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Theater, Stückeinfo: D

Dämonen
Roman von: Fjodor M. Dostojewski

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
30. Januar 15

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Musik: Apparat
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: John Delaere
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Mit: Heidi Ecks, Franziska Junge, Paula Hans, Linda Pöppel, Michael Benthin, Isaak Dentler, Vincent Glander, Manuel Harder, Christian Kuchenbuch
Live-Musiker: Christoph “Mäcki” Hamann / Philipp Thimm

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Dämonen

Schauspiel Frankfurt
Paula Hans, Christian Kuchenbuch, Heidi Ecks, Michael Benthin, Manuel Harder,
Tolga Tecin, Franziska Junge,  Vincent Glander,  Paula Hans, Isaak Dentler

© Birgit Hupfeld

Es ist Dostojewskis düsterster Roman: nihilistisch, antirevolutionär, atheistisch und gerade darum prophetisch für das 20. Jahrhundert. Die Protagonisten sind der ebenso geniale wie gefühlskalte Nikolai Stawrogin und der selbst vor Mord nicht zurückschreckende Anarchist und Aufrührer Pjotr Stepanowitsch. Sie manipulieren die Bewohner einer provinziellen Kleinstadt, wissen Gutgläubigkeit und Naivität für ihre Zwecke zu nutzen und testen so im Kleinen, was später auf der großen politischen Bühne zu Chaos und Umsturz führen soll.

Mit »Dämonen« liefert Dostojewski die Blaupause für das Funktionieren totalitärer Systeme, wie Menschen unter dem Vorwand politischer Notwendigkeit gleichgeschaltet und für Verbrechen und Mord missbraucht werden können. Den zweiten Teil der Dostojewski-Trilogie am Schauspiel Frankfurt inszeniert Sebastian Hartmann – von 2008 bis 2013 Intendant am Centraltheater Leipzig – und setzt damit seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Musiker Apparat fort. [© Schauspiel Frankfurt]

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Dantons Tod
Drama in vier Akten

Von:
Georg Büchner
Uraufführung: 5. Januar 1902 (Berlin, Belle-Alliance-Theater, Aufführung der Freien Volksbühne)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
27. März 15 (Schauspielhaus)
Wiederaufnahme: 2. Juli 16

Regie/Bühne: Ulrich Rasche
Komposition: Ari Benjamin Meyers
Kostüme: Sara Schwartz
Chorleitung: Alexander Weise
Licht: Johan Delaere
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Besetzung:

Georg Danton / Chor:
Torben Kessler
Robespierre: Nico Holonics
St. Just / Chor: Isaak Dentler
Camille Desmoulins: Maximilian Meyer-Bretschneider * / Toni Jessen (2016)
Lacroix: Atoni Jessen
Hérault-Séchelles: Alexander Weise
Hermann: Timo Fakhravar *
Legendre: Alice von Lindenau
Philippeau: Paula Skorupa *
Julie: Anna Böger / Eva Maria Sommersberg (2016)
Lucile: Paula Hans
Bürger: Markus Gläser
Chor des Volkes: Ensemble
Sänger: Guillaume François, Maurice Lenhard, Arturas Miknaitis
Live Musiker: Aki Kitajima, Ruben Jeyasundaram, Thomas Merkel, Jan Terstegen

*Mitglied im SchauspielSTUDIO

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Dantons Tod

Schauspiel Frankfurt
Vorabfoto mit Torben Kessler
© Birgit Hupfeld

»Soll eine Idee nicht vernichten dürfen, was sich ihr widersetzt?«
Die Französische Revolution als Paradebeispiel dafür, wie klein doch der Schritt vom kollektiven Ruf nach Veränderung über die ersehnte Neuordnung der Gesellschaft hin zur totalitären Struktur ist. So wurde aus der angestrebten »Freiheit« Anarchie, aus »Gleichheit« Willkür und aus »Brüderlichkeit« Neid und Missgunst. Entsprechend eindeutig antwortet darum auch Georg Büchner in seinem Drama »Dantons Tod« auf die Frage, was auf den Sturz des Tyrannen folgt: »Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder«. Deshalb wird aus dem Volkshelden Danton von seinen Widersachern, allen voran dem kalten Moralisten Robespierre, der Volksfeind Danton gemacht, weil er nicht länger gewillt ist, der Guillotine neuen Nachschub zu liefern.

Nach seinem formstrengen »Wilhelm Meister« im Bockenheimer Depot ist der für seine theatralen Chorprojekte bekannte Regisseur Ulrich Rasche wieder Gast am Schauspiel Frankfurt. . [© Schauspiel Frankfurt]

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Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
2004 (schmidtstrasse 12)

Regie:
Philipp Preuss
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Eva Karobaph
Darsteller: Hilke Altefrohne, Michael Weber, Oliver Kraushaar, Susanne Böwe, Susanne Buchenberger, Wilhelm Eilers

Die Revolution ist tot. Es lebe die Revolution. Robespierre herrscht mit Terror über die großen Ideale. Danton hat das Töten satt. Aus den einstigen Weggefährten werden Gegner um die richtige Einstellung. Gepackt von Abscheu über die unendliche Leidensund Gewaltbereitschaft der Menschheit, verweigert sich Danton der Politik. Lieber genießt er das Leben mit Freunden, Frauen und Feiern. Für den tugendbesessenen Robespierre bedeutet dies nicht nur moralischen, sondern auch politischen Verrat. Das Volk ist unzufrieden, will Taten sehen. Danton wird verhaftet. Sein letztes Engagement kommt zu spät: „Die Guillotine ist der beste Arzt."

In einer auf sechs Schauspieler reduzierten Fassung konzentriert sich die Inszenierung auf die Auseinandersetzungen und Haltungen der Hauptfiguren. Wie weit kann und muß politisches Engagement gehen? Wie weit lässt sich eine Revolution steuern? Büchner wurde wegen seiner Sozialrevolutionären Schrift Der Hessische Landbote (1834) steckbrieflich gesucht und mußte nach Straßburg fliehen. Dantons Tod ist sein erstes Bühnenstück und wurde 1835 als einziges zu seinen Lebzeiten gedruckt. Gestützt auf historische Quellen, schildert Büchner die letzten Tage Dantons, der einst selbst den revolutionären Terror organisiert hatte, dann aber wegen seiner kompromißbereiten Haltung in Gegensatz zu den radikalen Jakobinern geraten war.

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Das sind nicht wir, das ist nur Glas

Von:
Ivana Sajko
Aus dem Kroatischen von: Alida Bremer
Uraufführung: 7. Mai 2013 (Frankfurt/M, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
7. Mai 13 (Box)

Regie:
Robert Teufel
Bühne: Nele Wangorsch
Kostüme: Laura Krack
Dramaturgie: Henrieke Beuthner

Mit: Christian Erdt, Mario Fuchs, Daniel Rothaug

Wer sind diese Kinder und was stellen die eigentlich für Forderungen? Sie sind gefräßig, aufdringlich, überdimensioniert. Solche Kinder will niemand haben. Aufgewachsen in einer Zeit nach dem Gelduntergang schleudern sie ihre zornigen Fragen in die Welt: Warum liebt uns niemand? Warum kann uns niemand gebrauchen? Warum will niemand mit uns spielen? Ivana Sajko entwirft in poetischer Sprache brutale Bilder von entzweiten Lebenswelten, verlorenen Werten und der Zersprengung familiären Zusammenhalts. Ein beklemmendes Portrait aufeinanderprallender Krisengenerationen. [© Schauspiel Frankfurt]

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Death and the Maiden (Der Tod und das Mädchen)

Von: Ariel Dorfman

Uraufführung: 10. März 1991 (London, Royal Court Upstairs/Workshop)
Deutsche Erstaufführung: 4. März 1992 (Wien, Theater in der Josefstadt)

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

Premiere: 12. Juni 15

Regie: Guy Unsworth
Bühnenbild und Kostüm: Bob Bailey
Licht: Howard Hudson
Ton: David Gumpper

Besetzung:

Paulina:
Helen Bradbury
Gerard: Kevin McGowan
Robert: Gareth Clarke

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Ein Land  nach dem Ende der Diktatur: In einem abgelegenen Haus wohnt Paulina mit ihrem Mann. Sie hat die Folter in den Kellern der Geheimpolizei überlebt und ihren Ehemann Gerardo geschützt, der jetzt Anwalt und Mitglied einer staatlichen Untersuchungskommission für Menschenrechtsverletzungen ist. Als eines Tages der Arzt Dr. Miranda zufällig in ihrem Haus einkehrt, glaubt Paulina anhand seiner Stimme den Peiniger wiederzuerkennen, der sie seinerzeit gnadenlos quälte. Wie weit wird Paulina gehen, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen? [© English Theatre Frankfurt]

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Dekalog ~ Die zehn Gebote (Dekalog, dziesięć)
Von: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 13. Dezember 13 (Kammerspiele)

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: David Schwarz
Dramaturgie: Sibylle Baschung

Mit: Franziska Junge, Wiebke Mollenhauer; Mario Fuchs, Torben Kessler, Felix von Manteuffel


Dekalog

Schauspiel Frankfurt
Vorabbild mit Franziska Junge, Mario Fuchs, Wiebke Mollenhauer und Torben Kessler
© Birgit Hupfeld

Sie haben sich entschieden? Wie kam die Entscheidung zustande? Wohin hat sie geführt? Was war auf diesem Weg Notwendigkeit, was freier Wille und was Zufall? Welche Rolle spielen Leidenschaften, die Angst vor Ausweglosigkeit, Verlust und Abhängigkeit, die Sucht nach Anerkennung oder das Bedürfnis nach Zugehörigkeit? In einem losen Bezug zu den zehn Geboten erzählt der polnische Autor und Filmemacher Krzysztof Kieslowski Geschichten voller Zärtlichkeit und Feingefühl, in denen sich Menschen bewusst oder intuitiv über Gebote hinwegsetzen – aus unterschiedlichen Gründen. Was ist gut, was ist schlecht? Heiligt der Zweck die Mittel? Rechtfertigt der gute Wille ein verhängnisvolles Resultat? Wie würden Sie entscheiden? . [©Schauspiel Frankfurt]

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Doppel-Feature:

Zur Sache Dandy!

Ein Projektil von Florian Fiedler und Robert Lehniger
Dear Wendy
nach dem Drehbuch von Lars von Trier; Uraufführung
Übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Syha

Uraufführung: 2. Februar 2008 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
2. Februar 08, schmidtstrasse 12 (Uraufführung)

Regie: Florian Fiedler und Robert Lehniger
Grundraum: Bernd Schneider
Ausstattung: Irene Ip
Chorleitung und -arrangements: Martin Engelbach
Video: superJeans / Bert Zander
Dramaturgie: Marcel Luxinger
Licht, Ton, Technik: Marcel Heyde
Technische Einrichtung: Joachim Schröder, Mathias Rößler
Regieassistenz: Felix Meyer-Christian
Bühnenbildassistenz: Jana Lünsmann
Maske: Anke Scharlach
Requisite: Anja Becker, Uschi Trella
Regiehospitanz: Julia Kietzmann
Ausstattungshospitanz: Leon Schmid
Dramaturgiehospitanz: Tobias Steiner
Leiter der Statisterie: Winfried Scheffler
Rüstmeister: Thorsten Fleige

Besetzung:

Freddie, Sherif Krugsby, Mr. Salomon, Vater:
Mathias Max Herrmann
Stevie: Toni Jessen
Susan: Anne Müller
Sebastian: Nicholas Reinke
Huey: Sebastian Schindegger
Dick: Wieland Schönfelder
Chor der Weltkriegsveteranen: Rosemarie Bock, Helga Comperl, Wolfgang Gropp, Gunter Knauf, Peter Srezek, Klaus Zeun

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Die beiden jungen Regisseure Florian Fiedler und Robert Lehniger nehmen das Drehbuch von Lars von Trier in der deutschen Übersetzung von Ulrike Syha und den Film von Thomas Vinterberg zur Grundlage für einen Theaterabend, der sich um das Thema Kunst und Gesellschaft, Fiktion und Realität dreht. Der Umsetzung des Drehbuchs auf die Bühne geht ein Prolog voraus, der sich mit theatralen Mitteln dem Thema des Dandytums widmet. In den Mittelpunkt drängt die Dandygruppe, die sich als Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Realität versteht, sich in eine künstliche, ästhetisierte Welt abkapselt und, ganz im Sinne ihrer historischen Vorbilder, nach dem Grundsatz des L’art pour l’art lebt, mit dem Ziel, bessere Menschen zu werden. Die Dandys schaffen ein Dandytheater, in dem sie den Film Dear Wendy nachspielen. Doch im Theater verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität.

Zum Inhalt von Dear Wendy
Dick, ein junger friedfertiger Einzelgänger, lebt in einem Bergwerksdorf und liebt Wendy. Wendy ist eine Pistole. Zusammen mit anderen Außenseitern gründet er einen Geheimbund – Die Dandys. In dieser Gruppe finden die jungen Menschen gegenseitige Anerkennung. Das oberste Gebot des Clubs beruht auf den Grundsätzen des Pazifismus und gleichzeitig auf der Lehre der Waffen.
Die wichtigste Regel eines Dandys lautet: Ziehe niemals deine Waffe. Mit der Ankunft des neuen Clubmitglieds Sebastian beginnen die Ideale der Dandys zu bröckeln. Unter dem Motto „Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden“ beschließen sie, ihre Waffen in der Öffentlichkeit zu tragen, um Sebastians Großmutter unversehrt durch das Dorf zu begleiten. Fuß für Fuß setzen die Dandys damit ihren Weg hinein in eine tödliche Spirale der Gewalt.

Es ist die erste Arbeit von Florian Fiedler und Robert Lehniger, in der sie gemeinsam Regie führen. Zusammengearbeitet haben beide allerdings schon für Fahrenheit 451 in der schmidstrasse 12, als Robert Lehniger für die Inszenierung von Florian Fiedler das Video entwarf. Eine fruchtbare und kreative Zusammenarbeit, die nun in Form einer Doppelregie ihre Fortsetzung findet. Florian Fiedler, Kurator der schmidtstrasse12 und Hausregisseur am schauspielfrankfurt, hat zuletzt mit seiner hoch gelobten Inszenierung von Henrik Ibsens Ein Volksfeind auf sich aufmerksam gemacht. Robert Lehniger ist dem Frankfurter Publikum bekannt durch seine Videoarbeiten und durch seine hinreißende Version von Daniel Defoes berühmtem Roman, den er unter dem Titel Robinson Crusoe oder Friday, I’m in love in der schmidtstrasse12 für die Bühne umsetzte.
[© schauspielfrankfurt]

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Der Diener zweier Herren (Il sevitore di due padroni)
Komödie in 3 Akten

Von:
Carlo Goldoni (25. Feb.1707 - 6. Feb. 1793)
Uraufführung:
Herbst 1745 (Mailand, Compagnia Sacchi)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
9. März 10 (Bockenheimer Depot)

Regie:
Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald Thor
Kostüme: Katharina Kownatzki
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie: Alexandra Althoff

Besetzung:

Pandolfo:
Roland Koch
Rosaura: Valery Tscheplanowa
Doktor Lombardi: Thomas Huber
Silvio: Christian Bo Salle
Beatrice: Bettina Hoppe
Florindo: Sascha Nathan
Tebaldo: Nils Kahnwald
Blandina: Henrike Johanna Jörissen
Truffaldino: Mathis Reinhardt

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Der Diener zweier Herren

Schauspiel Frankfurt
vorn Truffaldino (Mathis Reinhardt), hinten Blandina (Henrike Johanna Jörissen), Beatrice (Bettina Hoppe),
Doktor Lombardi (Thomas Huber), Rosaura (Valery Tscheplanowa), Pandolfo (Roland Koch)

Foto: Sebastian Hoppe

Truffaldino hat Hunger. Die Stellung eines treuen Dieners seines Herren ernährt ihn nicht. Heimlich tritt er in den Dienst eines zweiten Herren, um sich endlich einmal richtig satt essen zu können. Doch nun fehlt ihm dazu die Zeit. Beide Herren sind nämlich im gleichen Gasthaus abgestiegen: Florindo, der nach Venedig fliehen muss, weil er beschuldigt wird, den Bruder seiner Geliebten Beatrice getötet zu haben, und Beatrice, die in Männerkleidung, und unter dem Namen ihres toten Bruders, Florindo nachreist. Wachsende Gefahr für seine Geldquellen und für sein Leben treibt Truffaldino in immer unverfrorenere Schwindeleien und immer halsbrecherischere Kapriolen. Und will er nicht ertappt werden als ein Diener zweier Herren, muss er gerade das verhindern, was seine beiden Herren so innig wünschen: dass sie sich endlich finden.

Der außergewöhnliche Regisseur Andreas Kriegenburg nimmt sich des berühmtesten Stückes der Commedia dell’Arte an und wird dabei nicht nur das Geheimnis des Slapstick zu ergründen suchen. Kriegenburg ist einer der markanten Regisseure seiner Generation. Er hat zahlreiche Preise gewonnen, u. a. den Faust-Theaterpreis 2008. Acht Inszenierungen von ihm wurden bereits zum Theatertreffen in Berlin eingeladen. Von 2000 bis 2009 war Andreas Kriegenburg Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg, seit Beginn dieser Spielzeit ist er Hausregisseur am Deutschen Theater in Berlin. [© Schauspiel Frankfurt]

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DNA

Von:
Dennis Kelly
Deutsch von: John Birke
Uraufführung: 12. Juli 2007 (London, National Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 6. November 2008 (Mainz, Staatstheater Mainz)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 11. März 11

Regie: Robert Schuster
Bühne / Kostüme: Sascha Gross
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Nora Khuon

Mit Esther Dierkes, Ronja Losert, Annalena Müller, Lisa Weidenmüller, Janina Zschernig; Nils Kreutinger, Florian Mania, Robert Oschmann, Jonas Schlagowsky

Eva ist tot. Sie ist metertief in ein Loch gestürzt. Sie fiel nicht aus Unaufmerksamkeit oder Ausgelassenheit, sie wurde getrieben, gejagt und malträtiert. Eigentlich war alles nur als eine Mutprobe gedacht, als Spaß, doch dann lief es aus dem Ruder. Dennis Kelly zeichnet eine Welt, in der Angst, Orientierungslosigkeit und Stumpfheit vorherrschen. Desillusioniert und kommunikationsgestört versuchen die Jugendlichen die Tat zu verarbeiten, doch trotz aller Unterdrückungsmechanismen hält ihr Gewissen nicht still.
Robert Schuster wird mit den Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt Kellys Jugenddrama erarbeiten. [© Schauspiel Frankfurt]

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Dogville

Film von:
Lars von Trier

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Bühnenadaption von Karin Henkel

Premiere: 11. April 14 (Schauspielhaus)
 
Regie: Karin Henkel
Bühne: Jens Kilian
Kostüme: Klaus Bruns
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sibylle Baschung

Besetzung:

Grace:
Claude De Demo
Tom Edison: Torben Kessler
Toms Vater, alias Jack: Thomas Huber
Chuck: Manuel Harder
Vera, seine Frau: Heidi Ecks
Jason, ihr Sohn: Jörn Kirchner
Kinder: Sven Böhme, Clara Bredow, Emilia Fleiss, Kira Geadah, Daniel Kravtsenko, Lousia Scheiner, Nathan Elias Sengling, Fanny Stollhans, Luca Tkemaladze
 
Ma Ginger: Kate Strong
Henry, ihr Mann:  Andreas Uhse
Ben: Isaak Dentler
Martha: Wiebke Mollenhauer
Liz: Katharina Bach
Bill, ihr Bruder: Daniel Rothaug
Stimme des Vaters: Martin Rentzsch
Musiker: Ina Füss, Ruben Jeyasundaram, Puschan Mousavi, Rafael Roth

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Dogville
Schauspiel Frankfurt
Henry (Andreas Uhse), Tom (Torben Kessler), Ma Ginger (Kate Strong), Martha (Wiebke Mollenhauer),
Ben ( Isaak Dentler) Jack ( Thomas Huber), Vera (Heidi Ecks), Chuck (Manuel Harder), Liz ( Katharina Bach)

© Birgit Hupfeld

Dies ist wirklich ein magischer Ort.
Eine Kleinstadt fletscht die Zähne: Dogville, ein scheinbares Refugium der Rechtschaffenheit und Hilfsbereitschaft, wird durch das Auftauchen einer schutzlosen Fremden namens Grace auf die moralische Probe gestellt. Grace steht für »Gnade«, die sie grenzenlos über der kleinen Gemeinschaft ausschüttet.

Sie ist hilfsbereit, verständnisvoll, verschenkt sich und ihre Arbeitskraft ohne Vorbehalt und Lohn. Galt Graces Anwesenheit zunächst als Geschenk, wird sie jedoch mit einem Mal zum Stein des Anstoßes. Die Decke der Zivilisation bekommt Risse, die Idylle verwandelt sich in einen monströsen Albtraum.
Karin Henkel adaptiert den ursprünglichen Film von Lars von Trier für die Bühne – eine Parabel über die Fragilität unserer Zivilgesellschaft. [© Schauspiel Frankfurt]

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Doktor Faustus
Nach Christopher Marlowe

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Puppenspiel für Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene
Eine Koproduktion mit dem Theater Junge Generation in Dresden

Premiere: 22. September 12 (Kammerspiele)

Regie:
Moritz Sostmann
Bühne und Kostüme: Christian Beck
Puppen: Hagen Tilp
Dramaturgie: Ulrike Leßmann

Christoher Marlowe war der erste, der die deutsche Faust-Sage zu einem dramatischen Text verarbeitete. Als Volkstheater und Puppenspiel kam die Geschichte zurück nach Deutschland - auf die Marktplätze und die Bühnen der Wandertheater. So wurde aus dem Drama ein derb fröhliches Volks-Spektakel für ein junges Publikum, mit einer die Handlung begleitenden lustigen Figur voller Späße, Bauernschläue und anarchischer Frechheit. Regisseur Moritz Sostmann wird gemeinsam mit Puppenspielern die Geschichte des unermüdlich forschenden Doktor Faustus für Kinder und Erwachsene in Szene setzen.
Faust hat viel studiert, Informationen gesammelt, ist belesen und klüger als die Allermeisten. Und trotzdem ist er nicht zufrieden. Wozu das Ganze? Fragt er sich. Was kann er mit seinem Wissen eigentlich bewirken? Kann er die Geheimnisse der Welt lüften? Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens geben? Verstehen, wer den Lauf der Welt lenkt?
Ganz schön viel verlangt? Nicht für Doktor Faustus. Er findet, dass es noch lange nicht reicht. Reich möchte er werden, mächtig und berühmt. Aber natürlich hat alles seinen Preis und die dunklen Mächte, mit denen er sich einlässt, verhandeln hart: Mit dem Teufel Mephistopheles im Bunde wäre er 24 Jahre lang in der Lage, sich in jedwede Gestalt zu verwandeln, die fernsten Orte zu bereisen, magische Künste anzuwenden und sich über alle Autoritäten lustig zu machen. Danach gehörte seine Seele dem Teufel. Von nun an genießt Dr. Faustus sein Leben in vollen Zügen, nimmt sich jede Freiheit und stellt die Welt auf den Kopf. Dabei schießt er so manches Mal über das Ziel hinaus und verliert aus den Augen, worum es ihm eigentlich einmal ging. Und trotzdem nagt an ihm auch der Zweifel, ob er sich wohl für die richtige Seite entschieden hat. Schließlich sind 24 Jahre dann eben doch keine Ewigkeit. Moritz Sostmann studierte Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin und arbeitete anschließend als Schauspieler bei Film und Fernsehen sowie am Theater Basel, am Schauspielhaus Wien, am Hebbel Theater und am Maxim Gorki Theater Berlin. Seit 2005 arbeitete Sostmann überwiegend als Theaterregisseur, u.a. in Berlin, Halle, Luzern und Dresden. [© Schauspiel Frankfurt]

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Don Carlos, Infant von Spanien
Ein dramatisches Gedicht in fünf Akten

Von: Friedrich Schiller
Uraufführung: 29. August 1787 (Hamburg, Schauspielhaus)

Zur Inszenierung des Staatstheater Wiesbaden:

Premiere: 8. Oktober 16 (Kleines Haus)

Regie: Uwe Eric Laufenberg
Bühne: Gisbert Jäkel
Kostüme: Marianne Glittenberg
Dramaturgie: Sascha Kölzow

Besetzung:

Philip der Zweite:
Tom Gerber
Elisabeth von Valois: Llewellyn Reichman
Don Carlos: Nils Strunk
Marquisin von Mondecar: Natalie Lilly Volk
Prinzessin von Eboli: Kruna Savić
Marquis von Posa: Stefan Graf
Herzog von Alba: Rainer Kühn
Graf von Lerma: Maximilian Pulst
Don Raimond von Taxis / Ein Page: Steffen Happel
Domingo: Benjamin Krämer-Jenster
Der Großinquisitor: Monika Kroll

»Stellen Sie sich vor, Syrien hieße Flandern und die Weltmacht, über die wir reden, wäre nicht Spanien, sondern Amerika oder Russland oder Saudi Arabien. Und die familiären Konflikte der herrschenden Weltmacht würden den Fortgang der Welt entscheiden.« (Uwe Eric Laufenberg)

Kaum ein anderes Werk der Theaterliteratur zeigt so präzise den Konflikt zwischen der Glückssuche des Einzelnen und den Zwängen der Weltpolitik, individuellen Handlungsspielräumen und politischer Verantwortung, der Grundentscheidung zwischen Freiheit und Macht. Und just in den letzten und zukünftigen Jahren und Monaten bedrohen die »neuen Autoritären« aller Orten die freiheitlichen Errungenschaften, die uns die von Posa erwarteten »sanfteren Jahrhunderte« schon gebracht und gesichert zu haben schienen.

Nach Goethes »Egmont!« wechseln wir von Brüssel ins spanische Zentrum der Macht, zu Schillers Verarbeitung des »Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung«. [© Staatstheater Wiesbaden]

www.staatstheater-wiesbaden.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
24. November 12

Inszenierung: Sarantos Zervoulakos
Bühne und Kostüme: Thea Hoffmann-Axthelm
Licht: Peter Meier
Dramaturgie: Katharina Gerschler

Besetzung:

Philipp II, König von Spanien: Berthold Toetzke
Elisabeth von Valois, seine Gemahlin: Karoline Reinke
Don Carlos, der Kronprinz: Stefan Graf
Prinzessin Eboli, Dame der Königin: Lisa Mies
Marquis von Posa, ein Malteserritter: André Willmund
Herzogin von Olivarez / Der Großinquisitor des Königreichs: Monika Dortschy
Herzog von Alba, Grande von Spanien: Zlatko Maltar
Domingo, Beichtvater des Königs: Lorenz Klee
Infantin Klara Eugenia: Yvonne Kiemes / Lea Lupescu

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Es geht um Freiheit. Um das, was wir bereit sind, für sie zu tun. Um das, was sie mit uns tut. Und um die Schwierigkeit, einen eigenen Weg zu finden in ihr.

Familiäre Tragödie und politischer Konflikt verschränken sich in Schillers Stück unauflösbar: Carlos liebt Elisabeth, die seinen Vater heiraten musste. Dass sie Carlos und frühere gemeinsame Ideale nicht ganz hinter sich lassen kann, macht beide zur Zielscheibe von Intrigen. Carlos’ Freund Posa verspricht Hilfe und fordert im Gegenzug, er solle den Freiheitskampf niederländischer Provinzen gegen die spanische Fremdherrschaft anführen. Einen Aufstand gegen den eigenen Vater. Die Zusage des Prinzen ist eher erotischen denn politischen Leidenschaften geschuldet. Zu belastet von seinem persönlichen Dilemma, der enttäuschten Liebe zu Elisabeth, ist er noch nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen. Posa hingegen schleust sich wie ein Computervirus ins Machtsystem des Hofes, um kühl-strategisch seine Vision von Freiheit und Gleichheit zu entwickeln. Ausgerechnet vom König wird er dabei als der „Mensch“ entdeckt, den er in seiner einsamen, ständig gefährdeten Allmacht so dringend sucht. Zwar kann Posa „nicht Fürstendiener sein“, aber er ist nicht frei von Eitelkeit und verfängt sich auf dem Weg zu seinen Zielen in den Netzen von Intrige und Inquisition.
Wie kaum ein anderes Werk der Theaterliteratur zeichnet „Don Carlos“ den Konflikt zwischen Glückssuche des Einzelnen und den Zwängen seiner Umwelt, sucht nach individuellen Handlungsspielräumen und weist dabei nachdrücklich auf die politische Verantwortung eines Jeden.  [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

Zur Inszenierung der Burgfestspiele Bad Vilbel:
In der Vilbener Fassung von Harald Demmer

Premiere: 17. Juni 11

Regie: Harald Demmer
Bühne: Oliver Kostecka
Kostüme: Marion Hauer
Bühnenmusik: Bernd Keul
Lichtdesign: Sebastian Saarkamm
Regiesassistenz: Peer Gahmert
Abendspielleitung: Maren Van Severen
Regiehospitanz: Marie Menesi


Besetzung:

Philipp II., König von Spanien: Volker Niederfahrenhorst
Elisabeth von Valois, seine Gemahlin: Alexandra Finder
Don Karlos, der Kronprinz: Sebastian Gerasch
Infantin Klara Eugenia: Elli Oana / Paulina Liehr
Marquisin von Mondekar: Zeljka Preksavec
Prinzessin von Eboli: Claudia Kraus
Marquis von Posa, Malteserritter: Clemens Giebel
Herzog von Alba: Christian Higer
Graf von Lerma, Oberster der Leibwache: Hans-Jörg Frey
Großinquisitor des Königreichs: Volker K. Bauer
Don Raimond von Taxis, Oberpostmeister: Alexander Weikmann
Domingo, Beichtvater des Königs: Daniel Kuschewski
Ein Page: Arne Obermeyer

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Don Karlos
Burgfestspiele Bad Vilbel
Philipp II. (Volker Niederfahrenhorst), Marquis von Posa (Clemens Giebel)
© EugenSommer

Schiller verstrickt das Drama des ungeliebten Sohnes (Karlos) wie der Einsamkeit des Mächtigen (Philipp II.) mit der Unmöglichkeit von Freundschaft, Liebe und Vertrauen in einem Geflecht politischen Kalküls. Über einen Idealisten (Posa), der gleichzeitig die verhängnisvolle Intrige inszeniert, an deren Ende Enttäuschungen und Tod stehen, gerät es zum Drama der Politik wie zur höfischen Familientragödie. [© Burgfestspiele Bad Vilbel]

www.kultur-bad-vilbel.de

Zur Produktion des Theater Willy Praml (Frankfurt):

Premiere:
6. September 08

Regie: Willy Praml
Bühne/Kostüme: Michael Weber

Mit: Reinhold Behling, Gabriela Maria Graf, Birgit Heuser, Tim Stegemann,  Mitschiko Tsubaki, Michael Weber


Don Carlos. Infant
Theater Willy Praml
Foto: Seweryn

Solche Söhne müssen sterben. Carlos träumt vom guten Königsein, vom Menschheits- beglücken und –befreien. Sein Freund Posa liefert ihm den Stoff zu solchen Träumen – ein Dealer in Sachen Gedankenfreiheit. Doch ohne den Dealer Posa ist Carlos wie einer auf Entzug, ein in allem Überforderter. Ein Kind, das im schönen Garten von Aranjuez unter Heuschnupfen leidet, im prachtvollen Madrid unter Depressionen, in der Familie an Komplexen, im Blick auf die Zukunft an Pessimismus. Carlos verkörpert wie die griechische Königstochter Elektra, wie der Dänenprinz Hamlet eine NO-FUTURE-Generation, weil die Gegenwart so übergewaltig und undurchschaubar auf die Seele drückt. Was soll man auch als Erbe eines Reichs, in dem die Sonne nicht untergeht? Carlos scheint ein Typ, der die Sonne eher meidet, ein bleicher Allergiker, der die Fensterläden geschlossen hält. Denn was die spanische Sonne, d.h. der Vater König Philipp II., beleuchtet, sind vor allem die Scheiterhaufen, auf dem die brennen, die anders denken und anders glauben, die eroberten Länder der Welt, die sich vor Krone und Kreuz beugen müssen, die bis in die Körper beherrschten Bürger, die der Maler El Greco in bis zu Halskrausen verborgenen Leibern an Marterszenen teilnehmen lässt – die Frauen verbergen sich unantastbar hinter spanischen Spitzen.
Alles scheint wie angehalten, erstarrt, unmöglich aufgebrochen zu werden, ein Zeitalter der Versteinerung – während die Kontinente wie Kontinentalplatten Verschiebung vorbereiten.
Carlos ist der sensible kranke Seismograph seiner Epoche, der Freund Posa sein Erdbeben, Endlich gerät alles aus den Fugen: Infanten – Time!
Ludwig II von Bayern (1845 – 1886), auch ein träumender Infant, aber einer, der es bis auf den Thron geschafft hat, hat sich den DON CARLOS in 6stündiger, voller Länge vorspielen lassen und dabei wohl gefunden, was er darin ahnte: sich selbst und die Unmöglichkeit eines Königtraums.
Und für heute: ist ein Traum von Politik möglich? Kann es Infanten geben an der Macht?                          [© Theater Willy Praml]

www.theater-willypraml.de

Dr. med. Hiob Prätorius

Komödie von:
Curt Goetz
Uraufführung: 31. Dezember 1932 (Stuttgart, Landestheater Stuttgart)

Zur Inszenierung des Staatstheater Wiesbaden:

Premiere: 12. Dezember 15 (Kleines Haus)

Regie: Carsten Kochan
Bühne: Gisbert Jäkel
Kostüme: Susanne Maier-Staufen
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther

Besetzung:

Sherlock Holmes:
Stefan Graf
Dr. Watson: Lukas Benjamin Engel
Jacky: Anne Nenzel, Emma Schultz
Frau Smith / Großmutter: Monika Kroll
Herr Shunderson: Rainer Kühn
Dr. med. Hiob Prätorius: Uwe Eric Laufenberg
Prof. Dr. Nack: Michael Birnbaum
Jack / Assistenzarzt: Moritz Buch
Professor Spiter: Uwe Kraus
Studentin / Schwester: Charlotte Will
Maria Violetta: Barbara Dussler
Der Präsident des Ehrenamtes: Benjamin Krämer-Jenster

Hörer und Hörerinnen / Patienten / Umbau: Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Der angesehene Gynäkologe Prätorius ist samt junger Ehefrau gegen einen Baum gefahren und dabei tödlich verunglückt. Sherlock Holmes und Dr. Watson ermitteln die genauen Hintergründe seines Todes und rollen dabei das Leben und Wirken von Prätorius auf: Ein vor Vitalität und Überzeugung berstender Mann, dessen Heilmittel aller (Krankheits-)Fälle Humor und Humanismus lautet. Doch mit seinen ungewöhnlichen Methoden und Einfällen sowie mit seiner Abneigung gegen »menschliche Dummheit« macht er sich nicht nur Freunde. Das berühmte Detektiv-Paar versucht nun zu rekonstruieren: Wofür musste Prätorius sich vor einem Untersuchungsausschuss rechtfertigen? Wer war eigentlich seine sehr junge Frau? Und was hat es mit Prätorius' mysteriösem Faktotum Shanderson auf sich?

Uwe Eric Laufenberg, der zuletzt im Jahr 1984 als Oswald in Ibsens »Gespenster« auf der Wiesbadener Bühne stand, gibt sein Comeback als Schauspieler in der Titelrolle. Carsten Kochan inszeniert. [© Staatstheater Wiesbaden]

www.staatstheater-wiesbaden.de

Draußen vor der Tür
Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will

Von: Wolfgang Borchert
Uraufführung: 21. Novemebr 1947 (Hamburg, Kammerspiele)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 14. September 13 (Kammerspiele)

Co-Regie: Jürgen Kruse
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Sebastian Ellrich
Licht: Johannes Richter
Kampfchoreografie: Robert Macdougall
Dramaturgie: Hannah Schwegler

Besetzung:

Beckmann, einer von denen:
Manuel Harder
Ein Mädchen, dessen Mann auf einem Bein nach Hause kam: Linda Pöppel
Ein Oberst, der sehr lustig ist: Oliver Kraushaar
Des Obersts Frau, die es friert in ihrer warmen Stube: Heidi Ecks
Die Tochter, gerade beim Abendbrot: Alexandra Finder
Deren schneidiger Mann: Vincent Glander
Ein Kabarettdirektor, der mutig sein möchte, aber dann doch lieber feige ist: Thomas Huber
Frau Kramer, die weiter nichts ist als Frau Kramer, und das ist gerade so furchtbar: Heidi Ecks
Der alte Mann, an den keiner mehr glaubt: Vincent Glander
Der Straßenfeger, der gar keiner ist: Vincent Glander
Der Andere, den jeder kennt: Isaak Dentler
Die Elbe: Heidi Ecks
Huren / GIs / Oh-Oh, u.v.m.: Ensemble / Statisterie
Souffleuse, Voice from Hell: Caroline Galimow

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Draußen vor der Tür
Schauspiel Frankfurt
© Birgit Hupfeld

Der Soldat Beckmann kommt aus dem Krieg zurück nach Hause – und kommt doch nicht nach Hause. Als Unteroffizier schuldig geworden am Tod von elf Kameraden, wird Beckmann zum Geisterseher, heimgesucht von seinen Kriegserlebnissen. Jetzt humpelt er, er hat Hunger – und will einfach nur noch seine Ruhe. Will, wie er sagt, pennen. Aber er kann nicht. Betrogen, verkannt, verlassen, steht er draußen. Ausgeschlossen. Einsam. Gepeinigt vom immer gleichen Traum, wird Beckmann zur herumvagabundierenden Klage und zugleich zur Anklage einer Welt, die sich schon wieder eingerichtet hat. Für diese Welt ist er lediglich ein reparabler Sozialschaden, aber für uns heute immer noch ein verzweifelt Fragender nach dem Wert des Lebens, nach der Verantwortung, der Schuld, dem Menschen. Regisseur Jürgen Kruse inszeniert das Heimkehrerdrama von Wolfgang Borchert, den Inbegriff des Aufschreis einer Generation, als »Beat« eines Mannes, der auf der unbedingten Suche ist nach einem Ort abseits der Kältezonen unserer Gesellschaft.

Regisseur Jürgen Kruse, geboren 1959 in Hamburg, inszeniert das Heimkehrerdrama »Draußen vor der Tür« von Wolfgang Borchert, den Inbegriff des Aufschreis einer Generation, den »Beat« eines Mannes, der versucht, damit fertig zu werden, was ihm angetan wurde während des Kriegs. Ein Mann, der auf der Suche ist nach einem Ort, wo all das aufhört. Jürgen Kruse, der zuletzt am Schauspiel Köln und Centraltheater Leipzig inszenierte, ist berühmt und berüchtigt für seine oft düsteren und ästhetisch herausfordernden Klassikerinterpretationen. In seinen Inszenierungen greift er immer wieder auf Musik aus seiner legendären Plattensammlung zurück. [© Schauspiel Frankfurt]

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Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere: 24. September 11

Inszenierung: Mattias Fontheim
Bühne und Kostüme: Marc Thurow
Dramaturgie: Marie Rötzer

Besetzung:

Beckmann: André Willmund
Ein Mädchen: Karoline Reinke
Ihr Mann: Der Einbeinige: Tibor Locher
Ein Oberst: Marcus Mislin
Seine Frau: Nicole Kersten
Seine Tochter: Karoline Reinke
Deren Mann: Tibor Locher
Ein Kabarettdirektor: Zlatko Maltar
Frau Kramer: Nicole Kersten
Der alte Mann: Michael Schlegelberger
Der Beerdigungsunternehmer/Ein Straßenfeger: Nicole Kersten
Der Andere: Stefan Walz
Die Elbe: Nicole Kersten

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Hört mich denn niemand? – Beckmann –
Gibt denn keiner, keiner Antwort? – Beckmann –

Es passiert täglich in Afghanistan und Libyen oder irgendwo anders auf der Welt. Das Drama des Krieges, es ist allgegenwärtig und doch unsichtbar für uns. Ein Gesicht bekommt der Krieg erst, wenn die Soldaten zurückkehren, oft traumatisiert und versehrt. Die Generation der Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg porträtierte 1946 der 26-jährige Wolfgang Borchert. Es ist eine Art Requiem, in das die Lebensstationen des Kriegsheimkehrers Beckmann eingebettet sind. In knappen, expressionistisch- alptraumhaften Szenen wandert Beckmann durch die Straßen einer verlorenen Zeit, zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität. Er hat den Anschluss an die Welt und das Leben verpasst. Seine Frau hat einen Anderen, seine Geliebte kommt von der Erinnerung an ihren gefallenen Mann nicht los. Sein Oberst, auf dessen Befehl hin er Kriegsverbrechen begangen hat, weist ihn ab, als er ihm die Schuld von damals zurückgeben will. Mit den Bildern des Krieges, dieser kaum vorstellbaren Menschheitskatastrophe, im Kopf, taumelt Beckmann durch die Nachkriegswelt, die längst eine andere geworden ist. Er bleibt allein, schreit, flüstert, dichtet sich die Verzweiflung von der Seele. Er klagt an, dass man jeden Tag morde und gemordet werde. Er fragt nach dem Sinn des Lebens und seines Weiterlebens, er fordert Moral und Verantwortung, verlangt nach Antworten. Am Ende ruft Beckmann nach Gott, der aber schweigt. [© Staatstheater Mainz]

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Drei Schwestern (Tri sestry)
Drama in vier Akten

Von: Anton Tschechow
Uraufführung: 31. Januar 1901 (Moskau, Künstlertheater)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
10. Oktober 09

Regie: Karin Henkel
Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Klaus Bruns
Musik: Christopher Brandt
Licht: Johan Delaere
Dramaturgie: Nora Khuon

Besetzung:

Natalja Iwanowna:
Mira Partecke
Olga: Stephanie Eidt
Mascha: Claude De Demo
Irina: Kathleen Morgeneyer
Andreij Sergejewitsch Prosorow: Sascha Nathan
Fjodor Iljitsch Kulygin: Michael Goldberg
Alexander Igntjewitsch Werschinin: Martin Rentzsch
Nikolai Lowowitsch Tusenbach: Christoph Pütthoff
Wassili Wassiljewitsch Soljony: Victor Tremmel
Iwan Romanowitsch Tschebutykin: Heidi Ecks
Anfissa: Gerd Kamphausen / Rüdiger von Wedel

Aufführungsdauer etwa 3 Stunden, eine Pause; in der Übersetzung von Ulrike Zemme.

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Drei Schwestern
Schauspiel Frankfurt
Olga (Stephanie Eidt), Irina (Kathleen Morgeneyer), Kulygin (Michael Goldberg), Tusenbach (Christoph Pütthoff)
Foto: Sebastian Hoppe

Am Anfang ist ein Sirren und Flirren um das Haus der Prosorows. Junge Männer gehen ein und aus, es gibt drei schöne Töchter, davon zwei noch unverheiratet. Sie sind die Attraktionen der Provinz, in der sie leben. Aber sogar Mascha, die verheiratete unter den drei Schwestern, zieht die Männer an, und Werschinin, der einmal den Spitznamen »der verliebte Leutnant« trug, sagt zu ihr: »Menschen wie Sie wird es nach Ihnen vielleicht schon sechs geben, dann zwölf. Und so weiter. Bis endlich Menschen wie Sie in der Mehrzahl sind.« Die Schwestern aber haben anderes im Sinn: Raus aus der Provinz und ab nach Moskau, auf den Heiratsmarkt. Da fände sogar Olga, die schon 28 ist, noch einen Mann. Alle warten nur darauf, dass Andrej Prosorow, der Bruder, seine Dozentur in Moskau antritt, um das Haus, das väterliche Erbe, endlich loszuschlagen und alle Brücken abzubrechen. Da erscheint Natalja,ein nicht ganz stilsicheres, dafür umso willensstärkeres Mädchen, in das Andrej sich rettungslos verliebt. Ein Jahr später ist Andrej verheiratet, hat einen Sohn und eine Stelle bei der Kreisverwaltung. Und auch der Verkauf des Hauses scheint so leicht nun nicht mehr möglich, seit Natalja eingezogen ist. Am Ende sagt Werschinin: »Ich denke oft: was, wenn man sein Leben noch einmal von vorn beginnen könnte? Wenn das eine Leben, das man schon gelebt hat, wie man sagt, ins Unreine gewesen wäre?«

»Drei Schwestern« ist Karin Henkels erste Arbeit am Schauspiel Frankfurt. Sie inszenierte u. a. am Deutschen Theater Berlin, Berliner Ensemble, Schauspielhaus Hamburg, Staatstheater Stuttgart und Wiener Burgtheater. 2006 erhielt sie den Caroline-Neuber-Preis und ihre Inszenierung von Tschechows »Platonov« wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen.  [© Schauspiel Frankfurt]

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Drei Tage auf dem Land (Three Days in the Country)

Von:
Patrick Marber (nach Iwan Turgenjews »Ein Monat auf dem Lande« )
Deutsch von: John Birke

Uraufführung:  28. Juli 2015 (London, National Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 4. März 2017 (Frankfurt/M, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere: 4. März 17 (Schauspielhaus; DSE)

Regie und Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Irina Spreckelmeyer
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie: Claudia Lowin

Besetzung:

Arkadij, ein reicher Gutsbesitzer:
Isaak Dentler
Natalja, seine Frau: Franziska Junge
Kolja, sein Sohn: Quentin Ritts / Ben Schmitt
Vera, ihre Pflegetochter: Alexandra Lukas
Anna, Arkadijs Mutter: Heidi Ecks
Lisaweta, Annas Gesellschafterin: Verena Bukal
Rakitin, ein Freund der Familie: Felix Rech
Shepherd, eiin englischer Hausleher: Michael Benthin
Beljajew, Koljas neuer Hauslehrer: Owen Peter Read
Spigelskij, ein Arzt: Oliver Kraushaar
Bolschinzow, ein Nachbar: Peter Schröder
Matwej, ein Bediensteter: Carlos Praetorius
Katja, ein Dienstmädchen: Elena Packhäuser

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Drei Tage auf dem Land
Schauspiel Frankfurt
Lisaweta (Verena Bukal), Spigelskij (Oliver Kraushaar) mit Ensemble
© Birgit Huipfeld

Im Leben der Familie des vermögenden Gutsbesitzers Arkadij dreht sich alles um kluge Gespräche, inspirierende Freundschaften und ausgewählte Getränke. In dieser beschaulichen Idylle scheint es an nichts zu fehlen. Das ändert sich, als der Student Alexej als Lehrer für den zehnjährigen Gutsbes-itzersohn engagiert wird und sofort das Interesse der Bewohner auf sich zieht. Kolja, der Sohn, ist begeistert von Alexej und wieder bereit zu lernen. Natascha, seine Mutter, verliebt sich Hals über Kopf in den jungen Mann, obwohl sie bereits ein Verhältnis mit Rakitin, einem alten Freund der Familie, hat. Und Vera, ihre siebzehnjährige Pflegetochter, sucht in intuitiver Zuneigung Alexejs Nähe. Plötzlich fliegen erfüllte und unerfüllte Sehnsüchte durch die Luft, plötzlich vibriert es in einem mal rauschenden, mal ernüchternden Überschwang der Gefühle.

Iwan Turgenjews 1855 entstandene Komödie spielt mit seiner doppelbödigen Dialogführung geheimnisvoll mit den Tücken der Liebe. 2015 hat Patrick Marber dieses Stück sprachlich verdichtet und modernisiert. »Drei Tage auf dem Land« transportiert Turgenjews selbstzufriedene Gutsbesitzer-gesellschaft in das Lebensgefühl unserer Gegenwart. Andreas Kriegenburg, der am Schauspiel Frankfurt eine zauberhaft-poetische »Möwe« und zuletzt Shakespeares »Sturm« inszenierte, wird nun Marbers Stück zur Deutschsprachigen Erstaufführung bringen.

Regie und Bühne Andreas Kriegenburg Kostüme Irina Spreckelmeyer Dramaturgie Claudia Lowin [© Schauspiel Frankfurt]

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Die Dreigroschenoper
Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern

Nach dem Englischen des: John Gay
Übersetzt von: Elisabeth Hauptmann
Deutsche Bearbeitung von: Bertolt Brecht
Musik von: Kurt Weill

Zur Inszenierung des Staatstheater Wiesbaden:

Premiere:
13. September 14

Musikalische Leitung: Christoph Stiller, Daniela Musca
Inszenierung: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Matthias Schaller
Kostüme: Filíppia Elísdóttir
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther

Besetzung:

Jonathan Jeremiah Peachum, Chef einer Bettlerplatte:
Uwe Kraus
Frau Peachum: Andreja Schneider, Chris Pichler
Polly Peachum, ihre Tochter: Barbara Dussler
Chef einer Platte von Straßenbanditen: Tom Gerber
Brown, Polizeichef von London: Janning Kahnert
Lucy, seine Tochter: Heather Engebretson, Gloria Rehm
Spelunken-Jenny, Hure: Sólveig Arnarsdóttir
Filch / Smith / Hochwürden Kimball: N.N.
Macheaths Leute, Straßenbanditen / Bettler / Huren / Konstabler: Schauspielschüler

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Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt Drama Club in Kooperation mit dem Gymnasium Oberursel:
(The Threepenny Opera)

Premiere: 12. August 11 (bis 24. August 11)

Director: Michael Gonszar
Musical Directors: Rudi and Angela Federspiel
Choreography: Gabrielle Staiger
Costume Designer: Isabelle Hofmann
Lighting Designer: Philip Pabst
Sound Designer: David Gumpper
Mask: Marie Moser
Props: Dirk Conrad
Assistant to the Director: Melanie Schoeberl

Cast:

Macheath, called Mac the Knife
: Mike Marklove
Matthew, known as Matt of the Mint: Malte Sandstede
Jake, known as Crook-fingered Jake: Redouan Abdellaoui
Walter, known as Dreary Walt: Ken Gerlinger
Bob, known as Bob the Saw: Valentin Biehl
Jimmy: Philipp Walsh
Ned: Fridolin Koch
Jonathan Jeremiah Peachum, proprietor of the Beggar’s Friend Ltd: Sebastian Polag
Celia Peachum, his wife: Lea Dunbar
Polly Peachum, his daughter: Swana Rode
Filch, a young beggar: Timon Papouschek
Brown, High Sheriff of London: Jürgen Stockhausen
Lucy, his daughter: Hannah Mereien
Smith 1: Timon Papouschek
Smith 2, Constables: Nikola Uljarevic
Jenny 1: Rebekka Viehl
Jenny 2: Claudia Zielke
Vixen: Jasmin de Main
Dolly: Miriam Lellek
Suky Tawdry: Gisela Garzon
Betty: Annika Meier-Gerssler
Cathy: Marie Hasselberg
Mizzy: Lisa Ullrich
Lizzy: Nathalie Kreuzer
The Reverend Kimball: Timon Papouschek
Beggars: Lena Leun, Leonie Themelidis, Clara Goll, Nikola Uljarevic

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The Threepenny Opera
English Theatre Frankfurt
Mac the Knife (Mike Marklove) und Ensemble
Foto: Anja Kühn

Zur Inszenierung (von Michael Gonszar, Regisseur)
Obwohl es vordergründig um den Machtkampf zwischen Peachum (der seine Tochter Polly und damit sein Geschäft nicht an Macheath verlieren und deshalb seine Verhaftung erzwingen will) und dem Polizeichef Brown geht, steht für mich eine junge Frauenfigur im Vordergrund: natürlich Polly, die, fast noch Kind, unversehens zur Frau/Geschäftsfrau wird und als verlorene Seele zwischen brutaler Männerbegehrlichkeit, sie unterdrückenden Eltern und der Eifersucht weiblicher Konkurrentinnen (Lucy Brown, Jenny) herumirrt. Die Haltung der Eltern tarnt sich als Erziehungsphilosophie, meint aber die eigenen Interessen.
Der Vater instrumentalisiert die Tochter für seine Geschäftsinteressen, die Mutter spielt mit ihr selbst-infantil wie ein Kind mit einer Puppe, die man herumkommandiert und der ständig andere Kleider angezogen werden.
Nachdem sie durch das Fegefeuer der Enttäuschung ihrer romantischen Liebe hindurchgegangen ist und verschiedene Identitäten ausprobiert hat, geht Polly am Ende als durch ihre Erfahrungen Verwandelte aus diesem Spiel hervor.
Diese Geschichte ist es, die unsere Inszenierung interessiert, weniger Aufstieg, Fall und parodistische Begnadigung von Mackie Messer. Brechts sozialkritische Parallele zwischen korrupter Polizei, moralisch verkommenem Bürgertum im Banker- und Politikergewand und der Welt der Kriminalität, gibt in ihrer Verwischung klarer moralischer Grenzen nur das schwierige soziale Terrain ab, auf dem ein Individuum wie Polly sich orientieren und bewähren muss.
Die Figur des Mackie Messer, eher pathogene Joker-Gestalt als schmieriger Gangster, hält sich eine servile Jugendlichen - Gang von Gelegenheits-Kriminellen; wie einst Fagin in „Oliver Twist“ seine Kinderdiebesbande von Pick-Pockets. Zu dem Angestellten - Ausbeutungsverhältnis gehört auch der pseudofamiliäre Zusammenhalt des Betriebs; so muss die Gang Mackies Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich seiner Verbindung mit der Tochter des Bettlerkönigs Peachum ausrichten und soll gleichzeitig für auch für die familiäre Nestwärme sorgen. Kinder, die zu früh Erwachsene spielen müssen um zu überleben. Eine Szene, die, wie so viele in der Dreigroschenoper, zu makabrer Komik drängt.

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Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt in der Saison 2006/07:

Premiere: 19. Januar 07
Weitere Vorstellungstermine im Januar:
24. und 28. Januar 07
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

Regie: André Wilms
Bühne: Adriane Westerbarkey
Kostüme:
Eva Mareike Uhlig
Musik:
Dietmar Wiesner
Licht: Frank Kaster
Musikalische Beratung: Dietmar Wiesner Korrepetitoren: Günter Lehr, Reto Staub, Tibor Stettin
Dramaturgie: Jens Groß
Regieassistenz: Dagmara Lutoslawska
Bühnenbildassistenz: Jana Lünsmann
Kostümassistenz: Nadja Rudert
Souffleuse: Corinna Schnabel
Inspizienz: Joachim Möller
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Nikola Ramie
Ton: Bernhard Klein, Matthias Schmidt
Maske: Patricia Dietz, Verena Martin, Bernhard Springer, Lutz Paschke
Requisite: Anette Mahnke, Levin Kittelmann
Regiehospitanz: Hannah Bayer, Mina Salehpour
Bühnenbildhospitanz: Alexandra Kurcsics
Kostümhospitanz: Marie-Theres Thran

Besetzung:

Macheath, genannt Mackie Messer:
Wolfram Koch
Jonathan Jeremiah Peachum:
Joachim Nimtz
Celia Peachum, seine Frau:
Karin Neuhäuser
Polly Peachum, seine Tochter:
Sascha Icks
Brown, oberster Polizeichef von London: Michael Lucke
Lucy, seine Tochter: Chris Pichler
Die Spelunken-Jenny: Yvon Jansen
Robert Filch:
Max Landgrebe
Matthias: Sebastian Schindegger
Jakob:
Bert Tischendorf
Ede:
Florian Stamm
Huren:
Sarah Bauerett, Dorothee Lochner, Alina Rank, Nadja Schneider, Varia Sjöström
Ein Moritatensänger: Jonas Maiwald
Bettler: Bruno Thalhäuser

Orchester: Ensemble Modern und Musiker der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA)*:
Dirigent:
Nacho de Paz* / Manuel Nawri
Flöte: Daniel Agi* / Jana Machalett*
Klarinette, Saxophon: Nina Janßen / Ingolfur Vilhjalmsson*
Saxophon: Lutz Koppetsch / Simon Waldvogel
Fagott: Johannes Schwarz
/ Karl Ventulett
Trompete: Sava Stoianov / Valentin Garvie / Lukasz Gothszalk*
Posaune: Uwe Dierksen / Michael Büttler
Klavier, Celesta, Harmonium: Reto Staub* / Lluisa Espigole*
Schlagzeug: Rumi Ogawa / Tom De Cock* / Asuka Hatanaka*
Banjo, Hawai-Gitarre, Gitarre: Jürgen Ruck / Christopher Brandt
Bandoneon: Claudia Buder / Heinz Huber
Violoncello: Eva Böcker / Michael M. Kasper / Jan-Filip Tupa*
Kontrabass: Peter Schlier
/ Joachim Tinnefeid / Bruno Suys

*Die IEMA wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes                     Besprechung auf kulturfreak.de

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Die Dreigroschenoper
schauspielfrankfurt
Bert Tischendorf, Sebastian Schindegger, Sascha Icks, Wolfram Koch, Max Landgrebe, Florian Stein
Foto: Alexander Paul Englert

Das Erfolgsstück von Bertolt Brecht und Kurt Weill ist eine kongeniale Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft und deren Weltanschauung. Eine Persiflage auf die Welt der erfolgreichen wie erbärmlichen Gauner und Mafiosi, der Rachephantasien kleiner Leute und der gnadenlosen Gefühlskälte als Ergebnis der Leere des Lebens. Nur noch der Selbsterhaltungstrieb herrscht in dieser Gesellschaft. Allgemeine Armut, Scheinheiligkeit, Käuflichkeit und Durchtriebenheit ergeben ein Gesellschaftsbild, das einer Notgemeinschaft gleicht, bei der es auf der einen Seite nur noch um das reine Überleben, auf der anderen Seite um individuelle Bereicherung und Macht zu gehen scheint.
Mit der Dreigroschenoper schaffte Brecht keine illusionäre Inszenierung, sondern er brachte vielmehr eine kritische Reflexion über gesellschaftliche Zustände auf die Bühne. Mit einem der erfolgreichsten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts wird ein großer Klassiker der Theaterliteratur in großer Besetzung auf die Bühne des schauspielfrankfurt gebracht; in den Hauptrollen können Sie Wolfram Koch als Mackie Messer und Karin Neuhäuser als Celia Peachum erleben. Mit den Mitgliedern des weltweit agierenden ENSEMBLE MODERN konnte für die musikalische Umsetzung ein Partner gefunden werden, dem die Bühne des schauspielfrankfurt auch in der Vergangenheit bereits als Konzertpodium gedient hat. [Text: schauspielfrankfurt]

www.ensemble-modern.de
www.internationale-em-akademie.de
www.schauspielfrankfurt.de

Der dressierte Mann

Von:
John von Düffel (nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar)

Die dritte Generation

Film (Kriminalkomödie) von:
Rainer Werner Fassbinder

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (Ausbildungsbereich Schauspiel) und der Hessischen Theaterakademie

Premiere:
18. Februar 12

Regie:
Alice Buddeberg
Bühne / Masken: Sandra Rosenstiel
Kostüme: Martina Küster
Musik: Stefan Paul Goetsch
Licht: Jan Walther
Video: Benno Listing, Constantin Braml
Dramaturgie: Alexandra Althoff, Johanna Vater

Mit: Kathrin Berg, Marlene Hoffmann, Karoline Stegemann; Christoph Bahr, Tom Bartels, Rajko Geith, Daniel Rothaug

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Die dritte Generation

Schauspiel Frankfurt
Susanne (Karoline Stegemann)
© Birgit Hupfeld

Fassbinders satirisch groteske Vision einer dritten Generation der RAF: Ein Haufen gelangweilter Spießer, die aus Frustration und Überdruss den Aufstand proben – ohne eine politische oder soziale Utopie. Zusammenhalt stiften lediglich eine hysterische Revolutionsromantik und blinder Aktionismus. Wie im Rausch stürzen sie sich in das große Abenteuer, das der Selbstzweck ihres Handelns ist und bei dem einer nach dem anderen auf der Strecke bleiben wird. Was die Möchtegern-Terroristen nämlich nicht ahnen – sie werden vom Großkapital manipuliert. Der Terror wird zur Inszenierung eines planvollen Chaos’, das dem Kapital aus der Krise helfen soll.  [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

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