Auswahl des Impulse Theater Festivals 2020

Dieses Jahr werden die „Impulse“ 30 Jahre alt! Seit 1990 ist das Festival des NRW KULTURsekretariats die wichtigste Plattform für das Freie Theater im deutschsprachigen Raum. Es präsentiert auch in seiner 23. Ausgabe herausragende und herausfordernde Arbeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Auswahl wird vom 4. bis 14. Juni 2020 im SHOWCASE gezeigt, dieses Jahr in Kooperation mit der studiobühneköln an verschiedenen Kölner Spielstätten. Die Liste der ausgewählten Produktionen finden Sie weiter unten.

Bei dieser dritten Festivalausgabe unter der künstlerischen Leitung von Haiko Pfost, dessen Vertrag bis 2023 verlängert wurde, rückt anlässlich des Jubiläums die Geschichte und Entwicklung der Freien Theaterszene im deutschsprachigen Raum in den Fokus.

Auch eine der beiden Impulse-Akademien richtet den Blick auf das Jubiläum: In einem ehemaligen Archiv für Versicherungsakten entsteht am ersten Festivalwochenende unter dem Titel GESCHICHTE WIRD GEMACHT ein Archiv aus 30 Jahren Festivalgeschichte. Bereits seit 2013 wird – damals auf Initiative der Impulse gestartet – unter dem Titel „Performing the Archive“ ein lebendiges Archiv des Freien Theaters aufgebaut. Daran lässt sich auch die Entwicklung des Freien Theaters ablesen, das zur Gründung der „Impulse“ noch als Sprungbrett für den Nachwuchs galt und heute als ganz eigene Theaterform anerkannt ist. Aber nicht nur strukturell, sondern auch in den Ästhetiken und Inhalten hat sich viel verändert.

In der zweiten Akademie wird unter dem Titel ZEIGE DEINE KLASSE in Zusammenarbeit mit dem FFT Düsseldorf in Diskussionen und Workshops die Klassenfrage gestellt. Ziel ist, ein Bewusstsein für diese im Freien Theater oft vernachlässigte Kategorie zu schaffen.

Das STADTPROJEKT findet in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr und der Bundesinitiative Eigentum verpflichtet e.V. statt. Gemeinsam mit der Mülheimer Stadtgesellschaft entwickelt die Künstler*innengruppe Club Real ein Projekt zu der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich.

SHOWCASE – Auswahl 2020

DARUM
UNGEBETENE GÄSTE / KÖLN
Hunderte Menschen werden jährlich in Köln ohne die Anwesenheit Angehöriger bestattet. Wer waren diese Menschen? Waren sie einsam? Und können wir uns einem Menschen nähern, den wir nie kennengelernt haben? DARUM laden zu einer gemeinsamen Spurensuche, die aus dem Theater auf den Deutzer Friedhof führt.
UNGEBETENE GÄSTE ist eine Produktion von DARUM in Kooperation mit WERK X-Petersplatz (Wien). Gefördert von SHIFT, der Kulturabteilung der Stadt Wien sowie dem Bezirk Innere Stadt. UNGEBETENE GÄSTE / KÖLN ist eine Adaption im Auftrag des Impulse Theater Festival 2020.

Nicoleta Esinencu
ABOLIREA FAMILIEI / DIE ABSCHAFFUNG DER FAMILIE
Was bedeutet „Familie“ im 21. Jahrhundert? Sieben Geschichten aus der postsowjetischen Republik Moldau räumen auf mit idyllischen Klischees und zeigen stattdessen die Realität von Armut und Unterdrückung. Eine theatrale Austreibung von Kapitalismus und Patriarchat.
Produktion: HAU Hebbel am Ufer. Koproduktion: FFT Düsseldorf, teatru-spălătorie. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Goethe-Institut. Mit freundlicher Unterstützung des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) und des Freundeskreises des HAU Hebbel am Ufer. Nicoleta Esinencu ist ein Gast des Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Florentina Holzinger
TANZ
Anmut und Harmonie des romantischen Balletts treffen auf derbe Späße mit künstlichem Gedärm, Motorrädern und Fleischerhaken. Opulent und tabulos zelebriert Florentina Holzinger in ihrem von der Presse gefeierten „Masterpiece“ Kritik und Freude an der Zurichtung des weiblichen Körpers.
Eine Koproduktion von Spirit und Tanzquartier Wien, SPRING Festival, Productiehuis Theater Rotterdam, Künstlerhaus Mousonturm, Arsenic, Münchner Kammerspiele, Take Me Somewhere Festival, Beursschouwburg, deSingel, Sophiensæle, Frascati Productions, Theater im Pumpenhaus, asphalt Festival. Unterstützt von O Espaço do Tempo, Fondation Luma und De Châtel Award. Gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien, dem Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur, dem Performing Arts Fund NL und NORMA Fonds. Dank an CAMPO Gent, ImPulsTanz, Eva Beresin, Stefanie Leitner, Tanz-Archiv MUK Wien, Stimuleringsfonds Creatieve Industrie.

Internil
ES IST ZU SPÄT
Kamera, Mikro, Bildschirme: das Studio eines YouTubers. Live vor Publikum filmt er einen Monolog über die Katastrophe, auf die die Welt zusteuert, und das Theater, das nichts dagegen tun kann. Sind Videos im Netz das wirksamere Medium? Oder ist es Zeit ganz aufzuhören?
Produziert vom Theaterdiscounter Berlin im Rahmen des Monologfestivals 2019.

Magda Korsinsky
STRICKEN, DIE INSTALLATION
Wie gehen afrodeutsche Frauen mit der Vergangenheit ihrer weißen Großmütter um? In STRICKEN sind Video-Porträts von sechs Enkelinnen zu sehen, die über Nationalsozialismus und tiefsitzende Ressentiments sprechen, über Liebe und Leibgerichte aus Omas Küche, über familiäres Erbe und den Rassismus der Gegenwart.
In Zusammenarbeit mit Ballhaus Naunynstraße und Savvy Contemporary e.V.. Mit freundlicher Genehmigung von DENGLER und DENGLER Galerie für Schöne Künste, Stuttgart. Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin und der Rudolf Augstein Stiftung.

Rimini Protokoll (Stefan Kaegi)
GRANMA. POSAUNEN AUS HAVANNA
Kuba war immer wieder Projektionsfläche für sozialromantische Träume. Wie aber lebt es sich in der sozialistischen Realität, jenseits aller Verklärung? Vier junge Kubaner*innen berichten im Dialog mit ihren Großeltern über Vergangenheit und Gegenwart der Revolution.
Eine Produktion von Rimini Apparat und Maxim Gorki Theater Berlin in Koproduktion mit Emilia Romagna Teatro Fondazione, Festival TransAmériques (Montréal), Kaserne Basel, Onassis Cultural Centre – Athens, Théatre Vidy-Lausanne, LuganoInScena-LAC, Zürcher Theater Spektakel, Festival D’Avignon. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, Pro Helvetia, Senatsverwaltung für Kultur und Europa. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Havanna.

Joana Tischkau
PLAYBLACK
It’s Showtime, Baby: ab in die Zauberkugel! In dieser Playb(l)ack-Show werden Songs und Interviews von Michael Jackson, Mariah Carey, Milli Vanilli und anderen Stars kopiert und angeeignet. Eine rasante Collage über die Rolle Schwarzer Künstler*innen in der weiß dominierten Unterhaltungsindustrie.
Eine Produktion von Joana Tischkau in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Studiengang Choreographie und Performance im Rahmen der Hessischen Theaterakademie, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt.

Turbo Pascal
UNTERSCHEIDET EUCH!
Menschen sind verschieden, und das ist ganz normal. Aber was ist mit dem Unterschied zwischen Arm und Reich? Muss das so sein? Und ist das gerecht? Ein interaktives Gesellschaftsspiel über die Frage, wer oder was bestimmt, welche Wege Kindern offenstehen und welche nicht.
Produktion: Junges Staatstheater Berlin – Theater an der Parkaue.

Teresa Vittucci
HATE ME, TENDER. SOLO FOR FUTURE FEMINISM
Reinheit, Unschuld, Perfektion – das sind die Attribute der Jungfrau Maria. In einem lust- und humorvollen Solo sucht Teresa Vittucci nach dem feministischen Potenzial dieser Ikone. Sie zeigt, wie der Mythos der bis zum ersten Sex versiegelten Frau bis heute Vorstellungen von Weiblichkeit beeinflusst.
Koproduktionspartner: Tanzhaus Zürich, Zürcher Theater Spektakel. Entwickelt im Rahmen des PREMIO-Nachwuchspreises für Theater und Tanz, Espacio do Tempo Montemor. Gefördert von Migros- Kulturprozent, Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung.

Oliver Zahn
LOB DES VERGESSENS
Wie funktioniert Verdrängung? Ein Nachfahre von Vertriebenen will verstehen, warum er über seine Familiengeschichte kaum etwas weiß. Eine persönliche Recherche, die in historischen Tondokumenten, in Berichten, Liedern und Gedichten die Strategien und Techniken des Vergessens zu Tage bringt.
Eine Produktion von Oliver Zahn, koproduziert mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert im Rahmen der Optionsförderung der Landeshauptstadt München.

Das Auswahl-Gremium
Sichtungen und Auswahl übernahm der Impulse-Beirat. Er bestand aus dem künstlerischen Team der Impulse sowie externen regionalen Expert*innen und Publikumsvertreter*innen des diesjährigen Showcase-Partners, studiobühneköln. Der Showcase ist der jurierte Teil des Festivals. Alle sechs Mitglieder des Beirats haben unabhängig und gleichberechtigt entschieden. Die jeweiligen Scouts haben eine Vorsichtung ihrer Region vorgenommen. Gemeinsam wurde aus über 350 gesichteten Produktionen eine Longlist erstellt, über die wiederum bei einer Auswahlsitzung mittels Punktesystem und Diskussionen das Programm bestimmt wurde. Die beiden weiteren Säulen des Festivals – das Stadtprojekt und die Akademie – werden kuratiert.

Die Beiräte für 2020 waren:
– Gin Müller (Scout Österreich)
– Alexander Olchawa (Publikumsvertreter studiobühneköln)
– Gabriele Oßwald (Scout Süddeutschland)
– Haiko Pfost (Künstlerische Leitung Impulse Theater Festival, Scout überregional)
– Wilma Renfordt (Dramaturgie Impulse Theater Festival, Scout Norddeutschland)
– Barbara Weber (Scout Schweiz)

Vom 4. bis 14. Juni 2020 in Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr.
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Das Impulse Theater Festival 2020 wird veranstaltet vom NRW KULTURsekretariat in Kooperation mit der studiobühneköln, dem FFT Düsseldorf und dem Ringlokschuppen Ruhr sowie den Städten Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr.
Das Festival wird u.a. gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kunststiftung NRW und die Stadtsparkasse KölnBonn.

impulsefestival.de