Alan Barnes choreografiert für das Royal Opera House und das Deutsche Nationaltheater Weimar

Alan Barnes (© Stefan Heinrichs)

Alan Barnes feiert gleich mit zwei Arbeiten Premiere am 30. November 2018: Mit Carmen am Royal Opera House in London sowie Der Auftrag / Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl am Deutschen Nationaltheater Weimar.

Alan Barnes Carmen und DerAuftrag / Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl

Alan Barnes arbeitet erneut mit dem Intendanten der Komischen Oper Berlin Barry Kosky für das Royal Opera House in London und mit dem Regisseur Christian Weise. Das ist die sechste Zusammenarbeit des Regisseurs mit Alan Barnes unter anderem für die Salzburger Festspiele, das Düsseldorfer Schauspielhaus und aktuell im Repertoire ‚Alles Schwindel‘ am Maxim Gorki Theater in Berlin.

Carmen – Royal Opera House London
Sie lebt frei von Angst im Hier und Jetzt: Carmen, die wahrscheinlich begehrteste Frauenfigur der Operngeschichte. Sie ist für denjenigen weder zu verstehen noch zu fassen, der aus einem Leben voller Konventionen stammt. So bringtsie Don José, der eigene Grenzen in anbetender Liebe zu überschreiten versucht, um den Verstand und wirft ihn aus seiner Lebensbahn. Alle Versuche, Carmen in die ihm bekannte Ordnung zu locken, die er als Rettung ansieht, sind zum Scheitern verurteilt. Die beiden treiben sich wechselseitig immer weiter in die Enge. Barrie Koskys Inszenierung führt in der Zusammenarbeit mit Alan Barnes die meistgespielte Oper der Welt zu den Wurzeln der Opéra comique zurück. In knappen Zwischentexten entwickelt sich die Handlung und steuert dem tragischen Ende entgegen. Auf dem Weg dorthin prallen lyrische Momente auf unheimliche Revue-Szenen der Schmuggler. Durch unerwartete Brüche zwischen dem bissigen Ton, der einer Opéra bouffe entstammen könnte, und der Tragödie sprengt Koskys Vision sowohl die gängigen Carmen-Klischees als auch die Gattungsgrenzen.

Weitere Spieltermine und mehr über Alan Barnes Arbeit für das Royal Opera House in London finden sich auf www.roh.org.uk.

Der Auftrag / Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl – Nationaltheater Weimar
Jamaika 1799. Debuisson, Sohn hiesiger Sklavenhalter, der französische Bauer Galloudec und Sasportas, einst selbst Sklave, sollen im Auftrag Frankreichs auf der Karibikinsel einen Sklavenaufstand initiieren. Ihr Zweckbündnis zerbricht, als Napoleonin Paris als erster Konsul die Macht übernimmt. Sasportas und Galloudec wollen den Kampf fortsetzen. Debuisson aber giert nach Verrat. 1979 entstanden, beschreibt Heiner Müllers ‚Der Auftrag‘ das Scheitern einer Revolution und die Unmöglichkeit ihres sinnvollen Exports. Eine anachronistische Fortsetzung zu Müllers Text findet sich in Nestroys Burleske Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl von 1862: Ein kleines Fleckchen Erde in der Südsee. Die Häuptlinge Abendwind und Biberhahn haben es sich fernab ihrer Heimatländer als kannibalistische und gleichermaßen reaktionäre Kolonisatoren bequem gemacht. In diesem Doppelabend versinnbildlichen Christian Weise und Alan Barnes das Dilemma: Wer die Wahl hat, zieht nicht selten das Stück vom „Kuchen der Welt“ der revolutionären Auflehnung vor.

Weitere Spieltermine und mehr über Alan Barnes Arbeit für das Deutsche Nationaltheater Weimar finden sich auf www.nationaltheater-weimar.de.