Bayreuth Baroque Opera Festival 2021 vom 1. bis 12. September

Im September 2020 startete das Internationale Festival der Opera seria Bayreuth Baroque im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth.

Das 1748 eröffnete, 2012 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommene und 2018 nach denkmalgerechter Renovierung wieder eröffnete Theater Wilhelmines von Bayreuth ersteht als Spielort seltener Opern aus seiner Entstehungszeit zu neuem Leben.

Durch die Aufführung barocker Opere Serie am Originalschauplatz wird eines der schönsten Opernhäuser der Welt aus musealem Schlaf erweckt und seine Epoche sinnlich wieder erlebbar.

Künstlerischer Leiter ist der Countertenor, Regisseur und Produzent Max Emanuel Cencic. Künstlerischer Betriebsdirektor ist Georg Lang, Geschäftsführer ist Dr. Clemens Lukas.


2021 findet Bayreuth Baroque vom 01. bis 12. September statt. Eröffnet werden die Festspiele mit der Wiederaufnahme von Nicola Porporas Carlo il Calvo in der opulenten und unterhaltsamen Inszenierung von Max Emanuel Cencic (01., 03., und 05.09.). Die gefeierte Premierenbesetzung mit dem künstlerischen Leiter und Countertenor Max Emanuel Cencic selbst, Franco Fagioli, Julia Lezhneva, Bruno de Sá und vielen weiteren wird auch dieses Jahr wieder zu erleben sein.

Als zweite Oper wird Porporas Polifemo in einer konzertanten Aufführung im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, dem berühmten UNESCO Weltkulturerbe, das Festival beschließen (09. und 12.09.). Gestaltet werden die Hauptrollen erneut von Max Emanuel Cencic und Julia Lezhneva sowie von Yuriy Mynenko und Pavel Kudinov. Die musikalische Leitung übernimmt bei beiden Opern George Petrou mit Armonia Atenea.

Weitere Highlights der diesjährigen Ausgabe von Bayreuth Baroque sind Gala-Abende im Opernhaus von Sopranistin Simone Kermes (04.09.) und den Countertenören Jakub Józef Orliński (10.09.) und Franco Fagioli (11.09.).

Weitere Konzerte komplettieren auf spektakuläre Weise die Präsentation der barocken Musikwelt mit Programmen der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und den Bayreuther Solisten (02.09.), der Gambistin Maddalena del Gobbo (Dinner-Konzert in der Eremitage, 06.09.), einer Aufführung von Händels Oratorium Judas Maccabaeus mit dem Kammerchor BachPlus und dem Ensemble B’Rock unter der Leitung von Bart Naessens (Stadtkirche, 07.09.) und der Gestaltung des Programms „Musica Princeps“ durch Martyna Pastuszka und ihrem Ensemble {OH!} (08.09.).


Programm Bayreuth Baroque 2021


Programm Bayreuth Baroque 2021

Carlo il Calvo

Dramma per musica
Musik von Nicola Antonio Porpora
Libretto nach Francesco Silvani

Franco Fagioli | Adalgiso
Max Emanuel Cencic | Lottario
Julia Lezhneva | Gildippe
Suzanne Jerosme | Giuditta
Nian Wang | Eduige
Bruno de Sá | Berardo
Peter Nekoranec | Asprando
Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival
Armonia Atenea | Orchester
George Petrou | Musikalische Leitung
Max Emanuel Cencic | Regie
Giorgina Germanou | Bühne
Maria Zorba | Kostüme
David Debrinay | Licht
Dimitra Antonaki | Choreographie
Boris Kehrmann | Dramaturgie
Constantina Psoma | Regieassistenz

Carlo il Calvo (Karl der Kahle) wurde 1738 am führenden Opernhaus Roms, dem Teatro delle Dame, uraufgeführt. Porporas Oper basiert auf einem venezianischen Libretto von 1699, das unter verschiedenen Titeln von Komponisten wie Vinaccesi, Keller, Alessandro Scarlatti, Orlandini und Telemann vertont wurde. Die Partitur hat sich im Konservatorium zu Neapel erhalten.

Die Handlung führt in jene Epoche des frühen Mittelalters, als das Europa Karls des Großen unter den Händen seiner zerstrittenen Erben zerfiel. Ihre Besonderheit besteht darin, dass der Titelheld ein Kind ist. Lothar der Deutsche, sein Stiefbruder, Enkel Karls des Großen, entführt den rechtmäßigen Thronerben, um ihm die Herrschaft zu entreißen. Das gibt Karls Mutter Gelegenheit zu herzzerreißenden Verzweiflungsszenen und atemberaubenden Gefühlsausbrüchen. Eine Paraderolle für die russische Starsopranistin Julia Lezhneva. Den durch einen falschen Berater zum Bösen verführten Lottario verkörpert Max Emanuel Cencic in pathologischer Hysterie. Allein Franco Fagioli hat als edler Ritter Adalgiso das Zeug, dem Tyrannen Einhalt zu gebieten und die gottgewollte Ordnung wiederherzustellen.

Die Originalbesetzung bestand ausschließlich aus Männern und Kastraten. Frauen durften in der Heiligen Stadt nicht öffentlich auftreten. Auf der Bühne der Uraufführung standen umjubelte Sängerstars des barocken Europas. Entsprechend exorbitant sind die vokalen Ansprüche, dem auch die Besetzung des diesjährigen Bayreuth Baroque Opera Festivals souverän gewachsen ist. Freuen sie sich auf ein Gesangsfest der Sonderklasse.

01. September 18.00 Uhr
03. September 18.00 Uhr
05. September 15.00 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Der Markgräfin Haus- und Hofmusik

Dorothee Oberlinger | Blockflöte
Olga Watts | Cembalo
Axel Wolf | Laute

Mit Werken u.a. von Georg Philipp Telemann, Johann Joachim Quantz, Johann Sebastian Bach und Wilhelmine von Bayreuth

Am Hofe der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth wurde eifrig musiziert. Nach einem enttäuschenden Start in der neuen Heimat nahm die ursprünglich aus Berlin stammende Tochter des Soldatenkönigs ab 1732 das Kulturleben Bayreuths selbst in die Hand. Schon bald hatte sie an ihrem Hof ein kulturelles und intellektuelles Zentrum geschaffen, das bis heute als eine Hochblüte der Bayreuther Stadtgeschichte gilt. Als weitläufig gebildete Frau wusste Wilhelmine genau über die neuesten Strömungen und Entwicklungen der europäischen Musikwelt Bescheid, und bei festlichen Konzerten konnte man die Werke der zeitgenössischen Komponistengrößen hören. Aber auch außerhalb der Öffentlichkeit widmete sich Wilhelmine der Musik, verfasste Opernlibretti, komponierte eigene Werke und vervollkommnete ihre Fähigkeiten an der Laute, indem sie bei Virtuosen wie Silvius Leopold Weiss und Adam Falckenhagen Unterricht nahm.

Die bekannte Blockflötistin Dorothee Oberlinger widmet sich in diesem Konzert gemeinsam mit dem Lautenisten Axel Wolf und der Cembalistin Olga Watts diesem reizvollen und musikalisch-neugierigem Flair am Hofe Wilhelmines. „Man muss die Grenzen des Instruments ständig ausloten, um ausdrucksvoll spielen zu können“, sagt Virtuosin Oberlinger, die über 100 verschiedene Blockflöteninstrumente besitzt. Ihr technisches und gestalterisches Können beweist sie dabei nicht nur in Werken berühmter Barockkomponisten wie Telemann, Bach und des großen Flötisten Johann Joachim Quantz – auch lässt sie eine der wenigen erhalten gebliebenen Kompositionen Wilhelmines von Bayreuth selbst erklingen.

02. September 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Canzonetta d’amore

Simone Kermes | Sopran
Amici Veneziani

Mit Werken u.a. von Claudio Monteverdi, Henry Purcell, Antonio Vivaldi

Nirgendwo wird so inniglich gelitten und geliebt wie auf der Opernbühne, zu keiner Zeit wurde die zarteste aller Empfindungen so leidenschaftlich und empfindsam in Musik gesetzt wie in der Ära des Barock, und kaum eine Sängerin vermag es heute, diese großen Gefühle so eindringlich ins 21. Jahrhundert zu transferieren wie Simone Kermes – ein Popstar des Barockgesangs!

Simone Kermes ist nicht nur für ihre atemberaubende Stimmvirtuosität, mit der sie regelmäßig Vokalfeuerwerke entzündet, weltberühmt, sondern auch für ihre tief empfundenen, zu Tränen rührenden Inter- pretationen. Bei aller Buntheit ihrer peppigen Auftritte trifft sie doch immer zielgerade in die Herzen ihrer Zuhörerschaft. Seit 2017 wird sie dabei von den Amici Veneziani – ein von ihr gegründetes Instrumentalensemble – begleitet, wobei man die innige Freundschaft, welche die Musikerinnen und Musiker mit der Sängerin verbindet, hören und fühlen kann. Mit Canzonetta d’amore präsentiert Simone Kermes die weite Bandbreite, die das musikalische Barock zum Thema Liebe aufbietet: ob Claudio Monteverdis herz- zerreißendes Lamento della ninfa, Giovanni Battista Pergolesis stürmischer Zornesausbruch einer gekränkten Seele in der Arie Tu me da me dividi oder Henry Purcells zarte Liebeserklärung an die Musik in Music for a While – und natürlich darf Riccardo Broschis fulminater Farinelli-Exzess Qual guerriero in campo armato nicht fehlen!

04. September 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Sechs Saiten zum Parnass Dinnerkonzert

Maddalena del Gobbo | Viola da gamba
Alberto Busettini | Cembalo

Mit Werken u.a. von Franz Benda, Carl Friedrich Abel, Johann Caspar Ferdinand Fischer und Carl Philipp Emanuel Bach

In einem Plattenladen im Herzen der österreichischen Hauptstadt hörte Maddalena del Gobbo – damals Cellostudentin am Wiener Konservatorium – die Klänge einer Viola da gamba im Hintergrund. Der magisch-melancholische, hochemotionale Klang dieses alten Instruments berührte und begeisterte die junge Italienerin dermaßen, dass sie sich fortan mit Herz und Seele der Viola da gamba widmete.

Mittlerweile ist die temperamentvolle Künstlerin die erste Gambistin, die Solo-Alben bei dem renommierten Label Deutsche Grammophon veröffentlicht und damit nicht nur das Sortiment der Plattenläden Wiens bereichert. Dabei stand das wunderlich-wunderbare Instrument lange Jahre im Schatten des jüngeren Violoncellos, das 19. Jahrhundert hatte die Gambe beinahe ganz vergessen.

Im 18. Jahrhundert jedoch zählte sie zu den beliebtesten Musikinstrumenten der abendländischen Kultur, und Gamben-Virtuosen füllten allerorts die Konzertsäle. Carl Friedrich Abel etwa feierte an der Viola da gamba so große Erfolge im Londoner Exil, dass der jüngste Bach-Sohn Johann Christian eigens in die englische Metropole reiste, um mit ihm gemeinsam die „Bach-Abel Concerts“ zu gründen. Auch dessen berühmter Halbbruder Carl Philipp Emanuel Bach komponierte leidenschaftlich gerne für die 6-saitige „Beingeige“. Gemeinsam mit dem Cembalisten Alberto Busettini beweist Maddalena del Gobbo, dass der berührende Klang der Gambe über die Jahrhunderte nichts an Kraft und Schönheit eingebüßt hat.

06. September 18.00 | 19.30 |21.00 Uhr
Orangerie der Eremitage


Judas Maccabaeus Oratorium in drei Teilen HWV 63

Musik von G. F. Händel
Libretto von Thomas Morell
Benjamin Hulett | Judas (Tenor) Pavel Kudinov | Simon (Bass)
Lucy Crowe | Eine Israelitin (Sopran)
Hongni Wu | Ein Israelit (Alt)
Pieter De Praetere | Eupolemus (Alt)
Kerlijne Van Nevel | Erster Bote (Alt)
Tiemo Wang | Zweiter Bote (Bass)
BachPlus | Chor
B’Rock | Orchester
Bart Naessens | Musikalische Leitung

Thronprätendent Charles Edward aus dem Hause Stuart erreichte im August 1745 die britische Insel und eroberte in wenigen Wochen einen Großteil Schottlands. Immer näher rückte er zu der englischen Hauptstadt vor; die Truppen unter Herzog von Cumberland konnten den Nachfahren König Jakobs II. zwar in seinem Fortkommen hemmen, ihn jedoch nicht aufhalten. Erst nach Monaten des Kampfes konnte Charles Edward vollständig zurückgedrängt und besiegt werden. In London atmete man erleichtert auf.

Georg Friedrich Händel, der zu dieser Zeit in finanzielle Not geraten war und sich schon zuvor von der italienischen Oper ab- und dem englischsprachigen Oratorium zugewandt hatte, nutze die Wirrnisse des Jakobinischen Aufstandes, um sich mit mehreren politisch motivierten Werken die Gunst des Königs Georg II. zu erwerben. Mit Judas Maccabaeus wählten er und sein Librettist Thomas Morell einen biblischen Stoff, der Kämpfe und Siege des israelitischen Volkes zum Thema hat – die Bezüge zur aktuellen Situation waren unverkennbar, der Freiheitskämpfer Judas konnte direkt mit dem englischen Herrscher assoziiert werden, und die Jubelgesänge am Ende des Oratoriums galten auch dem gerade errungenen Sieg.

Bereits zu Händels Lebzeiten wurde Judas Maccabaeus um die 50 Mal aufgeführt. Das hochkarätige Sängerensemble um Benjamin Hulett als Judas beweist zusammen mit dem Orchester B’Rock unter Bart Naessens, dass sich das Oratorium bis heute längst von dem Anlass seiner Entstehung etabliert hat und immer noch zu dem Bedeutendsten zählt, was die Musikgeschichte zu der Gattung her- vorgebracht hat.

07. September 18.30 Uhr
Stadtkirche Bayreuth


Musica Princeps

Martyna Pastuszka | Violine und Musikalische Leitung
{oh!} Orkiestra Historyczna

Mit Werken von Maximilian III. Joseph von Bayern, Michele Mascitti und Johann Pfeiffer

Wo ein Fürst regiert, wird musiziert! Und gerade die Könige und Grafen des Barock legten nicht nur höchsten Wert auf prunkvolle Schlösser und Gärten, sondern auch auf eine prächtige Musikkultur, die ihre Herrschaft und Macht zum Klingen bringen sollte. Maximilian II. Emanuel von Bayern beispielsweise galt als großer Liebhaber und Förderer der Künste, der keine Kosten scheute, um die besten Komponisten der Zeit an seinen Hof zu beschäftigen. So war er auch ein Förderer des italienischen Violinisten und Komponisten Michele Maschitti, der später vor allem in Paris zu Ruhm und Ansehen kam. Dort ver- öffentlichte er zwischen 1704 und 1738 116 Werke – die meisten davon Sonaten für Violine und Basso continuo. Wilhelmine von Bayreuth ihrerseits ließ sich unter anderem von Johann Pfeiffer unterrichten, der daselbst bis zu seinem Tod in Bayreuth blieb und maßgeblich zu der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Musikkultur am Hofe Wilhelmines beitrug. Auch Maximilian III. Joseph von Bayern, Enkelssohn von Maximilian II. Emanuel, liebte die Musik, doch fehlte ihm das Geld, um den musikalischen Prunk seiner Vorfahren erhalten zu können. Stattdessen tat er sich selbst als Komponist hervor und schenkte sich und der Welt unter anderem 12 Triosonaten für zwei Violinen und Basso continuo.

Mit Musikerinnen und Musikern des 2012 gegründeten Ensembles {oh!} Orkiestra Historyczna lässt die oberschlesische Violinistin Martyna Pastuszka die musikalische Pracht der Bayerischen Fürstenhöfe neu erklingen!

08. September 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Polifemo Opera seria – konzertant

Musik von Nicola Antonio Porpora
Libretto von Paolo Antonio Rolli
Yuriy Mynenko | Aci
Max Emanuel Cencic | Ulisse
Pavel Kudinov | Polifemo
Julia Lezhneva | Galatea
Rinnat Moriah | Nerea
Sonja Runje | Calipso
Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival
Armonia Atenea | Orchester George Petrou| Musikalische Leitung

Nicola Porpora war Lehrer Farinellis und Rivale Händels und Hasses. Als einer der schillerndsten Gestalten des musikalischen Barock hat er der Opernentwicklung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entscheidende Impulse gegeben. Er wirkte in Italien — vor allem in seiner Heimat Neapel —, aber auch in London, Dresden und Wien, wenn auch nicht immer mit großer Fairness seinen Komponistenkollegen gegenüber, wohl aber stets auf die Entfaltung elementarer musikalischer Schönheiten bedacht. Mit Gesangsstimmen wusste er umzugehen, sowohl was ihre Ausbildung als auch ihren effektvollen Einsatz betraf. Zum Jahresbeginn 1735 schrieb er für die Opera of the Nobility, die als Konkurrenzunternehmen zum Opern- imperium Händels in der britischen Metropole aufgebaut worden war, die Opera seria Polifemo, die mit Farinelli in der Rolle des Aci uraufgeführt wurde.

Das Libretto von Paolo Rolli basiert auf zwei bekannten griechischen Mythen, die beide mit dem Zyklopen Polyphem verknüpft sind: die Geschichte um die Nymphe Galateia und den Hirten Akis sowie die Begegnung mit Odysseus, die für den einäugigen Riesen wenig vorteilhaft ausgeht. Porpora schuf für die vielfarbigen Szenen eine Musik von großer Ausdruckskraft und Virtuosität, die ihre Wirkung damals wie heute nicht verfehlt – vor allem nicht, wenn ein hochkarätiges Ensemble Porporas Partitur zum Leuchten bringt.

09. September 18.00 Uhr
12. September 15.00 Uhr
Markgräfliches Opernhaus
Anima Aeterna


Jakub Józef Orliński Countertenor

Il Pomo d’Oro | Orchester
Francesco Corti | Cembalo und Musikalische Leitung

Mit Werken u.a. von Janez Krstnik Dolar,

Johann Joseph Fux, Antonio Lotti und Giuseppe Antonio Brescianello

Der preisgekrönte Breakdancer und Hiphop-Fan Jakub Józef Orliński zählt seit einigen Jahren zu den international begehrtesten Countertenören unserer Tage. Ob in der New Yorker Carnegie Hall oder der Londoner Wigmore Hall: Mit seiner berührend klangschönen und fast schwebenden Mezzo-Stimme ist der junge Pole auf den berühmten Konzertpodien dieser Welt zuhause.

Seine Interpretation der Arie „Vedro con mio diletto“ aus Vivaldis Griselda in Aix-en-Provence wurde auf der Online-Plattform YouTube bereits über 7,4 Millionen Mal gesehen – ein Rekord für einen Countertenor! Doch geht es ihm nicht um schnelle Popularität. Vielmehr befindet er sich ständig auf der Suche nach Unbekanntem und fast Vergessenem, wie die Werke des geheimnisvollen Portugiesen Francisco António de Almeida oder des dreimaligen Primadonnengatten Franceso Bartolomeo Conti. Mit Anima Aeterna präsentieren Jakub Józef Orliński und das fulminante Barockensemble Il Pomo d’Oro unter der Leitung von Francesco Corti ein sorgfältig ausgewähltes Programm, das Werke bekannter Meister wie Antonio Vivaldi oder Georg Friedrich Händel mit selten gehörten Kostbarkeiten aus dem reichen Schatz des musikalischen Barock vereint.

10. September 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Vinci Gala

Franco Fagioli | Countertenor
Armonia Atenea | Orchester
George Petrou | Musikalische Leitung

Mit Werken von Leonardo Vinci und Georg Friedrich Händel

Kaum ein anderer Komponist prägte die neapolitanische Oper im 18. Jahrhundert so wie Leonardo Vinci: Freund Pietro Metastasios, Komponist für Farinelli und Liebling der Frauen! Leonardo Vinci verkörperte alles, was ein Starkomponist brauchte. Mit über- schäumendem Erfindungsreichtum schuf er zu Herzen gehende Melodien und halsbrecherische Virtuosenstücke. Mit 40 Jahren stand er am Zenit seiner Karriere. Gerade hatte ihm die Uraufführung seiner Oper Artaserse am römischen Teatro delle Dame den größten Triumph seines Lebens gebracht, als er plötzlich und unerwartet verstarb – angeblich vergiftet von einem eifersüchtigen Ehemann. Er lebte und liebte wie er komponierte: temperamentvoll, leidenschaftlich und alle Sinne erregend! Ein Leben für die Oper!

Über nicht weniger südländisches Feuer verfügt der argentinische Star-Countertenor Franco Fagioli. „Wenn Fagioli draufsteht, kann man eine neue CD auch ungesehen kaufen“, lobte der Bayrische Rundfunk die Veröffentlichung von Fagiolis jüngstem Album Veni, Vidi, Vinci, auf dem er seinen Fans die schönsten Arien aus Leonardo Vincis Feder näherbringt. Und auch in der Vinci Gala darf sich das Publikum des Bayreuth Baroque Opera Festivals auf unvergessliche musikalische Momente freuen, wenn Franco Fagioli gemeinsam mit der Barock-Formation Armonia Atenea unter George Petrou hochemotionale wie auch glanzvoll-virtuose Koloratur- explosionen zum Besten gibt.

11. September 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus


Max Emanuel Cencic Künstlerischer Leiter

Max Emanuel Cencic ist einer der weltweit faszinierendsten und vielfältigsten Künstler, der sich für die Wiederentdeckung und Aufführung der Musik des 18. Jahrhunderts einsetzt.
Mit seinem virtuosen Mezzosopran zeigt Max Emanuel Cencic wie technisch brillant und gleichzeitig modern und einfühlsam Barockgesang sein kann. Seit mehr als 35 Jahren steht er auf der Bühne und tritt weltweit an den großen Opernhäusern auf, wie der Wiener Staatsoper, dem Theater an der Wien, am Opernhaus Zürich, der Opéra Royal in Versailles, der Bayerischen Staatsoper, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, Barcelonas dem Gran Teatro del Liceu, dem Théâtre des Champs-Élysées sowie im Brüsseler Opernhaus La Monnaie.

Max Emanuel Cencic zieht große Aufmerksamkeit auf seine Projekte, indem er sie in Opern-Produktionen, CD-Aufnahmen sowie bei ausgedehnten Tourneen dem Publikum nahebringt. Als künstlerischer Leiter von Parnassus Arts Productions ist er verantwortlich für die Konzeption, Leitung und Aufführung wichtiger Werke des italienischen Barock, darunter die sensationelle Wiederentdeckung von Leonardo Vincis letzter Oper Artaserse.

Längst hat sich Max Emanuel Cencic auch als Regisseur international einen Namen gemacht, etwa durch die Live-Produktion von Hasses Siroe, die auf Europatournee ging und bei Decca als CD erschien.

Seit September 2020 ist Max Emanuel Cencic künstlerischer Leiter des Bayreuth Baroque Opera Festival. Mehr zu Max Emanuel Cencic finden sich unter: cencic.com


Das Markgräfliches Opernhaus Bayreuth UNESCO-Weltkulturerbe

Das Markgräfliche Opernhaus ist das besterhaltene Beispiel eines freistehenden barocken Hoftheaters. Vorbild waren die größten Opernhäuser der Zeit in Wien und Dresden. Als einzigartiges Monument der Fest- und Musikkultur des 18. Jahrhunderts wurde es 2012 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes eingetragen.

Treibende Kraft hinter dem Ausnahmeprojekt war die musik- und theaterbegeisterte Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758). Anlass der Errichtung war die 1748 mit großem Aufwand gefeierte Hochzeit ihrer einzigen Tochter, Elisabeth Friederike Sophie, mit Herzog Carl Eugen von Württemberg. Als Architekt des neuen Opernhauses wurde der führende Theaterarchitekt der Zeit, der zuvor für den Wiener Kaiserhof tätige Italiener Giuseppe Galli Bibiena verpflichtet. Die Bauaufsicht vor Ort übernahm sein Sohn Carlo Galli Bibiena, der bis zum Tod der Markgräfin zahlreiche Bühnenbildentwürfe und Festdekorationen schuf.

Das Markgräfliche Opernhaus folgt dem Typus des italienischen Logentheaters. Das aus Holz und Leinwand gefertigte, vollständig erhaltene Logenhaus ist als selbsttragende Konstruktion in die steinerne Gebäudehülle eingestellt. Der Innenausbau des Theaters erfolgte in kürzester Zeit mit zum Teil vorgefertigten und außerhalb der Baustelle bemalten hölzernen Architekturgliedern und gefassten Skulpturen. In weniger als vier Jahren Bauzeit entstand von 1744 bis 1748 ein Meisterwerk barocker Festarchitektur

Mehr zum Markgräflichen Opernhaus Bayreuth finden sich unter: bayreuth-wilhelmine.de

Weitere Informationen zum Programm, den Künstlern und Tickets finden sich unter bayreuthbaroque.de