Behutsame Begegnungen im Hier & Jetzt

„Das Duo Igudesman & Joo extrahiert, fokussiert, pointiert, und führt damit Hörgewohnheiten genüsslich ad absurdum.“(SWR)

Mit Respekt für die Kompositionen und frei von falscher Ehrfurcht erschließen Musiker wie z. B. das Duo Igudesman & Joo oder auch Johanna Rose Werke für die Gegenwart neu und überraschen sogar geübte Hörer „Der Sound, den Johanna Rose mit ihrem Instrument, der Gambe, zum Klingen bringt, ist überwältigend, wuchtig und zart, kraft- und gefühlvoll. Johanna Rose ist eine Entdeckung.“ (SR)

Diese vitalen Wiederbegegnungen sind immer auch Reflektionen der Gegenwart, „ein dezent zelebriertes Fest der Bildung – Beethoven’s Nightmare – eine Show. Von Oslo aus wird sie das Beethoven Jahr retten!“ (Radio Klassik) Ob es nun tatsächlich die Rettung der Musik-Welt ist oder einfach Spaß macht: Igudesman & Joo schaffen Erlebnisse, die aufhorchen lassen. Ebenso sollten wir die in Andalusien lebende Bremerin Johanna Rose „im Auge behalten – oder noch besser im Ohr!“ (SWR2) und weiter verfolgen, wie ihre Wiederentdeckungen den Horizont erweitern.

Aus dem Norden kommen neue Impulse und auch Gespenster – Ibsens Drama wird in Meiningen, dem Ort seiner deutschen Erstaufführung, mit welcher der dortige Fürst der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten wollte, am 22. Mai als Oper uraufgeführt mit Musik von Torstein Aagaard Nilsen. Der Norweger ist ein „Komponist mit leiser Stimme. Seine Träumerei, angesiedelt zwischen Impression und Illusion“ schrieb Freies Wort zum Werk sLicht.

Traumhaftes Nordlicht macht auch Ellen Bødtker hörbar, und ist in Berlin z. B. bei den Nordic Film Music Days vom 22.-24.02. involviert. Kino bietet schließlich auch Oper ein Podium – z. B. mit dem Grammy-nominierten Tenor Stephen Costello in Maria Stuarda. Am 09.05. wird das britische Königsdrama in Donizettis Komposition aus der Met ins Kino übertragen. Live in Europa ist Stephen Costello in den Pariser Aufführungen von Manon im März zu erleben, und im Juni bringt er dort erstmals Mozart auf die Bühne – einen schönen Einblick gibt es hier.

Eine angelsächsische Sicht auf Beethoven gibt es mit Frederic Wake-Walkers Fidelio-Inszenierung in Glyndbourne. Das Schweizer Duo Praxedis hingegen erkundet weiter mit Harfe und Klavier das Repertoire aus der Blütezeit der Hausmusik, u. a. im vereinigten Königreich – mit jeweils eigens dafür von ihnen geschneiderten Kleidern. Da trifft gewissermaßen Heidi auf Jane Austen und das 21. Jahrhundert, hier im Interview.