4.500 Fans beim 50. Deutschen Jazzfestival Frankfurt

Das Festival feiert seine Geschichte und blickt neugierig nach vorn

Melodic Ornette - hr-Bigband feat. Joachim Kühn & Michel Portal beim 50. Deutschen Jazzfestival Frankfurt im hr-Sendesaal © hr/Sascha Rheker

Vom 23. bis zum 27. Oktober veranstaltete hr2-kultur das 50. Deutsche Jazzfestival Frankfurt in der Alten Oper, dem hr-Sendesaal und im Künstlerhaus Mousonturm. Internationale Jazzmusiker*innen aller Generationen, von Jungstar Laura Jurd bis zu Altmeister Charles Lloyd, sorgten für eine künstlerisch hoch gelungene Jubiläumsausgabe.

Festivalleiter Olaf Stötzler resümiert: „Das Programm in diesem besonderen Jahr verwies an einigen Stellen auf die ruhmreiche Geschichte dieses Festivals und bot gleichzeitig die gewohnte Experimentierfreude und Aktualität. Es freut uns sehr, dass das Programm vom Publikum so gut angenommen wurde. Wir glauben, dass das 50. Deutsche Jazzfestival Frankfurt als ein besonderer und künstlerisch sehr fruchtbarer Jahrgang in die Festivalgeschichte eingehen wird.“ Die Konzerte im hr-Sendesaal und im Mousonturm waren ausverkauft, und zahlreiche Fans verfolgten den Eröffnungsabend im Video-Livestream und die weiteren Konzerte von Mittwoch bis Samstag in hr2-kultur.

Auftaktkonzert feiert 50 Jahre ECM

Eröffnet wurde das 50. Deutsche Jazzfestival in der Alten Oper Frankfurt mit einer Würdigung des legendären Münchner Jazzlabels ECM. Zu Beginn nahm das Jakob Bro Quartet featuring Palle Mikkelborg das Publikum mit auf eine eindringliche Reise an den Rand der Stille. Ungewohnte großorchestrale Klänge gab es dann von der hr-Bigband zu hören, die den amerikanischen Bassisten und Komponisten Michael Formanek mit seinem Ensemble Kolossus zu Gast hatte, bevor die albanisch-schweizerische Sängerin Elina Duni im Albert Mangelsdorff Foyer den Abend mit einer intensiven Solo-Performance beschloss.

German All Stars reloaded, alte Bekannte und Unerhörtes

Gleich zu Beginn des ersten Abends im hr-Sendesaal begeisterte das virtuose britisch-schwedische Trio Enemy. In Reminiszenz an die Deutschen All Stars, 1953 Headliner des 1. Deutschen Jazzfestivals Frankfurt, traten bei der 50. Ausgabe die extra dafür zusammengestellten German All Stars mit einem ambitionierten Programm eigener Kompositionen auf. Mit ihrem weltumspannenden und zugleich hochvirtuosen kammermusikalischen Dialog begeisterte zum Abschluss das Cross Currents Trio mit Chris Potter, Dave Holland und der Tabla-Legende Zakir Hussain.

Sie sorgten für stehende Ovationen – wie auch am zweiten Abend ein alter Bekannter: Der charismatische Saxofonist Charles Lloyd war schon 1966 beim 10. Jazzfestival zu Gast. Diesmal brachte er sein hochkarätig besetztes Quintett Kindred Spirits mit. Auch der Frankfurter Saxofonist Christof Lauer war zum wiederholten Male eingeladen und konnte sich für das 50. Festival eine Traumband zusammenstellen. Im Quintett u. a. mit Kudsi Erguner, dem Meister der türkischen Endkantenflöte Nay, inszenierte Lauer einen spannenden Dialog zwischen Sufi-Musik und Jazzimprovisation. Begonnen hatte der Abend mit den ausgefeilten Kompositionen und Improvisationen der jungen britischen Band Dinosaur um die preisgekrönte Trompeterin Laura Jurd.

Mit Schlagzeug- und Vibrafonkaskaden in atemberaubender Geschwindigkeit, zum Teil angereichert durch Live-Elektronik, eröffnete das Projekt Boulez Materialism den dritten Abend im hr-Sendesaal. Das Marcin Wasilewski Trio kontrastierte. Melodiös führten die drei polnischen Musiker durch das zweite Set des Abends, mal kontemplativ und sanft, dann wieder hochenergetisch. Den spektakulären Schlusspunkt setzte am Samstag eine Uraufführung der hr-Bigband. Kompositionen von Ornette Coleman, arrangiert von Jim McNeely und Joachim Kühn, bildeten den Ausgangspunkt für eruptive Klanggebilde. Das Jazzorchester des Hessischen Rundfunks trat in einen hochmusikalischen Dialog mit einem prominent besetzten Quartett. Dabei brillierten neben Kühn am Klavier der Schlagzeuger Joey Baron, Bassist François Moutin und Michel Portal an Bassklarinette und Sopransaxofon.

Abschluss im Künstlerhaus Mousonturm

Zur Matinee im intimen Rahmen des Lokals im Mousonturm traf sich der Wiesbadener Pianist Uwe Oberg mit der Berliner Saxofonistin und Klarinettistin Silke Eberhard. In dem Konzert erkundeten die beiden die klanglichen Möglichkeiten eines frei improvisierten kammermusikalischen Dialogs. Druckvollen Jazzrock mit modernem Touch brachte abends das Quartett des neuseeländischen Schlagzeugers Myele Manzanza auf die Bühne des ausverkauften Saals. Der Wahl-Londoner gab bei dieser Gelegenheit sein Festivaldebüt in Deutschland. Den Schlusspunkt setzten mit clubtauglichem Jazz der angesagte Londoner Keyboarder Alfa Mist und sein junges Quintett.

Das 50. Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2019 war eine Veranstaltung des Hessischen Rundfunks/hr2-kultur in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt am Main/Dezernat für Kultur und Wissenschaft. Kooperationspartner bei der Ausrichtung waren die Alte Oper Frankfurt und das Künstlerhaus Mousonturm.

Weitere Infos, ein Webspecial zur Geschichte und das Video-on-Demand des Auftaktabends auf hr2.de/jazzfestival

Das 51. Deutsche Jazzfestival Frankfurt findet vom 28. Oktober bis zum 1. November 2020 statt.