Auftakt zum 100-jährigen Bühnenjubiläum 1919-2019: Friedrichstadt-Palast Berlin öffnet ab sofort auch tagsüber für kostenfreie Foyer-Besichtigung

Show-Band des Friedrichstadt-Palastes Berlin mit Guido Herrmann, Paul Spies und Dr. Berndt Schmidt (v.l.) ~ Foto: Dennis Weinbörner

Der Palast läutet sein 100-jähriges Bühnenjubiläum ein: Berlins meistbesuchte Bühne enthüllt ein Fassadenteil der alten Markthalle, aus der 1919 das Große Schauspielhaus hervorging. Mit dem heutigen Tag öffnet sich der Palast auch tagsüber der Stadt und gibt allen Interessierten die Möglichkeit, kostenlos das Foyer und eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses zu besichtigen.

Der Friedrichstadt-Palast hat eine bewegte und wechselvolle Geschichte: Als Markthalle im Jahr 1867 gegründet, eröffnete am 29. November 1919 Max Reinhardts Großes Schauspielhaus – damit begann die 100-jährige Bühnengeschichte. Unter den Nationalsozialisten in Theater des Volkes umbenannt, heißt das Haus seit 1947 Friedrichstadt-Palast, und steht seit 1984 an der Friedrichstraße 107.


17. September 2019: Der Palast läutet sein 100-jähriges Bühnenjubiläum ein:
Berlins meistbesuchte Bühne enthüllt ein Fassadenteil der alten Markthalle von 1867,

aus der 1919 das Große Schauspielhaus hervorging.
Foto: Dennis Weinbörner

Zum Auftakt der Jubiläumsspielzeit ‚Ein Jahrhundert Palast‘ hat sich das Haus selbst beschenkt: mit einem sechs Meter langen und vier Meter hohen gusseisernen 152 Jahre alten Fassadenteil der alten Markthalle. Zur Enthüllung waren auch der (West-) Berliner Architekt Dr. Helmut Maier anwesend, der beim Abriss des alten Palastes 1985 das Teil aus dem Bauschutt gerettet hat, sowie der (Ost-) Berliner Jürgen Ledderboge, der damals in seiner Funktion als Oberbauleiter des neues Palastes mit ihm das Teil zum Abtransport über die innerstädtische Staatsgrenze aussuchte – eine ganz besondere deutsch-deutsche Anekdote. 2016 wurde das imposante Originalteil auf einem Kreuzberger Hinterhof von Guido Herrmann, Verwaltungsdirektor des Palastes, „wiederentdeckt“ und in der Folge professionell restauriert. Es steht nun an der Palastseite Johannisstraße/Ecke Friedrichstraße. Die edle Gestaltung, auch des Sockels, wurde von den Künstler*innen Oliver Störmer und Cisca Bogman (stoebo) erbracht, die 2015 ein paar Meter entfernt auch das Denkzeichen für die drei Gründer des Palastes – Max Reinhardt, Hans Poelzig und Erik Charell – gestaltet haben.

Bei der Zeremonie, die durch den Intendanten Dr. Berndt Schmidt eröffnet wurde, sprachen Paul Spies, Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin und Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum, sowie Guido Herrmann in seiner weiteren Funktion als Kurator des Jubiläumsprogramms. „Die Jubiläumsspielzeit soll Fenster öffnen. Wir wollen neugierig machen, in die Geschichte einzutauchen, auf vielfältige Art und Weise. Und wenn wir Fenster öffnen, was liegt dann näher, als die Türen des Hauses gleich ganz zu öffnen? Ab heute ist das im Foyer Wirklichkeit“, so Guido Herrmann.

Mit den Klängen von ‚Babylon Berlin‘, gespielt durch die Showband des Hauses, wurde das Erdgeschoss des Foyers offiziell auch tagsüber geöffnet für die Stadt. Auf diese Weise sollen Tourist*innen und neugierige Berliner*innen kostenfrei Einblicke in ihren Palast an der Friedrichstraße 107 bekommen. Das Foyer-Erdgeschoss ist nun dank einer von der Stiftung Stadtmuseum Berlin unterstützten Ausstellung ein Parcours durch die 100-jährige Geschichte der heute größten Theaterbühne der Welt.

Die Dauerausstellung ist in sechs Epochen unterteilt und behandelt die Vorgeschichte zur Bühnenzeit (1867 – 1919), das Große Schauspielhaus (1919 – 1933), das Theater des Volkes im Nationalsozialismus (1933 – 1945), den Palast im Nachkriegsberlin ohne Mauer (1945 – 1961), die Epoche der geteilten Stadt (1961 – 1989/90) sowie den Palast der Gegenwart (1990 – heute). So können Gäste die Original-Lizenz der sowjetischen Militär-Kommandantur für die Wiederaufnahme des Theaterbetriebs nach dem Krieg oder auch ein Showkostüm von Jean Paul Gaultier bestaunen. Mit Tablets können Interessierte in Programmheften aus den unterschiedlichen Dekaden blättern sowie Interviews mit Zeitzeugen sehen. Für die erste Testphase der nächsten beiden Monate bis Mitte November gelten folgende Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 11-17 Uhr
Samstag/Sonntag: 11-14 Uhr
Am 22. Sept. wegen Hausvermietung geschlossen.

Mit den Erkenntnissen der Testphase werden die Öffnungszeiten ggfs. optimiert. Die Foyer-Besichtigung ist bis Juni 2020 geplant.

Hintergrundinformationen:
Das Große Schauspielhaus wurde 1919 vom visionären Theatermacher Max Reinhardt eröffnet. Den Umbau des ehemaligen Zirkus realisierten der modernistische Architekt Hans Poelzig und seine Frau Marlene Moeschke-Poelzig. Der Regisseur Erik Charell wiederum prägte dort mit den großen Revuen das Bild der ‚Goldenen Zwanziger‘ und damit den weltweiten Ruf Berlins. Marlene Dietrich, Josephine Baker, Louis Armstrong und viele andere Größen standen in der Folge auf der Bühne des 5.000 und später über 3.200 Gäste fassenden Theaters.

1980 musste der alte Palast geschlossen und später abgerissen werden, da sich der Untergrund gesenkt und der Bau dadurch statisch verzogen hatte. Am 27. April 1984 wurde der neue Palast an der Friedrichstraße 107 als letzter großer Prachtbau der DDR neu eröffnet und beeindruckt bis heute mit der größten Theaterbühne der Welt. Der Neubau des Friedrichstadt-Palastes bietet 1.900 Sitzplätze und ist damit das größte Theater Berlins. Die Tradition der Revue wird im Palast hochmodern fortgeführt und macht das Haus mit jährlich 700.000 Gästen zur meistbesuchten Bühne Berlins.

Zur 100-jährigen Bühnengeschichte des Hauses wurde eine Jubiläumswebsite ‚Ein Jahrhundert Palast‘ eingerichtet. Dort finden sich auch Informationen zu Veranstaltungen rund um das Jubiläum: einjahrhundertpalast.berlin / palast.berlin