Aerosol-Managerin & neue Helden ~ Uraufführung in Berlin

© Engin Akyurt auf Pixabay

In die Lücke zwischen Festspielpremieren und Saisoneröffnungen dringt klein und fein ein Schwebstoff für 9 Stimmen ein. Genau zwischen fiebrigen Festivalaktivitäten und der Furcht vor weiteren Folgen der Pandemie, betritt eine Aerosol-Managerin die Bühne des Musiktheaters. Sie soll die Vokalmusik von den Aerosolen trennen, die den Schall begleiten.

So die Geschichte des neuen Stücks von Moritz Gagern als Konzert in der Berliner Villa Elisabeth inszeniert. Die Uraufführung am 27. August ist ein schöner Beitrag zur Debatte über Musiktheaterneuerungen.

Moritz Gagerns „listiges kleines Musiktheater“ (Tagesspiegel) überzeugte bereits mehrfach u.a. im „Institut für postneurotische Oper” (Süddeutsche Zeitung) durch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Giganten der Musikgeschichte und ihren Auswirkungen: „Ausgangspunkt ist die heftige Wirkung auf Kunstkonsumenten (…) in sehr gelungenen Klangcollagen (…).

Unheimlich ist auch eine Tür im Hintergrund der Bühne, aus der es beim Öffnen blitzt. Es ist der Ausgang aus dem Lagerraum von „Ring und Gral“, dort lauert die Außenwelt. Und die ist der Horror für jeden Enthusiasten. (Frankfurter Rundschau ) Gagerns Anbindung von Opern an den Alltag und seine klanglichen Verdichtungen entstehen aus der Liebe zur Musik: „Es muss eine Liebe zu Richard Wagner sein, die einem heutigen Komponisten den Devotionalienhandel „Wagner for Sale“ diktiert.“ (Tagesspiegel)

Gagern beschäftigt sich natürlich nicht nur mit Wagner. Er ist ein „philosophischer Kopf mit Jazzausbildung.“ (Tagesspiegel) und untersucht z.B. auch Frank „Zappa als Standpunkt. Zappa zitierte bekannte Melodien, baute Geräusche in seine Songs ein und wechselte wild zwischen den Taktarten. Moritz Gagern greift diese Techniken auf. Er überrascht mit immer neuen Einfällen und entwickelt einen Sog – fast wie die Musik von Frank Zappa.“ (Deutschlandfunk)

In Moritz Gagerns jüngster Arbeit geht es um ein neues Phänomen des Alltags: Aerosole. Diese Uraufführung sollte man sich ansehen: Ab dem 27. August 2022 in der Villa Elisabeth Berlin, aufgeführt vom Vokalensemble The Present.


Moritz Gagern: Schwebstoff für 9 Stimmen

oder Die Zukunft liegt in Fluggeräten, die leichter als Luft sind

The Present, Vokalensemble:
Hanna Herfurtner, Amélie Saadia, Olivia Stahn, Bernadette Beckermann, Stelina Apostolopoulou, Robert Sellier, William Frost, Elias Arranz, Florian Hille
Text, Musik, Regie: Moritz Gagern
Licht: Gretchen Blegen
Kostüm: Lee Méir

Freitag, 27. August 2022, 20.00 Uhr, Villa Elisabeth, Berlin
Samstag, 28. August 2022, 20.00 Uhr, Villa Elisabeth, Berlin
Sonntag, 29 August 2022, 15.00 Uhr, Villa Elisabeth, Berlin
Sonntag, 29. August 2022, 20.00 Uhr, Villa Elisabeth, Berlin

Realisiert mit den Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, in Kooperation mit Villa Elisabeth

moritz.gagern.net / elisabeth.berlin