Landungsbrücken Frankfurt: DÜRFEN MÜSSEN WOLLEN – Die Spielzeit 2020//2021 – Spielplan September

Vergissmeinnicht (© Landungsbrücken FFM)

Nichts genaues weiß man nicht. Da fällt das Planen schwer und das Machen sowieso. Ins Blaue hinein. Da der Mensch aber ja nicht von Hoffnung allein leben kann, jetzt hier also der ultimative Versuch einer Annäherung an einen Zustand, der sowas Ähnlichem wie einer Normalität, wie sie früher einmal gewesen sein könnte und erstmal so schnell nicht wiederkommen wird, nahekommen könnte. Oder so ähnlich.

Eröffnet wird die Spielzeit 20//21 am Freitag, den 4. September mit “Mansplaining//Ein Kleid im Spiegel der Faschisten“, einem Doppelgastspiel. Nächste Woche wird dann die Premiere der neuen Tanztheater-Produktion “Vergissmeinnicht” des Choreographenduos Vlasova//Pawlica gefeiert und Ende September wird “Das Landungsbrücken Einmaleins” mit Performances jeweils nur für eine Person in den “normalen” Spielplan übergeführt. Abgerundet wird der September von zwei Lesungen, einmal mit Kinderbuchautor Jochen Till (Memento Monstrum) und einmal mit Thorsten Nagelschmidt und seinem lakonischen Gesellschaftsroman “Arbeit“. Die zunächst angekündigte Produktion “Satisfier” entfällt erst einmal.


Mansplaining
© Landungsbrücken FFM

MANSPLAINING – Mit Macht über Macht reden
IM SPIEGEL EIN KLEID DER FASCHISTEN

(Double)
Aufführung am 04.09.2020, 20:00 Uhr

MANSPLAINING– Mit Macht über Macht reden eine Lecture-Performance von und mit Marcel Nascimento.
In einem performativen Selbstversuch stellt er sich den Anforderungen an sein Geschlecht und geht der Frage nach wann ist ein Mann eigentlich ein Mann? MANSPLAINING fasst eine intensive Recherchephase spielerisch performativ zusammen, bei dem die Zuschauer*innen selbst Einfluss haben. Viele Entscheidungen unseres Lebens sind davon abhängig, welches Geschlecht uns bei der Geburt zugewiesen wird. Von Anfang an wird dem heranwachsenden Individuum beigebracht, was es heißt, Mann oder Frau zu sein. Man(n) ist das Eine oder das Andere, nie beides. Aber: Wann ist ein Mann eigentlich ein Mann? Was muss er erfüllen, wie handeln und sich darstellen um ein wahrer Mann zu sein? Im Angesicht von autoritären Präsidenten, der Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern und aufsehenerregenden Hashtag-Kampagnen, stellt sich Marcel, in einem multimedialen Selbstversuch, den Anforderungen an sein Geschlecht. In seiner Solo-Performance taucht er ein in den Diskurs um die „wahre Männlichkeit“. Die Zuschauer*innen nehmen am Rechercheprozess teil und am Ende bleibt die Frage: Was macht eigentlich Marcel zum Mann?

IM SPIEGEL EIN KLEID DER FASCHISTEN

Solotanzperformance von Miriam Michel
Ein Kleid, von osteuropäischen Näherinnen geschneidert.
Ein Kleid, von Faschisten designt, zur Befreiung des weiblichen Körpers.
Ein Lied, von einem osteuropäischen Komponisten erdacht und niedergeschrieben.
Ein Lied, von Hollywood benutzt und beschmutzt.
Dinge, gefunden vor Ort.
Eine Künstlerin, die all das versucht zu verbinden.
Eine Stunde, in der Menschen dabei zuschauen.
Keine Antwort. Nur Versuch.


VERGISSMEINNICHT

VLASOVA/PAWLICA
Ein Tanztheater über das Vergessen und das Vergessenwerden.

Premiere am 10.09.2020
A
ufführung am 11.09.2020 und im Oktober, jeweils 20:00 Uhr

Zu verschwinden, plötzlich nicht mehr da zu sein, zu vergessen und selber in Vergessenheit zu geraten – das sind vielleicht die größten Ängste von uns Menschen. Die psychische Mechanik des Erinnerns ist derart komplex, dass darin so gut wie alles spezifisch Menschliche involviert und aneinander gekoppelt ist: Emotion, Bewusstsein, Geist, Verstand, Poesie. Erinnerung ist nicht einfach gleichzusetzen mit Gedächtnis, obwohl Erinnerung und Gedächtnis sich nicht trennen lassen. Erinnern ist vielmehr das Plündern des Gedächtnisses als Tätigkeit des Geistes mithilfe des Gehirns. Man könnte sagen: Das ganze Leben besteht aus Erinnern. Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität nicht möglich. Was geschieht aber mit uns, wenn die Erinnerungen verblassen und der Mensch eines Tages auf fast nichts mehr zurückgreifen kann, was ihn einst ausmachte. Wenn unsere geistige Lebensreise auf einmal zurück geht und das so perfekte Meisterwerk „der menschliche Körper“ den Geist aufgibt. Was bleibt mir noch, wenn nichts von mir mehr da ist?

Musik: David Rojas
Dramaturgie: Mareike Uhl
Assistenz: Keith Chin
Gefördert durch Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Landeshauptstadt Hannover Kulturbüro, Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste
Mit freundlicher Unterstützung der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt

EINE KOPRODUKTION VON VLASOVA//PAWLICA MIT LANDUNGSBRÜCKEN FRANKFURT, KINDERTHEATERHAUS HANNOVER UND DER EVANGELISCHEN EMMAUS GEMEINDE DÜSSELDORF


DAS LANDUNGSBRÜCKEN EINMALEINS
ZU ZWEIT IST MAN WENIGER ALLEIN

STAFFEL V

Aufführungen am:
Performance I 24.09.2020 – 18:00 Uhr/19:00 Uhr/20:00 Uhr
Performance II 25.09.2020 – 18:00 Uhr/19:00 Uhr/20:00 Uhr

Eintritt: jeweils 10 €

„Dieses Konzept einfach hochinteressant und einfach eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann.“ (HR 2 Frühkritik)

„Vorstellungen für eine Person. Allein in unserer großen Halle mit einer ganz persönlichen Performance. Nur für Dich. Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn nur für mich gespielt wird? Berührend? Intim? Unangenehm? Mit Sicherheit aber jedenfalls: Besonders. Und um das ganze dann noch spannender zu machen, weiß niemand, was genau gegeben wird, außer: Kurze Performances aus dem erweiterten Landungsbrücken-Umfeld mit alten Bekannten und neuen Gesichtern.
Sprechtheater, Musik, Tanz. Bestehende Stücke, neue Inszenierungen, Kurzschlüsse. Dreimal am Tag wird die gleiche Vorstellung gespielt, jeweils für eine andere Person. Und damit wir auch endlich bei diesem Online-Theater-Spiel im digitalen Raum mitspielen können und weil wir überzeugt davon sind, dass die Dynamik, die in einem Raum entsteht, wenn einzelne Performer*Innen auf einzelne Zuschauer*Innen treffen, auch zuhause spannend zu beobachten und zu erleben sein wird, wird ein Teil der Vorstellungen inklusive Publikum aufgezeichnet und ganz oder in Teilen veröffentlicht.“
ACHTUNG: Das Publikum wird gefilmt werden.


Memento Monstrum: Vorsicht, bissig!

Von Jochen Till (Autor), Wiebke Rauers (Illustrator)
Premierenlesung am 27.09.2020 – 14:30 Uhr
Eintritt: 5 €
Mit: Linus Koenig (Vorleser)

„Warnung! Dieses Buch enthält Graf Draculas ziemlich wahre Memoiren. Und es kommen jede Menge abscheuliche Kreaturen darin vor. Riesenhafte Yetis, hinterlistige Werwölfe, schleimige Fischmonster … Lies es besser nicht! Du könntest Dinge erfahren, die du bisher nicht über Monster wusstest. Haarsträubende Dinge, die diese Ungeheuer freundlich, ja geradezu menschlich erscheinen lassen. Also, hör auf meinen Rat, du hast nur diese eine Chance: Leg das Buch schnell weg und geh weiter, bevor du in seine Fänge gerätst! Oder: Graf Dracula glaubt, sein Ende sei gekommen: Ein Wochenende allein mit seinen drei Enkelkindern – wie soll er das nur überleben?! Doch da fällt ihnen das alte Fotoalbum in die Hände und auf einmal ist Opa Dracula ganz schön cool! Denn nur er weiß, dass der kolossale Yeti in Wahrheit DIE Yeti ist und von einer Karriere als Ballerina träumte. Dass ein Werwolf der beste Drummer aller Zeiten war und ein Fischmonster bei den Olympischen Spielen alle Schwimmrekorde brach. Die ziemlich wahren Memoiren des Grafen Dracula – ein besonderes Lesevergnügen für die ganze Familie!“


ARBEIT – Thorsten Nagelschmidt

Lesung am 28.09.2020 – 20:00 Uhr
Eintritt: Vvk. inkl. Gebühr 14 €

In einem Kreuzberger Hostel beginnt Sheriff seine Nachtschicht und fühlt sich mal wieder wie ein schlecht bezahlter Sozialarbeiter. Im Späti nebenan erlebt Anna den zweiten Überfall in diesem Jahr. An der Tür vom Lobotomy steht Ten und realisiert, dass ihm seine junge Familie durch seine Arbeitszeiten komplett zu entgleiten droht. Außerdem: Eine idealistische Notfallsanitäterin, eine zornige Pfandsammlerin und ein Drogendealer mit Zahnschmerzen, der sich fragt, ob er Freunde hat oder nur noch Stammkunden.
Thorsten Nagelschmidt hat mit »Arbeit« einen großen Gesellschaftsroman über all jene geschrieben, die nachts wach sind und ihren Job erledigen, während Studierende und Tourist*innen feiern. Temporeich erzählt er von zwölf Stunden am Rande des Berliner Ausgehbetriebs und stellt Fragen, die man beim dritten Bier gerne vergisst: Auf wessen Kosten verändert sich eine Stadt, die immer jung sein soll? Für wen bedeutet das noch Freiheit, und wer macht hier später eigentlich den ganzen Dreck weg?
Thorsten Nagelschmidt, geboren 1976 im Münsterland, ist Autor, Musiker und Künstler. Er ist Sänger, Texter und Gitarrist der Band Muff Potter und veröffentlichte die Bücher »Wo die wilden Maden graben« (2007), »Was kostet die Welt« (2010) und »Drive-By Shots« (2015). Zuletzt ist von ihm der Roman »Der Abfall der Herzen« (2018) erschienen. Er lebt in Berlin und veranstaltet dort die Lesereihe »Nagel mit Köpfen«.


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