Austausch zwischen norwegischen Komponisten und deutschen Bühnen: »Gespenster« 2020 an der Meininger Oper

Gespenster gehen um in Europa: Die von Ibsen werden, im Auftrag der Meininger Oper von Torstein Aagaard Nilsen komponiert, am 22. Mai 2020 erstmals aufgeführt. Den Termin muss man sich vormerken, es lohnt sich, denn schon mit der deutschen Erstaufführung von „Reverie“ präsentierte sich Torstein Aagaard-Nilsen mit eindrücklicher Musik als ein „Komponist mit leiser Stimme. Seine Träumerei, angesiedelt zwischen Impression und Illusion“ (freies Wort) lässt bei der Opern-Adaption von Ibsens Drama auf einen faszinierenden Abend hoffen.

Eine behutsame musikalische Annäherung an große Fragen war auch schon Gisle Kverdokks Klimaoper Upon this Handfull on Earth: „Tragende Gedanken eines Jesuiten waren strukturierende Fixpunkte der Klimaoper. Gesungen von einem Bariton, der als Priester das Geschehen mit den Gedanken des Philosophen konfrontiert“ (Orpheus). In der Europäischen Uraufführung im März 2019 übernahm „mit sensationeller Darstellungskraft und traumhafter Stimmführung Bariton Halvor F. Meilen“ (Orpheus) diese Rolle, was der Sänger dem Komponisten dankt: „Weil Gisle so wunderbar für die Stimme schreibt und das innere Feuer des Priesters in großartige Töne bringt“ (Orpheus).

Als dynamisches Erzähl-Element erfanden Gisle Kverndokk und sein Librettist Aksel-Otto Bull zwei Paare als Überlebende einer Umweltkatastrophe. Die „dient dazu, Tabula rasa zu schaffen für einen Neuanfang. Einige Menschen überleben angeleitet von einem messianisch-weisen Kind. Desgleichen eine Hummel. Wie im aktuell erfolgreichsten norwegischen Roman – Maja Lundes «Geschichte der Bienen» – wird ein überlebender Pollen- zum Hoffnungsträger. Musikalisch macht das Insekt am meisten Spaß: Immer wieder schwirrt es – nicht minder lautmalerisch, aber heiterer als bei Rimsky-Korsakow – in Oslos Dreifaltigkeitskirche aus der durchaus effektiv gebauten (…) Partitur.“ (Opernwelt)

„Auf dem Kulminationspunkt der Oper verwandelt sich das göttliche Feuer zur apokalyptischen Umweltkatastrophe (Riesen-Passacaglia im Orchester!). Gisle Kverndokk ist mit dieser Klimaoper ein großes dramatisches Werk gelungen.“ (Orpheus)

Nachdem Munchs Bild des Seelendramas und die Werke von Ibsen und Strindberg zu Beginn des letzten Jahrhunderts das europäische Kulturschaffen nachhaltig verändert hatten, kommen nun wiederum entscheidende Impulse aus dem „Epizentrum der europäischen Festivallandschaft“ (FAZ) – Norwegen auf deutsche Bühnen – der frühzeitige Blick nach Norwegen lohnt.

Aufführungen im Überblick

Uraufführung:

22. Mai 2020, 19.30, Meiningen, Staatstheater
24. Mai 2020, 19.00, Meiningen, Staatstheater
30. Mai 2020, 19.30, Meiningen, Staatstheater
07. Juni 2020, 15.00, Meiningen, Staatstheater
01. Juli 2020, 19.30, Meiningen, Staatstheater
09. Juli 2020, 19.30, Meiningen, Staatstheater

Torstein Aagaard-Nilsen – Gespenster
Malin Kjelsrud, Libretto frei nach Henrik Ibsen
Dagfinn Koch & Corinna Jarosch, Übersetzung
Philippe Bach, Musikalische Leitung
Ansgar Haag, Regie

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