Ballett »Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.« ab 29. Januar am Theater Pforzheim

Ballett von Guido Markowitz und Damian Gmür

Beethoven. Unerhört. Grenzenlos. ~ Theater Pforzheim ~ Mei Chen ~ Foto: Andrea D’Aquino

Beethovens letzte vollendete Sinfonie, die „Neunte“, gilt als vollkommener Ausdruck der Idee von der Erneuerung des Menschen und der Welt. Vor diesem Hintergrund gehen Ballettdirektor Guido Markowitz und Co-Choreograf Damian Gmür am Theater Pforzheim jetzt neue Wege: Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Robin Davis, den Tänzerinnen und Tänzern des Ballett Theater Pforzheim, Sounddesigner Fabian Schulz, Videobildner Philipp Contag-Lada und Kostümbildnerin Erika Landertinger dekonstruieren sie unter dem Titel „Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.“ die monumentale, sinfonische Komposition aus dem Jahr 1824.

Konfrontiert mit neuen elektronischen Soundkompositionen wird Beethovens „Neunte“ zu einer überraschend neuen Grundlage für eine expressive Erzählung in der Sprache des zeitgenössischen Tanzes. Es spielt die Badische Philharmonie Pforzheim. Premiere ist am Samstag, 29. Januar um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.
Theater Pforzheim
Willer Gonçales Rocha und Stella Covi, von links
Foto: Andrea D’Aquino

Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, der zum Zeitpunkt ihrer Uraufführung vollständig sein Gehör verloren hatte, gleicht einem Wandgemälde der Welt im Übergang in ein neues Zeitalter. Der Mensch findet in ihm, so die Kernaussage der „Neunten“, in der Rückbesinnung auf die Schöpfung zurück zur allumfassenden Gemeinschaft. Im Hinblick darauf spiegelt „Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.“ Themen, die Markowitz und Gmür bereits in ihren jüngsten Werken „Die vier Jahreszeiten“, „Brahms – Glaube Liebe Hoffnung“, „Wolken, die uns nicht tragen“ und „45“ immer wieder verhandelt haben: Mensch und Gesellschaft in Raum und Zeit, Energie und Liebe, Verlust und Erlösung.

Von zwei Choreografen geschaffen, entsteht so ein Tanzstück aus verschiedenen Perspektiven über starke Kräfte, die gegensätzlich auf Mensch und Welt einwirken, beide geformt haben und herausfordern. Guido Markowitz: „Beethovens Musik gleicht dem Einreißen von Mauern. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass immer mehr Mauern wieder aufgebaut werden. Diese gegensätzlichen Vorgänge und die intensiven emotionalen Zustände, die damit verbunden sind, sind das, was mich als Choreograf interessiert“.

Co-Choreograf Damian Gmür ergänzt: „Mich interessieren Energie und Details, die unsere Gegenwart charakterisieren. Das Kämpfen, das Protestieren, die Ausbreitung, die Manipulation und der Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge.“

Markant: Tänzerinnen und Tänzer des Urban Theater Pforzheim Lab wirken in „Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.“ erstmals an einer großen Produktion des Ballett Theater Pforzheim mit. Die Vielfalt von Tanz als Energie, Sprache und Stil ausschöpfend, überführen Guido Markowitz und sein Team so Beethovens „Evangelium der Weltharmonie“, in dem der Mensch, so Friedrich Nietzsche, das Gehen und Sprechen verlernt habe und auf dem Wege sei, tanzend in die Lüfte emporzufliegen,- in mitreißende, seismografisch funktionierende Bilder und eine spannungsvolle, assoziationsreiche Erzählung über Mauern, deren Aufbrechen, das Unerwartete und Nichtvorstellbare und Verändern.

Nachdenklich machen wird der Schluss dieser neuen Premiere: Der berühmte vierte Satz mit Friedrich Schillers Zitat „Freude, Schöner Götterfunken“ als Ausdruck universeller Gemeinschaft wird nicht mit einem groß besetzten Chor realisiert werden. Intendant Thomas Münstermann: „In Zeiten der Pandemie, in denen wir alle Nähe und Gemeinschaft schmerzlich entbehren müssen, bleibt Beethovens berühmter 4. Satz im doppelten Sinne unerhört. Seine Botschaft hat aber nichts von ihrer Radikalität und Bedeutung verloren – im Gegenteil. Das Finale wird unser Publikum überraschen.“


„Beethoven. Unerhört. Grenzenlos.“

Beethovens Musik in der Sprache des zeitgenössischen Tanzes
von Guido Markowitz und Damian Gmür


Premiere am Theater Pforzheim: 29. Januar 22 (Großes Haus)

Choreografie und Inszenierung: Guido Markowitz und Damian Gmür
Musikalische Leitung: Robin Davis.
Bühnenbild und Videoinstallation: Philipp Contag-Lada
Kostüme: Erika Landertinger
Dramaturgie: Alexandra Karabelas
Fotografie: Andrea D´Aquino

Mit: Marta Allocco, Mei Chen, Stella Covi, Fabienne Deesker, Elise de Heer, Mikaela Kos, Selene Martello (a.G.), Eleonora Pennacchini, Charles Antoni, Mirko Ingrao, Francisco Ládron de Guevara Rodriguez, Willer Gonçales Rocha, Emanuele Senese und Tse-Wei Wu

Badische Philharmonie Pforzheim

Weitere Vorstellungen am 1., 11., 15. und 24. Februar sowie an weiteren Terminen im Laufe der Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

theater-pforzheim.de