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Theater: 15. Festival der Union des Théâtres de l´Europe

15. Festival der Union des Théâtres de l´Europe
Frankfurt am Main, schauspielfrankfurt

21. April - 7. Mai 06


Wenn Liebe käme -
nur Liebe kann mich retten,
und Liebe hat mich zerstört


(Sarah Kane)


Die Stücke:

Gier
Sonja
Santa Joana dels escorxadors
La Sagra del Signore della Nave
The Changeling
Ledarálnakeltüntem
Cabelo Branco é Saudade: Fados

Begleitend zum Festival hat schauspielfrankfurt eine Festivalbar eingerichtet: Künstlerbegegnungen, Filme und Café im Glas Haus

21. April 2006, 18.00 Uhr
Eröffnung des 15. Festivals der Union des Théâtres de l’europe

Botanische Installation Das Liebespflanzenhaus
15. Festival der UTE – ein Trailer von Philipp Batereau, Deutschland 2006
Beide Arbeiten werden für die Dauer des Festivals in der Bar präsentiert

22. April 2006, 18.00 Uhr
Leschtschenko: der russische König des Tango

Feature von Christine Martin, hr2 1997, 75 min.

23. April 2006, 18.00 Uhr
Begegnung Frankfurt : Riga

Gespräch mit Alvis Hermanis
(Regisseur und Künstlerischer Leiter Jaunais Teatris) und Gundars Abolins (Schauspieler)

24. April 2006, 18.00 Uhr
Blockade Leningrad 1941 – 1944

Film von Thomas Kufus, zero film, Berlin & Studio Lendoc,
Leningrad, Deutschland 1991, 9 min. col. & sw

26. April 2006, 18.00 Uhr
Begegnung Frankfurt : Barcelona

Gespräch mit Àlex Rigola (Regisseur und Künstlerischer Leiter Teatre Lliure)

27. April 2006, 18.00 Uhr
La passion de Jeanne d’Arc

Film von Carl Th. Dreyer, Sié Générale de Films, Frankreich 1928, 80 min. sw

28. April 2006, 18.00 Uhr
Begegnung Frankfurt : Rom

Gespräch mit Vincenzo Pirrotta (Regisseur) und Gianfranco Capita (Il Manifesto)

29. April 2006, 18.00 Uhr
Begegnung Frankfurt : London

Gespräch mit Declan Donellan (Regisseur)

4. Mai 2006, 18.00 Uhr
Begegnung Frankfurt : Budapest

Gespräch mit Viktor Bodó (Autor und Regisseur)

Alle Gesprächen werden von Brigitte Fürle moderiert.

Öffnungszeiten: An den Vorstellungstagen des Festivals wird die Festivalbar jeweils ab 17.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt in die Festivalbar ist frei.
 


Union des Theâtres de l'Europe

Die Union des Theätres de l'Europe wurde 1990 auf Initiative von Giorgio Strehler und Jack Lang und mit Unterstützung des französischen Kultusministeriums gegründet. Sie ist ein Zusammenschluß von öffentlichen Theatern. Ihr Ziel ist es, durch Kultur und Theater zu einer weiteren Einigung der Europäischen Union beizutragen und eine umfassende kulturelle Bewegung in Gang zu setzen, die die Sprachgrenzen überwindet. So soll ein anspruchsvolles Theater entstehen, das den Zusammenhalt zwischen den Menschen stärken soll. Die UTE unterstützt Produktionen und Koproduktionen, Theateraustausche und gemeinsame Erfahrungen, sie respektiert dabei die Individualität von Kulturen und Identitäten.

Die UTE veranstaltet jährlich ein Theaterfestival, das jedes Mal von einem anderen seiner Mitglieder ausgerichtet wird. Dieses herausragende Ereignis bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Vielfalt und die Unterschiede des europäischen Theaters zu sehen -eine Herausforderung für die Produzenten ebenso wie für die Zuschauer. Die UTE organisiert Workshops für junge Schauspieler, Regisseure und Ausstatter, außerdem Ausstellungen europäischer Bühnenbildner, internationale Konferenzen, und sie veranlaßt Übersetzungen zeitgenössischer Dramen.
Die Summe dieser Maßnahmen hilft langfristig, die Absichten künstlerischer und kultureller Politik deutlich zu machen. Deren Ziel ist es, die künstlerische Zusammenarbeit und den internationalen Austausch zu verbessern. Weiter will sie die Weitergabe von Know-how unterstützen und so für einen besseren Austausch zwischen verschiedenen Generationen von Künstlern und Produktionen und zwischen Tradition und Innovation sorgen. Schließlich geht es darum, die Mobilität von Künstlern und Organisatoren zu vergrößern, damit diese neue und anderen Zuschauer finden können.Zu den meisten ihrer Aktivitäten erscheinen Publikationen: Ausstellungskataloge, Festivalprogramme und Konferenzberichte.
 


Gier

Von:
Sarah Kane
Deutsch: Marius von Mayenburg

Premiere: 21. April 06

Regie, Bühne, Kostüme: Wanda Golonka
Licht: Ellen Jaeger
Dramaturgie: Susanne Traub
Regieassistenz: Anna Konjetzky
Bühnenbildassistenz: Britta Kloß
Kostümassistenz: Nadja Rudert
Souffleuse: Alexandra zu Stollberg
Inspizienz: Joachim Möller
Ton: Bernhard Klein, Philipp Batereau
Maske: Bernhard Springer
Technische Produktionsleitung: Klaus Oberüber
Technische Einrichtung: Nicolas Ramie
Bühnenbildhospitanz: Henning Bosse
Kostümhospitanz: Melanie Schöberl
Dramaturgiehospitanz: Ulrich Volz


Umgesetzt von:
Shila Anaraki, Veronique Dubin, Nicola Gründel, Mathias Max Herrmann (A), Sascha Icks (M), Anne Müller (C), Bert Tischendorf (B)


Gier - das letzte Stück, das zu Lebzeiten von Kane am Royal Court Theatre uraufgeführt wurde - ist ein Quartett. Die Figuren tragen keine Namen, sondern sind lediglich mit Buchstaben A, B, C und M bezeichnet, sie leben zwischen Erinnerung und Vergessen, sind verloren in der Zeit und ihrer Biographie. Ihr Zusammenhalt sind die Worte, die sie zueinander, an einander vorbei oder auch nur für sich sprechen. Das Stück Gier ist eine dramatische Komposition, ein Geflecht aus Worten, eine Fuge, die den Zustand der Sehnsucht umspielt. Die Sehnsucht nach Liebe vermag das Leben nicht einzulösen, hält es aber permanent in Ambivalenzen präsent: Spannung, Leiden und Konflikte, Vergewaltigung, Liebeswerben, Misstrauen, Anziehung und Ablehnung, Vergeblichkeit.
Nach 4.48 Psychose wendet sich Wanda Golonka ein zweites Mal Sarah Kane zu und hält der Wortkomposition einen sinnlichen  Erfahrungsraum entgegen.

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Wanda Golonka
geboren in Lyon, Frankreich, studierte Tanz bei Rosella Hightower und an der Folkwang Hochschule in Essen. Sie war als Tänzerin beim Folkwang Tanzstudio engagiert und tanzte bei Pina Bausch in Sacre du Printemps. 1981, noch während ihrer Tänzerengagements, begann Wanda Golonka ihre eigenen Stücke zu machen. 1986 gründete sie zusammen mit dem bildenden Künstler VA Wölfl das Ensemble NEUER TANZ. Es entstanden Stücke die eine neue Theaterform und eigenständige Ästhetik herausbilden im Grenzbereich zwischen bildender Kunst und Choreographie. Stücke wie "Leitz - dem Nachlass verfallen" (1988), "RCA - going to work" (1992) and "Elepsie / die Künstler sind anwesend" (1 994) sind vielen heute noch in Erinnerung und als herausragend unter der großen Anzahl zu nennen. Als Auftragsarbeit für die dritte Internationale Skulpturenausstellung SKULPTURPROJEKTE '97, die im Rahmen der Dokumenta in Münster stattfinden, schuf Wanda Golonka 1997 das Tanzsolo GEGNUNGEN für Veronique Dubin. Von 1998 - 2000 war sie ,Choreographer in Residence' am Marstall des Bayerischen Staatsschauspiel München, bevor sie der Intendantin Elisabeth Schweeger nach Frankfurt an Schauspielfrankfurt folgte. Seit der Spielzeit 20007 2001 steht Wanda Golonka für ein Theater, das sich an den Bruchlinien der Erfahrung bewegt und sich nicht auf ein Praxisterritorium festlegen lässt.

Sarah Kane
1971 in der Grafschaft Essex geboren, studierte Theaterwissenschaft und szenisches Schreiben an den Drama Departements der Universität Bristol und Birmingham. Ihr erstes Stück Zerbombt, das im Januar 1995 am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt wurde, sorgte in England für heftigste öffentliche Kontroversen. Dem Skandal jedoch folgten europaweite Aufführungen von Zerbomt. Mit den nachfolgenden Stücken Phaidras Liebe, von der Autorin im Mai 1996 am Gate Theatre London selbst inszeniert und Gesäubert, 1998 am Royal Court uraufgeführt, festigte Kane ihren Status als herausragende Vertreterin der neuen britischen Dramatik. Im Stück Gesäubert entledigt sie sich aller erklärenden Erzählmechanismen. Sie konfrontiert Leser und Zuschauer mit Szenenfolgen aus poetischen Bildern und komprimierten Dialogen. Der Regie verlangt Sarah Kane mit ihren Stücken radikale Entscheidungen ab und wirft damit die Frage nach der .Machbarkeit' auf. Sie fordert einen intervenierenden und radikalen Ansatz und zwingt die Regie an Grenzen ihrer theatralischen Vorstellungskraft, zu poetischen und expressionistischen Lösungen.

Seit Herbst 1 996 war Sarah Kane Hausautorin der Londoner Theatergruppe Raines Plough, die ausschließlich neue Stücke produzierte, die zunächst in Lesungen vorgestellt wurden. Um in diesen Lesereihen schnell eine Programmlücke zu füllen schrieb Kane 1998 das Stück Gier, das sie unter dem Pseudonym Marie Kelvedon ohne großes Aufsehen präsentierte. Mit dem Stück Gier, das 1998 während des Edinburgh Festivals am Traverse Theatre uraufgeführt wurde, trat Kane als die eindringlichste und radikalste Stimme des britischen Gegenwartstheater an die Öffentlichkeit. Gier ist ein Experiment mit der Textform. Kane verteilt den Text auf vier Stimmen, deren einzige Identität die Buchstaben A, B, M und C sind. Die Stimmen sind ohne erkennbaren Zusammenhang, lediglich Fragmente von Geschichten. Gier ist reine Poesie, eine Äußerungsform der Liebe.

Die formalen Elemente, die Kane in Gier erprobt hatte, treibt sie in ihrem nächsten und letzten Stück 4.48 Psychose (1999) noch weiter voran, hier sind weder Personenbezeichnungen, noch Angaben über die Anzahl oder Geschlecht der Darsteller festgelegt.

Sarah Kane, die ihr Leben lang an Depressionsschüben litt, erlitt im Sommer 1 998 eine erneute Depressionsphase. Am 20. Februar 1999 beging Sarah Kane Selbstmord.

schauspielfrankfurt
s
chauspielfrankfurt wird seit der Spielzeit 2001/2002 von Elisabeth Schweeger geleitet. Die Eröffnung fand im November 2001 mit der Auftragsproduktion Gold von Peter Greenaway im Großen Haus statt. Seither werden pro Spielzeit ca. 35 Premieren an den unterschiedlichen Spielstätten präsentiert. Schauspielfrankfurt bespielt mit seinem Ensemble drei Spielstätten: Großes Haus (650 Plätze), Kleines Haus (1 87 Plätze) und die schmidtstraßel 2 (152 Plätze). Über den regulären Spielbetrieb mit klassischen und zeitgenössischen Autoren hinaus hat Schauspielfrankfurt eine Reihe von regelmäßigen Veranstaltungen eingeführt, die den Spielplan diskursiv, sinnlich und durchaus auch theatralisch flankieren. Zu nennen sind hier u.a. die philosophischen Salons frankfurter Dialoge«, themenorientierten Kongresse (zuletzt Schöner war's wenn's schöner war -Der Kongreß, l will survive) die Inszenierungen der Nachtschwärmer, Filmnächte, sowie die mittlerweile sehr populären musikorientierten Club-Formate (z. B. Bucovina-Club). Internationale Theaterereignisse von Heiner Goebbels, Gastspiele von russischen Regisseuren zur Buchmesse 2003, koreanischen Regisseuren zur Buchmesse 2005, Theaterarbeit von ausländischen Regisseuren (und Autoren) wie Henning Mankell, Andre Wilms oder Stephane Braunschweig (in Koproduktion mit dem Theatre National de Strasbourg) und zuletzt die erste deutsche Produktion des lettischen Regiestars Alvis Hermanis sind künstlerisch fixer Bestandteil im Spielplan des Schauspielfrankfurt. Gastspiele des Schauspielfrankfurt reisten zuletzt zum Tampere Festival in Finnland, dem Ibsen-Festival in Oslo, den Berliner Festspielen, ans mc93 Bobigny in Paris. Internationale Koproduktionen beispielsweise mit dem Taipei Festival in Taiwan u.v.a. und dokumentieren das international anerkannte Profil von Schauspielfrankfurt, das 2006 das 15. Festival der UTE, der Union des Théâtres de l´Europe, in frankfurt ausrichtet.


Sonja

Nach der gleichnamigen Novelle von:
Tatjana Tolstaja

in russischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung

Uraufführung: 22. April 06

Regie: Alvis Hermanis
Bühne und Kostüme: Kristine Jurjane
Ton: Andris Jarans
Licht: Krisjanis Strazdits
Technische Leitung: Linda Zaharova
Deutsch: Sylvia List

Mit: Gundars Abolins & Jevgenijs Isajevs


Besprechung auf kulturfreak.de

Sonja ist ein wenig beschränkt, ein wenig häßlich, ein wenig einsam. Aber sie verfügt über Talente: sie kann ausgezeichnet kochen und nähen und anderen Leuten auf die Nerven gehen. Doch eines Tages erhält sie einen Liebesbrief, glühend und ernsthaft, und Sonjas Herz steht in Flammen. Nichts ahnt sie davon, dass den Brief die bösartige Ada geschrieben hat, die damit Sonjas Leben für immer verändert.
Der lettische Regisseur Alvis Hermanis setzt nach Das Eis seine Zusammenarbeit mit dem Schauspielfrankfurt fort. Erneut setzt er sich mit einem russischen Prosatext auseinander, und übersetzt die berühmte Novelle Tatjana Tolstajas in seine unvergleichliche Theatersprache.

Alvis Hermanis
Alvis Hermanis, geboren 1965 in Riga. Schauspielausbildung am Lettischen Staatskonservatorium. Erste Inszenierungen ab 1993. Zahlreiche Kritikerpreise und Auszeichnungen als Regisseur. Seit 1997 leitet er das Neue Rigaer Theater - ein auf zeitgenössisches Repertoiretheater ausgerichtetes Theater im Zentrum der lettischen Hauptstadt. Im Rahmen des YOUNG DIRECTORS PROJECT powered by Montblanc bei den Salzburger Festspielen 2003 wurde Hermanis' Theaterarbeit mit Gogols Revizor erstmals außerhalb Osteuropas und Rußlands präsentiert (Programmkuratorin Brigitte Furie), und Alvis Hermanis gewann den renommierten Young Directors Award 2003. Danach kreierte Hermanis eine eigens recherchierte Geschichte über Kaspar Hauser und im Dezember 20037 Januar 2004 das Doppelprojekt Garä dz/ve (Langes Leben) und Täläk (Nach Gorki) von Maxim Gorkis Nachtasyl ausgehend. Beide Stücke waren im Rahmen der Biennale Neue Stücke aus Europa 2004 im Juni am Schauspielfrankfurt und dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden erstmals international zu sehen. Zuletzt gelangten am Jaunais Rigas Teatris Latviesu stasti (Lettische Geschichten) zur Premiere. DAS EIS Kollektives Lesen eines Buches mit Hilfe der Imagination in Frankfurt nach Sorokins Das Eis wurde Hermanis' erste Regiearbeit an einem deutschsprachigen Theater. Als Koproduktion von Schauspielfrankfurt, RUHRtriennale und Jaunais Rigas Teatris realiserte Hermanis gemeinsam mit Monika Pormale eine eigene Version von DAS EIS für die Maschinenhalle Zeche Zweckel in Gladbeck während der RUHRtriennale 2005 und eine lettische Version Ledus für das Jaunais Rigas Teatris im September 2006. Zuletzt gelangte seine Inszenierung von Brennende Finsternis von Antonio Buero Vallejo am Zürcher Schauspielhaus zur Premiere. Im November 2006 wird Hermanis erstmals an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin arbeiten.

Jaunais Rigas Teatris
Das Jaunais Rigas Teatris (Neues Rigaer Theater) ist ein professionelles Repertoiretheater. Es liegt im Zentrum der Stadt und bildet zugleich das Zentrum des Theaterlebens in Letttland.
1997 übernahm der bisherige Künstlerische Leiter Alvis Hermanis auch die Leitung des Theaters. Er formte ein neues Ensemble, bestehend aus 1 7 Schauspielern. 2004 kamen noch 9 weitere Schauspieler zu der Truppe hinzu.
Obwohl das Neue Rigaer Theater ein staatliches Repertoiretheater ist, hat es sich den Geist und die Arbeitsweise eines Studiotheaters bewahrt. Es hält an seiner nichtkommerziellen Ausrichtung fest, die Suche nach neuen Wegen ist wichtiger als die Verkaufszahlen an der Abendkasse. Seine Produktionen können nicht nur auf seiner großen Bühne mit ihren 470 Plätzen gespielt werden, sondern auch in anderen Häusern und sogar außerhalb eines Theaters. Sie waren in Rußland, Polen, Litauen, Estland, der Slovakei, der Tschechischen Republik, Kroatien, Serbien, Finnland, Deutschland, Österreich, den USA, Kanada, Frankreich, Belgien, Schweiz, Ungarn und Italien zu sehen.
Die Inszenierung von Gogols Der Revisor gewann bei den Salzburger Festspielen den Young Directors Project Award. Neues Leben (nach Gorkis „Nachtasyl") gewann den Grand Prix beim Internationalen Theaterfestival BITEF 2005.
 


Santa Joana dels escorxadors
Die Heilige Johanna der Schlachthöfe

Von: Bertolt Brecht
Ins Katalanische übertragen von: Salvador Oliva und Joan de Sola Llovet

Premiere: 26. April 06

Inszenierung: Alex Rigola
Bühne: Bibiana Puigdefàbregas
Licht: Maria Domènech
Kostüme: M. Rafa Serra
Sounddesign: Ramón Ciércoles
Choreographie: Ferran Carvajal Alex Rigola
Musik: Oriol Rosell
Video: Juanjo Giménez
Regieassistenz: Christina Oliva


Mit:

Johanna Dark, Leutnant der Schwarzen Strohhüte:
Anna Ycobalceta
Mauler, Fleischkönig: Pere Arquillué
Cridle, Fleischfabrikant: Ivan Benet
Graham, Fleischfabrikant: Joan Carreras
Lennox, Fleischfabrikant: Nathalie Labiano
Meyers, Fleischfabrikant: Quim Dalmau
Slift, ein Makler: Alicia Pérez
Frau Luckerniddle: Daniela Feixas
Gloomb, ein Arbeiter: David Cuspinera
Paulus Snyder, Major der Schwarzen Strohhüte: Eugeni Roig
Mulberry, ein Hauswirt: Ana Roblas
Aufkäufer: Angels Sánchez
Arbeiter: Keith Morino
Wächter: Jacob Torres
Junge: Nao Albet
DJ: Oriol Rosell

Besprechung auf kulturfreak.de

Mauler, der Fleischbaron, verkauft seine Fabrik, um den Bankrott eines Konkurrenten herbeizuführen. Die Heilsarmee der Schwarzen Strohhüte, angeführt von Leutnant Johanna Dark, verteilt Suppe und Almosen an die nunmehr Arbeitslosen, und Johanna versucht, Mauler zur Wiedereröffnung der Fabrik zu bewegen. Für den sind die Armen selbst schuld an der Misere -„erst muß, bevor die Welt sich ändern kann, der Mensch sich ändern". Erneut spekuliert Mauler und setzt wieder auf das Monopol seiner Fabrik. Fleisch wird angekauft, es gibt Arbeit, und Johanna wird für kurze Zeit eine Berühmtheit, bis sie im Aufruf zum Generalstreik und in ihrem Glauben an Gewaltlosigkeit als „Märtyrerin der Mildtätigkeit" stirbt.

somewhere i belong
ego ego ego wir denken nur an unseren eigenen profit ego ego ego wir haben die gesellschaft die wir verdienen ego ego ego aber nicht jeder hat das glück zu wählen ego ego ego people killin people dyin children hurt and you hear them cryin ego ego ego die haben unsere scheiße zu fressen ego ego ego laß' uns noch mal überprüfen ego ego ego wie wir sind und wohin wir gehen ego ego ego um auf uns selbst zu scheißen ego ego ego where is the love the love the love the love ego ego ego wir sind einverstanden so zu leben wie die maulers ego ego ego und daß wir halb Slift und halb Johanna sind ego ego ego und daß die meisten von uns nicht bereit sind sich zu ändern ego ego ego and the fault is my own and the fault is my own ego ego ego mauler sagt menschen rühren mich nicht sie sind nicht unschuldig und selber metzger mit ochsen hab ich mitleid der mensch ist schlecht erst muß bevor die weit sich ändern kann der mensch sich ändern ego ego ego und die heilige Johanna sagt die aber unten sind werden unten gehalten damit die oben sind oben bleiben und der oberen niedrigkeit ist ohne maß und auch, wenn sie besser werden so hülfe es doch nichts denn ohnegleichen ist das System das sie gemacht haben - ausgebeutet und Unordnung - tierisch und also unverständlich ego ego ego das beschissene menschliche dasein ego ego ego where is the love the love the love ...                                   
Alex Rigola

Alex Rigola
Geboren 1969 in Barcelona, Ausbildung an der Hochschule für Darstellende Kunst (Institut del teatre).
Alex Rigola inszeniert seit 1996, zu seinen Regiearbeiten zählt Cami de Wolokolamsk l (Wolokolamsker Chaussee I) von Heiner Müller im Teatre Artenbrut, beim Festival Internacional Teatre in Sitges gelangten seine Inszenierungen El proces (Der Prozess) von Franz Kafka 1997, Les Troianes (Die Troierinnen) von Euripides 1998, La mäquina d'aigua (The Water Engine) von David Mamet 1999 zur Premiere. 2000 inszenierte er William Shakespeares Titus Andronicus, das beim Festival Grec in Barcelona zur Premiere gelangte und am Teatre Lliure in der Spielzeit 2000/01 gezeigt wurde. Titus Andronicus gewann den Jose Luis Alonso award 2000 für junge Regisseure, der von der ADE (Asociaciön Directores de Escena) organisiert wurde und den Butaca 2001 award für die beste Theaterproduktion und die beste Regieleistung.2001  inszenierte er Woyzeck von Georg Büchner am Teatre Romea, das beim Festival Grec 2001 gezeigt wurde, Die Goldberg-Variationen von George Tabori, Premiere am Teatre Nacional de Catalunya, und Suzuki l und // von Alexej Schipenko.
2002 inszenierte er Ubü (König Ubu) von Alfred Jarry für das Teatre de la Abadia, Madrid. 2003 El Cancionero de Palacio von J. del Encina und L. de Milan für das Internationale Musikfestival Castell de Peralada, Cancons d'amor i droga von P. Sales, A. Pla, J. Farres und Ä. Rigola für das Teatre Lliure, Barcelona. Seit März 2003 ist er auch neuer Künstlerischer Leiter des Teatre Lliure. Am Teatre Lliure inszenierte er seither Juli Cesar (Julius Caesar) von William Shakespeare und Glengarry Glen ross von David Mamet. Santa Joana dels Escorxadors (Die heilige Johanna der Schlachthöfe) von Bertolt Brecht ist seine dritte Inszenierung als neuer Künstlerischer Leiter, die im Juni open air beim Festival Grec zur Premiere gelangte und in Salzburg als internationale Premiere gezeigt wurde. Zuletzt inszeniertet Rigola Ricardo III und European House nach William Shakespeares Hamlet.

Teatre Lliure
Das Teatre Lliure (dt. Freies Theater) wurde 1976 von Theaterleuten in Barcelona als freie Gruppe gegründet. Von Beginn an war es ein Hauptanliegen des Theaters, Sprechtheater, die Bearbeitung klassischer Texte ebenso wie zeitgenössische Stücke, zu seinem Repertoire zu machen. Tanz und Musik waren aber ebenso von Anfang an in diesem Repertoire enthalten. Es wurde u.a. von Fabiä Puigserver, Lluis Pasqual, Lluis Homar, Guillem-Jordi Graells uns Josep Montanyes als Künstlerischer Leiter geführt. Die katalanische Kultur war ein wesentlicher Bestandteil seiner Theaterarbeit, die rasch große Anerkennung von Publikum und Kritik fand.
1986 feierte das Teatre Lliure sein 10jähriges Jubiläum. Die Stadt Barcelona gründete die Fundaciö Teatre Lliure - Teatre Public de Barcelona und übergab dem Teatre Lliure im November 1989 symbolisch die Schlüssel zu einem neuem Theatergebäude, dem ehemaligen Palau de l'Agricultura, einem historischer Bau der Weltausstellung von 1929. Seither erhält das Teatre Lliure auch öffentliche Gelder, es wird unterstützt von Ajuntament de Barcelona, Diputacio de Barcelona, Generalität de Catalunya und dem Ministero de Cultura. Das Teatre Lliure zählte 1989 zu den Gründungsmitgliedern der Union des Theätres de l'Europe (UTE) - ein Zusammenschluß von 20 europäischen Theaterhäusern, gefördert vom Programme Culture 2000 - kennzeichnend auch für sein Interesse, grenzüberschreitend und international in Erscheinung zu treten. Inszenierungen des Teatre Lliure wurden auf Festivals europaweit und in Südamerika präsentiert, und es unternimmt den Versuch, auch in Form von Koproduktionen international zu arbeiten, zuletzt mit dem Hebbel-Theater in Berlin und den Salzburger Festspielen / Young Directors Project powered by Montblanc.
International angesehene Künstler und Regisseure wie Krystian Lupa, Carlo Checchi, Philippe Decoufle, Philip Glass, Declan Donellan, La Fura dels Baus, Carles Santos, Cesc Gelabert, Cie Herve-Montalvo, Antonio Latella, Thomas Ostermeier, Jan Lauwers, Robert Wilson, The Wooster Group und Peter Sellars wurden seither mit ihren Arbeiten im neu eröffneten Teatre Lliure präsentiert.
Seit März 2003 leitet Alex Rigola das Teatre Lliure am MontjuTc, das zwischen 1996 und 2002 generalsaniert wurde und heute über drei modern ausgestattete Bühnen verfügt. Rigolas Anerkennung als Regisseur und ein lebendiges Repertoire aus zeitgenössischem Theater, Tanz und Musik machen das Teatre Lliure heute zu einer der spannendsten Adressen der spanischen Theaterlandschaft.
 


La Sagra del Signore della Nave
Das Fest unseres Heilands vom Schiff

Von:Luigi Pirandello in der Bearbeitung von Vincenzo Pirrotta
Deutsch: Michael Rössner
Premiere: 27. April 06

Regie: Vincenzo Pirrotta
Bühnenbild und Kostüme: Guiseppina Maurizi
Musik: Roberto Ciammarughi
Licht: Giovanni Santolamazza
Regieassistenz: Antonio Silvia


Mit: Giovanni Calcagno, Amalia Contarini, Gabriella De Fina, Andrea Gambadoro, Nancy Lombardo, Filippo Luna, Rosario Minardi, Marcello Montalto, Vincenzo Pirrotta, Salvatore Ragusa, Alessandro Romano, Antonio Silvia, Salvatore Tringali

Posaune: Rosario Liberti
Akkordeon: Luca Mauceri
Trompete: Andrea Pandolfo
Percussion: Giovanni Parrinello

Mit Unterstützung des Institute Italiano di Cultura, Frankfurt am Main

Besprechung auf kulturfreak.de

„La Sagra", sagte Pirandello einmal, „braucht ein Publikum mit einem starken Magen. Es ist eine lebendige, oder besser gesagt sowohl bunte wie brutale Darstellung von Sünde und Buße. Die Brutalität des Menschen hat auch etwas tragisches an sich, hiervon sind die Tiere glücklicherweise frei."

La Sagra del Signore della Nave ist eine Rechtfertigung der Würde des Menschen (dem edlen Tier) und des Schweins (dem gemeinsten Tier). Diese Gegenüberstellung bildet den Hintergrund eines Schlachtfestes, das jedes Jahr auf dem Land kurz außerhalb von Agrigento gefeiert wird. Hier, vor der kleinen, normannischen Kirche von St. Nikolaus beten sie den Heiland des Schiffes an - ein großes Kruzifix mit furchteinflößenden Zügen, aber mit wundertätiger Wirkung.

Bei dem Schlachtfest entsteht ein Streit zwischen dem Pädagogen und dem fetten Herrn Lavaccara. Dieser behauptet, daß eines seiner Schweine - das er so sehr liebt, als ob es sein Hund wäre - ein intelligentes Tier ist. Deshalb haben er und sein Sohn es auch getauft, als es trächtig wurde. Es ist sogar so intelligent, daß es ihn zu verstehen scheint und antwortet, wenn er mit ihm spricht. Der Pädagoge glaubt nicht an Intelligenz und führt ein kunstvolles Paradoxon an: Wie kann man ein Tier intelligent nennen, das andere frißt, um selber fett zu werden?

Der Mensch ist intelligent, und er kann sich den Luxus leisten, zu essen wie ein Schwein, und er weiß, dass er nicht geschlachtet wird, auch wenn er fett wird. Dies erklärt die Überlegenheit des Menschen über das Tier. Die Zweifel an seiner Überlegenheit rühren eher von dem Bild, dass er bei dem chaotischen Fest abgibt. Die Atmosphäre wird immer erregter, und das heidnische Treiben und der Höllenlärm scheinen die Ansichten des Herrn Lavaccara zu bestätigen, daß die Menschheit im Gegensatz zu den Schweinen den Respekt nicht verdient.

Aber als die Glocken zu läuten beginnen, reihen sich die Betrunkenen zu einer Prozession hinter dem schrecklich gegeißelten Christus und schlagen sich auf die Brust. Dies ist der Unterschied: „Oh ihr Schweine, ihr lebt allzeit ein fettes und friedvolles Leben. Seht euch jetzt das Leben der Menschen an: Sie haben getrunken, und sie haben sich in Tiere verwandelt, die untröstlich hinter ihrem blutenden Erlöser und seinem schwarzen Kreuz her laufen und weinen. Hier stehen sie und weinen um die Schweine, die sie gegessen haben. Kann man sich etwas tragischeres vorstellen?"                           Vincenzo Pirrotta

Vincenzo Pirrotta
Vincenzo Pirrotta wurde 1971 geboren und besuchte die Schauspielklasse des Instituto Nazionale de Dramma Antico (Staatliches Institut für Antikes Drama). Er war außerdem ein Schüler des cunf/'-Meisters Mimmo Cuticchio.
Er arbeitet als Schauspieler, Regisseur und Autor. Schon seit einigen Jahren beschäftigt sich Vincenzo Pirrotta mit den Traditionen und Brauchtümern seiner Heimat Sizilien und des Mittelmeerraumes. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen fließen in seine Arbeiten ein, wo er sie mit experimentellem Theater verbindet. Die Rhythmen, die archaischen Klänge, die Rituale, die Musik, die Tänze - die virtuose Beherrschung von Stimme und Körper verwandelt diese Elemente in Partituren für Stimmen und Gesang. Diese Dinge sind für ihn essentiell wichtig, denn er ist bestrebt, diese immer mehr in Vergessenheit geratende Kunstform zu bewahren. Bereits in seiner Jugend begann er, die Kunst des Sizilianischen cunto zu erlernen, einer alten und faszinierenden Form mündlicher Überlieferung. Dies inspirierte ihn, ein anthropologisches Theater zu machen. Die Verzauberung der Welt, das epische Theater und die Sehnsucht nach einem Spiel, das archaische und primitive Kulturen aufgreift brachten ihn dazu, in seiner Regiearbeit stärker als andere zuvor mit dem Publikum zu interagieren.
Seine Inszenierungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit und werden von Institutionen wie dem Instituto Nazionale de Dramma Antico, der Biennale in Venedig und von innovativen Repertoiretheatern produziert. La sagra del Signore della Nave (Das Fest unseres Heilands vom Schiff) von Luigi Pirandello ist die erste Inszenierung von Vincenzo Pirrotta, die auf Europatournee geht.

Teatro di Roma
Das Teatro Stabile di Roma wurde 1964 mit Vito Pandolfi als Künstlerischem Leiter gegründet, seit 1994 ist es Mitglied der Union des Theätres de l'Europe. Im Laufe der Jahre wurde diese Institution von Persönlichkeiten geleitet, die italienische Theatergeschichte geschrieben haben und es bis heute tun. Dies sind: Franco Enriquez, Luigi Squrzina, Maurizio Scaparro, Pietro Carriglio, Luca Ronconi, Mario Marione und, seit März 2002, Giorgio Albertazzi, der große und unerschöpfliche Meister des italienischen Theaters. Unter Albertazzis Führung wurde das Haus durch neue Titel bereichert. Sie sind durch eine Verbindung von klassischem und innovativem Theater gekennzeichnet, hier trifft italienische auf internationale Literatur, und Regietheater trifft auf Schauspielertheater. Das Teatro di Roma spielt an drei Orten: das historische Teatro Argentina mit 700 Plätzen im Herzen Roms, in dem 1816 Rossinis Der Barbier von Sevilla uraufgeführt wurde, und, seit 1999, das ehemalige Industriegebäude Teatro India, das über zwei Bühnen mit je 300 Sitzen und mehrere offene Spielorte verfügt.
 


The Changeling
Der Zerfall

Von: Thomas Middleton und William Rowley

Premiere: 29. April 06

Regie: Declan Donnelian
Ausstattung: Nick Ormerod
Regieassistenz und Choreographie: Jane Gibson
Beleuchtung: Judith Greenwood
Musik: Catherine Jayes
Casting: Siobhan Bracke
Technische Leitung: Simon Bourne
Kostüme: Angie Burns
Produktionsfotograf: Keith Pattison
Regieassistenz: Owen Horsley
Produktion: Cheek by Jowl in Koproduktion mit barbicanbiteOG, Les Gemeaux: Sceaux: Scene Nationale, Grand Theätre de Luxembourg
Mit Unterstützung des British Council


Mit:

Alsemero:
Tom Hiddleston
Jasperino: Jotham Annan
Beatrice-Joanna: Olivia Williams
Diaphanta: Jennifer Kidd
Vermandero: David Collings
De Flores: Will Keen
Alibius: Jim Hooper
Lollio: Tobias Beer
Perdro/Franciscus: Philip McGinley
Antonio: Phil Cheadle
Alonzo: Laurence Spellman
Tomazo: Clifford Samuel
Isabella: Jodie McNee

Besprechung auf kulturfreak.de

Beatrice-Joanna ist in Alsemero verliebt, doch ihr Vater hat einen anderen als Ehemann für sie vorgesehen. Aus weiter Ferne verehrt auch der mißgestaltete De Flores die unberührbare Schöne, und er würde alles für sie tun - alles. Die verzweifelte Erbin bedient sich des entstellten Dieners, um ihren ungeliebten Bräutigam loszuwerden. In einer der erschreckendsten Szenen des englischen Theaters erscheint De Flores mit dem grausigen Beweis seiner Loyalität. Als Beatrice-Joanna ihn in Gold bezahlen will, besteht der besessene Diener darauf, daß er einen anderen Lohn erwartet hatte - die schöne Beatrice-Joanna selbst. Der berühmte Abstieg zur Hölle ist durchsetzt von Passagen unerwarteten Humors. Wahnsinnige und Geister bevölkern diesen verstörenden Thriller aus Horror, Sex und Tod.

The Changeling wurde von den Shakespeare-Zeitgenossen Middleton und Rowley geschrieben und ist eines der großartigsten Stücke in englische Sprache.

Declan Donnellan
Declan Donnellan ist einer der zwei Künstlerischen Leiter von Cheek by Jowl. Als Regisseur des Royal National Theätre hat er unter anderem Fuenteovejuna, Sweeny Todd und beide Teile von Engel in Amerika inszeniert. Als leitender Regisseur der Royal Shakespeare Company Academy hat er 2002 König Lear inszeniert. Er führte Regie bei Der Cid beim Festival in Avignon und bei Ein Wintermärchen am Maly Theater in St. Petersburg. 2000 gründete er eine Schauspieigruppe in Moskau. Zu ihren Arbeiten gehören Boris Godunow, Was ihr wollt und Drei Schwestern. Im Jahr 2003 schuf er am Bolschoi Theater sein erstes Ballett, Romeo und Julia. Er war der erste britische Regisseur am Bolschoi und der erste Schauspielregisseur seit 1938, der mit der Balletttruppe gearbeitet hat.
2001 erschien in England sein Buch The Actor and the Target (Der Schauspieler und das Ziel). Außerdem schrieb er das Drama Lady Betty, und er übersetzte die Stücke Man spielt nicht mit der Liebe von De Müsset, Antigone von Sophokles, Das Mandat von Erdmann und Maskerade von Lermontow ins englische.
Er hat Auszeichnungen in London, Paris, Moskau und New York erhalten, darunter den Olivier Award für Herausragende Leistungen, und er ist Chevalier de l'Ordre des Arts es des Lettres.

Cheek by Jowl
Cheek by Jowl wurde 1981 von Declan Donnellan und Nick Ormerod gegründet. Die Truppe erlebte in den 80ern einen kometenhaften Aufstieg und hat das Britische Theaters entscheidend mitbestimmt. Die ungewöhnliche Herangehensweise der Künstler unterscheidet Produktionen von Cheek by Jowl von allen anderen. Die Inszenierungen der Gruppe sind geprägt von einer Mischung aus lebendigem Erzählen, Musik und Gesang.
Zu den Produktionen von Cheek by Jowl gehören Maß für Maß, Die Herzogin von Malfi, Viel Lärm um nichts, Wie es euch gefällt und Othello. Neben ihren großen Erfolgen mit englischen Klassikern machte Cheek by Jowl die britischen Zuschauer auch mit internationalen Klassikern bekannt, mit Autoren wie Racine, Ostrowski, Lessing und Corneille, unter anderem mit den Stücken Der Cid und Es bleibt ja in der Familie. Außerdem zeigten sie Declan Donnellans Lady Betty.
Die Gruppe spielte bereits in 301 Städten in über 40 Ländern und 5 Kontinenten, und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen.
 


Ledarálnakeltüntem
Gehacktundverschwunden

Von: Viktor Bodö und Andräs Vinnai ' nach Der Prozeß von Franz Kafka

Premiere: 3. Mai 06

Regie: Viktor Bodö
Bühnenbild: Levente Bagossy
Kostüme: Krisztina Berzsenyi
Regieassistenz: Reka Budävari

Mit:
Erno Fekete, Péter Takátsy, Vilmos Vajdai, Vilmos Kun, Tamás Kerezstes, Ferenc Lengyel, Ervin Nagy, Eszter Ónodi, Zoltán Rajkai, Eva Olsavszky, Anna Szantner, Zoltán Tóth, Béla Mézsáros, Judit Rezes, Eszter Kiss

Besprechung auf kulturfreak.de

Der junge ungarische Regieshooting-Star und Autor Viktor Bodö vermischt in seiner Inszenierung Karneval und Parodie mit der Tragödie, flirtet manchmal mit dem Musical, und zeichnet das Bild einer trunkenen, unbeständigen und stets bedrohten Welt. Die Hauptfigur, Hr. Joseph K., wird verhaftet und glaubt an einen schlechten Witz, aber seine Richter sind verrückte Erotomanen, seine Kollegen paranoid, die Frauen armselig und diejenigen, die ihm helfen wollen, sind ebenso hilfsbedürftig wie er. Er weiß nicht, gegen wen oder gegen was er kämpfen soll, und während des gesamten Prozesses versucht er das, was stattfindet, zu verstehen - was sich als unmöglich erweist. Er steht vor dem Tribunal seines Daseins.
Kafka sagt, wenn er den Roman Der Prozeß seinen Freunden vorlas, mußte er oft lachen. Und dies ist auch das einzige, was K. tun kann, um sich zu verteidigen. Es gibt keinen Ausweg für ihn, die einzige Chance ist, aus dieser Welt zu verschwinden. Aber die Wachen sind stets auf der Hut...


Viktor Bodö
Victor Bodö wurde 1978 geboren. Er hat zunächst Schauspiel an der Budapester Akademie für Theater und Film studiert. Er beschäftigte sich ebenso mit Film wie mit Theater und lernte vor allem bei Arpäd Schilling (Nexxt und die Titelrolle in Brechts Baal). Zusätzlich studierte er Regie und beendete seine Ausbildung mit der Diplomarbeit Attack.

Katona József Szinház Theater
Das Katona Jözsef Szinhäz Theater ist eines der berühmtesten Theater Ungarns. Es finanziert sich hauptsächlich über Subventionen der Stadt Budapest. 1982 gründete eine Gruppe von Künstlern des Nationaltheaters unter der Leitung von Gabor Zsämbeki und Gabor Szekely eine eigene unabhängige Truppe, aus der schließlich das Katona entstand. Seit 1989 ist Zsämbeki der Direktor des Hauses. Gemeinsam mit den drei Regisseuren Gabor Mate, Tamäs Asher und Peter Gothär entwickelte er ein Repertoire, das das ungarische Theaters sehr stark verändert hat. Das Katona hat ein festes Ensemble und arbeitet darüber hinaus mit der Budapester Schauspielakademie zusammen, an der Zsämbeki einst studiert hatte und wo er heute unterrichtet. Das KJST ist international bekannt. Seine Produktionen sind auf Gastspielreisen in die Hauptstädte Europas und der Welt gegangen, und es wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Jede Spielzeit bringt das Theater sechs bis sieben Neuinszenierungen heraus, die im großen Saal des Katona oder in dem kleineren, mehr experimentellen Spielraum des Kamra Studio gezeigt werden. Das KJST ist Gründungsmitglied der Union des Theätres de l'Europe, und es hat deren zweites Festival ausgerichtet.
 


Cabelo Branco e Saudade: Fados
Weißes Haar ist Wehmut: Fados

Premiere: 6. Mai 06

Regie: Ricardo Pais
Musikalische Leitung: Diogo Clemente
Bühne und Kostüme: Nuno Carinhas
Licht: Joäo Coelho de Almeida
Ton: Pedro Santos
Regieassistenz: João Henriques

Koproduktion Teatro Nacional São João, Lado B - Producões Artisticas collaboration HM-Músicas


Fadistas: Argentina Santos, Celeste Rodrigues, Alcindo de Carvalho, Ricardo Ribeiro
Gitarre: Bernardo Couto
Geige: Diogo Clemente
Bass: Nando Araüjo

Besprechung auf kulturfreak.de

Verbergen sich hinter der weitverbreiteten, kommerzialisierten Form des Fado noch andere Möglichkeiten? Fado ist eine Musik, die sehr stark von seinen Interpreten abhängt - und wie viele von ihnen haben magere Jahre damit zugebracht, in alten Fadohäusern zu singen, wie viele nur gelegentlich eine richtige Bühne betreten, um dort die Besonderheiten ihres Stils zu demonstrieren? Wie haben Camane oder Ricardo Ribeiro - zwei große Ausnahmen des aktuellen, kommerziellen Stils - ihre sonderbare Technik, ihre unkorrumpierbare Haltung und ihre Unverwechselbarkeit gefunden? Bis vor einigen Jahren lebte Argentina Santos unbemerkt als Restaurantbesitzerin, Celeste Rodrigues verbrachte ihr Leben im Schatten einiger weniger Auftritte, und der Name Alcindo de Carvalho war ein wohlgehütetes Geheimnis. Ganz langsam beginnen nun auch sie, von den Einnahmen des Musikbetriebs zu profitieren, und jetzt ist die Zeit gekommen, sie zusammenzubringen und in all ihrer Reife und ihrer Weisheit zu präsentieren.

Diese Künstler haben nicht allein wegen ihres Alter weiße Haare, sondern auch, weil das Leben sie vernachlässigt hat. Wir wollen ihnen die Genugtuung verschaffen, gemeinsam mit einem jungen, 24jährigen auf der Bühne zu stehen, der die lyrische Tradition des Fado aufs neue belebt hat. Durch die Begegnung dieser unterschiedlichen Generationen erhalten die üblichen Themen, wie das „Vergehen der Zeit", „Liebe als Erinnerung" und „Musik als Befreiung aus der Ungewißheit des Lebens" neue Gültigkeit. Der Abend wird so zu einer Hommage an das nächtliche Leben in Lissabon und an den Fado, dieser ganz besonderen Art und Weise, darüber zu singen.

Ricardo Pais
Ricardo Pais wurde 1945 in Maceira Liz geboren. Laut seiner eigenen Erinnerung war sein erster Kontakt mit dem Theater die von seinem Vater geleitete Truppe „Grupo Cenico". Der junge Ricardo sah bei den Vorstellungen der Gruppe nicht nur zu, sondern war auch an ihnen beteiligt, wenn auch als Amateur. Zwischen 1964 und 1966, damals noch Jurastudent in Coimbra, arbeitete er zusammen mit dem Argentinier Victor Garcia als Schauspieler. Danach begann er ein Regiestudium am London Drama Centre, das er 1971 mit dem Diplom abschloß. Von 1968 bis 1974, während seiner Zeit in London, hatte er die Gelegenheit, eine große Zahl von Vorstellungen zu verfolgen, und ebenfalls in London brachte er auch seine erste professionelle Arbeit heraus, eine erotische Fantasie von Garcia Lorca. Zurück in Portugal arbeitete er ab 1974 mit der „Os Cömicos"-Truppe zusammen. Gemeinsam brachten sie einige Produktionen auf die Bühne, die von der Kritik sehr gut aufgenommen wurden. In den folgenden Jahren wurde er von zahlreichen Gruppen und Institutionen eingeladen. Seine Regiearbeiten zeigen die große Bandbreite seiner Interessen: Er verarbeitet Klassiker und portugiesische Autoren, fremdsprachige Texte des 20. Jahrhunderts und bekannte Meisterwerke des Theaters. Mehr noch: Viele seiner Inszenierungen entstehen aus Texten, die gar nicht für das Theater geschrieben wurden, unter anderem Werke aus der portugiesischen Literaturtradition von Aquilino Ribeiro, Fernande Pessoa und Antönio Vieira. Darüber hinaus läßt er sich von Tanz, Oper und Musiktheater inspirieren. Die Vielfalt seiner Experimente zeigt, daß Pais stets mehrere Bühnensprachen gleichzeitig verwendet. Dies brachte ihn dazu, die jeweiligen Codes neu zu erfinden und führte zu einer Inszenierungsweise, die viele verschiedene Einflüsse aufgreift, insbesondere die der neuen Technologien. Dies resultierte in einer Verschmelzung der Arbeitsweisen des Theaters, die darauf zielt, die einzelnen Mittel miteinander zu verbinden und sie nicht nur nebeneinander her laufen zu lassen. Die kraftvollen szenischen Metaphern, die akustischen und die visuellen Landschaften, die Ricardo Pais im Laufe seiner Karriere erschaffen hat, entstehen durch das Arrangement von Körper und Bewegung, Raum und Bild, Stimme und Klang. Sie erforschen die Sprache und ihre Wirkung und stellen den Schauspieler in den Mittelpunkt, dessen Ausdruck zwischen Körperlichkeit und Abstraktion wechselt.

Neben seiner kreativen Arbeit als Regisseur war er stets auch ein Lehrer und Kulturmanager. Er arbeitete als Berater für das Portugiesische Kultusministerium und als Direktor für das TNSJ von 1995 bis 2000, und dann wieder seit 2002. Er leitete das Ponti-Festival 1997 und 1999, und außerdem im Jahr 2004, als es das 13. Festival der Union des Theätres de l'Europe ausrichtete.

Teatro Nacional Säo Joäo
Das Teatro Nacional Säo Joäo ist eines von zwei Nationaltheatern in Portugal. Es hat zwei Spielorte in Porto: Das Theater am Batalha Platz und das Teatro Carlos Alberto. Es bringt pro Spielzeit 4-5 eigene Inszenierungen heraus und koproduziert und spielt etwa 12 weitere. Seit 1 996 ist der Regisseur Ricardo Pais der Direktor des Theaters (es ist bereits seine zweite Amtszeit), während Nuno Cardoso, ebenfalls Regisseur, der künstlerische Leiter des Teatro Carlos Alberto ist.
Das TNSJ hat kein festes Ensemble, sondern arbeitet mit vielen verschiedenen portugiesischen und ausländischen Regisseuren und Schauspielern zusammen. Das Theater - das stets mit den Mitteln der Avantgarde experimentierte, um ein Publikum von heute anzusprechen - zeigt sowohl klassische als auch zeitgenössische Stücke, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Neuen Portugiesischen Drama. Seit 1997 veranstaltet es das Internationale Festival PONTI-Porto.Natal.TeatroJnternacional. 2004 war es der Spielort des 13. Festival der Union des Theätres de l'Europe. Im Laufe der Jahre haben zahlreiche international bekannte Künstler an dem Festival teilgenommen: Peter Stein, Bob Wilson, Eimuntas Nekrosius, Giorgio Barberio Corsetti, Romeo Castellucci, Jeröme Deschamps, Fran£ois Tanguy, Thomas Ostermeier.
 

www.schauspielfrankfurt.de      www.ute-net.org
(externe Links)

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