»750 Kulturkilometer« Großes Finale gestern in Berlin

Laura und Meik erreichen nach 3 Wochen Fußmarsch durch die private Kulturlandschaft den Admiralspalast

KulturKilometer Finale Berlin: Ingo Stein, Meik, Laura, Maik Klokow, Ralf Kokemüller (© DAVIDS)

Berlin 24. Juni 2020 – Nach ihrer dreiwöchigen Pilgerreise mit Rucksack und Smartphone durch die private Theaterlandschaft sind Laura Kuhlen (26) und Meik Gudermann (32) nach 750 km Fußmarsch gestern Abend an ihrem Ziel angekommen: dem Admiralspalast Berlin. Dort wurden sie von Sänger Max Raabe, Ensemblemitgliedern des Circus Flic Flac und Drag-Queen Sheila Wolf in Empfang genommen.

Lauras erster Gedanke nach der Ankunft: „Endlich! Ich freu mich so sehr, dass wir wirklich die ganze Strecke gelaufen sind. Es war zwischendurch nicht leicht, physisch – aber auch mental. Aber es hat sich gelohnt. Die vielen lieben Menschen, die wir auf unserer Reise virtuell sowie persönlich unterstützt haben, haben uns bis nach Berlin getragen. “

Am 2. Juni haben Laura und Meik – beide im Live-Entertainment Sektor beschäftigt und persönlich von der Krise betroffen – im Musical Dome Köln die von ihnen ins Leben gerufene Aktion „KulturKilometer“ gestartet. Um den durch die Corona-Pandemie verschuldeten beschwerlichen Weg der Kulturbranche aus der Krise zu verdeutlichen, liefen die beiden von Köln über Düsseldorf, Bochum, Tecklenburg, Bremen und Hamburg bis nach Berlin. Und das bei teilweise schwierigen Wetterbedingungen: von 30 Grad Sonnenschein bis hin zu strömendem Regen war alles dabei. Auf ihrem Weg trafen sie persönlich in den Theatern, aber auch virtuell Künstler, Produzenten und Theatermitarbeiter, deren Interviews auf lnstagram und auf kulturkilometer.de Tausende verfolgten.

KulturKilometer Finale Berlin
Meik, Max Raabe, Laura
© DAVIDS

Auf den letzten Kilometern wurden Meik und Laura von den Geschäftsführern ihres Arbeitgebers Mehr-BB Entertainment Maik Klokow, Ralf Kokemüller und Ingo Stein begleitet, die von Anfang an begeistert von dem Engagement ihrer Mitarbeiter waren.

Beeindruckt waren die beiden von der Vielfalt der Kulturlandschaft generell. besonders aber auch von den Projekten in den kleineren Städten. Die Leidenschaft und der Erfindungsreichtum der Kulturschaffenden auf und hinter der Bühne, um die Krise zu meistern, ist erstaunlich: „Mich hat nachhaltig die Motivation und Kreativität der Branche beeindruckt. Jedes Theater hat seinen eigenen Weg gefunden, trotz der Krise künstlerisch tätig und für sein Publikum da zu sein. Es gibt immer einen Ausweg!“, fasst es Meik zusammen. Daraus ergibt sich auch der gemeinsame Appell: “Unser aller Leben wäre sehr viel ärmer, wenn diese tollen Künstler, Theater und Einrichtungen die Corona-Krise nicht überstehen würden. Die Politik und Gesellschaft muss hier alles tun, um dies zu verhindern! “

Meik und Laura besuchten so unterschiedliche Spielstätten wie das Starlight Express Theater in Bochum, das Wolfgang-Borchert-Theater in Münster (ältestes Privattheater Deutschlands), die Freilichtspiele in Tecklenburg, die Theaterpädagogische Werkstatt in Osnabrück, das Metropol Theater in Bremen oder das Neue Schauspielhaus in Uelzen.

.,Es war spannend zu sehen, welch kreative Form Theater annehmen kann. Zum Beispiel der umgebaute Theaterbus aus dem Wendland, den wir besucht haben. ln dem alten Bus sitzt das Publikum auf den Bänken und im restlichen Bus wird gespielt”, beschreibt Meik eine der Stationen der Reise.

Laura ergänzt: „ Das Lea Drüppel Theater in Haltern am See war eine emotionale Station, aufgrund der besonderen Geschichte: Das in einem alten Kino beheimatete Haus wurde zum Andenken an die 2015 beim Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Namensgeberin gegründet und bietet nun Kindern und Jugendlichen eine künstlerische Plattform.“

Beide freuten sich über die positive Resonanz und die Unterstützung vor Ort: „Alle Mitwirkenden waren so unglaublich offen für dieses Projekt. Wir wurden überall unfassbar unterstützt – bekocht, umsorgt und hilfsbereit aufgenommen. Das hat uns jeden Abend nochmal richtig Kraft gegeben und am nächsten Tag besonders motiviert.”

Ihre lnterviewgäste sprachen offen mit Meik und Laura über Ihre Ängste und Sorgen, aber auch über Wünsche und Hoffnungen in Zeiten der Corona-Pandemie. So erzählte den beiden gleich am ersten Tag Ex-„Verbotene Liebe“-Star Jo Weil davon, wie er aus lauter Verzweiflung darüber, wegen Corona nicht auf der Bühne stehen zu dürfen, seinem Hund versuchte, Szenen aus seiner aktuellen Produktion, dem Musical „Bodyguard“, beizubringen. Übrigens vergeblich. Besonders viele Zuschauer verfolgten auch den Live-Stream mit Schauspieler Jannik Schümann, der mit ihnen über Ticketpreise und seine Begeisterung für das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ sprach.

Weitere Gesprächspartner, neben den Theatermachern vor Ort, waren u.a. die Schauspielerin und Musicaldarstellerin Patricia Meeden, Sängerin Nina Kutschera, Caterer Georg Broich, der Organisator der „Night of Lights“ Tom Koperek sowie Konzert-Booker Florian Böde.

Über KulturKilometer

Laura Kuhlen (26) und Meik Gudermann (32) haben sich auf den Weg gemacht, um in insgesamt 21 Tagen aus Köln über zahlreiche Theater in Bochum, Bremen und Hamburg nach Berlin zu wandern. Mit ihrer Aktion wollen sie auf die Nöte und Sorgen privater Kulturschaffender aufmerksam machen und gleichzeitig die Vielfältigkeit, Kreativität und Systemrelevanz dieser Branche aufzeigen.
Kuhlen und Gudermann haben die Aktion „KulturKilometer“ eigenständig ins Leben gerufen. Auf ihrem über 750 km langen Weg interviewten sie Produzenten, Künstler und Theatermitarbeiter persönlich oder virtuell im Live-Stream, um sich über deren aktuelle Situation, Wünsche und Hoffnungen auszutauschen.
Durch die Corona-Pandemie wurde die Kulturbranche unverschuldet in eine tiefe Krise gestürzt: Der Shutdown der Spielstätten und die Absagen von Tourneen bedeuten für alle Mitarbeiter*innen der Live-Entertainment-Branche und Kleinunternehmer*innen vor, auf und hinter der Bühne den totalen Stillstand. Doch die Diskussion privater Kulturbetriebe geht in der Krise vielerorts unter – obwohl die deutsche Live-Entertainment-Branche gemeinsam mit der Theater- und Orchesterlandschaft weltweit einzigartig ist. Über 5.000 Bühnen und Veranstaltungsstätten gestalten die vielfältige und unbedingt schützenswerte Kulturszene Deutschlands. Für sie alle ist der Weg zurück ln die Normalität lang und mühsam, hunderttausende Jobs und selbständige Existenzen sind nach wie vor in Gefahr.

kulturkilometer.de