»Ariadne auf Naxos« ab 5. März am Theater Bielefeld

Theater Bielefeld: Stadttheater (© Sarah Jonek)

Sie rettet ihn aus den Klauen eines Monsters, dann rettet er sie vor dem Rachezorn ihres königlichen Vaters und bringt sie außer Landes. Um sie nach einer Liebesnacht auf einer einsamen Insel sitzenzulassen.

Das ist die Ausgangssituation der Oper Ariadne auf Naxos, doch eigentlich beginnt der Abend ganz anders, nämlich etwa so: Im Hause des reichsten Herrn von Wien soll die so illustre wie solvente Gästeschar nach dem Festmahl mit etwas Bühnenkunst unterhalten werden, um dann um Punkt neun Uhr als Höhepunkt ein Feuerwerk zu erleben. In den Gesinderäumen bereiten sich die Darsteller*innen auf die beiden Bühnenstücke vor – die eigens für diesen Anlass komponierte tragische Oper Ariadne auf Naxos und eine italienische Buffo-Oper, die von einer Impro-Theatertruppe dargestellt wird. Nicht genug damit, dass jede Gruppe erst hier und jetzt von der Existenz und -berechtigung der jeweils anderen erfährt, da verkündet der Haushofmeister als Sprachrohr des »gnädigen Herrn« auch noch dessen Ansage, man möge beide Stücke gleichzeitig aufführen. Die Überraschung der Beteiligten kippt in blankes Entsetzen, um dann zu professioneller Pragmatik zu gerinnen.

Die nun folgende Oper-in-der-Oper erfüllt diese Ansage nicht nur spielend, sondern wächst weit darüber hinaus. Ariadne, verlassen und in ihrer Einsamkeit nur umso schärfer konturiert durch die Anwesenheit dreier Nymphen, erwartet den Todesboten Hermes. Zerbinetta und ihre vier Getreuen bringen gehörig Stimmung in die Melancholie. Im Aufeinanderprallen von Ernst und Komik, von Oper und Lustspielimprovisation entfalten sich zahlreiche Wahrheiten und Facetten des Bühnen-Kosmos im Allgemeinen und des Menschlichen im Besonderen. Wenn schließlich Bacchus erscheint und in der Frau auf der Insel die Zauberin Circe zu erkennen glaubt, beginnt die Partitur gleichsam »abzuheben« und zieht für das sukzessive Erkennen der beiden Protagonist*innen alle Register der großen romantischen Oper.

Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, das Erfolgs-Autorenduo der 1911 herausgekommenen Oper Der Rosenkavalier, konnte bei seiner dritten Zusammenarbeit nicht ahnen, dass die Kategorie »Behind the scenes« 111 Jahre später total up-to-date sein würde, dabei hatte Hofmannsthal ursprünglich etwas im Sinn, was ebenfalls sehr heutig klingt: eine spartenübergreifende Produktion. Schauspiel, Tanz und Ballett gleichberechtigt vertreten in einem gemeinsamen Bühnenstück, nämlich einer Verarbeitung des Molière-Stücks Der Bürger als Edelmann. Mag sein, dass die Zeit dafür noch nicht reif war, die Überarbeitung dieses Entwurfs überzeugte aber das Publikum 1917 umso mehr: Im besten Sinne »pralles Theater« mit zeitlos berührender Thematik, inklusive Making-of – und schlichtweg großartiger Musik.


Ariadne auf Naxos

Oper in einem Akt nebst einem Vorspiel
Von: Richard Strauss
Libretto: Hugo von Hofmannsthal

Premiere am Theater Bielefeld: 5. März 22 (Stadttheater)

Musikalische Leitung: Gregor Rot
Inszenierung: Jan Eßinger
Bühne: Benita Roth
Kostüme: Lena Brexendorff
Choreografie: Giovanni Cuccaro
Dramaturgie: Jón Philipp von Linden

Besetzung:

Personen des Vorspiels:
Der Haushofmeister: Helmuth Westhausser
Ein Musiklehrer: Frank Dolphin Wong
Der Komponist: Nohad Becker
Der Tenor (Bacchus): Peter Sonn
Ein Offizier: Paata Tsivtsivadze
Ein Tanzmeister / Scaramuccio: Lorin Wey
Ein Perückenmacher: Vladimir Lortkipanidze
Ein Lakai: Bojan Heyn
Zerbinetta: Veronika Lee
Primadonna (Ariadne): Katja Starke / Maida Hundeling
Harlekin: Caio Monteiro
Trufaldin: Yoshiaki Kimura
Brighella: Lianghua Gong

Personen der Oper:

Ariadne: Katja Starke / Maida Hundeling
Bacchus: Peter Sonn
Najade: Lou Denès (Bielefelder Studio)
Dryade: Marta Wryk
Echo: Cornelie Isenbürger
Zerbinetta: Veronika Lee
Harlekin: Caio Monteiro
Scaramuccio: Lorin Wey
Trufaldin: Yoshiaki Kimura
Brighella: Lianghua Gong
Artistin: Mareike Koch
Kind: NN

Karten T. 0521 51 5454 // theater-bielefeld.de