Biennale für aktuelle Fotografie – Eröffnung 2020

Die Biennale für aktuelle Fotografie 2020 wird morgen, 28.02.2020, 19 Uhr, in der Kunsthalle Mannheim feierlich eröffnet. Unter dem Titel The Lives and Loves of Images erforschen sechs thematische Ausstellungen das Eigenleben von Bildern und unser ambivalentes Verhältnis zur Fotografie. Vom 29.02. bis 26.04.2020 präsentiert der englische Kurator David Campany zeitgenössische und historische Arbeiten von rund 70 internationalen Künstler*innen und Fotograf*innen in sechs Häusern in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist Schirmherrin der Biennale 2020.

Am Eröffnungswochenende erwartet das Publikum eine Reihe von Veranstaltungen mit Künstler*innen der Biennale und dem Kurator David Campany. Noch bis 02.04. findet in Heidelberg die hochkarätig besetzte Dialogreihe Fotografie und Wissenschaft statt, bei der renommierte Fotokünstler*innen und Wissenschaftler*innen miteinander diskutieren.

+++++ Die Biennale für aktuelle Fotografie 2020 wird gefördert durch die drei Städte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, die BASF SE als Premiumsponsor sowie viele weitere Unterstützer, die zur Stärkung der Fotografie in der Rhein-Neckar-Region beitragen. +++++

Laufzeit: 29.02. – 26.04.2020
Eröffnung: 28.02.2020, 19 Uhr, Kunsthalle Mannheim


Zur offiziellen Eröffnung der Biennale für aktuelle Fotografie 2020 sprechen neben Kurator David Campany auch Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim, Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, und Sabine Schirra, Vorstandsvorsitzende der Biennale. Zahlreiche Künstler*innen und ehemalige Kurator*innen der Biennale werden anwesend sein.

In sechs Ausstellungen in sechs Häusern der Region untersucht David Campany mit The Lives and Loves of Images, wie Fotografien im Guten wie im Schlechten auf Betrachter*innen und Bildschaffende wirken, und wie Begeisterung und Skepsis gegenüber der Fotografie gleichermaßen Ausdruck finden. In den Ausstellungen legt Campany einerseits die Aufmerksamkeit auf bekannte Bilder und Bildmacher*innen, andererseits widmen sich die eingeladenen Künstler*innen vergessenen und anonymen Bildern oder bisher übersehenen Praktiken. Einige Künstler*innen verleihen alten, ikonischen Bildern neue Bedeutungen oder erkunden unterschiedliche soziale Kontexte, indem sie Bilder aus verschiedenen Quellen wie Zeitungen oder Privatarchiven in neue Zusammenhänge stellen. Die insgesamt rund 70 Künstler*innen finden eigene Antworten auf aktuelle Fragen der Fotografie und präsentieren diese zur Biennale in unterschiedlichsten Formen: von traditionellen Dunkelkammerabzügen bis zu mehrteiligen Installationen, von Virtual Reality und Videoprojektionen bis hin zu großformatigen Wandbildern, handgemachten und digitalen Collagen. The Lives and Loves of Images zeigt, was aktuelle und historische Fotografie auszeichnet, und ist eine Einladung an das Publikum zum unbefangenen, offenen und bedachten Schauen.

Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien: „Als Leistungsschau der zeitgenössischen Fotografie bringt die Biennale für aktuelle Fotografie alle zwei Jahre Kurator*innen, Künstler*innen, Fotograf*innen sowie Wissenschaftler*innen mit einem breiten Publikum zusammen, um Formen des visuellen Gedächtnisses und aktueller Bildkultur zu präsentieren und zu reflektieren. David Campany stellt als Kurator dieser Ausgabe mit dem Titel „The Lives and Loves of Images“ die Frage nach den Gebrauchsweisen von Fotografie. Er stellt Beziehungen zwischen Bildern her, die widersprüchliche Gefühle auslösen – die uns mit der manipulativen Kraft der Bilder ebenso konfrontieren wie mit der Faszination für das Schöne einer gelungenen künstlerischen Komposition. Das lässt Ausstellungen erwarten, die Herz und Verstand bewegen. In diesem Sinne wünsche ich der Biennale als Vermittlerin aktueller Fotografie zahlreiche neugierige, begeisterte und kritische Besucher*innen, die nicht nur visuellen Genuss, sondern auch Orientierung im Sog der Bilder suchen.“

David Campany, Kurator: „Mich hat immer schon fasziniert, auf welch unterschiedliche Weise uns Fotografien begegnen – an Wänden, in Druckerzeugnissen und auf Bildschirmen –, und auch die Art und Weise, wie Bilder aus der jüngsten oder fernen Vergangenheit in der Gegenwart plötzlich einen neuen Stellenwert bekommen können. Und vielleicht haben Fotografien heute mehr denn je nicht nur einen festen Platz, nicht nur eine Heimat. Sie migrieren – wandern durch Zeit, durch Kulturen, durch Kontexte.
Jede der Ausstellungen von The Lives and Loves of Images behandelt diese Frage der Mobilität ganz unterschiedlich, von komplexen Bildkombinationen über das Nachleben von Nachrichtenbildern bis hin zu unserer Beziehung zu ikonischen Fotografien und ikonischen Fotograf*innen. Kein einziger Ansatz und kein Thema eint alle Werke dieser Biennale. Vielmehr ergibt sich aus ihrer kombinierten Präsenz eine Reihe von Vorschlägen über den zwingend ambivalenten Status der Fotografie.“

Sabine Schirra, Vorstandsvorsitzende der Biennale: „Mit dem englischen Autor und Kurator David Campany sowie zahlreichen Künstler*innen aus aller Welt gelingt es uns, das internationale Profil der Biennale für aktuelle Fotografie weiter zu schärfen. Für eine Verankerung in der Region sorgt die Zusammenarbeit mit den drei Tageszeitungen „Die Rheinpfalz“, „Mannheimer Morgen“ und „Rhein-Neckar-Zeitung“, die für die Ausstellung Yesterday’s News Today im Heidelberger Kunstverein ihre Archive geöffnet haben. Wer die Biennale besucht, ist aber nicht nur eingeladen zu schauen, sondern kann sich auch praktisch mit Fotografie beschäftigen: Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm aus (Kuratoren-)Führungen, Künstlergesprächen, Workshops und Sonderveranstaltungen wie zum Beispiel eine „Lange Nacht der Fotografie“ oder die Mobile Dunkelkammer als frei zugängliches Angebot im öffentlichen Raum vermitteln Hintergrundwissen und wecken Interesse für die Fotografie als künstlerisches Medium.“

Die Ausstellung Reconsidering Icons im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim betrachtet die Wirkung, die weltberühmte Bilder nicht nur auf die Öffentlichkeit, sondern auch auf andere Fotograf*innen haben. Mit Hilfe von Rekonstruktionen, virtueller Realität und Videoinstallationen zeigt die Ausstellung, wie sie mit ikonischen Bildern umgehen – auf kritische, philosophische, aber auch auf spielerische Weise. When Images Collide im Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, entfaltet von der einfachsten Form der Bildzusammstellung, der Gegenüberstellung zweier Bilder, einen ganzen Kosmos künstlerischer Praktiken, die sich der Kombination von Bildern widmen. In der Ära der digitalen Medien fühlen sich Bilder mehr und mehr wie Montagen oder Collagen an: fragmentarisch, multidirektional und verschoben. When Images Collide zeigt unter anderem komplexe analoge und digitale Collagen, den Einsatz von Standbildern in Film und Video sowie digitales Rendering und Installation. Between Art and Commerce im Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Mannheim, versammelt Werke unterschiedlicher Fotograf*innen, die im Spannungsfeld von kommerzieller und künstlerischer Fotografie stehen: zum Beispiel Künstler*innen, deren Bilder kommerziell genutzt werden; kommerzielle Fotograf*innen, deren Arbeiten auch in Kunstausstellungen zu sehen sind; Fotokunst über kommerzielle Fotografie sowie die Anfänge dieser Positionen in den 1920er/30er Jahren. Yesterday’s News Today im Heidelberger Kunstverein legt das Schicksal von Nachrichtenfotos und -archiven offen. Diese Ausstellung macht die Arbeit der Bildredakteur*innen sichtbar, wie diese Bildaussagen erzeugen, verändern und Informationen modellieren, und zeigt, wie Künstler*innen Nachrichtenbilder in neue Kontexte setzen und neu inszenieren. Im Rahmen von Yesterday’s News Today werden auch lokale Archive der Region geöffnet. Zu sehen sein wird ein größeres Konvolut an analogen Pressefotografien der drei Tageszeitungen „Die Rheinpfalz“, „Mannheimer Morgen“ und „Rhein-Neckar-Zeitung“ aus den 1950er bis 1990er Jahren, die das visuelle Gedächtnis der Region in den Blick nehmen. All Art is Photography im Kunstverein Ludwigshafen befasst sich damit, wie wir Kunstwerke verschiedenster Genres oft zuerst durch Fotografie wahrnehmen, wie sich dadurch ihre kulturelle Bedeutung manifestiert, und was passiert, wenn sich künstlerische Fotografie die anderen Künste zum Thema nimmt. Was vermag eine Kamera im Maleratelier, vor einer Skulptur oder in einem Kunstmuseum voller Menschen zu leisten? Die Ausstellung Walker Evans Revisited in der Kunsthalle Mannheim widmet sich der amerikanischen Fotolegende Walker Evans (1903–1975). Sie zeigt, wie Evans Generationen von Fotograf*innen und Künstler*innen auf der ganzen Welt inspirierte, und wie zeitgenössische Fotograf*innen auf seine Arbeit reagieren. Bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts erarbeitete Evans Strategien, um die Verbreitung seiner Bilder kontrollieren zu können, und widmete sich damit einem Thema, das auch heute von höchster Aktualität ist.

Rahmenprogramm

Begleitend zu den Ausstellungen bietet die Biennale ein umfangreiches Rahmenprogramm an, das bereits am Eröffnungswochenende mit von David Campany geführten Rundgängen durch die sechs Ausstellungen beginnt. Während der Biennale finden neben weiteren Terminen der laufenden Dialogreihe Fotografie & Wissenschaft außerdem am 18.04. die Lange Nacht der Fotografie gemeinsam mit OFF//FOTO sowie Führungen (öffentliche Führungen, Kuratorenführungen und Sonderführungen, z.B. für Jugendliche oder Sehbehinderte), Künstlergespräche, Campustage für Studierende, Workshops (ebenfalls in Kooperation mit OFF//FOTO) und weitere Angebote für Besucher*innen statt. Alle Termine und Buchungsinformationen stehen unter biennalefotografie.de im Menüpunkt „Besuch“, „Veranstaltungskalender“ und im Programmheft.

Dialogreihe Fotografie & Wissenschaft

Eine prominent besetzte Gesprächsreihe in Heidelberg, die das Verhältnis von künstlerischer Fotografie und Wissenschaft in den Mittelpunkt stellt, begleitet die Biennale seit Mitte Januar. Die vielfältigen Überschneidungen der beiden Bereiche werden an insgesamt acht Terminen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten genauer untersucht und kontrovers diskutiert. Zum Auftakt der Reihe am 16.01.2020 waren Anton Corbijn und Robin Curtis zu Gast. Zwischen dem 05.03. – und 02.04.2020 treffen an vier Abenden Simon Starling auf Joachim Wambsganß, Andrea Diefenbach auf Hans Jäger, das Künstlerduo Broomberg & Chanarin auf Grischka Petri, und Armin Linke und Estelle Blaschke auf Sabine Süsstrunk. Die Dialogreihe Fotografie & Wissenschaft ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Europäische Kunstgeschichte (IEK) der Universität Heidelberg, dem Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg (DAI) und der Biennale für aktuelle Fotografie, gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Friedrich Stiftung und die Stadt Heidelberg.
Alle Termine finden sich auf fotografieundwissenschaft.de.

Katalog zur Biennale

Begleitend zum Programm ist im Kehrer Verlag Heidelberg Berlin ein Katalog (dt./engl.) mit Texten von David Campany und den teilnehmenden Künstler*innen zu den sechs Ausstellungen erschienen. Der Katalog ist für 19,90 € während der Biennale in den Ausstellungshäusern und für 25 € im Buchhandel erhältlich. Zusätzlich kann der Katalog per Mail an info@biennalefotografie.de bestellt werden.

Tickets

Die Höhe des Eintrittspreises wird wie 2017 durch das Pay What You Want-Prinzip bestimmt; jede*r Besucher*in entscheidet selbst über den Betrag, den er/sie geben möchte. Ausgenommen ist die Kunsthalle Mannheim, Eintritt p. P.: 12 € (Hauskarte), ermäßigt 10 €.

Teilnehmende Künstler*innen (Auswahl)

Claudia Angelmaier, David Claerbout, Cortis & Sonderegger, Walker Evans, George Georgiou, Sara Greenberger Rafferty, Sohrab Hura, Lisa Kereszi, Justine Kurland, Mark Lewis, Sebastian Riemer, Thomas Ruff, Anastasia Samoylova, Scheltens & Abbenes, Stephen Shore, Eva Stenram, John Stezaker, Batia Suter, Vanessa Winship, Stanley Wolukau-Wanambwa u. v. a.

Teilnehmende Institutionen 2020

Forum Internationale Photographie (FIP) & ZEPHYR – Raum für Fotografie in den Reiss-Engelhorn-Museen (Mannheim), Heidelberger Kunstverein, Kunsthalle Mannheim, Kunstverein Ludwigshafen, Port25 – Raum für Gegenwartskunst (Mannheim), Wilhelm-Hack-Museum (Ludwigshafen)

Über die Biennale für aktuelle Fotografie

Die Biennale für aktuelle Fotografie hat sich seit 2005 zu einem der wichtigsten kuratierten Fotoereignisse mit internationaler Strahlkraft in Deutschland entwickelt. Sie zeichnet sich durch die Konzepte der zweijährig wechselnden Gastkurator*innen aus, die immer wieder neue Aspekte der zeitgenössischen Fotografie behandeln, im Dialog mit den eingeladenen Künstler*innen, der Metropolregion Rhein-Neckar, den drei Veranstaltungsstädten und den lokalen, nationalen und internationalen Besucher*innen. Beteiligt sind die bedeutendsten Ausstellungshäuser der drei Städte, deren spezifisches Profil jeweils in die Ausstellungskonzeption miteinbezogen wird. Für die Realisierung der Biennale arbeiten Kulturveranstalter und -förderer der ganzen Metropolregion eng zusammen. Die Biennale verbindet die drei Städte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg und ihre Kulturinstitutionen in einem städteübergreifenden Dialog miteinander und hat für diese Zusammenarbeit bundesweit Modellcharakter erlangt.

biennalefotografie.de