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Theater, Stückeinfo: I

I hired a contract killer oder Wie feuere ich meinen Mörder

Nach dem Drehbuch von:
Aki Kaurismäki
Deutsch von: Michel Bodmer
Uraufführung der Bühnenadaption: 14. März 1997 (Hannover, Staatstheater)

Für die Theaterfassung des Films „I hired a Contract Killer“ des finnischen Filmregisseurs Aki Kaurismäki ( ("Leningrad-Cowboys go America") steht lediglich ein Filmscript zur Verfügung, kein kompletter Theatertext. Insoweit unterscheidet sich jede Inszenierung dieses Stückes deutlich.

Zur Handlung:
Henri Boulanger hat zwei linke Hände, ein schiefes Lächeln und ein leeres Adreßbuch. Sein Leben verbringt er hinter Aktenbergen, sein Zuhause ist eine spärlich möblierte Wohnung mit Blick auf eine Backsteinmauer. Ein Mann, der nie wagt und nie gewinnt und auch nichts mehr zu verlieren hat. Außer Job und Leben. Nach seiner fristlosen Kündigung beschließt Henri zu sterben. Aber das ist gar nicht so einfach...

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere: 20. November 05

Regie: Florian Fiedler
Raum: Michael Graessner
Ausstattung: BerndSchneider
Musik: Christoph Heeg

Besetzung:

Henri Boulanger:
Andreas Leupold
Margaret: Irene Klein
Killer: Wolfgang Gorks
In weiteren Rollen: Christian Kuchenbuch, Robert Kuchenbuch, Abak Safaei-Rad
Musiker: Christoph Heeg

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Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod (Nijinski)
Uraufführung: 16. September 2013 (Frankfurt/M, Schauspiel Frankfurt zu Gast in der Alten Oper)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt in der Alten Oper Frankfurt:

Premiere:
16. September 13

Regie: Oliver Reese
Raum / Kostüm: Raphaela Rose
Licht: Johan Delaere
Dramaturgie: Rebecca Lang

Nijinsky: Max Mayer

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Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod

Schauspiel Frankfurt
Nijinsky (Max Mayer)
© Birgit Hupfeld

Als Igor Strawinskys »Le Sacre du Printemps« 1913 im Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführt wird, löst die Aufführung einen Skandal aus. Die Musik sowie die Choreografie von Vaslav Nijinsky, der sich bis dahin vor allem als herausragender Tänzer hervorgetan hatte, schienen das Pariser Publikum zu überfordern. Aus heutiger
Sicht betrachtet, schufen die beiden ein Meisterwerk – und einen Meilenstein in der Geschichte des Tanztheaters. Aber Nijinsky ist krank. In seinen 1919 verfassten Tagebüchern reflektiert Nijinsky eindrücklich sein bisheriges Leben und seine gegenwärtige Situation: eine verstörende und berührende Dokumentation seiner fortschreitenden Schizophrenie, bis hin zur Einweisung in eine geschlossene Anstalt. »Ich spürte den ganzen Abend Gott. Er liebte mich. Ich liebte ihn. Gott sagte mir: ›Geh nach Hause und sag deiner Frau, dass du geisteskrank bist.‹ Ich begriff, dass Gott es gut mit mir meinte, deshalb machte ich mich auf den Heimweg in der Absicht, ihr diese Neuigkeit mitzuteilen. Ich habe meiner Frau gesagt, heute sei der Tag meiner Trauung mit Gott.« Vaslav Nijinsky

Oliver Reese richtet die Nijinsky-Tagebücher in einem von Wahnsinn durchsetzten Monolog für die Bühne ein. Er brachte zahlreiche Dramatisierungen nach biografischen Texten (»Bartsch, Kindermörder«, »Emmy Göring an der Seite ihres Mannes«, »Bacon Talks«) auf die Bühne, u. a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Theater Berlin sowie am Theater Basel. Am Schauspiel Frankfurt inszenierte er u.a. »Phädra«, »Hamlet, Prinz von Dänemark« und in der Spielzeit 2012 / 13 die Uraufführung von Moritz Rinkes »Wir lieben und wissen nichts«.

Die Uraufführung von »Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod.« findet im Rahmen des Musikfests »Le Sacre du Printemps« in der Alten Oper statt. [© Schauspiel Frankfurt]

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Ich, ein Anfang

Von:
Sasha Marianna Salzmann
Uraufführung: 10. Februar 17 (Frankfurt/M, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 10. Februar 17 (Kammerspiele)

Regie: Bernadette Sonnenbichler
Bühne und Kostüme: Wolfgang Menardi
Musik: Jakob Suske
Video: Oliver Rossol
Dramaturgie: Henrieke Beuthner

Besetzung:

Re:
Sina Martens
Nana: Yodit Riemersma
Sellal:
Miriam Joya
Efraim: Lukas Rüppel

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Ich, ein Anfang
Schauspiel Frankfurt
Efraim (Lukas Rüppel), Re (Sina Martens)
© Birgit Hupfeld

Eines Tages ist Re weg. Und hinterlässt ein leeres Zimmer mit Fotografien, die sie auf dem Flohmarkt zusammengesucht hat. Oder ist es doch sie, die darauf lächelt? Keiner weiß, wohin sie gegangen ist, sporadisch erreichen Efraim und Nana kryptische Nachrichten. Als Sellal zur Zwischenmiete in das Zimmer zieht, beginnen die Nachforschungen: Wer war Re? Hat es sie wirklich gegeben? Drei junge Menschen auf der Suche nach einer Projektionsfläche ihrer Sehnsüchte. Sie haben nur eine Nacht, denn das neugesponnene Dreieck zwischen ihnen ist wieder in Auflösung begriffen.

Sasha Marianna Salzmann schreibt im Rahmen der Frankfurter Positionen 2017 ein Auftragswerk für das Schauspiel Frankfurt über eine Gruppe junger Menschen verschiedener Herkunft, Sexualität und Psychologie, die über die Abwesenheit von Re vereint sind. Sie alle sind auf der Suche nach einem Platz im Leben, einer Ordnung der Unordnung, die ihre Heimatlosigkeit mit sich bringt. Salzmann führt die Geschichten der Sehnsucht nach der Welt zusammen in den kleinsten Raum, den Menschen sich teilen können: eine Frankfurter WG. Salzmanns Stücke wurden u.a. mit dem Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen (»Muttersprache Mameloschn«) und dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker (»Muttermale Fenster Blau«) ausgezeichnet.

Bernadette Sonnenbichler inszeniert das erste Mal am Schauspiel Frankfurt. Bisher entstanden Arbeiten u.a. am Schauspielhaus Graz, Residenztheater München, Schauspielhaus Wien und regelmäßig am Theater Aachen, wo ihre Inszenierung »Das Himbeerreich« 2014 zum NRW-Theatertreffen eingeladen wurde. Ab der Spielzeit 2016/17 ist sie Hausregisseurin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie schreibt und inszeniert auch Hörspiele und wurde für ihre Rundfunkarbeiten mehrfach ausgezeichnet.[© Schauspiel Frankfurt]

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Ich hätte gern den Charme von Adriano Celentano

Text:
Roscha A. Säidow

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 16. Oktober 16 (Box)

Regie: Roscha A. Säidow
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Jelena Miletić
Musik / Sounddesign: Mistral
Dramaturgie: Claudia Lowin

Mit: Heidi Ecks, Alexandra Lukas; Justus Pfankuch

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Ich hätte gern den Charme von Adriano Celentano
Schauspiel Frankfurt
Vorabbild mit Heidi Ecks
©
Lukas Gansterer

»Es braucht immer einen, der anfängt.«

Auf ins All! Überbevölkerung ist das größte Problem der Menschheit und jede Sekunde kommen fast drei neue Erdenbürger hinzu. Aber der vorhandene Platz bleibt der gleiche. Also sitzen drei Vertreter des demografischen Querschnitts – Sarah, Monika und Christian – in der Transferkapsel eines Raumschiffes, um für die Suche nach einem besseren Lebensort ins Weltall geschossen zu werden. Der sympathische Bordcom-puter bestätigt ihnen die ungeheure Bedeutung dieser Mission – »Die Zukunft der Menschheit liegt in Ihrer Hand!« – und offeriert ein abwechslungreiches Wohlfühlprogramm: Essen, Filme, Fitness.

Mensch braucht Maschine? Maschine macht Mensch? Welche Katastrophen reaktivieren die im Dornröschenschlaf ruhende Selbstbestimmtheit dieser Auserwählten?

Roscha A. Säidow bezeichnet ihr neues Stück als »Live-Dokumentation über den Ist-Zustand unserer westlichen Zivilisation«. Entstanden ist es für das AUTORENstudio am Schauspiel Frankfurt, wo sie auch die Uraufführung inszenieren wird. Ihre Arbeiten finden an den Schnittstellen von Schauspiel, Musik, Figurentheater, Videokunst und Lichtinstallation statt und für jedes Projekt erschafft dieser interdisziplinäre Ansatz eine eigene Sprache. [© Schauspiel Frankfurt]

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Ein idealer Gatte (An Ideal Husband)
Komödie in vier Akten

Von: Oscar Wilde
Uraufführung: 3. Januar 1895 (London, Theatre Royal, Haymarket)
Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1905 (München, Residenztheater)

Oscar Wilde:
Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde kam am 16. Oktober 1854 in Dublin zur Welt. Er besuchte 1864-1871 die Portora Royal School in Enniskillen und studierte 1871-1874 klassische Literatur am Trinity College in Dublin und 1874-1878 am Magdalen College in Oxford. Neben der Schriftstellerei wandte sich Oscar Wilde der Kunst im weitesten Sinne zu; er wurde zu einem Verfechter der Idee des Ästhetizismus und unterstützte das Motto "Kunst um der Kunst willen" (L'art pour l'art). Seine literarischen Arbeiten wurden von kunstphilosophischen Abhandlungen und Essays begleitet, die unter den ästhetizistischen Künstlern seiner Zeit bekannt und diskutiert waren. Wilde wurde bereits zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert und war im prüden viktorianischen England zugleich als Skandalautor und Dandy verschrien. Er war berühmt für geschliffene Eloquenz und sein extravagantes Auftreten.

Nach 1882 hielt er Vorlesungen in den USA und Kanada, wurde aber von der Kritik lächerlich gemacht. Wilde arbeitete 1887-1889 für die Pall Mall Gazette und danach als Herausgeber der Zeitschrift Woman's World. Während dieser Jahre veröffentlichte er die für seine Söhne geschriebene Märchensammlung "Der glückliche Prinz und andere Märchen" (The Happy Prince and Other Tales, 1888, Kunstmärchen) und "Das Bildnis des Dorian Gray" (The Picture of Dorian Gray, 1891). In den folgenden Jahren schrieb Oscar Wilde etwa jährlich ein neues Werk, vor allem Gesellschaftskomödien. Am bekanntesten sind Lady Windermere´ s Fächer (Lady Windermere’s Fan, 1892), Eine Frau ohne Bedeutung (A Woman of No Importance, 1893), Ein idealer Gatte (An Ideal Husband, 1895) und Bunbury (The Importance of Being Earnest, 1895), welches ein satirisches Abbild der Oberklasse darstellt und als sein bestes Werk gilt.

Am 30. November 1900 starb Oscar Wilde im Pariser "Hotel d’ Alsace" an den Folgen einer Hirnhautentzündung, die aus einer chronischen Mittelohrentzündung resultierte. Der Mythos, Wilde habe an der damals unheilbaren Syphilis gelitten, konnte unlängst durch zwei südafrikanische Wissenschaftler widerlegt werden.
[© Felix Bloch Erben, Berlin]

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

Premiere: 26. Februar 10

Regie: Simon Green
Bühne: Bob Bailey
Licht-Design: Frank Kaster
Ton-Design: David Gummper
Kostüme-Design: Constanze Walldorf
Casting Director: Amy Rycroft

Besetzung:
Sir Robert Chiltern:
Richard Grieve
Lady Chiltern: Sarah Desmond
Miss Mabel Chiltern: Ellie Turner
Viscount Goring: Gregory Finnegan
Mrs. Cheveley: Emma Pallant
The Earl of Caversham: Hayward Morse
Lady Markby: Marjorie Hayward
Mason / Phipps: Paul Aves

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An Ideal Husband

English Theatre Frankfurt
v.l.n.r.: Lady Markby (Marjorie Hayward), Lady Chiltern (Sarah Desmond) und Mrs. Cheveley (Emma Pallant)
Foto: Anja Kühn

Oscar Wilde selbst sagte zu seinem Stück, das bis heute triumphale Erfolge feiert: „I really think it reads the best of my plays.“
Auch ein von seiner Frau als „idealer Gatte“ bezeichneter Mann hat eine Leiche im Keller: Sir Robert Chiltern, hochangesehener Parlamentarier, verdiente sein Vermögen in jungen Jahren mit dem Verrat wichtiger Kabinettsgeheimnisse. Die gerissene Mrs. Cheveley weiß um die zwielichtige Vergangenheit und versucht Chiltern durch Erpressung für ihre Zwecke einzusetzen. Doch dieser Plan wird raffiniert durchkreuzt.
Mit Geist, Ironie und rabenschwarzem Humor entlarvt Oscar Wilde in dieser Satire die Scheinheiligkeit der High-Society. [© English Theatre Frankfurt]

www.english-theatre.de

Der Idiot
Roman

Von: Fjodor Dostojewski

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 8. November 13 (Schauspielhaus)

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Johanna Pfau
Musik: Michael Verhovec
Licht: Johan Delaere
Video: Julian Krubasik
Dramaturgie: Claudia Lowin

Besetzung:

Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin:
Nico Holonics
Parfjon Semjonowitsch Rogoschin: Lukas Rüppel
Nastassja Filippowna Baraschkowa: Katharina Bach
Lisaweta Prokofjewna Jepantschina: Verena Bukal
Aglaja Iwanowna Jepantschina: Lisa Stiegler
Gawrila Ardalionowitsch Iwolgin: Isaak Dentler
Lukjan Timofejewitsch Lebedjew: Christoph Pütthoff
Ippolit Terentjew: Paula Hans
Antip Burdowskij: Carina Zichner

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Der Idiot
Schauspiel Frankfurt
Lisaweta Prokofjewna Jepantschina (hinten; Verena Bukal), Ippolit Terentjew (sitzend; Paula Hans),
Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin (Nico Holonics), Nastassja Filippowna Baraschkowa (Katharina Bach)
© Birgit Hupfeld

Die Welt ist im Umbruch, das Vertrauen in überindividuelle Institutionen, die dem Menschen verlässliche Anerkennung garantieren, am Verschwinden. Was bleibt, ist ein ichbezogener Profilierungskampf, ein verzweifeltes, paradoxes, weil empathieloses Ringen um Wertschätzung und Liebe. Da taucht auf einmal der junge Fürst Myschkin auf: eine Art moderner Heiliger. Er verschenkt sein Herz, seinen Glauben an die Menschlichkeit und an Gott und will die ganze Welt harmonisch gestalten. Dieses Wir-Denken verwirrt die Anderen und stiftet eine Unruhe, die gestoppt werden muss. So stempelt die Gemeinschaft der Egoisten den Andersdenkenden zum Idioten.

Stephan Kimmig eröffnet mit der Inszenierung dieses Abgesangs einer kranken, zerstörten Gesellschaft, in der nur ein Idiot instinktiv den wahren Zusammenhang der Ereignisse erahnt, den dreiteiligen Dostojewski—Zyklus, der in den kommenden Spielzeiten fortgesetzt wird. [© Schauspiel Frankfurt]

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Im Dickicht der Städte

Von:
Bertold Brecht (10.2.1898-14.8.1956)

Uraufführung: 9. Mai 1932 (München, Residenztheater)

Zur Inzenierung des Theater Willy Praml, Frankfurt:

Premiere: 25. August 06, 20h

Regie: Willy Praml
Ausstattung: Michael Weber
Dramaturgie: Frank Moritz

mit: Nazir Abdaly, Reinhold Behling, Hertha Georg, Klaus Gößwein, Gabriele-Maria Graf, Birgit Heuser, Anneli Reichel, Tim Stegemann, Michael Weber


Im Dickicht der Städte
Theater Willy Praml, Frankfurt/M
Birgit Heuser (Shlink), Hertha Georg (Mae Garga), Anneli Reichel (Jane Larry) & Reinhold Behling (John Garga/Wurm/Hotelbesitzer)
Foto: Seweryn

"Sie befinden sich im Jahre 1912 in der Stadt Chicago. Sie betrachten den unerklärlichen Ringkampf zweier Menschen und Sie wohnen dem Untergang einer familie bei, die aus den Savannen in das Dickicht der großen Stadt gekommen ist. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über die Motive dieses Kampfes, sondern beteiligen Sie sich an den menschlichen Einsätzen, beurteilen Sie unparteiisch die Kampfform der Gegner und lenken Sie Ihr Interesse auf das Finish." (Bertolt Brecht).

Der Holzhändler Shlink, ein Malaie, sucht einen Gegner für den Kampf. George Garga, Angestellter in einer Leihbibliothek, übernimmt, "ohne nach dem Grund zu fragen", die Rolle des Gegners. Die beiden setzen alles ein, was sie besitzen und was zu ihnen gehört. Ihr Kampf scheint ihrer Einsamkeit ein Ende zu machen und dem Chaos, in dem sie sich fühlen, einen Sinn zu geben, bis Shlink gesteht: "Die unendliche Vereinzelung des Menschen macht eine Feindschaft zum unerreichbaren Ziel.... Ja, so groß ist die Vereinzelung, daß es nicht einmal einen Kampf gibt...." Shlink, der den puren Kampf gewollt hat und seine Unmöglichkeit einsieht, vergiftet sich, bevor Gargas Lyncher kommen, und Garga, dem es bei dem Kampf nicht darauf ankam, " der Stärkere zu sein, sondern der Lebendige" überlebt; die Partnerschaft der Feindschaft ist zu Ende, er ist allein. Sein "Finish": " Allein sein ist eine gute Sache. Das Chaos ist aufgebraucht. Es war die beste Zeit."  [Theater Willy Praml]

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In seiner frühen Kindheit ein Garten

Roman von:
Christoph Hein
Für die Bühne bearbeitet von: Jens Groß

Uraufführung: 7. April 06 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
7. April 06

Regie: Armin Petras
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Annette Riedel
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Jens Groß
Regieassistenz: Jörg Reimer
Bühnenbildassistenz: Julia Plickat
Kostümassistenz: Katja Strohschneider
Souffleuse: Christine Schneider
Inspizienz: Annette Thurm
Ton: Oliver Blohmer, Franziska Rudolphi, Josef Rennert
Maske: Karin Junghardt, Verena Martin
Technische Produktionsleitung: Anette Kahler, Klaus Oberüber
Technische Einrichtung: Nico Ramie
Requisite: Albrecht Haevernick, Stefan Markert, Helmut Stumvoll
Regiehospitanz: Lisa Zoh, Johann Kuithann
Dramaturgiehospitanz: Marija Karaklajic
Bühnenbildhospitanz: Martina Bauer
Kostümhospitanz: Johanna von Gehren

Besetzung:

Richard Zurek:
Andreas Leupold
Friederike Zurek, seine Frau: Friederike Kammer
Christin, seine Tochter: Katrin Grumeth,
Heiner, sein Sohn: Simon Solberg
Feuchtenberger, sein Anwalt: Gunnar Teuber

»Fest steht: Sie haben diesem, meinem Oliver nichts nachweisen können. Dennoch ist er erschossen worden. Und da der Staat sich keine Blöße geben darf, wenn er sich angegriffen fühlt, wurden alle Beweise für eine mögliche Überreaktion des Staates und die mögliche Unschuld des Jungen vernichtet und alle Zeugen zum Schweigen gebracht. Ich stehe hier, um Ihnen etwas ganz anderes zu sagen: Ich war Direktor dieser Lehranstalt. Ich habe einen Eid geleistet, den Amtseid eines Staatsangestellten. Ich habe geschworen, das Grundgesetz und alle Gesetze des Landes gewissenhaft zu wahren. Da der Staat aber seine eigenen Gesetze nicht wahrt, bin ich von meinem Amtseid entbunden. Vor Ihnen allen als meinen Zeugen: Ich widerrufe hiermit meinen Eid.«   (Richard Zurek in “In seiner frühen Kindheit ein Garten”)


In seiner frühen Kindheit ein Garten
schauspielfrankfurt
Katrin Grumeth, Friederike Kammer, Andreas Leupold
Foto: Alexander Paul Englert

Christoph Hein hat in seinem letzten Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten auf eine authentische Rahmenhandlung zurückgegriffen. Es geht um die nie restlos geklärten Todesumstände des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams, der 1993 auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen bei der Aktion eines Sondereinsatzkommandos ums Leben kam. Grams heißt im Roman Oliver Zurek (beide sind in Wiesbaden aufgewachsen), dessen später zu lebenslanger Haft verurteilte Lebensgefährtin Birgit Hogefeld taucht als Katharina Blumenschläger auf. Christoph Hein bemüht sich nicht, die Analogien zu kaschieren, wenngleich er keine Dokumentation, sondern eine fiktive, emotionale Bestandsaufnahme aus der Perspektive von Zureks Eltern liefert.

In seinem im letzten Jahr erschienenen Essayband Aber der Narr will nicht hat Christoph Hein von den Intellektuellen gefordert, »gegen den Konsens der Zeit und gegen den allgemeinen Konformismus mit der Macht und den Mächtigen« zu kämpfen. Richard Zurek, der Vater des zu Tode gekommenen RAF-Mitglieds, verkörpert diese Maxime in Reinkultur: Wiesbaden in den 90ern. Dr. Richard Zurek, ein pensionierter Gymnasialdirektor, wird von den Umständen, unter denen sein des Terrorismus verdächtigten Sohnes Oliver am Bahnhof von Kleinen ums Leben kam, zunehmend irritiert. Ein Minister trat zurück, der Generalbundesanwalt wurde in den Ruhestand versetzt – für Zurek und seine Frau mehr als nur Indizien dafür, daß ihr Sohn weder einen Beamten erschossen noch sich selbst das Leben genommen hat. Wie im authentischen Fall Grams werden entlastende Zeugen jedoch als unglaubwürdig bezeichnet. Der Direktor beginnt, gestützt von einer altmodischen Moralität, seinen Kampf um Gerechtigkeit – für seinen Sohn. Aus dem gleichen Grund, aus dem er bisher arglos dem Staat vertraut hatte, kämpft er jetzt mit rechtlichen Mitteln gegen diesen Staat um Aufklärung. Die Entwicklung, die der alte Direktor dadurch nimmt, verändert sein Weltbild und damit sein ganzes Leben, auch das Verhältnis zu seiner Frau und seinen Kindern. Ein leise anschwellender Prozeß mentaler Radikalisierung im und am Alltag dieses alten Ehepaares. Letztendlich auch eine große Liebesgeschichte, eine westdeutsche Geschichte, die uns alle angeht.

Die Theaterfassungen der beiden Romane von Christoph Hein sind sowohl einzeln als auch an einigen wenigen Wochenenden an einem Abend zusammen zu sehen. [© schauspielfrankfurt]

schauspielfrankfurt

Iphigenie

Von:
Ersan Mondtag
Uraufführung: 9. September 2016 (Frankfurt, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 9. September 16 (Uraufführung; Kammerspiele)

Regie: Ersan Mondtag
Bühne: Stefan Britze
Kostüme: Raphaela Rose
Musik: Max Andrzejewski
Dramaturgie: Sabrina Zwach

Mit: Jan Breustedt, Sina Martens (Mitglied im SCHAUSPIELstudio), Björn Meyer, Yodit Riemersma, Sylvana Seddig, Kathrin Wehlisch
Statisten: Jamie Ritts, Angelika Meixner, Beatrix Freidank

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Iphigenie
Schauspiel Frankfurt
Ensemble
© Lukas Gansterer

»Iphigenie« ist eine blutrünstige Familiengeschichte, in der getötet und gelogen wird. Die Familie ist mit einem Fluch belegt und so scheint es, als könne man gar nicht anders, als Mord und Totschlag zu praktizieren. Iphigenie selbst soll, um gute Winde für die Schlacht um Troja zu gewinnen, geopfert werden. Nur durch einen Trick – ein Tier wird statt dem jungen Mädchen geschlachtet – entkommt sie und dient Artemis fortan auf der Insel Tauris als Priesterin. Doch auch dort, an Iphigenies nächster Station, geht es blutrünstig zu: Dem Brauch zufolge werden allen auf der Insel ankommenden Fremden die Köpfe abgeschlagen. Und auch der Vater, Agamemnon, wird sogleich bei seiner siegreichen Heimkehr nach der Schlacht um Troja von seiner Frau und ihrem Liebhaber getötet. Orest, Iphigenies jüngerer Bruder, tötet darauf die Mutter. Blut fließt durch die Geschichte. Letztendlich bringt Orest Iphigenie nach Hause. Das Ende der Geschichte wird durch den Lauf der Geschichte verschieden erzählt… [© Schauspiel Frankfurt]

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Iphigenie auf Tauris
Schauspiel in 5 Aufzügen

Von:
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Entstanden: 1779
Versfassung: 1787
Uraufführung der Prosafassung: 6. April 1779 (Ettersburg)
Uraufführung der Versfassung: 15. Mai 1802 (Weimar, Regie: Friedrich Schiller)

Zur Inszenierung des Theater Willy Praml /FFM:

Premiere: 19. Februar 16

Regie: Willy Praml
Bühne/ Kostüme: Michael Weber

Mit: Jakob Gail, Birgit Heuser, Michael Weber und einem Kinderchor

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Iphigenie
Theater Willy Praml
Birgit Heuser, Jakob Gail, Michael Weber
© Seweryn Zelazny

Goethe. IPHIGENIE Kann Humanität den Schrecken dieser Erde überwinden?

Iphigenie transformiert. Wandelt eine Währung in eine andere. Die Währung des Blutes in die des Blühens.

Iphigenie macht aus der Opferstätte der Diana einen Schutzraum für Fremde. Die althergebrachte Vätersitte, die an der Küste von Tauris (heute: die Krim) Gestrandeten zu schlachten, hat sie umgewandelt in ein Gastrecht für Fremde. Der düstere Schlachthof ist zum hellen Aufenthaltsort geworden. Die Kriegsstätte hat sie den Männern abgenommen, nicht gewaltsam, sie hat sie bezaubert, die Männer.

Nun spielen Kinder ohne Angst an diesem Ort, Kinder, die mit ihrem bewusstlosen Spiel Iphigenie an die eigene Kindheit gemahnen: an ihre Schwester Elektra, an ihren Bruder Orest, an den Cousin Pylades. Eine Göttin hatte einst Iphigenies Blut gewollt – ihrem Vater, Agamemnon, abverlangt, er solle die Tochter opfern, dann gäbe es Wind für seine Kriegsflotte nach Troja. Der Vater gehorchte. Doch die Göttin überlegte es sich anders, hüllte Iphigenie in eine Wolke und brachte sie nach Tauris in ihr Heiligtum. Iphigenie ist heil geblieben und heilt.

Der Herrscher in Tauris /Auf der Krim ist ein Kriegsherr. Tod und Liebe, davon versteht er was. Die letzte Schlacht siegreich geschlagen, das feindliche Lager, das ihm das Liebste nahm, seinen Sohn, ausgelöscht. Jetzt will er die Liebe – Er will die Frau – Will der Göttin die Jungfrau entreißen. Nur die Priesterin selbst – Sie will nicht. Und so wird das Schlachten auf Tauris/Auf der Krim wieder eingeführt.

Zwei Fremde, über das Meer gekommen, sind die ersten. Es sind Orest und Pylades. Familienzusammenführung. Iphigenie soll schlachten! Orest klebt das Blut der Mutter an den Händen. Sie war es, die ihrer Tochter, Iphigeniens vermeintlichen, Tod mit dem Tod ihres Mannes vergolten hat. Und mit Muttermord hat Orest, der Sohn, den Vatermord schließlich gesühnt. Ein Blutschwall jagt den nächsten. Blut im Getriebe von Iphigeniens humanistischem Transformator.

Nur Pylades weiß Ausweg: Nach alter griechischer Art helfe hier nur List und Tücke. Heimlich, auf verstecktem Schiff, soll Iphigenie Tauris verlassen. Und Iphigenie? Ihr ist List und Tücke wie Blut; nur Wahrheit ist Blüte. Der König, dem Schwerte mehr vertrauend als der Wahrheit einer Frau, bereit zur Gegenwehr – wieder erliegt er dem Zauber dieser Frau und lässt sie mit den ihren ziehen. So geht! Lebt wohl! Der Blut-Kreislauf hat einen humanitären Kollaps erlitten. [© Theater Willy Pramnl]

www.theater-willypraml.de

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt

Premiere:
30. August 07 (Bockenheimer Depot !)

Inszenierung, Raum und Kostüme: Wanda Golonka
Dramaturgie: Susanne Traub
Inspizienz: Lisa Ahle / Thomas Nossek
Licht: Frank Kraus
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Johannes Richter, Tobias Wagner
Ton: Bernhard Klein, Josef Rennert
Maske: Lutz Paschke, Anke Scharlach
Strickmaske: Sylvia Schäfer
Requisite: Iris Hagen
Regieassistenz: Anna Konjetzky
Bühnenbildassistenz: Britta Kloss
Kostümassistenz: Julia Plickat
Dramaturgieassistenz:
Ulrich Volz
Souffleuse: Alexandra zu Stolberg

Besetzung:
Iphigenie: Falilou Seck
Thoas, König der Taurier: Georgette Dee
Orest: Bert Tischendorf
Pylades: Fabian Gerhardt
Arcas: Jennifer Minetti

»Verteufelt human« nannte Goethe seine Iphigenie. Damit umschreibt er den Versuch, dichterisch einer barbarischen Geschichte und Gegenwart zu entkommen. Der Fluch auf dem Haus der Tantaliden hat Iphigenie getroffen. Ihr Vater Agamemnon hat sie Diana geopfert, um im Krieg gegen die Trojaner seiner Flotte günstige Winde zu verschaffen. Die Göttin rettete Iphigenie und setzte sie auf Tauris als Priesterin in ihrem Tempel ein. Iphigenie sehnt sich ins Land der Griechen zurück, König Thoas jedoch möchte die Fremde heiraten. Da sie seine Werbung abschlägt, setzt Thoas den alten Brauch wieder ein, Fremde auf dem Altar Dianas zu opfern. Ausgerechnet Iphigenies Bruder Orest scheint das Los als ersten zu treffen. Nach dem Mord an seiner Mutter hofft dieser dem Fluch zu entkommen, indem er dem Gott Apollon das Standbild der Diana bringt. Doch auf Tauris begegnet er der eigenen Schwester. Iphigenie, im Konflikt zwischen Vertrauensbruch und Rettung des Bruders, offenbart sich Thoas und sagt ihm die Wahrheit. Seiner Liebe entsagend lässt er die Fremden in ihre Heimat ziehen. Ist das der Preis der »verteufelten« Humanität: menschlich handeln, aber einsam sein? [© schauspielfrankfurt]

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Iwanow
Drama in vier Akten

Von: Anton Tschechow
Uraufführung: 19. November 1887 (Moskau, Korsch-Theater)
Uraufführung der überarbeiteten Fassung: 31. Januar 1988 (St. Petersburg, Alexandrinski-Theater)
Deutsche Erstaufführung: 17. Oktober 1919 (Berlin, Deutsches Theater)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
17. Februar 12

Regie:
Christoph Mehler
Bühne: Nehle Balkhausen
Kostüme: Anne Hölzinger
Musik: Oliver Urbanski
Licht: Johannes Richter
Dramaturgie: Nora Khuon

Besetzung:

Nikolai Alexejewitsch Iwanow:
Isaak Dentler
Anna Petrowna: Claude De Demo
Graf Matwej Semjonowitsch Schabelskij: Ernst Alisch
Pawel Kirillytsch Lebedew: Thomas Huber
Sinaida Sawischna: Heidi Ecks
Sascha: Lisa Stiegler *
Jewgenij Konstantinowitsch Lwow: Martin Rentzsch
Marfa Jegorowna Babakina: Sandra Gerling
Dimitrij Nikitytsch Kosych: Matthias Scheuring
Michail Michajlowitsch Borkin: Sascha Nathan
Awdotja Nasarowna: Josefin Platt
Musiker: Oliver Urbanski

* Mitglied des Schauspiel STUDIO Frankfurt.

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Iwanow

Schauspiel Frankfurt
Iwanow (Isaak Dentler), Sascha (Lisa Stiegler)
© Birgit Hupfeld

Noch vor einem Jahr war Iwanow voller Kraft, Leidenschaft und Hoffnung. Doch jetzt, ohne einen besonderen Anlass, sind ihm Energie und Ideale abhanden gekommen. Er ist ausgebrannt, selbst die Liebe zu seiner Frau Anna ist erloschen. Einzig in der jungen Sascha scheint die Möglichkeit auf Glück nochmals auf.
Tschechow verfasst mit gerade einmal 27 Jahren die groteske Komödie über eine Gesellschaft im Stillstand. In ihrer Mitte der unbehauste, einsame Iwanow, der, von den Ansprüchen der Welt überfordert, kapituliert.  [© schauspielfrankfurt]

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