6. Lange Nacht der Alten Musik ONE WORLD!

Nyckelharpa (© Jussum auf Pixabay)

Seit 2006 ist die alle drei Jahre stattfindende „Lange Nacht der Alten Musik“ in Nürnberg eine feste Größe im Musikkalender. Am Samstag, 30. April 2022, laden das Germanische Nationalmuseum Nürnberg (GNM) und BR-KLASSIK Franken zum sechsten Mal ein zum Flanieren durch die Musikwelten vergangener Jahrhunderte im Ambiente des GNM.

Zu erleben ist unter dem Motto „One World – Musica Antiqua grenzenlos“ von 17.00 Uhr bis Mitternacht ein Abend voller facettenreicher Stimmen verschiedener kultureller Strömungen; mit jungen Wilden wie mit Altmeistern des Originalklangs und mit Instrumenten, die man nicht alle Tage hört: Ney, Nyckelharpa, Saz, Duduk oder Kanun. BR-KLASSIK überträgt live im Radio und im Videostream auf BR-KLASSIK Concert.

Das diesjährige Thema der Langen Nacht nimmt mit einem starken Ausrufezeichen die aktuelle Weltlage in den Blick: „ONE WORLD! – Musica Antiqua grenzenlos“, verbunden mit einem klaren humanistisch-musikalischen Appell: Es gibt nur eine Welt für alle Völker mit einem immerwährenden kulturellen Austausch. Dieser Austausch hat die Musik in den Jahrhunderten reich gemacht, indem sie immer wieder neue kulturelle Strömungen aufgesogen, sich verändert und mit neuen Einflüssen verbrüdert hat. Auch der Begriff „Migration“ ist damit eng verbunden. Für manche ein Reizwort, das Zukunftsängste erzeugt, für andere Ausdruck eines positiven kulturellen Austauschs der Menschheit in einer globalisierten Welt – One World! Der Begriff „Migration“ begleitet die Menschheit seit je und fast immer im Zusammenhang mit Krieg, Sklaverei, wirtschaftlicher Ausbeutung oder Flucht davor. Und dennoch hat Migration kulturelle Meilensteine hervorgebracht. Sie geht zugleich einher mit Neugier, führt zu bereichernden Freundschaften und brachte vielfach in der Geschichte frischen Wind in alte, erstarrte Gesellschaften.

Musikerinnen und Musiker grenzenlos

Alle Solistinnen und Solisten wie auch die Ensembles der Langen Nacht bringen unterschiedliche kulturelle Backgrounds mit und schaffen daraus eine gemeinsame, Menschen verbindende Klangsprache. Vielfältige Gesangstraditionen treffen in den Stimmen von Francesca Lombardi Mazzulli und Quiteria Munoz (Sopran), Laila Salome Fischer (Mezzosopran), Nihan Devecioglu (orientalischer Gesang), Rocio Márquez (Flamenco-Gesang), Rebal Alkhodari (arabischer Gesang) und Anna-Maria Hefele (Obertongesang) aufeinander. Barocke und orientalische Instrumente verschmelzen in ihrem Klangfarbenreichtum, etwa im kurdisch-syrischen Ensemble Orpheus XXI NRW (Foto) oder im Pera Ensemble, das nach einem kulturell sehr bunten Viertel Istanbuls benannt ist. Alte Musik jenseits eines eurozentrischen Horizonts mit jungen Wilden wie dem spanisch-libanesischen Gambisten Fahmi Alqhai trifft auf Altmeister des Originalklangs wie Werner Ehrhardt und sein Barockorchester l’arte del mondo. Die Gambistin Friederike Heumann lädt mit ihrem Ensemble ein auf eine Reise rund um das Mittelmeer von den Sepharden Portugals bis zu den türkischen Sufis. Und das Ensembles Supersonus verbindet kulturelle Traditionen von keltischer Mystik über die Maultrommel-Klänge des Alpenraums bis zur Folklore Skandinaviens und des Baltikums.

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Die Lange Nacht der Alten Musik am Samstag, 30. April, ab 17.00 Uhr im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg im Überblick:

17.05 Uhr, Aufseß-Saal
Couleur Orientale – Alte und traditionelle Musik des Orients
Orpheus XXI NRW

18.15 Uhr, Kartäuserkirche
Sphärenklänge I – Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber, Georg Friedrich Händel u. a.
Anna Maria Hefele (Obertongesang), Supersonus

19.00 Uhr, Aufsess-Saal
Nostalgia: The Sea of Memories – Musik von Francesco Cavalli, Giovanni Girolamo Kapsberger, Gaspar Sanz, Traditionals
Nihan Devecioğlu (Gesang), Friederike Heumann (Gambe), Xavier Díaz-Latorre (Laute)

20.15 Uhr, Kartäuserkirche
Sphärenklänge II – Musik von Hildegard von Bingen, Girolamo Frescobaldi u. a.
Anna Maria Hefele (Obertongesang), Supersonus

21.00 Uhr, Aufsess-Saal
Carneval Oriental – Musik von Jean Baptiste Lully, André Campra, Marco Uccelini, Antonio Sartorio u. a.
L’arte del mondo: Werner Ehrhardt; Pera Ensemble: Mehmet Yeşilçay

22.15 Uhr, Kartäuserkirche
Sphärenklänge III – Musik von Jean Philippe Rameau, Wolfgang Saus u. a.
Anna Maria Hefele (Obertongesang), Supersonus

23.00 Uhr, Aufsess-Saal
„MÚSICAS MESTIZAS“ – Musik von Mateo Flecha, Pablo Camacaro, Bearbeitungen von Fahmi Alqhai u.a.
Quiteria Munoz (Sopran), Rocío Márquez (Flamencogesang), Dani de Morón (Flamencogitarre), Accademia del Piacere: Fahmi Alqhai

Live-Übertragung

BR-KLASSIK überträgt das Konzert von 17.00 bis 00.00 Uhr live im Radio in Surround und im Videostream auf BR-KLASSIK Concert. Durch den Abend führt Moderator Roland Kunz.

Die Lange Nacht der Alten Musik

Die Lange Nacht der Alten Musik in Nürnberg fand erstmals 2006 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Konzertreihe Musica Antiqua statt. Seither bildet sie alle drei Jahre den Höhepunkt und Saisonabschluss der Musica Antiqua, einer Kooperation zwischen BR Franken und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg seit 1956.