Antonín Dvořáks »Rusalka« am Theater Bielefeld

Theater Bielefeld: Stadttheater (© Sarah Jonek)

Die junge Wasserfrau Rusalka offenbart ihrem Vater, dass sie einen Menschenmann liebt. Doch der kann sie nicht wahrnehmen, solange sie selbst kein Mensch wird. Da der Wassermann ihr weder helfen kann noch will, wendet sie sich in ihrer Not an die Hexe Ježibaba. Die hat Ähnliches durchgemacht und weiß eine Lösung, allerdings zu
einem hohen Preis: Wenn Rusalka fortan eine Menschenfrau sein möchte, muss sie dafür auf ihre Stimme verzichten. Verlasse sie ihr Glück dort, dann bedeute ihre Rückkehr ins Naturreich nicht nur ihren sicheren Tod, sondern auch den ihres Geliebten. Und genauso geschieht es: Zwar verliebt sich der Prinz, denn um einen solchen handelt es sich, in die stumme Schönheit, doch finden die beiden ohne gemeinsame Sprache nur mühsam zueinander. Und diese prekäre Situation macht sich eine »fremde Fürstin« zunutze, die nun ihrerseits den Prinzen umgarnt …

Antonín Dvořák war in seinen vorangegangenen Opern zunächst auf den »Wagner-Zug« aufgesprungen, doch des berühmten Sachsen neue Ideen vom Musikdrama waren »nicht sein Ding«. Um 1900, nachdem er u. a. mit seiner neunten Symphonie Aus der Neuen Welt endlich die Früchte seines langen Ringens um Erfolg hatte ernten dürfen, wurde ihm die Rusalka-Dichtung des jungen Dramatikers Jaroslav Kvapil zugespielt. Aufgrund seiner Liebe zur Natur und seiner Bewunderung für die Welt der Volksmärchen und Balladen war Dvořák sofort begeistert. Kvapil hatte sich von Andersens Märchen Die kleine Meerjungfrau, aber auch von de la Motte Fouqués Erzählung Undine und Hauptmanns Märchendrama Die versunkene Glocke inspirieren lassen und ein Libretto gedichtet, das neben märchenhaften auch ganz zeitlos urmenschliche Themen verhandelt. Dvořáks so romantische wie durchgereifte Vertonung wurde nach ihrer Uraufführung im März 1901 am Prager Nationaltheater alsbald zur Lieblingsoper der Tschechen – und ist es bis heute geblieben.

Die Inszenierung von Jörg Weinöhl (die nach dessen krankheitsbedingten Ausscheiden von Nick Westbrock fortgesetzt wird) im Bühnen- und Kostümbild von Marie-Luise Otto und Irina Spreckelmeyer setzt auf die Poesie des Stoffes, stellt das ständige Aus-dem-Rahmen-Fallen Rusalkas und ihre verzehrende Sehnsucht in den
Fokus und erzählt mit starker Ästhetik in Bild und Bewegung (Video: Sascha Vredenburg) die Geschichte neu.


Rusalka

Lyrisches Märchen in drei Akten

Von: Antonín Dvořák
Libretto: Jaroslav Kvapil
Deutsch von: Eberhard Schmidt

Premiere am Theater Bielefeld: 27. November 21 (Stadttheater)
Musikalische Leitung: Anne Hinrichsen
Inszenierung: Nick Westbrock nach einem Konzept von Jörg Weinöhl
Bühne und Kostüme: Irina Spreckelmeyer, Marie-Luise Otto
Video: Sascha Vredenburg
Choreografie: Hsuan Cheng (nach Jörg Weinöhl)
Konzeptionelle Mitarbeit: Yvonne Gebauer
Dramaturgie: Jón Philipp von Linden
Choreinstudierung: Hagen Enke

Besetzung:

Rusalka: Dušica Bijelić
Prinz: Michael Siemon
Wassermann: Moon Soo Park
Fremde Fürstin: Katja Starke
Ježibaba: Joanna Motulewicz
Küchenmagd: Cornelie Isenbürger
Förster: Frank Dolphin Wong
Erste Waldfee: Veronika Lee
Zweite Waldfee: Marta Wryk
Dritte Waldfee: Bella Adamova
Drei Bewegungskünstler*innen: Fabienne-Deniz Hammer, Anya Masson, Joao Pedro de Paula

Bielefelder Opernchor / Statisterie des Theaters
Bielefeld / Bielefelder Philharmoniker

theater-bielefeld.de