Auswahl des Impulse Theater Festivals 2019

Impulse Beirat 2019: v.l.n.r. Gabriele Oßwald, Barbara Odenthal, Barbara Weber, Haiko Pfost, Wolfgang Kralicek, Wilma-Renfordt (© Robin Junicke)

Die Auswahl für den Showcase des Impulse Theater Festivals 2019 steht fest!
Diesmal hat der sechsköpfige Beirat elf Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Präsentiert werden vom 13. bis 23. Juni 2019 sowohl etablierte Kollektive und Künstler*innen als auch viele Neuentdeckungen. Als Eröffnungs-Extra am 13. Juni 2019 wirft die Choreografin Reut Shemesh mit WITNESS einen liebevollen Blick auf den Gardetanz als Teil der Düsseldorfer Karnevalstradition. Zu Schauplätzen für den Showcase werden gleich mehrere Orte in Düsseldorf: das FFT Düsseldorf als Festivalpartner, das tanzhaus nrw sowie Underground-Spielorte, die wenig bekannt sind oder demnächst verschwinden werden.

Als Auswahl der herausragenden und herausforderndsten Positionen der vergangenen Saison zeigt der Impulse-Showcase auch 2019 das Besondere des Freien Theaters in einer großen Vielfalt unterschiedlicher Theaterformen. Die Arbeiten sind überwiegend im deutschsprachigen Raum entstanden oder wurden von Künstler*innen entwickelt, die dort leben oder von dort stammen – eine erweiterte Definition des „Impulse-Raums“, in der sich die Internationalisierung des freien Produzierens jenseits von Nationalgrenzen spiegelt.

Auch im zweiten Jahr der künstlerischen Leitung von Haiko Pfost greift das wichtigste Treffen der freien Theaterszene wieder gesellschaftliche Probleme und kontrovers diskutierte Themen auf: Im Programm finden sich Begegnungen mit dem Islam, Auseinandersetzungen mit Rassismus und nationalistischer (Körper-)Politik, eine Studie zu den Mechanismen häuslicher Gewalt, Utopien von einer geschlechtergerechten und sexpositiven Welt und kritische Blicke auf die Optimierungszwänge der Gegenwart.

Weitere Schwerpunkte des Festivals des NRW KULTURsekretariats sind die Impulse-Akademien am Ringlokschuppen Ruhr sowie ein eigens entwickeltes Stadtprojekt in Köln. Die Schwerpunkte wechseln jährlich zwischen den Festival-Partnern FFT Düsseldorf, studiobühneköln und Ringlokschuppen Ruhr. Dazu finden Sie mehr auf unserer Webseite: www.impulsefestival.de.


Showcase

Dragana Bulut: HAPPYOLOGY
Kann Theater glücklich machen? In HAPPYOLOGY können Sie es ausprobieren! Drei Darsteller*innen begeben sich gemeinsam mit dem Publikum auf eine Expedition in die Untiefen von Life-Coachings, Well-Being-Kursen und positiver Psychologie. Eine Show über die Ideologie der Selbstoptimierung und die Instrumentalisierung des Glücks.
Eine Produktion von Dragana Bulut. In Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Unterstützt durch PACT Zollverein Essen und Station Service for Contemporary Dance Belgrade.

CHICKS* freies performancekollektiv: GARDEN OF CHICKS*
Willkommen auf einer Spielwiese der besonderen Art. Der GARDEN OF CHICKS* ist Bar, Stripclub und „safe space“, er bietet Raum für feministische Workshops und Begegnungen in prickelnder Atmosphäre. Die CHICKS* kümmern sich um jede*n – every body welcome!
Eine Produktion von CHICKS* freies performancekollektiv.

Club Real: JENSEITS DER NATUR – VOLKSHERRSCHAFT IM GARTEN
Weg mit der Natur – her mit der Politik! Club Real hat in Wien eine Volksherrschaft gegründet, in der alle Lebewesen von der Schnecke bis zur Kastanie gleichberechtigte Mitglieder einer politischen Gemeinschaft sind. In Düsseldorf wird das Staatsarchiv geöffnet und die Arbeit des Organismenparlaments vorgestellt.
Ein Projekt von Club Real, gefördert von KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Kollaboration mit brut Wien. Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien und des Bezirks Floridsdorf.

Hauptaktion: ZWEITER VERSUCH ÜBER DAS TURNEN
Acht Darsteller*innen führen auf der Bühne ein Schauturnen auf und suchen nach einem deutschen Volkskörper. Symmetrisch und synchron soll er sein – wer die Leibesübungen durch wiederholte Abweichung stört, muss gehen. Eine Inszenierung über die ambivalente Funktion des Turnens in der deutschen Geschichte.
Eine Produktion von HAUPTAKTION. Koproduziert mit den Münchner Kammerspielen, SPIELART München, dem HAU Hebbel am Ufer Berlin, der Schwankhalle Bremen, dem Theater Rampe Stuttgart und ARGEkultur Salzburg. In Kooperation mit dem Pavillon Hannover. Gefördert durch die Landeshauptstadt München, den Bezirk Oberbayern, die Lotto-Sport-Stiftung Niedersachsen und TANZFONDS ERBE – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes.

Julian Hetzel: ALL INCLUSIVE
Aus Leid kann Kunst und damit Geld werden. ALL INCLUSIVE entwickelt aus dieser Erkenntnis eine böse Satire über die Leichtigkeit, mit der ein westliches Publikum Krieg und Gewalt konsumiert.
Produktion: CAMPO in Zusammenarbeit mit Ism & Heit, Koproduktion: Frascati Productions, Schauspiel Leipzig & Münchner Kammerspiele.

Markus&Markus: ZWISCHEN DEN SÄULEN

Markus&Markus wissen nicht, was zu tun ist, aber sie wissen warum. In einer Zeit voller Hass und Menschenfeindlichkeit erzählen sie von ihrer Reise in die Welt des Islams. Eine Suche nach Verbindungen und Gemeinsamkeiten anstelle von Abgrenzung und Unterschieden, die die Held*innen bis nach Mekka führen wird. Doch ist es Märchen oder Bericht?
Koproduktion: Gessnerallee Zürich, LOT Verein zur Förderung von Theater & Kultur im LOT Theater Braunschweig e. V., Staatstheater Darmstadt, ROXY Birsfelden, Schwankhalle, Oldenburgisches Staatstheater, Münchner Kammerspiele, Sophiensaele Berlin, FFT Düsseldorf, Mousonturm Frankfurt, Theater Rampe Stuttgart, LICHTHOF Theater Hamburg und Pavillon Hannover.

Johannes Müller / Philine Rinnert: WHITE LIMOZEEN
Die Operngeschichte ist voller Stücke, die das Ferne und Fremde als exotische Sensation verkaufen. Anhand der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ führen eine Sopranistin und eine Schlagzeugerin auch anhand ihrer eigenen Biografien durch die spannungsreiche Geschichte eines Genres zwischen Rassismus und einer Besetzungspraxis, die sich nicht für Herkunft und Ethnie der Darsteller*innen interessiert.
Eine Produktion von BAM! Berliner Festival für aktuelles Musiktheater. BAM! ist eine Initiative des ZMB – Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V., realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung.

Markus Öhrn: HÄUSLICHE GEWALT
Ein Mann, eine Frau, ein Wohnzimmer. In dieser Szenerie wird das Publikum Zeuge eines perfiden Beziehungsalltags, in dem aus Intimität immer wieder Brutalität entsteht. Die Spirale der Gewalt dreht sich über fünf Stunden immer weiter fort, verstörend und scheinbar unentrinnbar.
Koproduktion: Wiener Festwochen, Institutet, Wiesbaden Biennale 2018.

Charlotte Pfeifer: PMS LOUNGE – HULDIGUNG EINES ZUSTANDS
Hereinspaziert in die Hölle der Hormone! In exklusiver Lage hinter den inneren und äußeren Schampforten lädt das PMS-Personal zu einer Late-Night-Show über ein Phänomen, von dem manche*r sagt, es sei ein Mythos: das Prämenstruelle Syndrom.
Gefördert durch den Elbkulturfonds Hamburg und den Fonds Darstellende Künste.

Marcel Schwald / Chris Leuenberger: EF_FEMININITY
Was ist Weiblichkeit? Wem gehört sie? Und warum gilt Verweiblichung als etwas Negatives? Vier Darsteller*innen berichten von ihrem Kampf darum, Weiblichkeit auf ihre individuelle Weise leben zu können. Aus Erlebtem, Ersehntem und gesellschaftlichen Realitäten in Indien und Westeuropa zeichnen sie in Sprache und Tanz intime Selbstporträts.
Koproduktion: Dampfzentrale Bern und Kaserne Basel, begleitet von Danse & Dramaturgie, ein Programm initiiert vonThéâtre Sévelin 36, in Zusammenarbeit mit der Dampfzentrale Bern, Tanzhaus Zürich, TU – Théâtre de l’Usine, ROXY Birsfelden.

Jan Philipp Stange: GREAT DEPRESSIONS
Schroffe Felsen, ein Mammut, Nebelschwaden: Das opulente Bühnenbild versetzt das Publikum in jene Höhle im Neandertal, wo 1865 das Skelett eines frühen Menschen gefunden wurde. Malte Scholz im Fellgewand zeigt in einem berührenden Monolog die Verwundbarkeit seiner Seele und sucht nach einer Antwort auf die Frage, ob und, wenn ja, wie wir zusammenleben wollen.
Ein Projekt von Stange Produktionen mit freundlicher Unterstützung von studioNAXOS, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt, dem Kulturfonds Rhein-Main und der Naspa Stiftung.

Auswahl-Gremium
Sichtungen und Auswahl übernahm der Impulse-Beirat. Er bestand aus dem künstlerischen Team der Impulse sowie externen regionalen Expert*innen und auch in diesem Jahr einer Publikumsvertreterin des Showcase-Partners, dem FFT Düsseldorf. Damit gehört das Impulse Theater Festival im Showcase wieder zu den jurierten Festivals. Alle sechs Mitglieder des Beirats haben unabhängig und gleichberechtigt entschieden. Die jeweiligen Scouts haben eine Vorsichtung ihrer Region vorgenommen. Gemeinsam wurde aus über 350 gesichteten Produktionen eine Shortlist erstellt, über die wiederum in einer Auswahlsitzung mittels eines Punktesystems und ausführlichen Diskussionen das Programm des Showcase bestimmt wurde. Kuratiert werden die beiden anderen Säulen des Festivals: das Stadtprojekt und die Akademie.

Beiräte für 2019 waren:
– Wolfgang Kralicek (Theaterkritiker und freier Journalist, Scout Österreich)
– Barbara Odenthal (Lehrerin, Publikumsvertreterin des FFT Düsseldorf)
– Gabriele Oßwald (ehemalige Leiterin von zeitraumexit, freie Kuratorin, Scout Süddeutschland)
– Haiko Pfost (Künstlerische Leitung Impulse Theater Festival, Scout überregional)
– Wilma Renfordt (Dramaturgie Impulse Theater Festival, Scout Norddeutschland)
– Barbara Weber (Regisseurin, Kuratorin, Scout Schweiz)

Impulse Theater Festival
Vom 13. bis 23. Juni 2019 in Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr
Showcase in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf an verschiedenen Düsseldorfer Spielstätten
Stadtprojekt in Kooperation mit der studiobühneköln
Akademie am Ringlokschuppen Ruhr

Das ausführliche Programm finden Sie ab Mitte April unter: www.impulsefestival.de.
Weitere Informationen auch auf Facebook, Instagram und im Newsletter.

Das Impulse Theater Festival 2019 wird veranstaltet vom NRW KULTURsekretariat in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf, der studiobühneköln und dem Ringlokschuppen Ruhr sowie den Städten Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr.
Das Festival wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Kunststiftung NRW.