Besetzung des Europa Ensembles steht fest

Europa Ensemble (Foto: Michalis Archontidis)

Die Besetzung des Europa Ensembles steht fest. Ausgewählt wurden je eine Schauspielerin und ein Schauspieler aus Deutschland, Polen und Kroatien: Tenzin Kolsch (Deutschland), Claudia Korneev (Deutschland), Tina Orlandini (Kroatien), Adrian Pezdirc (Kroatien), Jaśmina Polak (Polen) und Jan Sobolewski (Polen). Die Auswahl traf der künstlerische Leiter des Europa Ensembles Oliver Frljić zusammen mit den beteiligten Theatern.

 


Besetzung des Europa Ensembles steht fest
Die Kooperationspartner und das Ensemble

beim gemeinsamen Austausch im Nationaltheater Athen
© Michalis Archontidis

Kick-Off Meeting Athen

Vom 17. bis 19. Februar fand das gemeinsame Kick-Off Meeting aller Beteiligten statt, bei dem das Ensemble erstmals zusammenkam. Gastgeber war das Nationaltheater Athen als assoziierter Partner des Europa Ensembles. Zudem war die Ortswahl durchaus symbolisch zu verstehen: Athen und Griechenland als Wiege der Demokratie und gleichzeitig als aktueller Schauplatz einer umstrittenen EU-Wirtschafts- und Flüchtlingspolitik.

Im Fokus stand der Austausch über die jeweilige Theaterarbeit in Warschau, Zagreb, Stuttgart und die Konkretisierung der Zusammenarbeit im Rahmen des Europa Ensembles. Außerdem gab es für das Ensemble erste Proben-Workshops unter der Leitung der Regisseur*innen der ersten drei Produktionen, Oliver Frljić, Anna Smolar und Anestis Azas. Die inhaltliche Auseinandersetzung wurde u.a. angeregt durch Begegnungen mit Athener Aktivisten der Flüchtlingshilfe und gegen Rechtspopulismus, mit einer Politikwissenschaftlerin zum Thema Gender, Gewalt, Migration sowie griechischen Theatermachern.

Für die französisch-polnische Regisseurin Anna Smolar, die das zweite Projekt des Europa Ensembles im Sommer am Nowy Teatr in Warschau inszenieren wird, war der Kick-Off in Athen vielversprechend:
„Es ist sehr schön zu sehen, wie das Europa Ensemble nun zum Leben erwacht. Schon beim ersten Aufeinandertreffen der Schauspieler*innen gestern konnte man merken, dass sie eine gemeinsame Sprache finden werden. In gewisser Weise ist das ganz natürlich, weil Schauspieler*innen immer – selbst wenn sie aus unterschiedlichen kulturelle, sozialen oder politischen Kontexten kommen – einen Weg finden, auch ohne Worte zu kommunizieren. Unsere sechs Ensemblemitglieder sprechen sehr gut Englisch, aber schon die ersten Improvisationen beim Workshop heute Morgen haben gezeigt, wie sie im Miteinander und aus dem gemeinsamen Austausch heraus Material entwickeln. Darin steckt sehr viel Potential. In den nächsten zwei Jahren wird das Ensemble in jedem Land Erfahrungen sammeln, mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert werden und herausfinden, was uns das jeweils über Europa erzählt. Das ist eine sehr reichhaltige Erfahrung und ich bin in gewisser Weise neidisch, weil die Schauspieler*innen am Ende die meisten Erfahrungen von uns allen gesammelt haben werden. Die ganze Unternehmung ist wirklich außergewöhnlich und ich bin sehr aufgeregt und neugierig auf das, was kommt.“

Der griechische Theatermacher Anestis Azas, der beim dritten Projekt des Europa Ensembles im Herbst in Zagreb die Regie übernehmen wird, fügt hinzu:

„In den drei Tagen konnten wir uns auch mit unterschiedlichen Menschen aus Athen austauschen über Themen und Probleme, die uns in ganz Europa auf ähnliche Weise beschäftigen: zum Beispiel die zunehmende Gefahr, die von rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen ausgeht, und die Frage nach dem richtigen Umgang mit Geflüchteten. Wir versuchen eine gemeinsame Sprache zu finden. Ich bin sehr froh mit dem Europa Ensemble zusammenzuarbeiten und ich finde, es ist eine Herausforderung, unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Sprachen und auch unterschiedliche Theatertraditionen zu einem utopischen Projekt zu vereinen. Es war ein sehr produktives Treffen und ich bin nun gespannt auf die Proben.“

Das Europa Ensemble war auf die Initiative des Schauspiel Stuttgart zur Spielzeit 2018/19 gemeinsam mit dem Nowy Teatr in Warschau und dem Zagreb Youth Theatre (zkm) sowie dem Nationaltheater Athen als assoziiertem Partner als ein gemeinsames europäisches Ensemble gegründet worden. Über die festen Strukturen des Stadttheaters hinaus soll es in den kommenden zwei Jahren Raum und Zeit bekommen, um sich als eigenständiges Ensemble zu finden und gemeinsam Theater zu machen. Jedes der beteiligten Theater wird dabei pro Jahr eine Inszenierung produzieren und die beiden anderen Regiearbeiten als Gastspiele zeigen. Thematischer Schwerpunkt der Produktionen wird die Frage sein, wie Europa neu gedacht werden kann und welche gesellschaftspolitischen Utopien das europäische Projekt stärken könnten: Lässt sich der Demokratiemüdigkeit zahlreicher westlicher Gesellschaften künstlerisch begegnen? Wie lässt sich das in die Krise geratene europäische Projekt wieder beflügeln?

Das Europa Ensemble wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.



Mi – 10. Apr, 20:00 – Kammertheater – Uraufführung
IMAGINARY EUROPE
Projekt 1 des Europa Ensembles
Konzept, Inszenierung und Bühne: Oliver Frljić
Kostüme: Sandra Dekanić
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Carolin Losch

MIT DEM EUROPA ENSEMBLE: Tenzin Kolsch, Claudia Korneev, Tina Orlandini, Adrian Pezdirc, Jaśmina Polak, Jan Sobolewski

In Imaginary Europe entwirft Oliver Frljić mit seinem Ensemble ein theatralisches Utopia, eine Insel, auf der die geltenden Gesetze außer Kraft gesetzt sind. Inspiriert von ganz unterschiedlichen literarischen Quellen von Dante bis Shakespeare, von Albert Camus bis Peter Weiss umkreist das Projekt die Frage, wie eine humane Gesellschaft aussehen könnte, welche Werte zu erkämpfen und welche Wege einzuschlagen sind, um Utopia ein Stück näherzukommen.

Oliver Frljić wurde 1976 in Bosnien geboren und ist bekannt für seinen kritischen Blick auf die politischen Zustände in den neuen Ländern Ex-Jugoslawiens. In seinen oft kontrovers diskutierten Theaterarbeiten weist Frljić auf blinde Flecken und unverarbeitete Wunden hin und rückt die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Kriegstraumata ins Zentrum. Als besondere Herausforderung betrachtet er das Erstarken nationalistischer Strömungen in allen Teilen Europas. Von seiner Intendanz am Kroatischen Nationaltheater Rijeka trat er 2016 aus Protest gegen die kroatische Kulturpolitik zurück.

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Schauspiel Stuttgart, dem Nowy Teatr, Warschau, und dem Zagreb Youth Theatre (zagrebačko kazalište mladih).
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

www.schauspiel-stuttgart.de