ANTIGONE. Bocksgesang von Hölderlin nach Sophokles ab 28. August 20 am Theater Willy Praml

Antigone ~ Theater Willy Praml ~ Reinhold Behling, Birgit Heuser ~ © Seweryn Zelazny

Was kann das Theater?

In den letzten Wochen haben wir gesehen, was die Gesellschaft kann: was die Politik kann, die medizinischen Versorger, die Lebensmittelläden, die Verwaltungen in Bund, Land, in den Städten, was die Bürger können. Das Theater aber war in Ohnmacht gefallen, als es um das gesunde Leben ging. Der unhygienische Blick des Theaters, die dreckige Stimme des Dramas, die verschwitzten Abende in dunklen Räumen waren nicht gefragt, waren geradezu tabu. Die Aufgabe des Theaters war aufgegeben.

Was die Politik, die Medizin, die Lebensmittelläden, die Verwaltungen, die Staatsbürger, ja selbst die Kirchen nicht können, was aber das Theater kann? DIE TOTEN ERWECKEN.

Antigone
Theater Willy Praml
© Paula Kern

Das Stück ANTIGONE beginnt mit einem Schlachtfeld. Viele, viele Tote, darunter auch die Söhne des Ödipus, die sich gegenseitig niedergemetzelt haben. Wir schicken einen Künstler auf das Schlachtfeld, einen Dichter, einen Sänger, einen Musiker, einen Hölderlin, kurz einen Narren. Einen, der nicht die Waffe erhebt, sondern den Violinbogen, auf dass er die Toten zum Leben erwecke. Sie dürfen noch einmal leben – für die Dauer eines Theaterabends. All die Toten dürfen noch einmal auferstehen, aber nicht für immer, nur für die Dauer der ANTIGONE. Statt an der Sonne zu verwesen und ein Fraß der Vögel und Hunde zu werden, dürfen sie noch einmal leben. Und ein Stück spielen, das von der Würde der Toten handelt, von der Präsenz des Totenreichs, von der kurzen Zeit des Lebens und der langen, langen Zeit des Nicht-Lebens.

Und wir dürfen Ihnen dabei zusehen, den Geistern der Bühne. Und am Ende wieder nach Hause gehen in unser kurzes Leben! [Quelle: Theater Willy Praml]

Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag Berlin.


ANTIGONE

Von: Sophokles, deutsch von Friedrich Hölderlin, bearbeitet von Martin Walser und Edgar Selge

Premiere am Theater Willy Praml/FFM: Fr. 28. August 20 (Naxoshalle)
Im Rahmen von Hölderlin 2020 auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain und in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach.

Konzeption/ Dramaturgie/ Regie: Willy Praml / Michael Weber
Bühne: Michael Weber
Kostüme: Paula Kern

Mit: Reinhold Behling, Hannah Bröder, Jakob Gail, Muawia Harb, Birgit Heuser, Sam Michelson, Willy Praml, Anna Staab

theater-willypraml.de