Bergen – Ikonen der Avantgarde zur 70. Ausgabe der Festspiele

Den Nationale Scene, Oslo (Foto Helge Hansen / Bergen International Festival)

Aus dem Norden kommt Neues und auch das hat Tradition. Die Brutstätte, das Schaufenster und die Begegnungsstätte für Innovationen, in der all die jüngsten Entwicklungen zu verfolgen sind, die Festspiele in Bergen, findet nun zum 70. Mal statt. Das wird wird mit Ikonen des Pop, der Avantgarde und Klassik sowie Neuentdeckungen in Musik und Theater gleichermaßen gefeiert – denn aus Bergen kommen entscheidende Impulse der Gegenwartskunst. In diesem Jubiläumsjahr beginnt mit Lars Petter Hagen ein neuer Direktor der, geprägt u.a. durch die Darmstädter Ferienkurse, gerade erfolgreich die Entwicklung des Osloer Orchesters verantwortet und auch beim Ultima Festival die Verbindung verschiedenster künstlerischer Sparten geschaffen hat.

Brücken zwischen den Künsten wird er auch in Bergen bauen. In diesem Jahr kommt es zum spannenden Stelldichein mit Größen der Avantgarde wie Peaches, dem Kronos Quartett – das als artist in residence u. a. ein Konzert für Kinder im Aquarium geben wird –, dem an Stummfilm angelehnten The Mute, einer symphonischen Liebesgeschichte ohne Worte, für das der Kopf hinter dem Kaizers Orchestra, Janove Ottesen, die Musik geschrieben hat und vieles mehr:

Auf dem Programm stehen natürlich auch Klassiker wie Ibsen (Michael Thalheimer inszeniert Klein Eyolf) und Grieg, denn die Spiegelung von Tradition im Licht der Gegenwart meistert u. a. ja auch eindrucksvoll das Bergener Orchester unter Edward Gardner. Zudem gibt es Konzerte mit Leif Ove Andsnes und Lise Davidsen sowie vielversprechende norwegische Talente.

Neben den norwegischen Klassikern Grieg und Ibsen, die auch aus unserem kulturellen Leben kaum wegzudenken sind – entsteht auch reger Austausch aus dem Süden in den Norden; z. B. inszeniert der Ibsen-Preisträger Marthaler ein Stück über den Niedersachsen Dieter Roth. Und dann wird mit Morgenstern die Uraufführung eines Knausgård-Textes in der Dramatisierung von Armin Kerber auf die Bühne gebracht.

Zwischendurch sind alle Bach-Solosuiten für Cello von Toke Møldrup umsonst und draußen zu erleben. Darüber hinaus ist vieles mehr zu entdecken. Hinschauen und hinfahren lohnt sich – vom 25. Mai bis 08. Juni 2022.

fib.no