kulturfreak

Theater, Stückeinfo: V

Die Valentin-Methode. Ein Humorlabor
Eine Produktion von schauspielfrankfurt

Premiere: 5. März 09

Regie: Tomas Schweigen
Grundraum: Maria-Alice
Bahra, Jan Schroeder
Ausstattung: Susanne Hiller
Dramaturgie: Marcel Luxinger
Video: Jos Diegel
Illustration: Teresa Habild
Licht, Ton, Technik: Marcel Heyde
Technische Einrichtung: Joachim Schr
öder, Mathias Rößler
Regieassistenz: Sophie Achinger
Bühnenbildassistenz: Katrin Bombe
Maske: Anke Scharlach
Requisite: Uschi Trella, Anja Becker
Regiehospitanz: Svenja Kimbel
Ausstattungshospitanz: Nora Krings, Sissi Mertens

Mit:
Nadja Dankers, Stefko Hanushevsky, Sascha Maria Icks, Max Landgrebe, Sebastian Schindegger und Silvester von Hösslin
 
Besprechung auf kulturfreak.de

Im März 08
haben sich Nadja Dankers, Wilhelm Eilers, Stefko Hanushevsky, Silvester von Hosslin, Sascha Maria Icks und Max Landgrebe zusammen mit Regisseur Tomas Schweigen, Bühnenbildner Stephan Weber und Dramaturg Marcel Luxinger auf die Spuren des Landvermessers K. begeben. Sie suchten einerseits nach einem speziellen dramatischen Zugriff auf Kafkas komplexe Geschichte und andererseits nach dem Weg, das Lesen von Prosa auf der Bühne szenisch darzustellen.
Im Frühjahr 2009 läuft DAS SCHLOSS immer noch mit großem Erfolg in der schmidtstrasse 1 2 und ist Ende Januar preisgekrönt vom Fadjr Theaterfestival in Teheran zurückgekommen. Es war der Wunsch aller Beteiligten, am neuen Projekt wieder zusammenzuarbeiten, es hat geklappt, was an großen Ensemble-Theatern eine Seltenheit ist.
Mitte Januar 09 haben sich Nadja Dankers, Stefko Hanushevsky, Silvester von Hosslin, Sascha Maria Icks und Max Landgrebe zusammen mit Regisseur Tomas Schweigen und Dramaturg Marcel Luxinger in der abgelegenen schmidtstrassel 2 vesammelt. Nur Wilhelm Eilers konnte nicht, stattdessen stieß Sebastian Schindegger dazu, und anstelle von Stephan Weber hat sich Susanne Miller der Bühne und den Kostümen angenommen.
Während DAS SCHLOSS eine Expedition zu den Geheimnissen eines hermetischen Textes war, ist DIE VALENTIN-METHODE ein Experiment. Am lebenden Objekt sogar, denn im - als Humorlabor definierten - wechselnden Bühnenraum dient das Publikum als Maßstab, um die Konstituenten der Valentinschen Komik sieht- und hörbar zu machen. Die vier Räume betonen die unterschiedlichen Schaffensbereiche Valentins (Bühne, Film, Hörspiel, Museum), unterschiedlich ist auch der mediale Umgang mit der Vorlage: Leben und Werk des groteskesten Komikers Deutschlands. Ihm und seinem Komikgeheimnis auf die Spur zu kommen, ist die Aufgabe, die der Laborraum stellt, daraus ein Theaterabend mit eigenständigem Witz zu destillieren - treu der Vorlage und dennoch originell im Resultat -, ist das Ziel.

 [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Gleich zwei Frankfurter Theater beschäftigen sich fast zeitgleich mit dem größten deutschen Komiker aller Zeiten, das schauspielfrankfurt in der Schmidtstrasse: DIE VALENTIN-METHODE. EIN HUMORLABOR und das Theater Willy Praml in der Naxoshalle: KARL VALENTIN. TRIUMPF DES UNWILLENS.

Der sprachlich-theatralisch-und mimetische Kosmos der Kunst-Welt des Karl Valentin ist so immens, dass mit zwei ganz unterschiedlichen Interpretationen der beiden Theater gerechnet werden kann

Die Praml´sche Version in der Ausstattung von Michael Weber und unter Mitwirkung seines Ensembles geht von folgender Annahme aus:

Karl Valentin blickt in die Wohnstuben, auf die Hintertreppen, die Schulzimmer, Die Biergärten der Nation und entdeckt: Irrsinn, Wahnsinn, Non-Sinn. Er zeigt den entsetzlich geplagten Menschen, von Tücken umgeben, mit Tücken parierend.
Triumpf des Unwillens spielt in einer Hartz IV-Welt: Ein bunter Abend in schwarz-weiss.

Beide Inszenierungen werden bis zum Sommer zu sehen sein; vorab aber gibt es am Sonntag, 29. März um 11h, im Foyer des THEATER WILLY PRAML einen Vergleich: das Publikum ist eingeladen, mit den Ensembles beider Inszenierungen zu diskutieren.
Der Eintritt ist frei.

Karl Valentin ist immer aktuell... Verbalvirtuose und Medienmechaniker, war (er) aber auch ein unbeirrbarer und widerspenstiger Geist, der den Wahnsinn seiner Zeit auf subtile Weise thematisierte, indem er den alltäglichen Menschen eine Stimme auf der Bühne gab. Als spartenübergreifender Künstler und als unbestechlicher Kommentator ist Valentin heute aktueller denn je. 

Karl Valentin. Triumph des Unwillens
Eine Produktion des Frankfurter Theater Willy Praml

Premiere: 13. März 09
Wiederaufnahme: 6. November 09

Regie:  Willy Praml
Buch und Idee: Willy Praml, Michael Weber
Bühnenbau: Guido Egert
Licht: Nico Rocznik
Lichttechnik: Daniel Gebhard, Nico Rocznik
Ton: Oliver Blohmer, Reiner Wolff
Musikbearbeitung: gpap gregor praml audioproduktion
Bühne/Kostüme: Michael Weber

Mit:
Erste Person:
Reinhold Behling
Zweite Person: Birgit Heuser
Dritte Person: Tim Stegemann
Vierte Person: Michael Weber
Ein Beleuchtungstechniker, Kaminkehrer: Willy Praml
Drei Strohhüte: Irene Buresch, Herta Georg, Maria Niesen

Besprechung auf kulturfreak.de


Karl Valentin. Triumph des Unwillens
Theater Willy Praml
hinten: Reinhold Behling, rechts sitzend: Birgit Heuser und “Drei Strohhüte” (Irene Buresch, Herta Georg, Maria Niesen)
Foto: Herbert Cybulska

Karl Valentin blickt in die Wohnstuben, die Hintertreppen, die Schulzimmer, die Biergärten der Nation und entdeckt: Irrsinn, Wahnsinn, Non-Sinn. Er zeigt den  entsetzlich geplagten Menschen, von Tücken umgeben, mit Tücken parierend. Die endlose Plage mit dem Leben, denn das Leben stellt so geschickte Fallen. Man muss immer auf der Hut sein. Das zwingt zu grotesken Verrenkungen und Sprüngen. Es ist alles Missverständnis und Verwirrung. Da haspelt man sich ab – kein Wunder, dass man so mager wird.

Valentin hält sich in politischen Krisenzeiten an die Krisen des Alltags und verweist damit auf die Gebrechlichkeit der Welt. Damit ist Valentin ein naher Verwandter Becketts – beide kreisen sie clownesk um das Nichts und verfallen bei dessen Entdeckung in schallendes Gelächter. Lachen befreit – nicht von den Umständen, aber von der Last der Umstände. So wird das Zielen des Nonsens wieder zur Politik – den Betrachter leichter machen, heisst ihn stärker machen.

„Triumph des Unwillens“ ein „bunter Abend in Schwarz-Weiss“ spielt in einer Hartz IV – Welt – es gibt keine Margarinestullen mehr, dafür Aldi-Champagner – kein Grillen auf dem Balkon, aber Spar-Wellness-Wochenenden aus dem Internet. Das Nichts ist zu-plakatiert, zu-dekoriert, zu-ikeanisiert. Aber die Sintflut ist nahe und Valentin lässt die Welt untergehen wie einen panikartig zerplatzten Leberkäse. 
Die Welt als Panoptikum, das Panoptikum als Lach- und Gruselkabinett des Alltags. [© Theater Willy Praml]

Spieldauer: 2.30h mit Pause

www.theater-willypraml.de

Vatersprache

Von:
Albert Ostermaier
Uraufführung: 31.08.2002 (Ruhr Triennale Essen, im Rahmen der Produktion "Deutschland, Deine Lieder")

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 9. Mai 17 (Box)

Regie: David Moser
Bühne: Cornelia Schmidt
Kostüme: Rahwa Oreyon
Dramaturgie: Claudia Lowin

Mit: Alexandra Lukas; Nico Holonics


Vatersprache
Schauspiel Frankfurt
Vorabbild mit Nico Holonics
© Lukas Gansterer

Ein Vater ist tot. Ein Sohn in der Wohnung des Vaters. Er hat ihn nie kennengelernt und sieht sich – zum alleinigen Erben erklärt – mit dem unbekannten Vater und dessen vermeintlichem Leben konfrontiert. Also durchsucht er die Wohnung, die bis auf einen Eichenschrank leer ist, nach Spuren der Vergangenheit und Mosaiksteinen für ein väterliches Portrait.  Eine abenteuerliche Reise in die eigene Fremde beginnt. Es gilt die Umrisse des schwarzen Lochs zu umreißen, das der Vater durch Abwesenheit in das Ich geschlagen hat. Die leere Wohnung ist voll von Erinnerungen, Fakten und Fiktionen, die weit über das individuelle Leben hinauszeigen. Das persönliche Schicksal verschmilzt mit der kultur-geschichtlichen Idee der Vätergenerationen. Gibt es in einer enträtselten Welt überhaupt noch einen fremden Vater zu entdecken? Gibt es noch ein mystisches Moment in uns und unseren Beziehungen oder folgt ein Vater schicksalhaft auf den Nächsten? Vielleicht lassen sich Erinnerungen zusammenfügen, vielleicht ist Geschichte ein Puzzle bei dem kein Teil zum anderen passt. [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Venus im Pelz (Venus in Fur)
Komödie

Von: David Ives
Deutsche Übersetzung: Michael Raab
Uraufführung: 26. Januar 10 (New York, Classic Stage Company)
Deutschsprachige Erstaufführung: 22. September 2013 (Berlin, Renaissance-Theater)

Thomas, ein noch junger und talentierter Autor und Regisseur, sucht verzweifelt nach der passenden Besetzung für Wanda, die weibliche Hauptrolle in seinem neuen Stück. "Venus im Pelz", seiner Adaption der gleichnamigem Novelle von Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahr 1870. Protagonist der Handlung ist Severin von Kusiemski, der als junger Mann die junge und reiche Witwe Wanda von Dunajew trifft, von deren Schönheit und Ähnlichkeit zu der von ihm verehrten Göttin Venus er fasziniert ist. Den Heiratsantrag Severins will Wanda jedoch nicht annehmen und schlägt ihm stattdessen eine einjährige Probezeit vor, in der Severin der Sklave Wandas wird und sich ihr physisch und psychisch unterwirft.

Am Ende eines Tages voll erfolgloser Vorsprechen schneit eine reichlich gewöhnliche und ziemlich aufgeregte junge Schauspielerin in Thomas’ Probenraum – Wanda Jordan. Wanda will die Rolle und meint, wie geschaffen dafür zu sein. Ganz im Gegensatz zum wenig begeisterten Thomas, denn trotz des Namens könnte sie mit ihrem Lackleder-Outfit und Straßenjargon nicht unpassender sein für die Besetzung der eleganten und kultivierten Figur des Bühnenstücks. Aber Wanda hat nicht nur ungewöhnlich großes Talent, eine raffiniert ausgestattete Garderobe und erstaunliches Hintergrundwissen, sondern auch einen enorm starken Willen, und so wird ihr emotional aufgeladenes Vorsprechen zu einem Katz- und Mausspiel, das die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, Verführung und Macht immer mehr auflöst.

Venus im Pelz ist lust- und humorvoll, intelligent und subtil, voller Wort- und Situationswitz - und ein großer Broadwayhit: Nina Arianda, die Darstellerin der Wanda, wurde für ihre schauspielerische Leistung mit dem Tony Award 2012 ausgezeichnet. [© Felix Bloch Erben, Berlin]

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

Premiere: 16. Mai 14
Spielzeit bis 4. Juli 14

Regie: Michael Howcroft
Bühnenbild/Kostüm: Simon Kenny
Lichtdesign: Richard G. Jones

Besetzung:

Thomas:
David Blackwell
Wanda: Meghan Treadway

Besprechung auf kulturfreak.de


Venus in Fur
English Theatre Frankfurt
Vanda (Meghan Treadway), Thomas (David Blackwell)
© Martin Kaufhold

Wenn die Venus den Schmetterlingssammler träfe
Auf der Bühne des English Theatre Frankfurt duellieren sich Mann und Frau in konträren Rollen der Stücke „The Collector“ und „Venus in Fur“
Stellen wir die Machtfrage. Ein sonderlicher Schmetterlingssammler, Frederick, versucht mit der Entführung der schönen Miranda absolute Befehlsgewalt über sie zu gewinnen. Er will ihre Liebe erzwingen. Doch wer ist letztlich mächtiger: der Täter oder das ihm intellektuell überlegene Opfer?
Im anderen Fall ist scheinbar der Regisseur, Thomas, der überlegenere Part im Wortgefecht gegen die sich einfältig gebende Schauspielerin Wanda. Doch diese dreht im Lack-Leder-Outfit den Spieß um und bringt den prätentiösen Thomas dazu, sich ihren Befehlen zu fügen.

Megan Treadway und David Blackwell spielen diese vier Rollen in den beiden Stücken, die das English Theatre Frankfurt im Frühjahrsprogramm bringt: „The Collector“, die Bühnenversion des berühmten gleichnamigen Romans von John Fowles, und „Venus in Fur“, ein Bühnenstück von David Ives, in dem die Novelle „Venus im Pelz“ von Leopold Sacher-Masoch thematisiert wird. Aus dieser prägte sich der Begriff „Masochismus“.
Den Zuschauern bieten beide abwechselnd programmierten Stücke eine einzigartige Gelegenheit: Dieselben Schauspieler in zwei ganz unterschiedlichen Rollen. Und immer dreht es sich um die Frage: Wer hat die Macht?

„The Collector“ handelt von dem einsamen Büroangestellten Frederick Clegg, der die junge Studentin Miranda entführt. Von der Idee besessen, sie zur Trophäe seiner Schmetterlingssammlung zu machen, sperrt er sie in einen Keller ein. Miranda versucht mit allen Mitteln zu fliehen und sieht letztendlich ein, dass sie nur eine einzige Chance hat: Sie muss Cleggs Vertrauen gewinnen.
Das Stück bietet einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt beider Figuren und zeigt, wie sich trotz aller widrigen Umstände eine Art Beziehung zwischen den Charakteren aufbaut. John Fowles Roman nimmt übrigens fiktional vieles vorweg, was einige Jahrzehnte später auch im realen Fall Natascha Kampusch geschehen ist.

Im Gegensatz zu „The Collector“ geht es bei „Venus in Fur“ viel humorvoller zu, aber nicht weniger dunkel und dramatisch. Die Schauspielerin Wanda ist wild entschlossen, die Hauptrolle in der Bühnenversion „Venus in Fur“ zu ergattern. Um den Regisseur von ihren Fähigkeiten zu überzeugen, überredet sie ihn dazu, das Stück mit ihr gemeinsam durchzuspielen. Im Laufe des Spiels wendet sich plötzlich das Blatt und Wanda gewinnt die Oberhand.

Nach beiden Stücken kann man sich dann nur noch die Frage stellen: Und wenn die Venus den Schmetterlingssammler träfe? [© English Theatre Frankfurt]

www.english-theatre.de

Zur Inszenierung des Renaissance-Theater Berlin

Premiere: 22. September 13 (Deutschsprachige Erstaufführung)

Regie: Torsten Fischer
Bühne: Vasilis Triantafillopoulos

Mit: Anika Mauer, Michael von Au

 www.renaissance-theater.de

Verbrennungen (Incendies)

Von: Wajdi Mouawad
Deutsche Übersetzung: Uli Menke

Uraufführung: 14. März 2003 (Meylan, Théâtre de Quat’Sous / Festival de théâtre des Amériques / Théâtre Ô Parleur / Théâtre Hexagone)
Deutsche Erstaufführungen: 13. Oktober 2006 (Göttingen, Deutsches Theater; Nürnberg, Staatstheater Nürnberg)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 28. Oktober 17 (Kammerspiele)

Regie: Daria Bukvić
Bühne: Janne Sterke
Kostüme: Dymph Boss
Dramaturgie: Alexander Leiffheidt
Licht: Johannes Richter
Animation: Joost de Haas

Besetzung:

Nawal:
Heidi Ecks
Hermile Lebel, Arzt, Abdessamad, Malak:
Thomas Meinhardt
Jeanne:
Altine Emini
Simon:
Nils Kreutinger
Sawda, Journalistin, Jihane, Nazira:
Kristin Hunold
Nihad, Wanab, Fremdenführer: Stefan Graf
Antoine, Soldat, Hausmeister, Chamseddine:
Thorsten Danner


Besprechung auf kulturfreak.de

Bei der Testamentseröffnung ihrer Mutter Nawal erhalten die Zwillinge Jeanne und Simon Marwan zwei verschlossene Briefumschläge: einen für ihren älteren Bruder, von dem sie nichts wussten, einen für ihren Vater, den sie für tot hielten. Auf der Suche nach den Adressaten reisen die Geschwister in das Land ihrer Vergangenheit. Sie erkennen ihre eigene Verstrickung in einen Zyklus sinnloser Gewalt. Aus Machtlosen werden Täter, aus Tätern Opfer. In seinem international erfolgreichsten Stück erzählt der kanadisch-libanesische Autor Wajdi Mouawad die Geschichte eines Kreislaufs von Leiden und Vergeltung. Das von ihm beschriebene Schicksal bleibt im Bezug auf die Kriege unserer Zeit immer konkret; zugleich enthält es eine überzeitliche, beinahe mythische Dimension. Anstelle einer ewigen Wiederkehr des Bösen behauptet Mouawad die Möglichkeit der Utopie. So entsteht aus seiner Beschreibung von Hass und Schuld unversehens ein Plädoyer für Vergebung. [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere: 18. April 15

Inszenierung: Klaus Schumacher
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Karen Simon
Musik: Tobias Vethake
Licht: Dieter Wutzke/ Sebastian Ahrens
Dramaturgie: Jörg Vorhaben

Besetzungen:

Nawal: Andrea Quirbach
Jeanne: Lilith Häßle
Simon: David Schellenberg
Hermile / Der Arzt / Abdessamad / Der Hausmeister / Malak: Armin Dillenberger
Wahab / Antoine / Soldat 2 / Der Mann / Chamseddine / Ralph: Rüdiger Hauffe
Jihane / Nazira / Sawda: Leoni Schulz
Soldat 1 / Nihad: Matthias Lamp


Verbrennungen
Staatstheater Mainz
unten: David Schellenberg, Lilith Häßle, oben: Andrea Quirbach
© Bettina Müller

Als ihre Mutter stirbt, machen sich die Zwillinge Jeanne und Simon auf die Suche nach ihrem Vater und ihrem Bruder. Schon fünf Jahre vor ihrem Tod war die Mutter völlig verstummt. In ihrem Testament hat sie verfügt, dass die Geschwister den beiden je einen Brief übergeben sollen. Die Suche nach Vater und Bruder führt sie in den Nahen Osten, die Heimat ihrer Mutter. Nach und nach erfahren sie ihre wahre Herkunft und wer ihre Mutter wirklich war. Die von Bürgerkrieg und sinnloser Gewalt geprägte Vergangenheit ihrer Familie wirft alle ihre bisherigen Sicherheiten über den Haufen und zwingt sie dazu, sich neu zu orientieren.

Der 1968 im Libanon geborene frankokanadische Autor Wajdi Mouawad zeigt in eindrucksvoller Weise, wie schwer es für den Menschen ist, sich aus einer ­Gewaltspirale zu befreien. Vor dem Hintergrund der kollektiven Tragödie des Krieges erzählt er das individuelle Schicksal seiner Figuren und zeigt zugleich, wie hilflos wir uns mit unseren westlichen Werten angesichts von Gewalt und Krieg fühlen können.

Der mehrfach preisgekrönte Regisseur und Leiter des Jungen Schauspielhauses in Hamburg, Klaus Schumacher, wird erstmals in Mainz inszenieren. [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de 

Das Versprechen
Kriminalroman

Von:
Friedrich Dürrenmatt

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
(Koproduktion mit dem Theater Winterthur, Fassung von Markus Bothe)

Premiere: 1. Oktober 13 (Kammerspiele)

Regie: Markus Bothe
Bühne: Alexandre Corazzola
Kostüme: Justina Klimczyk
Musik: Biber Gullatz
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie: Claudia Lowin

Besetzung:

Matthäi:
Torben Kessler
Von Gunten / Albert:
Viktor Tremmel
Kommandant:
Till Weinheimer
Mutter von Gritli / Frau Schrott / Psychologin Dr.Locher:
Gaby Pochert
Henzi / Tankwart: Christoph Pütthoff
Lehrerin / Krankenschwester / Frau Heller: Lisa Stiegler
Annemarie: Fabiana Förch / Zoe Kindler / Paula Rebecca Süss
Ursula: Clara Dönicke / Mascha Mais / Charlotte Nahm
Fischerjunge: Paul Herholz / Finn Kindler / Valention Teufel

Besprechung auf kulturfreak.de


Das Versprechen

Schauspiel Frankfurt
Matthai (Torben Kessler) und Kinderstatisterie
© Birgit Hupfeld

Nach dem großen Erfolg des Films »Es geschah am hellichten Tag« mit Heinz Rühmann in der Rolle des menschlich engagierten Kommissars Matthäi, dessen Drehbuch Friedrich Dürrenmatt verfasst hatte, schrieb der Autor 1958 auf der Grundlage seines eigenen Filmskripts seinen Roman »Das Versprechen«, den er im Untertitel als »Requiem auf den Kriminalroman« bezeichnete.
Ein kleines Mädchen wird auf grausame Weise getötet und schnell findet die Polizei heraus, dass es die Tat eines Serienmörders gewesen sein muss, denn in der jüngsten Vergangenheit gab es bereits zwei ähnliche Morde. Kommissar Matthäi wird zum Schauplatz gerufen und sieht genau hin: ein verstümmelter Leichnam, ein Kindergesicht im Laub, erdrosselt. Als er den Eltern des toten Mädchens die Nachricht überbringt, verspricht er ihnen, dass er den Täter finden wird. Und dieses Versprechen bindet ihn. Obwohl der Täter schnell gefunden scheint, zweifelt Matthäi daran, ob der richtige Mann überführt wurde. Er verfängt sich in einer fixen Idee auf der Suche nach dem Mörder.
Wer jagt wen? Wo liegt die Grenze dessen, was erlaubt ist? Was ist noch gut und was ist böse, was richtig, was falsch? Der mit großen Ambitionen beginnende Matthäi verstrickt sich obsessiv in seiner eigenen rigiden Moral und manövriert sich damit in das gesellschaftliche Aus. Mit den Figuren des pädophilen Kindermörders und des Kommissars entwirft Dürrenmatt die Psychogramme zweier Menschen, die sich plötzlich außerhalb der Gemeinschaft wiederfinden. Die Frage nach Gerechtigkeit
durchzieht auf schmerzhafte Weise den Roman und macht klar, dass die immerwährende Sehnsucht nach Reinheit sich nicht einlösen lässt.
»Ein Versprechen ist immer übermäßig. Ohne dieses wesentliche Übermaß würde es auf eine Beschreibung oder eine Erkenntnis der Zukunft hinauslaufen. Sein Akt hätte die Struktur einer Feststellung und nicht die eines Performativums.« Jacques Derrida

Der in Basel lebende Regisseur Markus Bothe studierte Musiktheater-Regie in Hamburg. Er inszenierte sowohl Schauspiel als auch Oper, u.a. in Hamburg, Stuttgart, Berlin und Washington. Seine Frankfurter Inszenierung von »Roter Ritter Parzival«
wurde 2010 mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie Regie Kinder- und Jugendtheater ausgezeichnet. Zuletzt waren von ihm in Frankfurt »Ein Sommernachtstraum«, »Die Physiker« und »Der Meister und Margarita« zu sehen. [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Viel Lärm um Nichts (Much Ado about Nothing)
Komödie in 5 Akten

Von: William Shakespeare
Entstanden: 1598/99 (veröffentlicht: 1600)
Deutsche Erstaufführung: 1835

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere: 1. Februar 14 (Stadttheater)

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne und Kostüme: Julia Hattstein
Dramaturgie: Viktoria Göke

Besetzung:

Don Pedro, Prinz von Aragonien:
Guido Wachter
Don Juan, sein Halbbruder: Niklas Herzberg
Benedikt, ein Aristokrat aus Padua: Arne Lenk
Claudio, ein florentinischer Graf: Janco Lamprecht
Borachio, Don Juans Begleiter: Stefan Imholz
Leonato, Gouverneur von Messina: Thomas Wolff
Hero, Leonatos Tochter: Felicia Spielberger
Beatrice, Leonatos Nichte: Christina Huckle
Margaret, Heros Zimmermädchen: Stefan Imholz
Dogberry, Wachmeister: Guido Wachter
Verges, sein Partner: Oliver Baierl
Schreiber: Niklas Herzberg

Der Krieg ist vorbei und Prinz Don Pedro kehrt mit seinem Gefolge siegreich aus der Schlacht zurück. Auf dem Heimweg machen sie Station in Messina als Gäste des Gouverneurs Leonato. Prompt verliebt sich einer der Soldaten aus dem Gefolge des Prinzen, der junge Claudio, in Hero, die reizende Tochter des Hausherrn. Die beiden beschließen, so schnell wie möglich zu heiraten. Aber Don John, der zwielichtige Bruder des Prinzen, versucht aus purer Bosheit mit Hilfe eines perfiden Plans und mit der Unterstützung seines Gefolgsmanns Borachio, das Paar wieder auseinander zu bringen. Er knüpft eine Intrige, die Claudio glauben lassen soll, seine Braut sei ihm untreu gewesen. Während der Zeremonie wird Hero vor aller Augen und Ohren der Lüge und der Untreue bezichtigt. Die Braut bricht zusammen und verfällt in eine todesähnliche Ohnmacht. Doch der Vorfall hat bei allem Schrecken einen positiven Nebeneffekt: Der Frauenfeind und überzeugte Junggeselle Benedikt, ein Freund Claudios und des Prinzen, und die Männerhasserin Beatrice finden – nicht ganz ohne fremde Hilfe – Gefallen aneinander. Gemeinsam wollen sie Heros Unschuld beweisen und überwinden dabei die scheinbar unüberbrückbare Verachtung füreinander.

Shakespeares intrigenreiches Stück zeigt einen furiosen und aberwitzigen Kampf der Geschlechter, in dem zu guter Letzt die Liebe und die Wahrheit über Schein und Täuschung triumphieren. Christian Schlüters Inszenierung führt uns in eine Welt, in der Entspannung und Wohlbefinden an erster Stelle stehen, wo Müßiggang und Langsamkeit zur Tugend deklariert werden: Gouverneur Leonato ist Betreiber einer Wellnessoase an Bord eines Schiffes, kein Wunder also, dass Don Pedro und sein Gefolge gar nicht daran denken, das Schiff bald wieder zu verlassen. Man amüsiert sich, man trinkt und plaudert, während unter Deck bereits die erste von acht Intrigen gesponnen wird.

Und hier, im Bauch des Schiffes, hat längst die Realität Einzug gehalten. Wo oben alles leuchtet, blitzt und blankt, finden wir unten einen verkommenen Sanitätsraum. Sauberkeit und Ordnung auf dem Wellnessdampfer fallen in den Zuständigkeitsbereich von Shakespeares einfältiger und hochkomischer Wachmannschaft Dogberry und Verges. Und diese beiden haben reichlich viel zu tun, denn mit dem Einzug Don Pedros und seinem Gefolge kommen nicht nur Liebe, Sex und Leidenschaft sondern auch Verderben und Verrat an Bord.

Inszenierung:
Christian Schlüter, geboren 1966 in Nesselwang im Allgäu, studierte Theaterwissenschaften in Bochum und Schauspieltheater-Regie in Hamburg. Nach seinem Studium war er als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg tätig. Seit 1998 arbeitet er als Regisseur und Lehrbeauftragter am Studiengang Schauspieltheater-Regie in Hamburg und inszenierte u.a. am Schauspielhaus Bochum, Staatsschauspiel Dresden, Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Leipzig, Theater Oberhausen und immer wieder am Theater Bielefeld, wo er seit der Spielzeit 2007/08 zudem Oberspielleiter des Schauspiels ist.
Zu seinen aktuellsten Bielefelder Inszenierungen gehören die deutschsprachigen Erstaufführungen von Schwarm (Essaim) sowie Steven Fechters Die Kommission und The Woodsman, Sophokles’ Antigone, Shakespeare König Heinrich der Vierte, die Uraufführung von David Gieselmanns Falscher Hase, die deutschsprachige Erstaufführung von Giuseppe Tomasi di Lampedusas Der Leopard, Goethes Iphigenie auf Tauris, David Greigs Eine Sommernacht, Lion Feuchtwangers Erfolg, Friedrich Schillers Kabale und Liebe sowie Die spanische Fliege vom Autorenduo Franz Arnold und Ernst Bach, Goethes Faust und Mario Salazars Am Leben werden wir nicht scheitern.

Bühne und Kostüme:
Julia Hattstein, geboren 1963 in Krefeld, absolvierte nach Assistenzen und einer Ausbildung zur Theaterplastikerin an den Münchner Kammerspielen (1988-90) ein Studium für Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. Volker Pfüller (1991-93). Ausstattungsarbeiten führten sie u. a. an das Theater Erlangen, an das Schauspiel Hannover, nach Wiesbaden, an das Deutsche Theater Göttingen, nach Kiel und das Theater Hildesheim. Eine Zusammenarbeit verband sie u. a. mit den Regisseuren Mark Zurmühle, Karin Drechsel, Kilian Hattstein, Christian Schlüter, dem Opernregisseur Matthias Schönfeldt sowie mit der Regisseurin Bettina Rehm. Am Theater Bielefeld zeichnete sie bereits für das Bühnen- und Kostümbild von Eine Woche voller Samstage verantwortlich.  [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Vier linke Hände
Von:
Pierre Chesnot

Aus dem Französischen von: Wolfgang Kirchner
Deutsche Erstaufführung: 1986 (Berlin, Komödie am Kurfürstendamm)

4 nach 40
Komödie von Fritz Schindlecker, nach einer Idee von Leo Bauer und Fritz Schindlecker

4.48 Psychose

Von:
Sarah Kane
Deutsch von: Durs Grünbein
Uraufführung: 23. Juni 2000 (London, Royal Court Theatre)
Deutsche Erstaufführung: 7. November 2001 (München, Münchner Kammerspiele)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 5. Februar 17 (Box)

Regie: Daniel Foerster
Bühne und Kostüme: Mariam Haas und Lydia Huller
Dramaturgie: Valerie Göhring

Mit: Maike Jüttendonk, Björn Meyer, Viktor Tremmel

Besprechung auf kulturfreak.de

Wo immer wir uns aufhalten, wir sind zumindest teilweise fehl am Platz. Und keiner von uns kann sicher sein, für allemal das Recht auf einen bestimmten Platz – im Beruf, in der Gesellschaft, in der Liebe – beanspruchen zu können. 28 Jahre ist Sarah Kane alt, als sie diese Erkenntnis in ihrem letzten Drama »4.48 Psychose« während einer schweren Depression nieder-schreibt. Eine Suche nach Identität beginnt – in einer Gesellschaft, in der Individualismus demokratisiert wurde. Jeder kann (und muss) besonders sein. Kane macht die Schwierigkeiten sichtbar, die bei dem Versuch auftreten, sich in einer Welt, voller Angst und Orientierungslosigkeit, zurechtzufinden. Es entspinnt sich ein Drama um die Zulänglichkeit des eigenen Körpers, um Hoffnung und Verlust, um die Suche nach Liebe und um den verzweifelten Versuch die Bindung zur Welt nicht ganz zu verlieren. Eine Krankheit? Eine Rebellion? Nur weil Dinge persönlich scheinen, sind sie nicht weniger politisch, weniger sozial, weniger institutionell. Regisseur Daniel Foerster, Mitglied im REGIEstudio, hinterfragt die allgegenwärtige Anordnung »jemand zu sein«.

Daniel Foerster, geboren 1986, studierte Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Seine Inszenierung »Borkman« nach Henrik Ibsen wurde im Mai 2014 zum Körber Studio Junge Regie eingeladen. Für sein Stück »Tanzen! Tanzen!« erhielt er den Nachwuchspreis des Heidelberger Stückemarktes 2014. Seit Beginn der Spielzeit 2015/16 ist Daniel Foerster Mitglied im  REGIEstudio am Schauspiel Frankfurt. Seine erste Arbeit, »Fräulein Julie«, wurde zum Festival junger Regisseure »Radikal jung« 2016 eingeladen.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de 


Besprechung der Gastspiels vom Theater Dortmund am Schauspiel Frankfurt vom März 16

Vom Ende einer Geschichte
Julian Barnes

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Kooperation mit dem Museum Angewandte Kunst

Premiere: 15. Juni 14 (Uraufführung)

Regie: Lily Sykes
Bühne: Nele Wangorsch
Kostüm: Laura Krack
Musik: David Schwarz
Dramaturgie: Henrieke Beuthner

Besetzung:

Tony Webster:
  Peter Schröder


Vom Ende einer Geschichte

Schauspiel Frankfurt
Vorabbild mit Peter Schröder
© Birgit Hupfeld

Was ist glaubwürdiger als ein Sekundenzeiger?

Tony Webster hat das Ende seiner Geschichte beinahe erreicht. Er kontrolliert sie, tagein, tagaus. Immer wieder kehren seine Gedanken zurück zu all den Geschehnissen, die die Grundsteine für sein späteres Leben gelegt haben. Aber Erinnerungen sind unberechenbar, manchmal brechen sie hervor oder werden durch einen anderen Menschen wieder Realität. Durch einen Todesfall wird Tony plötzlich gezwungen, sich mit der längst verdrängten Vergangenheit auseinanderzusetzen und sieht sich mit einem Leben konfrontiert, in dem er sich selbst als einen Menschen sieht, der ihm fremd ist und der auf ungeahnte Weise das Leben seiner Freunde beeinflusst hat. Aber für Reue ist es nun zu spät.  [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Vom Wege ab. Grimms Märchen.
Eine Theaterproduktion des Theater Willy Praml zum Grimm Jahr 2012.

Premiere: 15. März 12
Wiederaufnahme: 29. Mai - 1. Juni 13

Regie: Willy Praml               
Bühne/ Kostüme: Michael Weber              

Mit: Andreas Bach, Reinhold Behling, Jakob Gail, Birgit Heuser, Luise Kinder, Vanessa Scholz, Bolor Sharaa, Michael Weber        


Vom Wege ab. Grimms Märchen.
Theater Willy Praml
Michael Weber
© SewerynZelazny

Doppelvorstellungen

Böse Märchen.
Böse Märchen sind eine Einladung auf eine Reise in eine Welt, in der das Böse und Unheimliche so allgegenwärtig ist wie das Gute. In fünf verschiedenen Märchen in den Fassungen der Brüder Grimm, zeigt es sich in seinen unterschiedlichsten Facetten und Zugriffs-möglichkeiten. Es ist eine Reise zu den Ursprüngen des Erzählens und Erklärens von Welt, in der das Böse als treibende Kraft dazugehört und hell und dunkel nur scheinbar auseinander gehalten werden können.
Erarbeitet von Studierenden der Ausbildungsbereiche Instrumen-talausbildung, Komposition, Regie, Schauspiel, Schulmusik sowie Theater- und Orchestermanagement der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, der Fachrichtung Bühnen- und Kostümbild der Hochschule für Gestaltung Offenbach und des Masterstudiengangs Dramaturgie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Vom Wege ab. Grimms Märchen. © Theater Willy Praml

Vom Wege ab.
In den GRIMMSCHEN VOLKSMÄRCHEN, die die berühmten Brüder im Hessenland gesammelt haben, steckt eine Portion Aufmüpfigkeit. Eigensinn ist eine zentrale Kategorie. Im Falle unserer Märchen führt Eigensinn dazu, dass arme Söhne in die Welt gehen und Könige werden, Töchter sich nicht einfach so verheiraten lassen, wie man es von ihnen verlangt, dass Ehefrauen ihren Männern nicht blinden Gehorsam leisten, dass die Alten überall mitmischen, die Kinder sich nicht ducken und überhaupt die Not zu Gold wird oder - das Gold zu Scheiße! Für den, der es verdient! Das macht die Lust aus, Geschichten auszugraben und weiter zu tradieren. Es geht um Verdrängtes, Verschüttetes, um in kollektiver Anstrengung Gescheitertes. Um dies erkenntnisreich und vergnüglich zu belegen, holen wir uns für unser Theaterprojekt anlässlich des Grimmjahres 2012 die Motive aus Märchen wie Das eigensinnige Kind, Marienkind, Allerleirauh, Brüderchen und Schwesterchen, Die ungleichen Kinder Evas, u.v.a.m. Und die Märchen sprechen weiterhin: bleibt eigensinnig! [© Theater Willy Praml]

www.theater-willypraml.de

Von morgens bis mitternachts
Stück in 2 Teilen

Von: Georg Kaiser
Uraufführung: 28. April 1917 (München, Kammerspiele)

Ein Kassierer, durch die Erscheinung einer schönen Bankkundin aus der Bahn des Alltäglichen geworfen, läuft mit einem Betrag von 60.000 RM auf und davon. Ein Versuch, die Unbekannte zu seiner Komplizin zu machen, scheitert.
Nun gibt er sich dem Bedürfnis hin, sein Geld auszugeben. Innerhalb eines Tages erliegt er Entzückung, Zweifeln, Gier, Genugtuung und einer Einsicht, die zu spät kommt. Er wird verraten und verhaftet.

Georg Kaiser
Der 1878 in Magdeburg geborene Dichter zählte zwischen 1917 (UA Die Bürger von Calais) und 1933 zu den meistgespielten expressionistischen Dramatikern Deutschlands. Sendungsbewusst verkünden seine mathematisch durchkonstruierten Stücke eine Botschaft. Seine von Station zu Station gehetzten Figuren verkörpern Ideen, wirken ruhelos wie seine Sprache. Nach seinem lange erwarteten Durchbruch 1917 schrieb er Stück auf Stück, insgesamt mehr als 70 Dramen, drei Romane, Erzählungen und über 170 Gedichte.
Obwohl Kaiser 1908 eine reiche Kaufmannstochter geheiratet hatte und seit 1918 erhebliche Tantiemen erhielt, reichten die finanziellen Mittel kaum zum Unterhalt seines aufwändigen Lebensstils, der ihm als Dichter seiner Meinung nach zustand. Infolge einer Unterschlagung wurde er 1921 zu einem Jahr Haft verurteilt.
1933 belegten ihn die Nationalsozialisten mit Schreib- und Aufführungsverbot. 1938 entzog sich Kaiser einer drohenden Verhaftung durch Flucht in die Schweiz. Unter ärmlichen Verhältnissen leidend reflektierte er mit Hilfe biblischer und historischer Stoffe die Problematik der Zeit und seines immer noch übersteigerten Ichs. Am 4. Juni 1945 starb er in Ascona (Tessin).  [© Felix Bloch Erben]

Vor Sonnenaufgang

Von:
Gerhart Hauptmann
Uraufführung: 20. Oktober 1889 (Berlin, Lessing-Theater)

nach oben