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Show: Afrika! Afrika!

André Heller brachte Afrika! Afrika! nach Deutschland

Ein Projekt von: André Heller

Regie und Choreographie: Georges Momboye
Produktion: Matthias Hoffmann für die Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG

Weltpremiere: 14. Dezember 05 (Frankfurt/Main)

„Den Kontinent des Staunens“, eine Welt leuchtender Farben, betörender Düfte und Rhythmen, das wiedererwachende Afrika, seine sinnliche Kraft, seinen Hunger nach Zukunft, die Traditionen und die Kreativität fremder Kulturen will Afrika! Afrika!, die neue Show von André Heller, zeigen.

Nach der Weltpremiere am 14. Dezember 2005 in Frankfurt am Main sind 2006 weitere Gastspiele in Hamburg, München, Berlin, Düsseldorf sowie 2007 in Wien, Stuttgart, Zürich, Basel, Köln und Hannover geplant. Über zweitausend Zuschauer können die Show bei jeder Vorstellung erleben.

Zu sehen ist eine völlig neue Art von Zirkus, ein furioses Theater, das unter der Schirmherrschaft der UNESCO steht. Afrika begegnet uns auf ungewohnte Weise, voller Lebensfreude, mit faszinierenden Tänzen, mit Musik und atemberaubender Akrobatik und Artistik. Kreative Sinnlichkeit vermittelt aber nicht nur das Zirkustheater mit mehr als 120 Musikern, Tänzern, Artisten und Akrobaten, sondern auch das eigens dafür geschaffene Ensemble maurisch anmutender Zeltpaläste. 25 Meter, höher als alle Zirkuszelte, die jemals in Europa standen, erhebt sich das Chapiteau. Innen ist es bunt bemalt und mit Teppichen ausgelegt, überdachte Gänge führen in ein Café Africain und durch den afrikanischen Markt sowie in eine Galerie zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Zur erklärten Absicht von Afrika! Afrika! gehört das Engagement für den aufstrebenden Kontinent. Ein Euro jeder verkauften Eintrittskarte – der „Afrika-Euro“ – fließt in einen Fond, aus dem in Zusammenarbeit mit der deutschen Kommission der UNESCO sowie dem Goethe-Institut ausschließlich kulturelle Unternehmungen gefördert werden.

Mehr Informationen unter www.afrika-afrika.com!

Besprechung der Show



Foto: Afrikanischer Zirkus GmbH & Co. KG

Die sinnliche Entdeckung Afrikas - Ein magisches Zirkusereignis vom Kontinent des Staunens.
Fast zwei Jahre lang sind André Hellers Mitarbeiter in Afrika unterwegs gewesen. Zwischen Mali und Marokko, zwischen Ägypten und Südafrika, an allen Küsten und im Landesinneren sowie in der afrikanischen Diaspora haben sie faszinierende Künstler gefunden; Tänzer, Artisten, Musiker, Exzentriker und Akrobaten, die ihre Zuschauer mit Tempo, Energie und dem Ausdruck überschäumender Lebensfreude verführen. Ihr Zirkustheater  will ein „sinnliches Vergnügen für Kinder und Erwachsene, für Arbeiter und Intellektuelle“ bieten.

Bisher kannte man den Zirkus europäischer Herkunft mit Tiernummern, Hochseilakten, Zauberern und Clowns. Auch die russische Zirkuskunst ist uns unterdessen vertraut. Und André Heller selbst eröffnete dem westlichen Publikum 1986 die Welt des Chinesischen Zirkus. Jetzt, am 14. Dezember diesen Jahres, wird er Afrika! Afrika! erstmals in Frankfurt am Main präsentieren. Künstlerische Darbietung in höchster Vollendung und artistischer Mut verbinden sich dabei mit Freude und Begeisterung der Darsteller; nicht zuletzt dadurch, durch den selbstbewussten Gestus sprühender Lebenskraft, wird sich dieser Zirkus von anderen abheben. Was die Artisten trotz der verschiedenen Stile verbindet, ist die Stimmung des Aufbruchs. In ihrem Ensemble, in „einer unübertrefflich schönen Parade der Wunder“, offenbart sich die kreative Kraft des Kontinents.

Mehr als einhundertzwanzig afrikanische Künstler und Akrobaten sind an der Show beteiligt. Viele von ihnen kommen aus drei afrikanischen Zirkusschulen, die Kooperationspartner dieses Projektes sind. Mit der materiellen und logistischen Unterstützung der Afrikanischen Zirkus GmbH & Co. KG entwickeln sie aus ihrer Kultur heraus die Beiträge für das Programm André Hellers.

Aufgeführt wird keine Folklore, sondern moderne afrikanische Kunst, in der die große Kulturtradition aufgehoben ist. Dafür steht insbesondere der in der Pariser Diaspora lebende Choreograph Georges Momboye. In seiner Hand liegt ein Großteil der Inszenierung. Neben der Artistik bestimmen vor allem die Masken- und Kostümwelten, die Musik und der Tanz das Manegenereignis. Verbunden ist es überdies noch mit einem einmaligen Raumerlebnis.

Auch der maurisch anmutende Zeltpalast, seine phantasievoll bemalten Innenwände und der mit Berberteppichen belegte Fußboden gehören zum Gesamtkunstwerk des reisenden Theaters. Wer es besucht, kann für Stunden in eine andere Welt eintauchen. Zu erleben ist sie während der Darbietungen sowie in den Pausen – im afrikanischen Café oder auf dem afrikanischen Markt mit den schweren Aromen exotischer Ferne. Manches davon mag unseren phantastischen Vorstellungen und mythischen Traumbildern entsprechen, anderes wirkt dagegen ausgesprochen überraschend. Ungewöhnliches zeigt eine zeitgenössische Galerie. Auch in ihr wird ein für die meisten neues Afrikabild zu sehen sein. Wie der Tanz und die Musik gehört die Bildende Kunst zu den Ausdrucksformen, in denen sich die Afrikaner vornehmlich kontinental und weniger national verstehen.

So wie das Zirkustheater durch die Unterstützung der Zirkusschulen gleichsam aus Afrika heraus entwickelt wird, will es auch mit einem Teil seiner Einnahmen nach Afrika zurückwirken. Ein Euro von jeder verkauften Eintrittskarte fließt in einen Hilfsfond, aus dem ausschließlich kulturelle Projekte gefördert werden. Damit soll das Bemühen der Afrikaner unterstützt werden, sich mit ihrer kulturellen Identität, ihrem Zukunftsanspruch internationale Geltung zu verschaffen. Durch die UNESCO wurde dieses Engagement anerkannt, indem sie die Schirmherrschaft für Afrika! Afrika! übernommen hat. Mit dem Goethe-Institut e.V. besteht eine Kooperationsvereinbarung über die Entwicklung und Betreuung von Kulturprojekten in Afrika. Schon in der Phase der Vorbereitung hatte Doudou Diène, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, seine Sympathie für Afrika! Afrika!, das neue Vorhaben André Hellers, bekundet.
 


Darbietungen, Künstler und Artisten:

Tänzer und Tänzerinnen

von der Elfenbeinküste: Jean-Luc Zeze, Simon Pierre Guiro, Meghhé Fabrice Zouzouko, Marthe Josiane Yacke

aus Südafrika: Thabo Jele, Keolebogile Coka, Jeremia Segongwana Lekgetho, Elliot Mohlamme, Tshegofatso Mafojane, Thembinkosi Simon Tshabalala, Thabo Tolo, Clive Madlala

aus dem Senegal: Khady Gueye, Ndickou Mbaye, Ndeye Timbane Diaw, Amdy Moustapha Ngom, Samba Ndiaye, Mingue Sonko, Mamadou Aliou Ba

aus Guinea: Moussoukorro Bangoura, Yarie Camara, Aminata Sano, Hadj. Mamadou Tahirou Diallo, Abdourahamane Sanoh, Balla Samen Tanen Kouyaté, Ansoumane Soumah



Breakdancer von den Antillen, Cap Verde und Haiti: Claude Gabriel, Horta de Sousa, Franz Cadiche, Julien Saint Maximin, Zoubir Chibibi

Seiltänzer aus Kolumbien: Jhoana Andrea, Mosquero Murillo, Genit Gustavo Ortiz Mesa, Luis German Sallo Lopez, Jefferson Steven Sallo Chavarro, Carlos Yesid Mesa Ordonez, Dixi Willington Meza Vidal, Darlington Mesa Ortiz, Noe Franco Valencia, Yhon Armed Mendez Serpa

Ball-Jonglage aus Äthiopien: Abdurazak Reshid Adem

Wasserartistik von der Elfenbeinküste: Dickson Oppong

Tanz und Akrobatik aus Gabun: Bethel Wolfgan Mbaba, Patrick Gervais Nze, Fabrice Bertier Boundzanga, Brice Nzikou Ilagou, William Eric Farrel Ndemezo, Paterne Olende, Pierre Claude Otsaghe-Aboghe, Léon Max Nze Zomo, Claude Francoise Itsounga, Yvon Serge Nziengui Mouloungui

Menschenpyramide, Stangenballett und Tumbling aus Tansania und Äthiopien: Salim Ibrahim Saidi, Omary Ramadhani Omary, Halfan Ibrahim Saddi, Fadhili Ramadhani Rashidi, Haidari Daudi Shemahonge, Eddx Natus Edward John, Edward Faraji Mussa, Humphrey Mushumbusi Daudi, Kayamba Ally Mgawe, Innocent Mathew Ratachunzibwa, Nelson Patrick Tibu, Rashid Hamis Rashid, Vicent Richard Kayewa, Ayalen Girma Tseha, Adem Endris Yemam, Girum Getachew Kebede

Balanceakt aus Kenia und Tansania: Mary Romuald Materego, Mariam Juma Msemakweli

Solo-Kontorsion aus Südafrika: Lunga Nokulunga Buthelezi

Doppel-Kontorsion aus Äthiopien: Leyon George Gudeta, Frehiwot Addis Desalegn

Gnawa aus Marokko: Dhibi My Tayeb, Khalmous Mahjoub, Ameur Yasine

Strapat aus Martinique: Jean-Claude Belmat

Schwertjonglage aus Ägypten: Mohamed El Nouby, Ehab Wasfy

Einradvirtuosen: Derek Livingston, Antwone Cox, Kaseem Alamudeen, Harvest Harrison, Marcus Koch, Malik Alamudeen, Donnell Livingston, Ramel Robinson, Leonard Lynch

Körperexzentrik aus Angola: Makaya Dimbelolo

Das Orchester mit Musikern aus Guinea, Südafrika, dem Senegal und Gambia: Christian Templet (Schlagzeug), Kaba Kouyaté (Balofon), Willie Virimuje Mbuende (Bass Gitarre), Birame Mboup (Percussion), Ibrahima Kouyaté  (Percussion), Ibrahima Camara (Percussion), Morris Mashishi (Trompete), Xolisile Thokozane Nkosi (Keyboard), Themba Dumisani Sikhosana (Gitarre), Baba Galle Kanté (Querflöte), Tata Dindin (Chora) unter der Leitung von William Ramsey, Ntombifuthi Pamella Mhlongo (Sängerin/Südafrika), Themba Maxwell Mntambo (Sänger/Südafrika)


Der Afrika-Euro - Ein ungewöhnlicher Beitrag zur Entwicklungshilfe
Von Anfang an bestand zwischen André Heller und dem Produzenten Matthias Hoffmann Einigkeit darüber, dass ihr gemeinsames Projekt das solidarische Engagement für Afrika einschließen muss, und zwar schon in der Phase der Showentwicklung. Dabei sollte es nicht nur darum gehen, Geld zu überweisen, sondern Afrika aktiv einzubinden. Man wollte nicht nur international renommierte Künstler wie den Choreographen Georges Momboye verpflichten, sondern zugleich auch Ausnahmetalente suchen, die für den Zirkus eine besondere Ausbildung erhalten. Deshalb wurden Kooperationsvereinbarungen mit drei afrikanischen Zirkusschulen geschlossen. In allen drei Fällen leistet die Afrikanische Zirkus GmbH & Co. KG logistische sowie finanzielle Hilfe. Das Ziel dieser Unterstützung über die unmittelbare Zusammenarbeit hinaus ist es, einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung und Festigung der afrikanischen Kulturindustrie zu leisten. Schon frühzeitig stieß diese Idee auf das besondere Interesse Doudou Diènes, des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Im August diesen Jahres erklärte dann auch die UNESCO in Paris, dass sie die Schirmherrschaft für Afrika! Afrika! übernimmt. Diese Verpflichtung und Auszeichnung zugleich gilt einem Unternehmen, das einen Teil seiner Einnahmen wieder nach Afrika zurückführen will. Ein Euro von dem Erlös jeder verkauften Karte – der „Afrika-Euro“ – fließt in einen Hilfsfond, der ausschließlich der ansonsten weniger beachteten Kulturförderung zur Verfügung stehen wird.

Praktisch umgesetzt wird dieses Vorhaben mit Beratung der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. sowie in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut e.V.. Mit ihrer fachlichen Kompetenz und der Präsenz in Afrika bieten die Partner Gewähr für die sachkundige Auswahl und Begleitung der Fördervorhaben, die ausschließlich afrikanischen Interessen, nicht der Umsetzung europäischer Afrikavorstellungen dienen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten möchten die Initiatoren von Afrika! Afrika! über ihr eigenes Vorhaben hinaus zur Bewahrung und Vermittlung der Vielfältigkeit afrikanischer Kulturen beitragen.
 

 


Foto: Afrikanischer Zirkus GmbH & Co. KG

Die Zeltpaläste - Eine afrikanische Installation
Zum Erlebnis des Zirkustheaters Afrika! Afrika! gehört auch der Raum, in dem es gezeigt wird. Die Zeltpaläste sind Teil der Show. Angelehnt an maurische Vorbilder, wollen sie den Besucher schon mit ihrer äußeren Gestalt einstimmen. Entworfen wurden sie nach Ideen André Hellers; die aufwendige Herstellung hat der weltweit bekannteste Zirkuszeltbauer CANOBBIO in Italien übernommen. Statik und Konstruktion werden mit modernster Computertechnik errechnet. 25 Meter hoch erhebt sich das Chapiteau, höher als jedes Zirkuszelt, das bisher in Deutschland stand. Über zweitausend Besucher können darin Platz finden. Umgeben sind sie von phantastischer Ornamentik. Die Stilisierung afrikanischer Motive schmückt die Innenseite der Zeltwände, die Böden sind ausgelegt mit Teppichen im Berberstil. Der Raumeindruck will mit den Bildern in der Manege verschmelzen, sich spiegeln in den Kostümen.

Fortgesetzt wird dieses räumliche Afrikaerlebnis überdies in den angrenzenden kleineren Zeltpalästen. Durch überdachte Gänge mit dem Chapiteau verbunden, bieten sie Platz für das Café, die Galerie und den Souk. Ein Bankettzelt, das 400 Gäste fasst, kann für Events, Firmenveranstaltungen oder private Feiern gemietet werden. In den Pausen sollen die Gäste durch diese einmalige Zeltlandschaft wandern, eingehüllt von den exotischen Aromen der afrikanischen Küche.

Eine afrikanische Reise: die Kunstausstellung im Zirkus
Mit dem Ensemble ihrer Objekte widmet sich die Ausstellung dem Thema der Reise, inspiriert durch die Anbindung an den umherziehenden Zirkus. Stets unterwegs, impliziert er Wanderung und Bewegung, den nomadischen Lebensstil. Mit seinen Aufführungen und Veranstaltungen ist der Zirkus eine Arena der Aktivität und Veränderung, ein performativer Ort. Ein Ort wie Afrika, ein Kontinent, der sich in rasender Geschwindigkeit verändert und dessen Bewohner sich im Prozess der Transformation befinden.
Die ausstellenden Künstler sind aus den unterschiedlichsten afrikanischen Ländern, aus Kamerun, dem Senegal, Nigeria, Ghana, Algerien und Benin. Sie leben in Afrika und der Diaspora. Sie alle kennen die teils frei gewählte, teils durch Migration bedingte Reise zwischen den Welten, sie alle sind heute Vermittler der Kulturen. Ihre Arbeiten sind geprägt von den eigenen Erfahrungen und weisen Merkmale kultureller Hybridität auf. Dabei stellt sich die Reise symbolisch immer wieder anhand von Fortbewegungsmitteln dar.
Sokari Douglas Camp schafft afro-futuristische Wagen und Schiffe. Boubacar Touré Mandémory, der selbst lange mit Karawanen gezogen ist, zeigt sich in seinen Fotografien fasziniert vom Hauptfortbewegungsmittel der Afrikaner, den Füßen. Zinkpè installiert ein anderes Transportmittel: die in viele Teile der Welt exportierten, mit ortsspezifischen Dingen voll beladenen Sammeltaxis. Philip Kwame Apagya hingegen ermöglicht die für viele Afrikaner ein Wunschtraum bleibende Reise in ferne Länder: Vor den Kulissen der Studiofotografie kann sich jeder in den pulsierenden Metropolen der Welt portraitieren lassen. Wie schon Paul Virilio sagte, ist jede Reise ein kleiner Tod. Nicole Guiraud und Barthélémy Toguo zeigen die Stigmata des Reisens, die Flucht, das Exil und die Heimatlosigkeit. Ein Tod, dem häufig das blühende Leben folgt.

Die Kunstausstellung findet statt in einem der vielen Zeltpaläste. Die Zeltlandschaft ist in Anlehnung an maurische Vorbilder gestaltet und stellt, als räumliches Afrikaerlebnis, einen Teil der Show von AFRIKA! AFRIKA! dar.


André Heller - Der Initiator
A
ndré Heller wurde 1947 in Wien geboren. Er zählt zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Multimediakünstlern der Welt. Seine Verwirklichungen umfassen Gartenkunstwerke, Wunderkammern, Prosaveröffentlichungen und Prozessionen ebenso wie die Erneuerung von Zirkus und Varieté, Millionen verkaufter Schallplatten als Chansonnier eigener Lieder, große fliegende und schwimmende Skulpturen, den avantgardistischen Vergnügungspark Luna Luna, Filme, Feuerspektakel und Labyrinthe sowie Theaterstücke und Shows, die vom Broadway bis zum Wiener Burgtheater, von Indien bis China, von Südamerika bis Afrika ihr Publikum fanden.

Einige Verwirklichungen:
Ab 1964  Prosa, Lyrik und Lieder
1965-1967 Schauspieler an Wiener Avantgarde-Bühnen
1967 Gründungsmitglied des österreichischen Radiosenders Ö3
1967-1971 Co-Autor der TV-Samstag-Hauptabendkultsendung „Wünsch Dir was“
1968-1983 15 Langspielplatten als Chansonnier eigener Texte und teilweise eigener Musiken, neun internationale Konzerttourneen sowie zwölf abendfüllende eigene Fernsehshows als Entertainer
1972 90minütiger TV-Film „Wer war André Heller? Ein Nachruf zu Lebzeiten“
1972 „King-Kong-King – Mayer-Mayer-Ling“ – ein Stück Theater, Eröffnungspremiere der Wiener Festwochen
1976 Gemeinsam mit Bernhard Paul Gründung des „Zirkus Roncalli“
1976-1981 Hauptrollen in diversen internationalen Kinofilmen, u. a. in Hans Jürgen Syberbergs „Hitler“, Radu Gabreas „Fürchte Dich nicht Jakob“ und „Doktor Faustus“ von Johannes Schaaf
1978 „Menschen am Zentral“ – Dokumentarfilm über das Leben am Wiener Zentralfriedhof
1981-1982  „Flic Flac“ – ein poetisches Varieté, Europatournee
1983   „Teatro de Fogo“ in Lissabon
1984   „Feuertheater“ vor dem Berliner Reichstag
1985 „Misstraue der Idylle“ – Blumenbild für die internationale Gartenschau in Berlin
1985-1986 „Begnadete Körper“ – Großmeister der Akrobatenschulen von Anhui und Beijing, Europatournee
1986-1987 „Flying Sculptures“ über 20 Städten Europas, 32 Städten Amerikas und sieben Städten Asiens
1987 „Luna Luna“ – ein poetischer Vergnügungspark und reisendes Territorium zeitgenössischer Kunst
1988 Fondazione André Heller „Giardino Botanico“ in Gardone Riviera
1989-1997 „André Hellers Inszenierung des Chinesischen National-zirkus“, Welttournee
1991 „Jagmandir. Das exzentrische Privattheater des Maharana von Udaipur“, Indien
1991 „Versinkende Riesin“ – Blumenskulptur mit Brunnen im Schlosspark von Schönbrunn, Wien
1992 „Bambus-Mann“ – eine 55 Meter hohe schwimmende Skulptur im Hafen von Hongkong
1992 Gemeinsam mit Bernhard Paul Eröffnung des Theaterbaues „Wintergarten Varieté“ in Berlin
1993-1994 „Sein und Schein“ am Wiener Burgtheater
1993-1994 „Magneten“ – charismatische Roma- und Sintimeisterinnen und -meister weltumspannender Zigeunerkultur, Europatournee
1995 „Kristallwelten“ – Landschaftsinszenierung sowie Sammlung unterirdischer Erlebnisräume für Swarovski, Wattens, Tirol, mittlerweile zweiterfolgreichste Fremdenverkehrsattraktion Österreichs nach dem Schloss Schönbrunn in Wien
1997 „Der stumme Prophet“ – Lichtskulptur in Ait Ben Haddou, Marokko
1998 „Meteorit“ – ein Ort des Staunens, Wunderkammern zum Thema Energie für das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk, Essen
1998 Gestaltung der 24-bändigen Luxusedition „Brockhaus 2000“
1999 „Voices of God“ – ein Ereignis mit spirituellen Sängern, Musikern und Tänzern aus zwölf Kulturen, Marrakesch
2000 Gestaltung des World-Wildlife-Fund-Pavillons für die EXPO 2000, Hannover
2000 Inszenierung der erfolgreichen Schlussbewerbung des Deutschen Fußballbundes für die WM 2006, Zürich
2002 „Im Toten Winkel“ – Dokumentarfilm, gemeinsam mit Othmar Schmiderer, über Hitlers Sekretärin Traudl Junge, Publikumspreis der Berlinale 2002, großer Preis des Filmfestivals von Chicago 2002
2002 „Im Herzen des Lichts“ – ein von André Heller erdachter und inszenierter Mythos mit 16 Primadonnen aus unterschiedlichen Kulturen, verfilmt von Pepe Danquart
2002 „Erwartung / La Voix Humaine“ – Inszenierung der beiden Opern von Schönberg und Poulenc mit Jessye Norman, aufgeführt im Pariser „Théâtre du Châtelet“ mit anschließender Japan-Tournee
2003 „Fußball-Globus“ – das reisende Konsulat für die FIFA-WM 2006
2003 „Ruf und Echo“ – neue Lieder und Interpretationen alter Werke durch Künstler wie Xavier Naidoo, Thomas D, Brian Eno und The Walkabouts
2004-2005 „Ich leb’ allein in meinem Lied“ – Filmdokumentation über die Primadonna Absoluta Jessye Norman in Zusammenarbeit mit Othmar Schmiderer
2005 „Swarovski Kristallwelten“ – Erweiterung der Wunderkammern der Swarovski Kristallwelten nach über sechs Millionen Besuchern
2005 Präsentation des Kunst- und Kulturprogramms der deutschen Bundesregierung zur FIFA-WM 2006

Bisher 14 Buchveröffentlichungen, unter anderem die Erzählbände „Die Ernte der Schlaflosigkeit in Wien“, „Auf und Davon“, „Schlamassel“, „Als ich ein Hund war“, der Roman „Schattentaucher“, der Gedichtband „Sitzt ana, und glaubt, er is zwa“ (gemeinsam mit Helmut Qualtinger) sowie die Bildbände „Jagmandir – Traum als Wirklichkeit“ und „Die Zaubergärten des André Heller“.

Zahlreiche internationale Preise. Über André Hellers Verwirklichungen und Pläne wurden 21 TV-Dokumentationen gedreht, u. a. von Werner Herzog, H.J. Syberberg und Elsa Klentsch.

André Heller lebt in Wien, der Lombardei und auf Reisen.
 

Doudou Diène
Der Repräsentant der UNO

Seit 2002 ist der 1941 im Senegal geborene Doudou Diène Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Zuvor, von 1993 bis 2002, war er für die interkulturellen und interreligiösen Projekte der UNESCO verantwortlich. Von daher rührt auch sein Interesse an André Hellers AFRIKA! AFRIKA!-Projekt, da es sich in sein ganz persönliches Bemühen um den Erhalt der kulturellen Vielfalt einfügt. Die Gefahr eines unterschwellig fortwirkenden Rassismus hat er ebenso früh erkannt wie die Bedrohung der kulturellen Vielfalt durch die unreflektierte Globalisierung. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit ist deshalb der Einsatz für die Erziehung der Kinder zu Toleranz und kulturellem Selbstbewusstsein.


Georges Momboye
Der Choreograph

Der von der Elfenbeinküste stammende Georges Momboye zählt nicht nur in Frankreich, wo er heute überwiegend lebt, sondern weltweit zu den führenden Vertretern des afrikanischen Tanzes. Als Enkel eines Stammeshäuptlings, zu dessen Aufgaben Zeremonien und Tanzrituale gehörten, war der Tanz seit Momboyes Kindheit für ihn selbstverständlicher Teil seines Lebens. Im Nationalballett der Elfenbeinküste studierte er später neben afrikanischem Tanz auch zeitgenössisches Ballett und Tanzformen des Jazz. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem Alvin Ailey, Brigitte Matenzi, Rick Odums und Gidèle Houri. Das kreative Verschmelzen afrikanischer Einflüsse mit der westlichen Moderne faszinierte ihn so sehr, dass er nach New York und schließlich nach Paris ging, wo er 1992 seine eigene Company gründete. In ihr arbeiten Artisten, Musiker und Tänzer afrikanischer Prägung mit Vertretern moderner Dance Companies zusammen. Seit Jahren gibt Georges Momboye die dabei gesammelten Erfahrungen auch in internationalen Workshops weiter. Mit einigen seiner Inszenierungen hat er unterdessen die Opernbühnen erreicht. Im Jahr 2002 choreographierte er im Auftrag von Radio France Zoltan Kodalys Oper „Harry Janos“. Für das Projekt AFRIKA! AFRIKA! entwickelte er eine Choreographie, bei der sich Tanz und Artistik in hohem Tempo verbinden.


Edo Zanki

Schon als 14Jähriger spielte der 1952 im  jugoslawischen Zadar geborene Musiker in der Band seines älteren Bruders. Gemeinsam mit ihm schrieb er einige Jahre später erste Songs für Joy Fleming und Peter Horton. Eine erste LP entstand 1977. Wenig später fand Tina Turner Gefallen an Edo Zankis Album und präsentierte die englische Version eines seiner Lieder. In dieser Zeit trat Zanki zusammen mit Stars wie Nina Hagen, Udo Lindenberg und The Who auf. Außerdem arbeitete er als Komponist, Musiker oder Produzent mit Wolfsmond, Milva, Ina Deter und Herbert Grönemeyer sowie mit Michael Hoffmann und Nino de Angelo. Als musikalischer Leiter von AFRIKA! AFRIKA! möchte er „die urbane, zeitgenössische mit der traditionellen afrikanischen Musik verbinden, ohne dass die stilistischen Charakteristika dabei verschliffen werden. Denn erst bei der Beschäftigung mit der afrikanischen Musik“, sagt er, sei ihm „bewusst geworden, wie viele der Musikstile der Welt ihren Ursprung in Afrika haben.“


William Ramsay

Seit er Südafrika 1984 wegen des damals herrschenden Apartheid-Regimes verlassen musste, hat der 1959 in Port Elisabeth geborene Musiker an vielen Orten der Welt gelebt. Nach der Fortsetzung seines Studiums in Los Angeles arbeitete er unter anderem in Simbabwe und London, bis er 1988 nach Berlin ging, wo er an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ das Programm „Weltmusik“ mit den Schwerpunkten afro-kubanischer, afro-brasilianischer und afrikanischer Musik begründete. Als Saxophonist, Komponist, Bandleader und Arrangeur hat er mit John Tchicai, John Heard, Tommy Gryce, Pandit Kamalesh Maitra, Roscoe Mitchell, Duke Makase, Lulu Gontsana, Jethro Sasha, Fernando Perreira und Bocato Jr. zusammengearbeitet.
Für seine Kompositionen von Filmmusik wurde er 1991 mit dem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet. Die Arbeit als Bandleader für AFRIKA! AFRIKA!, sagt William Ramsay, sei „eine besondere Herausforderung“, da er „die Stile und Vorstellungen von vierzehn hochbegabten Künstlern aus den verschiedensten Kulturbereichen Afrikas verbinden“ müsse.


ART for ART

Traditionen und Mythen Afrikas sowie die überbordende Kreativität des Kontinents spiegeln sich auch in der phantastischen Vielfalt wundervoller Kostüme. Die farbenprächtigen Stoffe kommen zu einem großen Teil aus verschiedenen Gegenden Afrikas, viele Gewänder wurden von Hand bemalt. Ungewöhnliche Kreationen riesigen Kopfschmuckes und geheimnisvolle Masken tragen viele Darsteller. Die Entwürfe dafür entstanden in Anlehnung an afrikanische Originale nach Ideen von André Heller. Verwirklicht wurden sie von der Kostümbildnerin Susanne Schmögner und Annette Beaufays, der Leiterin der Kostümwerkstätten von ART for ART in Wien. Das renommierte Unternehmen, in dem 430 künstlerische und handwerkliche Mitarbeiter beschäftigt sind, ist der wichtigste Ausstatter der größten Bühnen Österreichs und bedeutender Häuser im Ausland. Das Burgtheater und die Wiener Staatsoper gehören ebenso zu den Kunden wie die Oper Madrid oder die MET in New York. Die großen Inszenierungen André Hellers sind immer wieder und nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit ART for ART entstanden. Besonders mit Annette Beaufays verbindet den Künstler ein langjähriges Vertrauensverhältnis, von dem AFRIKA! AFRIKA! profitieren konnte.

Nicht weniger auffällig als die phantastischen Kostüme sind die märchenhaft anmutenden Tierdarstellungen der Show. Geschaffen wurden sie von der Firma ART DECO in Bukarest. Seit über zehn Jahren ist das rumänische Unternehmen darauf spezialisiert, komplette Bühnenwerke für Theater- und Opernhäuser in aller Welt zu bauen. Zu den Referenzen zählen unter anderem die Eröffnungs- und Abschlussfeierlichkeiten der Olympischen Spiele 2004 in Athen, die Ausstattung der Musicals Cats, Tanz der Vampire, Grease, Die Schöne und das Biest sowie zahlreiche weitere Projekte. Für das magische Zirkusereignis AFRIKA! AFRIKA! hat ART DECO nach Entwürfen von André Heller einzelne afrikanische „Tierfiguren“ hergestellt, also Tierkostüme, in denen Tänzer und Artisten auftreten werden.