Benjamin Britten »The Rape of Lucretia« an der UDK Berlin

© Kyle Head auf Unplash

Eine Oper gegen Unterdrückung und Krieg

Lucrezia, die Frau des römischen Feldherrn Collatinus, wird in ganz Rom für ihre bedingungslose Treue zu ihrem Mann gelobt. Der etruskische Prinz Tarquinius fühlt sich durch die Lobpreisungen Lucretias durch die römischen Feldherren herausgefordert, sie auf die Probe zu stellen. Unter einem Vorwand reitet er nachts zu ihr und versucht, sie zu verführen. Als sie sich ihm widersetzt, missbraucht Tarquinius seine Macht und vergewaltigt sie. Lucrezia zieht aus dem Verbrechen ihre ganz persönliche Schlussfolgerung: Obwohl ihr Mann Collatinus bedingungslos an ihrer Seite steht, sieht sie im Selbstmord die einzige Möglichkeit, ihre Autonomie zu bewahren. In der Folge löst das Verbrechen die politischen Unruhen und die Revolution aus, durch die sich die Römer von der etruskischen Tyrannei befreien.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, am 12. Juli 1946, wurde Benjamin Brittens Oper „The Rape of Lucretia“ in Glyndebourne uraufgeführt. Atmosphärisch dicht legt Britten das schwierige Thema erstmals als Kammeroper mit acht Sänger*innen und 13 Musiker*innen an. Die Figuren des Frauen- und Männerchors zeigen die bedrohlich wiederkehrenden Mechanismen des abgründigen Regelwerks und komplexen Geflechts aus vielschichtigen, ineinander verwobenen politischen, ethischen, moralischen, religiösen und sexuellen Motiven der Handlung – in das sie selbst verstrickt zu sein scheinen.

Für Britten hatte die Form der Oper eine hochaktuelle Aussagekraft über seine Zeit, nach dem verheerenden Krieg. Gegen die Camouflage einer „inneren Emigration“ während der Nazizeit – als keine Kunst und kein Widerstand scheinbar möglich waren – verlieh Britten dem Medium Oper politische Brisanz. Gegen das „Schweigen“ der Kunst angesichts der Vernichtungslager – wie es der Philosoph Theodor W. Adorno viele Jahre später forderte – verlieh Britten dem grausamen Spiel des ewig wiederkehrenden Krieges und seiner Begleitphänomene musikalische Form.


Aufgrund einer Sanierung des UdK-Theaters UNI.T finden die Aufführungen in der Ersatzspielstätte Max-Taut-Aula in Berlin-Lichtenberg statt.

Benjamin Britten: „The Rape of Lucretia“

Libretto von Ronald Duncan

Nach „Le viol de Lucrèce“ von André Obey
Premieren: 6. und 7. Juli 2024

Musikalische Leitung: Errico Fresis, Regie: Isabel Hindersin
Bühne: Eduardo Soto Jiménez, Ella Sade Hagen (Studiengang Bühnenbild)
Kostüme: Vera Holthaus
Dramaturgie: Dr. Heike Fuhlbrügge
Licht: Moritz Schick
Intimacy/Kampfcoach: Alfred Hartung

Mit (in unterschiedlichen Besetzungen): Anna Lena Auer, Xiao Chi, Vladyslav Fedoriaka, Yoona Jang, Zicong Han, Inha Jeon, Elli Expensive Kanaki, Kunil Kim, Rahel Kramer Dohoon Lee, Karim Mayer, Sungjoo Park, Olivia Peschke, Violeta Siesto Sánchez, Emma Warner, Junbeom Woo

Es spielt das Symphonieorchester der UdK Berlin

Eine Produktion des Studiengangs Gesang/Musiktheater in Kooperation mit dem Studiengang Bühnenbild und dem Symphonieorchester der UdK Universität der Künste Berlin

Max-Taut-Aula, Fischerstraße 36, 10317 Berlin-Lichtenberg
Weitere Vorstellungen: 9. und 10. Juli 2024, jeweils 19.30 Uhr
Werkeinführungen vor jeder Vorstellung, Beginn 18.30 Uhr
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro
Tickets: reservix.de

udk-berlin.de