ARTE Schwerpunkt: Skandalromane der Weltliteratur

Der Fall Emma Bovary (am 29. Sept. um 22:35 Uhr auf arte) ~ Jennifer Jones als Emma und Louis Jourdan als Rodolphe in der Verfilmung von Vincente Minelli (1949). Mit ihren Seitensprüngen, ihren Schulden, ihrer Liebeslust und ihrem Selbstmord ist das Leben von „Madame Bovary“ bis zum letzten Atemzug ein Skandal. ~ © D.R. Foto: ARTE France

Sie erzählen bewegende Schicksale, legen neuralgische gesellschaftliche Themen bloß, schockieren, werden zensiert, verboten, heimlich gelesen und ziehen uns mit ihren zutiefst menschlichen Heldinnen und Helden und ihrer erzählerischen Kraft bis heute in ihren Bann: mit vier neuen Folgen setzt ARTE die beliebte Kollektion „Skandalromane der Weltliteratur“ vom 22. September bis zum 13. Oktober fort.

Die Dokumentation „Skandalöse Liebschaften“ macht den Auftakt: Wie wurde aus dem bei seiner Veröffentlichung 1782 verteufelten, lange verbotenen Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos ein Kultbuch? Die weltweit unzählige Male verfilmte Intrigengeschichte der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont hat Sprengkraft, ist sie doch gleichzeitig eine Reflexion über den Status der Frau, eine sozialkritische Momentaufnahme Frankreichs vor der Revolution und Abbild des ewigen Kampfes der Geschlechter. Stephen Frears fulminante, mit drei Oscars ausgezeichnete Verfilmung mit Glenn Close und John Malkovich in den Hauptrollen eröffnet den Reigen.

Auch Gustave Flauberts Debütroman „Madame Bovary“ sorgt gleich bei seinem Erscheinen 1856 für einen Sturm der Entrüstung und beschert dem Schriftsteller einen Prozess wegen Unsittlichkeit und Verherrlichung des Ehebruchs. Die Dokumentation „Der Fall Emma Bovary“ rollt den Prozess auf und erzählt von dem tragischen Schicksal Emmas zwischen Auflehnung gegen gesellschaftliche Konventionen und Eskapismus. Ein Stoff, der Regisseurinnen und Regisseure rund um den Globus inspiriert hat. ARTE zeigt Claude Chabrols Verfilmung mit Isabelle Huppert als Emma Bovary.

Um eines der größten Missverständnisse in der Literaturgeschichte geht es in der Dokumentation „Die Wahrheit über Lolita“. An Valdimir Nabokovs Roman „Lolita“ scheiden sich auch fast 65 Jahre nach Erscheinen die Geister. Der Roman versetzt sich in die Gedankenwelt eines Pädokriminellen, dessen Phantasma bis heute zu Fehlinterpretationen führt. Lolita ist in Zeiten nach der „MeToo“-Bewegung aktueller denn je.

Aktuell ist auch Bret Easton Ellis’ 1991 erschienener Roman „American Psycho“. Die verstörende Geschichte des Traders Patrick Bateman, der nachts zum Serienkiller wird, schockierte das Publikum durch die rohe Darstellung der Morde, die rassistischen, homophoben und frauenfeindlichen Äußerungen des Protagonisten. Was damals als pervertierte Übertreibung empfunden wurde, hat heute erschreckende Entsprechung in der amerikanischen Realität gefunden. Die Dokumentation „Killer, Trader und Psychopath“ hinterfragt, wofür Bret Easton Ellis’ „American Psycho“ heute steht.

Freuen Sie sich auf weitere große Romane der Weltliteratur bei dem sich Mitte Oktober anschließenden traditionellen ARTE-Bücherherbst anlässlich der Frankfurter Buchmesse.


22. September:
20.15 Uhr: Gefährliche Liebschaften
22.10 Uhr: Skandalöse Liebschaften

29. September
20.15 Uhr: Madame Bovary
22.35 Uhr: Der Fall Emma Bovary

6. Oktober
22.10 Uhr: Killer, Trader und Psychopath

13. Oktober
21.55 Uhr: Die Wahrheit über Lolita