klavierauszüge von sinfonischen Stücken denken, deren Orchestration dann dennoch nicht ausgeführt wurde. Es scheint, als hätte der Komponist hier mit Einfällen experimentiert, die er sich im sinfonischen Bereich nicht erlauben konnte, da die Orchester seiner Zeit noch nicht weit genug für eine so fortgeschrittene Ästhetik waren. Entsprechendes geschah auch mit Schuberts Allegro-Satz „Lebensstürme“ von 1828. Der Titel stammt vom Herausgeber – er passt zu diesem Sonatensatz, der zu den monumentalsten Werken zu vier Händen überhaupt gehört. Einen anderen Weg beschreitet Mendelssohns „Andante und Allegro Brillant“ von 1841. Hier wird die Klangfülle des vierhändigen Klaviers nicht dazu verwendet, um einen orchestralen Stil nachzuahmen. Der Klaviersatz ist im Gegenteil besonders leicht und durchsichtig gehalten. Während das „Andante“ zu den schönsten langsamen Einleitungen Mendelssohns gehört, erlebt der Hörer im „Allegro Brillant“ den charakteristischen Sommernachtstraum-Stil dieses Komponisten. Fazil Says effektvolles „Night“ wurde 2016 eigens für Lucas und Arthur Jussen geschrieben. Virtuose Skalen und perkussive Inside-piano-Effekte reizen die düster-aggressive Klangwelt des Klaviers für eine nächtlich-romantische Spukszene aus.

Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101