Beethoven-Zyklus zum Neustart am Festspielhaus Baden-Baden

Yannick Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe

Yannick Nézet-Séguin (© Hans van der Woerd)

Wiedereröffnung des Festspielhauses am 2. Juli 2021. Sämtliche Sinfonien Ludwig van Beethovens an zwei Wochenenden, dazu Schuberts „Winterreise“ mit Joyce DiDonato. 500 Besucher am ersten, 800 Besucher am zweiten Wochenende erlaubt.

Mit sämtlichen Sinfonien Ludwig van Beethovens möchte das Festspielhaus Baden-Baden seinen Spielbetrieb nach über sieben Monaten Pandemie-Lockdown am 2. Juli 2021 wieder aufnehmen. Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa ist überglücklich, am ersten Wochenende 500 und am zweiten Juli-Wochenende 800 Besucher bei den Konzerten von Yannick Nézet-Séguin mit dem Chamber Orchestra of Europe begrüßen zu dürfen. „Ich kann mir kein besseres Projekt für den Neustart vorstellen als Beethoven, wo ja die meisten der geplanten Veranstaltungen zu seinem 250jährigen Jubiläum abgesagt werden mussten“.

Er ist das “opus summum” der symphonischen Literatur: der Zyklus aller neun Symphonien von Ludwig van Beethoven. Im Festspielhaus Baden-Baden bietet sich nun die seltene Gelegenheit, alle neun Sinfonien an zwei Wochenenden im Konzert zu erleben. Yannick Nézet-Séguin dirigiert das renommierte Chamber Orchestra of Europe. Neben der Chance auf selten zu hörende Werke wie der dritten, vierten und achten Sinfonie und dem Genuss, die Gewaltigkeit des Beethoven’schen Werks in konzentrierter, fokussierter Form zu erfahren, macht die besondere Reihenfolge, in die Yannick Nézet-Séguin die Sinfonien gestellt hat, zu einem spannenden Zyklus : „Beethoven möchte mit seiner Musik Fragen aufwerfen, Wachrütteln, die Zustände in Frage stellen. Das ist heute, wo uns seine Werke so vertraut sind, immer schwieriger. Die Zusammenstellung bietet die Möglichkeit, die Kontraste zwischen den Werken aufzuzeigen, das Schockierende, Elektrifizierende von Beethovens Musik zu zeigen.“

Auftakt macht am Freitag, dem 2. Juli 2021, 20 Uhr, die achte Sinfonie, gefolgt von der ebenfalls heiteren, romantisch-verspielten Vierten: Die Fünfte, auch unter dem Namen „Schicksalssinfonie“ beschließt den Abend. Neben der ersten, noch an Haydn orientierten ersten Sinfonie dirigiert Yannick Nézet-Séguin am Sonntag, 4. Juli, um 17 Uhr das in unserer Zeit vermutlich beliebteste Werk Beethovens: seine Sinfonie Nr.9. Die Ode „An die Freude“ bestreiten mit dem Chamber Orchestra of Europe die Solisten Siobhan Stagg (Sopran), Ekaterina Gubanova (Alt), Werner Güra (Tenor), Florian Boesch (Bass) und der Accentus Chor.

Am Freitag, 9. Jul, um 20 Uhr, folgt die sechste Sinfonie, die „Pastorale“. Dieses bezaubernde Bekenntnis zur Natur steht in reizvollem Kontrast zur folgenden Siebten, die programmatisch an Napoleon und dessen Russlandfeldzug erinnert. Zum krönenden Abschluss des Zyklus die beiden überschäumenden, positiven gleichsam mahnenden Sinfonien Nr. 2 und Nr. 3, die „Eroica“. Die Deutsche Grammophon zeichnet den gesamten Zyklus ihres Exklusiv-Künstlers Yannick Nézet-Séguin auf und veröffentlicht ihn zu einem späteren Zeitpunkt.

Schuberts „Winterreise“ mit Frauenpower – Eine Idee für Baden-Baden, geboren in Baden-Baden

Joyce di Donato
© Simon Pauly

Neben dem Beethoven-Zyklus wird es am 3. Juli 2021, 19 Uhr, einen weiteren Höhepunkt geben: Yannick Nézet-Séguin am Flügel! Er begleitet die unvergleichliche Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato in Schuberts „Winterreise“.

Die Idee zu diesem gemeinsamen Projekt entwickelten die beiden Weltstars während eines Aufenthaltes in Baden-Baden, wie Yannick Nézet-Séguin verriet: “Nach einer der Festspiel-Aufführungen von ‚La clemenza di Tito‘ saßen wir in der Bar des Brenners und sprachen über mögliche neue gemeinsame Projekte – und kamen schließlich auf die ‚Winterreise‘. Ein Jahr später, ich war wieder am Festspielhaus, kam Joyce extra nach Baden-Baden und wir hatten erste intensive Proben“. Nach der Premiere in Kansas und weiteren Auftritten weltweit ist es für die beiden nun ein besonderes Vergnügen, endlich auch in Baden-Baden damit aufzutreten.

Für ihre Interpretation der eigentlich für Männerstimmen vorgesehenen Partie fand die amerikanische Mezzo-Sopranistin einen ganz spezifischen Zugang: „Das Mädchen sprach von Liebe“ –Joyce DiDonato ist die Frau, die Witwe. Sie erinnert sich an den Geliebten, vollzieht, erlebt mittels seines Tagebuchs sein Erleben nach und verleiht diesem in ihrem Gesang Ausdruck.

Joyce DiDonato ist geradezu prädestiniert für dieses Abenteuer, ist sie doch eine Sängerin, die alles mit derselben Ernsthaftigkeit angeht: Händel wie Mozart, Berlioz wie Ravel, große europäische Oper wie amerikanisches Musical.
Begleitet wird die Künstlerin von Yannick Nézet-Séguin, der in Baden-Baden seine Festspielhaus-Premiere als Pianist feiert.


Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

Im chronologischen Überblick

Freitag, 2. Juli 2021, 20 Uhr
Beethoven-Zyklus I
Yannick Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe
Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Samstag, 3. Juli 2021, 19 Uhr
Franz Schubert: „Winterreise“
op. 89 Liedzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller
Joyce DiDonato (Mezzosopran)
Yannick Nézet-Séguin (Klavier)

Sonntag, 3. Juli 2021, 17 Uhr
Beethoven-Zyklus II Yannick Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe
Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
Siobhan Stagg (Sopran), Ekaterina Gubanova (Alt), Werner Güra (Tenor), Florian Boesch (Bass) , Accentus Chor

Freitag, 9. Juli 2021, 20 Uhr
Beethoven-Zyklus III
Yannick Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“
Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92
Samstag, 10. Juli 2021, 18 Uhr

Beethoven-Zyklus IV
Yannick Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“
Neustart mit Met-Star

Der in Montreal geborene Dirigent Yannick Nézet-Séguin zählt zum erlesenen Kreis der Ehrenmitglieder des Chamber Orchestra of Europe. Zur ersten Begegnung mit den Musikerinnen und Musikern kam es in der Zeit, als er Schüler von Carlo Maria Giulini war. 2008 stand Yannick Nézet-Séguin zum ersten Mal selbst am Pult des Chamber Orchestra of Europe. Seitdem hat er es vielmals auch im Festspielhaus Baden-Baden dirigiert, unter anderem in konzertanten Aufführungen von Mozart-Opern, aus denen eine CD-Reihe bei der Deutschen Grammophon hervorging. 2016 war er mit den Wiener Philharmonikern im Festspielhaus zu Gast – neben den Berliner Philharmonikern eines der europäischen Orchester, das er regelmäßig dirigiert.

Seit September 2018 ist Yannick Nézet-Séguin Musikdirektor der Metropolitan Opera New York, seit 2012 ist er Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, seit 2000 Künstlerischer Direktor des Orchestre Métropolitain de Montréal. Eines seiner letzten Konzerte in Europa vor der Pandemie war Mahlers Sinfonie Nr. 5 mit Rotterdam Philharmonic im Festspielhaus Baden-Baden. Nun markiert der Beethoven-Zyklus im Festspielhaus seine Rückkehr auf diesen Kontinent.

2021 feiert das Chamber Orchestra of Europe sein vierzigjähriges Bestehen. Das Ensemble wurde 1981 von ehemaligen Musikerinnen und Musikern des European Union Youth Orchestra gegründet. Jedes Mitglied verfolgt neben seinem Engagement im Chamber Orchestra of Europe eine Karriere als Solist, als Musiker in staatlichen oder städtischen Orchestern, als Kammermusiker oder als Musikpädagoge. Seit 2009 unterhält das Orchester eine eigene Akademie für besonders talentierte junge Musikerinnen und Musiker.
Von Beginn an wurde das Orchester von Partnerschaften mit großen Dirigenten und Solisten geprägt. Claudio Abbado war ein wichtiger Mentor der ersten Jahre, genauso wie Nikolaus Harnoncourt. Zurzeit arbeitet das Orchester eng mit Yannick Nézet-Séguin und András Schiff zusammen. Mehr als 250 Werke hat das Orchester eingespielt, drei Aufnahmen waren „Einspielung des Jahres“ der Fachzeitschrift „Gramophone“, zwei wurden mit einem Grammy ausgezeichnet.

Joyce DiDonato
Eine „Stimme wie 24 Karat Gold“ (New York Times) hat sie, mit Grammys, ECHOS und anderen Auszeichnungen werden sie und ihre Aufnahmen geehrt: Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Seit ihrem Debüt an der Mailänder Scala ist sie von den großen Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken und sowohl im Opern-, als auch im Konzertbereich ein gern gesehener Gast, etwa in der Carnegie Hall, der Metropolitan Opera, dem Liceu in Barcelona, bei den Salzburger Festspielen oder den Last Night of the Proms der BBC.

Ihr Repertoire wählt Joyce DiDonato dabei sehr gewissenhaft aus: Neben Klassikern der Opernliteratur wagt sie sich auch gerne an Zeitgenössisches oder Liedgesang. Viel Beachtung fand auch ihr Beitrag zum Dokumentarfilm „The Florence Foster Jenkins Story“, in dem sie 2016 als Hauptdarstellerin in die Rolle der berühmten „Falschsängerin“ schlüpfte.

Ekaterina Gubanova hat sich als eine der führenden Mezzosopranistinnen ihrer Generation etabliert und ist ständiger Gast an der Metropolitan Opera, der Mailänder Scala, dem Royal Opera House Covent Garden, der Bayerische Staatsoper, der Wiener Staatsoper, der Staatsoper Berlin, der Lyric Opera Chicago, am Teatro Real in Madrid, dem Bolshoi Theatre, dem Mariinsky Theatre und dem Gran Teatro del Liceu in Barcelona. Am Festspielhaus Baden-Baden war sie das letzte Mal zu Gast bei der Baden-Baden Gala 2016.

Siobhan Stagg, geboren in Australien, studierte Gesang in Melbourne und Cardiff. Sie gewann zahlreiche Preise wie den ersten Preis beim Stuart Burrows International Voice Award in Wales und beim Mietta Song Competition in Melbourne. Nach ihrem Studium wurde sie als Stipendiatin an die Deutsche Oper Berlin engagiert. Weitere Engagements führten sie u. a. an die Staatsoper Hamburg, die Staatsoper Berlin, an das Grand Théâtre de Génève, die holländische Nationaloper und an das Royal Opera House Covent Garden sowie zu den Salzburger Festspielen.

Der österreichische Bassbariton Florian Boesch zählt zu den großen Liedinterpreten unserer Zeit mit Auftritten im Wiener Musikverein und Konzerthaus, der Londoner Wigmore Hall, Carnegie Hall New York, Concertgebouw Amsterdam, der Philharmonie Luxembourg sowie beim Edinburgh Festival, den Schwetzinger Festspielen und den Salzburger Festspielen, auch auf der Festspielhausbühne war er mehrfach zu erleben.

Nach Operngastspielen in Frankfurt und Basel wurde Werner Güra 1995 Ensemblemitglied der Semperoper in Dresden. Unter der Leitung von Daniel Barenboim gastierte er an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, sang an der Opéra National de Paris und am Monnaie-Theater Brüssel. 2006 war er in Baden-Baden als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“ unter René Jacobs zu Gast und 2014 sang er in Zürich in Monteverdis „Il ritorno d´Ulisse in patria“. Im Konzert- und Oratorienfach ist er mit den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouworchester Amsterdam und vielen weiteren bedeutenden Orchestern aufgetreten. Als besonderes Glück empfindet der Tenor seine lange und regelmäßige Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt.


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