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Besprechung: Show & Event (4)

Szenischer Liederabend: No Love No Fear
Staatstheater Mainz (Koproduktion im Rahmen der Hessischen Theaterakademie zwischen der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, dem Staatstheater Mainz und dem Staatstheater Darmstadt)
Besuchte Vorstellung: 12. März 16 (Premiere)

Einer bereitet sich gerade ein Spiegelei zu, andere sind mit Nordic Walking oder Rollschuhlaufen beschäftigt, da werden sie von einer außerirdischen Macht in ein fernes Kraftfeld versetzt, dem sie nicht entfliehen können. Neun junge Menschen, vier Männer und fünf Frauen, sind ab jetzt verdammt zu singen und zu musizieren, was das Zeug hält. Nur so können sie der fremden Macht, die sich ausschließlich per Stimme meldet, das absolute Lieblingslied bieten und damit diese ins Glück und sich selbst in die Freiheit singen.
Dies ist der äußere Rahmen für den szenischen Liederabend „No Love No Fear“, bei dem sich der dritte Ausbildungsjahrgang Schauspiel der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst dem Publikum präsentiert (Gesang ist zwar nicht Schwerpunkt der Ausbildung, gehört für eine ordentliche Schauspielausbildung aber auch dazu). Gespielt wird im Kleinen Haus des Staatstheater Mainz. Hierfür wurden die Sitzreihen im Parkett entfernt. Diese Fläche dient als Bühne, die eigentliche ist durch den Eisernen Vorhang verschlossen. Innerhalb des sie gefangen haltenden Kraftfelds stehen ihnen lediglich große Gymnastikbälle und eine Steh-Bar zur Verfügung. Zusammen mit den bunten, an frühe Science-Fiction Filme anmutende Kostümen und dem Dreiecksmuster auf dem Boden, wirkt die Szenerie durchaus etwas außerirdisch (Ausstattung Elena Thirza Rachel Herold). Im Programmheft wird jeder Darsteller mit seinem Avatar genannt, diese Titulierung ist angelehnt an die selbst ausgewählten Lieblingslieder.
Der an der rechten Seite am Klavier sitzende Bühnenmusiker Günter Lehr hat gemeinsam mit Regisseur Jens Poth diesen Liederabend entwickelt. Fünf der Darsteller sind so musikalisch, dass sie zusätzlich als Band teilweise die Lieder begleiten.


No Love No Fear
Staatstheater Mainz
Paula König, Tim Werths, Gesa Köhler, Robert Will,
Alrun Hofert, Isabella Knöll Cennet Voss, Felix Bold ,Niklas Hugendick-Braasch

© Martina Pipprich ~  www.martina-pipprich.de

So unterschiedlich wie die neun Darsteller sind, so unterschiedlich ist auch das von ihnen dargebotene umfangreiche disparate Liedprogramm. Eröffnet wurde der Abend mit zwei Ensemblenummern. Dem Klassiker „The Lion Sleeps Tonight“ (der US-amerikanische Doo-Wop-Gruppe The Token), folgte kontrastreich „Wir müssen hier raus“ (der früheren deutschen Rockgruppe Ton Steine Scherben). Der Refrain „Wir sind geboren, um frei zu sein“ kann nicht nur auf die Situation ihrer Gefangennahme bezogen werden, sondern auch auf ihren Ausbildungsabschluss (der aber erst in 2017 erfolgen wird). Die Mehrheit der weiteren Lieder kamen aus dem Bereich Pop, Rock und Musical, überwiegend nicht auf Englisch. Unter den weiteren Ensemblenummern waren auch Raritäten wie das Volkslied „Ännchen von Tharau“ und Bonhoeffers „Von guten Mächten“ (alle Chor-Arrangements: Günther Lehr).
Im Vergleich zwischen den Geschlechtern präsentierten sich die fünf Damen als die leidenschaftlicheren Künstler und rockten die Bühne. Allen voran Paula König („Die Candy-Prinzessin“ ) mit „Maybe This Time“ aus „Cabaret“, Alrun Hofert („Der Computer-Nerd“, auch Ukulele) mit Christiane Webers „Tigerlilly“ und Isabella Knöll („Der Heimat-Hipster“) mit „Mein Herr“, auch aus „Cabaret“. Große Mimik, ein Spagat und komödiantisches Talent bot Gesa Köhler („Das Roller-Girl“) mit „Stramm genuch" nach Chers „Strong enough“). Cennet Voss („Das ewige Opfer“, auch E-Bass), berührte mit dem wunderbar intim dargebotenen „90 Grad“ von Bodo Wartke.
Humorvoll, ironisch, verspielt und verzweifelt präsentierten sich die Herren. Tim Werths („Der ewige Single“, auch E-Gitarre) nahm dabei gleich zu Beginn mit „Meine Lieder“ für sich ein, was er später noch mit „You Always Hurt The One You Love“ (Mills Brothers) toppte. Felix Bold („Der Schöne“, auch Keyboard) bot die stärkste szenische Präsenz und verführte Frauen wie Männer mit „Ich bin so schön“ (Kändler/Larbig). Robert Will („Der Handwerker for ever“) unterhielt blendend mit Torfrocks „Presslufthammer Bernhard“). Niklas Hugendick-Braasch („Der Lasermann“, auch Schlagzeug) zeigte sich kämpferisch und bot mit Tom Waits „All The World is Green“ moderne schwarze Romantik.
Sich aus dem Kraftfeld zu befreien gelang den Neun dank der guten Unterhaltung früher als gedacht, gleichzeitig befreiten sie die verzauberte Stimme und bedankten sich mit Handschlag im Publikum.

Sehr viel Applaus und zwei Zugaben (Wiederholungen der ersten beiden Lieder).

Markus Gründig, März 16

Weitere Vorstellungen in Mainz nur noch am 20. März, 3. und 15. April 16.

Charityshow "Spread your Wings"
English Theatre Frankfurt, 31. Januar 16

Sie haben schon eine gewisse Tradition, Charityshows am English Theatre Frankfurt. Nachdem anlässlich der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 das damalige „Cabaret-“Cast erstmals eine solche initiierte, finden sie in unregelmäßigen Abständen im English Theatre Frankfurt statt. Bereits zum zweiten Mal konnte jetzt der Verein Projekt Schmetterling e.V. zu einem besonderen Konzert ins English Theatre einladen. Das Ensemble vom Musical „The Life“ präsentierte beliebte Musical- und Popsongs und verzichtete dabei auf eine Gage. Dank der großzügigen Unterstützung weiterer Sponsoren (Licata Catering und Café Merci) wurde vorher zu einem Lunch-Buffet und hinterher zu einem After-Show-Umtrunk eingeladen.


Charityshow "Spread your Wings"
Projekt Schmetterling e.V. / English Theatre Frankfurt
Kai Picker, Rosalind James
© Anna Meuer

Der Verein Projekt Schmetterling e.V. hilft Krebspatienten und ihren Angehörigen mit psychoonkologischer Betreuung, da diese von den gesetzlichen Krankenkassen, trotz ihrer Wichtigkeit, in der Regel nicht unterstützt wird. Sämtliche Spendengelder fließen direkt und vollständig in die Sicherung und den Ausbau der psychoonkologischen Betreuung. An diesem Nachmittag konnte ein Scheck über Euro 11.600,00 an den Verein überreicht werden, wofür sich Vorstandsmitglied Otmar Debald im ausverkauften Haus recht herzlich bedankte, zumal weitere rund Euro 15.000,00 durch Spenden der Sponsoren hinzuaddiert werden können.


Otmar Debald

Projekt Schmetterling e.V. / English Theatre Frankfurt
© Anna Meuer

Das musikalische Programm bot einen bunten Mix aus 15 Musical- und Popsongs. Es war vom Ensemble selbst zusammengestellt worden. Auch die Band war mit von der Partie (Leitung: Patrik Pietschmann).
Claudia Kariuki, die Powerfrau Sonja aus „The Life“, zeigte sich beim Song „Mama Who Bore Me“ aus dem Musical „Frühlings Erwachen“ einnehmend von ihrer besinnlichen Seite. Hannah Cadec, in „The Life“ das naiv wirkende aber dennoch sehr berechnende Landei Mary, zeigte sich mit dem Titelsong aus Andrew Lloyd Webbers „Das Phantom der Oper“ Nachfolgestück „Love Never Dies“ nicht minder zartfühlend und beeindruckte insbesondere bei den hohen Passagen dieses Songs. Gefühlsstark auch Samson Ajewole (in „The Life“ der Zuhälter Fleetwood), mit der Ballade „I who have Nothing“ aus dem Musical „Smokey Joe´s Cafe. Rosalind James (in „The Life“ die Mercedes) präsentierte mit einem Gitarristen Amy Winehouses „Love is a long game“. Außergewöhnliches Stimmen-Sampling bot Cameron Johnson (in „The Life“ der Zuhälter Memphis) mit „Retrograde“.
Am Ende des Programms, durch das Tom Andrew Hargreaves (in „The Life“ der „Jojo“) charmant führte und das leider viel zu schnell vorbei war, stand der Ensemble-Song „Seasons of Love“ („525600 Minuten“) aus dem Musical RENT. Standing Ovations!

Das Musical „The Life“ ist noch bis zum 14. Februar 16 auf dem Spielplan des English Theatre Frankfurt. Informationen zum Verein Projekt Schmetterling e.V. finden sich unter www.verein-projekt-schmetterling.de.

Markus Gründig, Januar 16

Red Bull Flying Bach
Alte Oper Frankfurt
Besuchte Vorstellung: 19. Juni 15 (Premiere Frankfurt)

Johann Sebastian Bach ist ein Phänomen. Der zum Spätbarock zählende Komponist schuf ein überaus umfangreiches Œuvre aus Fantasien, Fugen, Kantaten, Konzerten, Messen, Motetten, Oratorien, Partiten, Präludien, Passionen, Suiten und Toccaten. Er wurde zum ersten deutschen Komponisten von europäischer Bedeutung. Auch prägte er wie kein anderer viele andere Künstler, seien es Komponisten, Musiker oder Sänger. Und dies von damals bis heute. In den Jahren 1722-1723 schuf er den ersten Teil der Sammlung „Wohltemperierten Klavier“ , die zu seinen „pädagogischen“ Werken zählt und nicht an ein Amt oder einen Auftrag gebunden war, sondern aus inneren Antrieb heraus entstand.

Dieses Werk mit modernen Breakdance zu verbinden, erscheint auf dem ersten Blick ein absurdes Unterfangen. Nachdem der Choreograf Vartan Bassil die Idee geboren hatte, seine Breakdancer, die von ihm und Kadir Memiş 1993 gegründete Breakdance-Gruppe „Flying Steps“, zu klassischer Musik tanzen zu lassen, war es der Pionier des Cross-Over, der Dirigent, Pianist und Regisseur Christoph Hagel, der dazu Bachs Werk vorschlug. Im Jahr 2010 tanzten die „Flying Steps“ erstmals zu Bachs „Wohltemperirte Clavier oder Præludia, und Fugen durch alle Tone und Semitonia...“ (so Bachs Werk-Bezeichnung im Auszug). Seitdem eroberten sie mit dem 70-minütigen Programm erst Deutschland, dann Europa und schließlich den Rest der Welt, darunter die Länder Aserbaidschan, Arabische Emirate, Australien, Chile, Japan, Kanada, Katar, Libanon, Singapur und USA (und die Reise ist noch lange nicht beendet).
Jetzt war erst einmal Station in Frankfurt/Main, wo die Truppe im letzten Jahr das Nachfolgestück „Flying Illusions“ präsentierte (weitere Stationen der aktuellen Tour bis Oktober 15 sind: Hamburg, Stuttgart, Essen, Berlin, Köln, Aachen, Mannheim, Baden-Baden, Bremen, Düsseldorf, Saarbrücken, Bamberg, Wiesbaden und Halle).

Zu Beginn des „Wohltemperierten Klavier“ steht das bekannteste Stück, das einfache aber eingängige Präludium aus „Präludium und Fuge C-Dur BWV 846“. Hier wurde es solistisch nur am Klavier von Christoph Hagel höchstpersönlich gespielt (wie auch die folgenden Stücke, unterstützt von der Finnin Marianna Hendriksson am Cembalo). Zur Fuge betritt die Ballett-Tänzerin Anna Holmström die Bühnenfläche im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt (die an diesem Abend so gut wie ausverkauft ist). Zum zweiten Präludium (aus „Präludium und Fuge Cis-Dur BWV 847“ erobern mit schnellen Sprüngen sieben Breakdancer die Bühne. Gespielt werden die ersten zwölf (von 24) Satzpaaren des Wohltemperierten Klaviers (1. Teil). Diese können in ihrem ruhigen Dahinfließen schon eine gewisse Langatmigkeit ausstrahlen, doch nicht hier. Denn eingefügte elektronische Beats und Verfremdungen der Gebrüder Ketan und Vivan Bhatti sorgen für energetische Abwechslung. Und die sieben Tänzer zeigen in unterschiedlichen Tempi, warum sie zur Weltklasse der Breakdancer zählen. Es sind Gengis Ademosk aka: Lil Ceng, Pierre Bleriot aka: Punisher, Khaled Chaabi aka: KC-1, Nordine-Dany Grimah aka: Nono, Yamine Manaa aka: Spider,, Michael Rosemann aka: Mikel (auch Co-Choreograf) und Alan Da Silva aka: Aldo Style.

In der ausgefeilten und ansprechenden Choreografie von Vartan Bassil zeigen sie atemberaubende Breakdanceelemente. Seien es lang gehaltene Einarmfiguren (Freezes), bei denen sich durch den Raum bewegt wird oder der Körper zusätzlich in die Horizontale geführt wird, oder die unterschiedlichsten Powermoves. Wie Kopfstände mit schneller Rotation des Körpers, wobei auch hier dann gerne zusätzlich die Beine gedreht oder gekippt werden. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen oftmals außer Kraft gesetzt zu sein.
Die schwedische Balletttänzerin hat im Kreis der Breakdancer eine Sonderstellung und ist doch ein immanenter Teil des Programms. Von 2003 bis 2007 vertrat sie Schweden als Mitglied der Nationalmannschaft für rhythmische Sportgymnastik. Und mit ihrer Beweglichkeit könnte sie auch locker im Frankfurter Tigerpalast auftreten. Als Verführerin, Geliebte und Verstoßene ist sie ein Kontrapunkt in den Aktionen der Breakdancer. Jede Szene erzählt dabei eine andere kleine Geschichte. Und die Verbindung zwischen Bach und den Tänzern ist stets perfekt abgestimmt.

Das Frankfurter Publikum konnte sich in der Alten Oper ganz besonders glücklich schätzen, denn bei den Vorstellungen kam auch die große Orgel der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke auf der Bühnenrückwand zum Einsatz (mit ihren drei Manualen, 60 Registern und mehr als 4.700 Pfeifen). Dies klang und wirkte dann bei der finalen „Toccata und Fuge d-Moll BWV 565“ dann ganz besonders erhaben und mächtig zugleich (wobei das Orgelwerk nicht zum Wohltemperierten Klavier gehört).

Großer Jubel, Standing Ovations und eine wahnsinnige Zugabe (zum stimmungsvollen „Beggin“ von Madcon).

Markus Gründig, Juni 15

Infos zum Stück

Holiday on Ice: Passion
Festhalle Frankfurt
Besuchte Vorstellung: 13. Januar 15 (Premiere Frankfurt)

Eine Bravourleistung des Eiskunstlaufs

Mit seiner glamourösen Geburtstags-Show „Platinum“ hat Holiday on Ice in der vergangenen Saison sein 70. Jubiläum gefeiert, mit Kostümen vom Stardesigner Harald Glööckler und mit der Eislauflegende Norbert Schramm. Die neue Show „Passion“ geht bewusst einen anderen Weg. Es gibt mit der Band Vintage Vegas (Giovanni Zarella, Tom Marks und Inan Lima) zwar ein prominentes Zugpferd, doch im absoluten Fokus steht das, um was es beim Show-Eiskunstlauf wirklich geht: Eisläufer mit Passion, mit einer persönlichen Geschichte und der Fähigkeit, mit ihrem Können das Publikum in den Bann zu ziehen.

Vintage Vegas heizen schon frühzeitig dem Publikum ordentlich ein, lassen es von den Plätzen aufstehen und laden es zum euphorischen Mitklatschen ein. Bei einem kleinen Wettstreit zwischen den Sitzblöcken kann jeder seiner Begeisterung lautstarken Ausdruck verleihen. Im Laufe des Abends präsentieren sie insgesamt drei Songs aus ihrem Album „Let´s Swop“, das vergnüglich Swing mit Pop vermischt.


Holiday on Ice Passion
© Stage Entertainment

Eifer, Energie, Dynamik, Herzblut und Leidenschaft sind nur einige Synonyme für Passion, von allem ist bei der neuen Show sehr viel zu spüren, auch oder gerade, weil es kein großes Brimborium drum herum gibt. Das mag vielleicht diejenigen etwas enttäuschen, die noch von Glööcklers Kostümen verzaubert sind oder von der abgefahrenen Deckendekoration von „Speed“ (2012). Doch wahre Kunst kommt auch ohne große Effekte aus. Kreativdirektor und Regisseur Bart Doerfler (Ex-Chippendaler) zeigt hier bei seinem Holiday on Ice Debüt viel Herzblut für diejenigen, die oftmals nicht so individuell wahrgenommen werden.

In dem zweistündigen Programm (inklusive Pause) wird lose die Geschichte einer jungen Eiskunstläuferin erzählt (wobei es keinen Moderator gibt). Von ihrer ersten Begegnung als zweijähriges Kind, als sie ihre ältere Schwester auf dem Eis beobachtete, über erste eigene Schritte auf dem Eis und dem ultimativen Traum, einmal ein Holiday on Ice Showgirl zu sein. Ihr Weg dahin ist freilich nicht einfach und es gibt Hindernisse. Doch bei allem harten Training und den Versuchungen des Lebens, auch viele Erfolge und Höhepunkte. Im steten Wechsel zwischen stimmigen Ensembleszenen und erstklassigen Solo- und Duonummern wird eine atemberaubende Bravourleistung des Eiskunstlaufs zelebriert (Choreografie: Jamie Isley).
Dabei geben alle ihr Bestes, mit waghalsigen und immer wieder aufs Neue beeindruckenden Figuren. Seien es ausgefallene Hebungen, Pirouetten, Rittberger, Todesspirale, Toeloop und viele, viele mehr. Videobilder zeigen dabei auch, wie es im Backstage-Bereich, also hinter der Bühne, zugeht, wie sich die Artisten bei engen Verhältnissen und unter stetem Zeitdruck auf ihren nächsten Einsatz vorbereiten.

Mit dabei ist die fünffache Deutsche Meisterin im Eiskunstlauf: Annette Dytrt, als Solotänzerin, zudem als weitere Solotänzer das Paar Pernelle Carron (Frankreich) & Lloyd Jones (Großbritannien), die beiden lernten sich vor vier Jahren bei Holiday on Ice kennen und sind mittlerweile verlobt, sowie Erin Scherrer (Kanada), Aleksandr Zaboev (Russland) und Michael Solonoski (USA).

Ein großes Portal umsäumt den Hintergrund der Eislaufbahn. Dank modernster Technik erscheint es in ständig wechselnden Illuminationen (als klassizistisch anmutendes Gebäude, als verzauberte Landschaft im Mondlicht, als bunter 70-iger Jahre Hintergrund etc.), zudem werden in die Mitte des Portals je nach Szene passende Film- und/oder Livebilder projiziert. Für weitere Effekte sorgt eine aufwendige LED-Leuchtenkonstruktion am Bühnenhimmel, Scheinwerfer, die schmale Säulen abwerfen, Feuerfontänen und zum Finale beeindrucken die Eisläufer mit in unterschiedlichen Farben leuchtenden Sohlen ihrer Schlittschuhe (Licht-, Bühnen und Videodesigner: Luc Peumans). Eine Artistin führt tollkühne Posen an einem über den Eis schwebenden Vertikalseil aus.


Holiday on Ice Passion (Aleksandr Zaboev)
© Stage Entertainment

Präsentiert wird ein neues musikalisches Konzept. Populäre Hits in neuer Interpretation (wie Pharrell Williams „Happy“) und Klassiker (wie „Big Spender“) werden vermischt und mit eigenen Kompositionen arrangiert (Komponist und Arrangeur: Stephen Emmer, Sound Design: Jeroen ten Brinke). Für Stimmung sorgen dabei insbesondere viele energiegeladene Beats und südamerikanische Rhythmen. Auch orientalische Klänge ertönen, wie bei der großen Ensemblenummer nach der Pause. Für die vielen individuell entworfenen Kreationen, vom 50-iger Jahre Country-/Vintagelook bis hin zu knappen Kostümchen für die Damen, zeichnet die Kostümdesignerin Cynthia Nordstrom verantwortlich.

Schon zwischen den einzelnen Nummern gab es starken Zwischenapplaus für die herausragenden Artisten und für Vintage Vegas, am Ende dann ein starker Schlussapplaus und Standing Ovations für die dynamische wie träumerische Revue „Passion“.

Markus Gründig, Januar 15

The Wyld
Friedrichstadt-Palast Berlin
Besuchte Vorstellung: 23. Oktober 14 (Premiere)

Wo Berlin mit seinem neuen Großflughafen nicht mit Ruhm glänzt, im Friedrichstadt-Palast (der auch dem Land Berlin gehört) tut es dies umso mehr. Da läuft nicht nur alles rund, funktioniert nicht nur alles bestens, er beweist seit Jahren, dass erstklassiges Entertainment hier zuhause ist. Nirgendwo in Europa gibt es etwas Vergleichbares. Das Publikum sorgt regelmäßig für ausverkaufte Vorstellungen und weltweit  interessieren sich Artisten, Designer, Künstler und Tänzer für den Berliner Friedrichstadt-Palast.

Über 14 Millionen Gäste haben in den letzten 30 Jahren den Friedrichstadt-Palast in Berlin besucht, so Intendant Dr. Bernd Schmidt im Eingangswort des Flyers zur neuen Show „The Wyld“. Diese stellt neue Rekorde auf, ist sie doch alleine mit ihren Produktionskosten von 10,6 Millionen Euro diejenige mit dem höchsten Budget in der 95-jährigen Geschichte des Hauses (die Vorgänger-Show „Show Me“ hatte rund 9 Millionen gekostet). Doch das Wichtigste: Diese Show ist ein Muss für jeden Berlin-Besucher (und erst recht für jeden Berliner). In „The Wyld“ erlebt der Zuschauer eine atemberaubende Reise in eine Welt, die nicht die unsere ist. Was nicht nur an den außerirdischen Besuchern liegt, die durch die Zuschauerreihen laufend die Bühne erobern. Der Untertitel „Nicht von dieser Welt“ ist hier Programm. Tanz und Akrobatik wird auf der größten Theaterbühne der Welt zu einem sinnlichen, verführerischen und temporeichen Actionspektakel der Sonderklasse, das seinesgleichen sucht. Der Titel „The Wyld“ wurde von „the wild“ (Natur, Wildnis) abgeleitet und steht für die Natur des Menschen in all seinen Facetten. Er spiegelt aber auch die Energie in dem Dschungel der Großstadt Berlin und das Berlin-Gefühl des 21. Jahrhunderts, wo Freiheit und Toleranz groß geschrieben werden, wider (hierfür steht in der Show insbesondere die Drag Queen Sinisa Petrovic). „The Wylde“ ist die „Essenz dieser ebenso wunderbaren wie sonderbaren Stadt“ (Dr. Bernd Schmidt).


The Wyld
Friedrichstadt-Palast Berlin
Urban Tribe
Art Direction: Manfred Thierry Mugler, Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli
© Robert Grischek

Der Anfang der vom Designer Manfred Thierry Mugler (auch Regie und Kostümbild) und Roland Welke konzipierte Show ist klassisch gehalten. Bei noch halb erleuchtetem Saal wird die Basis des Tanzes, insbesondere des Tanzes am Friedrichstadt-Palast, anhand einer Tanzprobe „eine Stunde vor der Show“ gezeigt (schließlich wird am Palast Show-Entertainment mit Schwerpunkt Tanz geboten). Unter den strengen Ansagen eines Ballettmeisters werden an Stangen klassische Übungen absolviert, im Hintergrund wird sich gedreht und gestreckt oder auch Liegestützen gemacht. Darauf folgen freie Übungen, wie Pirouette und Sissone-Sprung. Und es gibt auch Verwarnungen an eine Tänzerin „du must zwei Kilo abnehmen“.

Nach dem „Einwärmen“ fährt der Eiserne Vorhang hoch und Schlag auf Schlag geht es im rasanten Tempo für gute zwei Stunden (zuzüglich Pause) von einem Highlight zum nächsten. Immer wieder faszinieren die fließenden Übergänge und noch mehr die fantastischen visuellen Eindrücke (Bühnenbild: Jürgen Schmidt-André), die Dank modernster Technik die Bühne und den Zuschauerraum glänzend in Szene setzen (mit rund 1.300 Scheinwerfer und Effektgeräte, sowie 530 LED-Scheinwerfer). Zehn Choreografen (darunter sind so bekannte Namen wie Brian Friedman und Itzik Galili) haben für die weltweit größte stehende Showballett-Compagnie (60 Tänzer und Tänzerinnen) anmutige, artistische und verführerische Szenen entwickelt. Getanzt wird dabei überwiegend auf der vorderen Bühne, die hintere große Bühne dient vor allem für großformatige Videoeinspielungen (Video Motion Design: Marc Vidal).

Die Gesamtstory, eine Lovestory zwischen einer  Alien-süchtigen Berlinerin am Fernsehturm und einem BMX-Fahrer, mitsamt widererwachter Nofretete die die beiden zusammen führen will, ist freilich nur sehr lose zu sehen. Sie dient als Ideenstifter für die heterogenen Einzelbilder. Eine dramaturgisch durchgehende Handlung gibt es nicht (wird hier aber auch nicht erwartet und auch nicht vermisst).

Die exzellente, vor Energie nur so strotzende, groß angelegte Eröffnungsnummer „The Wyld“ steht für das moderne Berlin, mit seinen so unterschiedlichen Menschen und ist ein fast schon übersinnliches Spektakel. Sie führt über in die erste Solistenszene „Urban Poet“, mit Baläzs Földvárg als BMX-Solist, der tollkühne Akrobatik auf seinem Gefährt vollführt.

Erstmals ist eine Tiernummer in das Programm integriert. Sie wird vermutlich die umstrittenste der Show werden, auch wenn Hunde als der Menschen liebsten Freunde mitwirken. Jana Pasnas neun Pudel sind optisch sehr unterschiedlich und allesamt sehr talentiert. So springen sie durch Reife, über Hürden und bewegen sich gegenseitig auf bzw. in einer Walze. Dennoch hat die temporeiche Nummer einen gewissen Zirkuscharakter und passt nicht wirklich zu dem Showformat des Hauses.


The Wyld

Friedrichstadt-Palast Berlin
White-Gothic
Art Direction: Manfred Thierry Mugler, Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli
© Robert Grischek

Einer der ganz besonders herausragenden Höhepunkte in dieser Show voller Höhepunkte, ist die Equilibristik-Nummer der ungarischen White-Gothic Jungs.  Das sind vier Top-Athleten aus Ungarn, die mit ihren Muskelpaketen und starker Körpermitte in außergewöhnlichen Positionen erstaunen und beeindrucken. Wie bei ihrem Schlussbild, wo einer die drei anderen trägt und einer dabei noch auf dem Kopf eines Getragenen einen einarmigen Handstand hinlegt. Weltklasse!


The Wyld
Friedrichstadt-Palast Berlin
Le Kick c’ est chic
Art Direction: Manfred Thierry Mugler, Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli
© Robert Grischek

Nicht minder begeistert auch dieses Mal die aus 64 Beinen bestehende legendäre Girlreihe (Durchschnittslänge: 1,05 Meter). Ihre Nummer fängt zunächst unspektakulär mit einer Demonstration der in das Showdeck integrierten 50 „Magic Stairs“ (einzeln ansteuerbare Treppen) an, bis plötzlich wie aus dem nichts heraus die Girlreihe hochfährt (Szene „Le Kick c' chic“) und sich die Damen graziös und sexy dem Publikum präsentieren.

Nach der Pause erwacht dann die „bekannteste Berlinerin“, Nofretete, zum Leben. Per Video wird der Zuschauer erst Zeuge der Ausgrabungen in Ägypten, bis die erwachte Nofretete dann in voller Schönheit auf der Bühne steht und „Neferititi´s Party“ gefeiert wird. Optisch sehr schön das Bild der „1000 Hands“ (wobei das ja streng genommen weniger ein Symbol für die ägyptische Götterwelt ist, als für einen erleuchteten Buddhisten wie für Bodhisattva  Avalokiteshvaras und für seine Fähigkeit steht, in unglaublicher Fülle mitfühlend handeln zu können).

Das „The Wylde“ Berlin und seinen außergewöhnlichen Bewohnen gewidmet ist, wird auch in der Nummer „Ich bin ein Berliner“ deutlich, sie ist auch eine musikalische und tänzerische Reminiszenz an das Musical „Cabaret“, das ja in Berlin spielt.

Das Duo Markow erstaunt das Publikum bei seiner  Aerial Bamboo-Nummer (Luft Perche) „Between sky and earth“. So schlägt Svetlana in luftiger Höhe Purzelbäume, während sie ihr Partner Anton jeweils nur kurz am Fuß auffängt.


The Wyld

Friedrichstadt-Palast Berlin
Diamond Love
Art Direction: Manfred Thierry Mugler, Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli
© Robert Grischek

Das „nicht von dieser Welt“-Thema wird auch durch in den Saal und auf die Bühne herein schwebende oder herabkommende Wesen (Sänger wie Tänzer) umgesetzt („Diamond Love“). Die Szene „Schwarzes Öl“ beeindruckt nicht nur mit dem Einsatz einer doppelstöckigen Dreh- und Hebebühne, sondern auch mit zwei riesigen Lavalampen, die jeweils mit 1.100 Liter Wasser gefüllt sind. In ihnen bewegen sich keine Blasen, sondern echte Tänzerinnen tummeln sich darin.

Zur guten Stimmung trägt auch die Musik bei. Diese ist, wie üblich am Palast, eigens komponiert worden. Diesmal von neun (!) Komponisten. Sie wirkt überraschend geschlossen. Zwei Gesangssolisten (Cindy Sander und Olivier Eric St. Louis) und zwei Sängerinnen (Talita Angwarmasse und Victoria Mishchenko), sowie die 16-köpfige Showband unter der Direktion von Daniel Behrens setzten sie elektrisierend um. Sie sorgen für einen mitreißenden und, auch das jüngere Publikum ansprechenden, groovigen Clubsound und innige musikalische Momente. Denn am Friedrichstadt-Palast weiß man große und intime Szenen harmonisch zu verbinden (szenisch wie musikalisch).

Am Ende 20-minütige Ovationen für einen prachtvollen Abend, für einen energetischen Ausflug in das pulsierende Berlin von heute.

Markus Gründig, Oktober 14

Bäppi la Belle: Venus von Kilo
Theatrallalla Theater Frankfurt
Besuchte Vorstellung: 7. März 14 (Premiere)

„Wer nicht vor Lachen mindestens zwei Kilo verliert, hat jedes Gramm verdient“
Bäppi la Belle

Da ist die turbulente fünfte Jahreszeit gerade um und schon präsentiert Bäppi la Belle alias Thomas Bäppler-Wolf auch schon eine neue Show. Dabei war die gemeinsam mit dem Grossen Rat der Karnevalsvereine Frankfurt am Main e. V. veranstaltete Rosa Cloud'chen-Sitzung nur ein kleiner Teil von Bäppis Fastnachtsaktivitäten. Neben Teilnahme an zahlreichen weiteren Sitzungen, zeichnete sie zwischendurch auch noch als Majestät Lisbet Windsor II. (Königin des Vereinigten Königreiches von Frankfurt und Nordend und ihrer anderen Territorien und Gebiete) das Frankfurter Stadtoberhaupt, Oberbürgermeister Peter Feldmann, mit dem Grand Cross aus. Fortan darf sich dieser Sir Peter nennen.

Und wenn nach der Fastnacht eigentlich die große Fastenzeit beginnt, sagt sich Bäppi, ist mir doch wurscht und präsentiert sich genüsslich als Venus von Kilo. Denn letztere haben sich schon etwas um sie gesellt. Und was soll es auch schon mit dem ständigen Abnehmwahnsinn, den Blitzdiäten und den Fettabsaugaktionen? Vergessemer!


©  Theatrallalla Theater Frankfurt

Und mit dem gewohnt hohen Unterhaltungsfaktor, mit derben und herzlichen Witzen, bei denen fast jeder sein Fett abbekommt, gibt es kalorienreiche Unterhaltung satt („Wer nicht vor Lachen mindestens zwei Kilo verliert, hat jedes Gramm verdient“).

Dabei gibt Bäppi la Belle bewusst ein Statement ab, gegen die herrschenden Klischees von schlanken Körpern und der scheinbaren Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben, die, wenn es die eigene Familie betrifft, schnell ihre Grenzen erfährt.

Zu Beginn der neuen Show gibt es den im letzten Jahr produzierten Clip „I dreamed a dream“ zu sehen, bei dem Bäppi als ungewöhnliche Castingteilnehmerin Uschi vor einer Jury, bestehend aus einer reiferen Dame alias Bäppi, Lebenspartner Carsten Wolf und Wertungsrichter Joachim Llambi, aus dem Musical „Les Misérables“ vorsingt.
Mit „Tschitschi Bum, alles dreht sich nach mir um“ geht es dann richtig los und natürlich singt auch diesmal Bäppi wieder alles live. Schlagerklassiker werden frech und spaßig neu interpretiert (so wird aus Andrea Bergs Song „Du hast mich 1000 Mal belogen“ einfach „Ich habe mich 1000 Mal gewogen, ich hatte 1000 Mal Diät“).

Ob im roten Galakleid oder in blauer Kittelschürze mit einem Staubtuch als Turban, ob im Baströckchen und Blumen im Haar und auf den Schuhen als Hawai-Mädchen, als Lisbet oder als Glamourdame: In den Kostümen von Vladimir Vlahovic und Bärbel Klaesius macht Bäppi la Belle stets eine herausragende Figur (und überrascht in ihrem hochgerafften Kurzrock, der nebenbei ihre tollen Beinen wirksam zur Geltung bringt, mit einem wandlungsfähigen Clou).
Für die Zeit des Umziehens gibt es zwei witzige Spots, bei einem („Abnehmen mit Ultraschall“) wirkt der hr-Moderator Mathias Münch mit. Designer und Dresser Tobias Wick ist erneut als Winnetouch mit von der Partie und gibt bissige Kommentare zu Bäppis Figur („Du siehst aus wie die Mutter der Milka-Kuh“). Und das Publikum darf sich nicht nur mit Klatschen und die Armen schwingen beteiligen, Bäppi schafft es auch, dass jeder Besucher sich an einer Polonaise durch das Theater beteiligt.

Einen Ausblick auf weitere bevorstehende Highlights gibt Bäppi freilich auch. Wie auf das 1. Frankfurter Würstchen-Festival im Hausmann-Zelt auf der Frühjahrs-Dippemess, die Montagskrimireihe mit Regisseurin Sylvia Hofmann ab Mai und vor allem ab Herbst das Broadwaymusical „La Cage aux Folle“ im kleinen großen Theatrallallla. Doch bis dahin sorgt jeden Freitag- und Samstagabend die Venus von Kilo für spaßige und unvergessliche Momente. Großer Beifall und Standing Ovations.

Markus Gründig, März 2014

Holiday on Ice: Platinum
Besuchte Vorstellung: 7. Januar 14 (Premiere Frankfurt)
Festhalle Frankfurt

Birthday Extravaganz Platinum

Was für eine Erfolgsgeschichte. Vor 70 Jahren, am 25. Dezember 1943, hatte in Toledo (US-Bundesstaat Ohio) eine kleine, aber ambitionierte Hotel-Show ihre Premiere und eroberte im Laufe der Zeit die Herzen der ganzen Welt: Happy Birthday Holiday On Ice!
Zum Jubiläum präsentiert Holiday on Ice seit November 2013 die glamouröse Geburtstags-Show Platinum, mit Kostümen vom Stardesigner Harald Glööckler („The Prince of Pompöös“) und mit der Eislauflegende Norbert Schramm („Der rote Baron des Eislaufs“) als Eis laufender Moderator. Zur Frankfurt-Premiere erschien nicht nur Harald Glööckler und sein Lebenspartner Dieter Schroth, auch die Jacob-Sisters und Michel Friedman waren unter den Ehrengästen.
Stage Entertainment Touring Productions Germany Chef Michael Duwe freute sich bei seiner Begrüßungsrede in der Frankfurter Festhalle ganz besonders über diese Tourstation, war Holiday on Ice doch am 10. Dezember 1951 hier erstmals in Deutschland zu Gast.


Holiday on Ice Platinum
© Stage Entertainment

Bühnenbeherrschendes Element der von Mark Naylor gestalteten Show ist eine Videoleinwand, die aus vielen kleinen rechteckigen Elementen besteht. Auf sie werden nicht nur Werbeplakate aus der 70-jährigen Geschichte projiziert, auf ihr entstehen auch fantastische abstrakte Collagen, großzügige Ballsäle, Wasserfälle und die Avenue des Champs-Élysées. Drei riesige Kronleuchter sorgen bei einzelnen Szenen für eine ganz besonders festliche Atmosphäre (Lichtdesign: Luc Peumans).

In der Show wird ein Rückblick in die Eiskunstlaufgeschichte präsentiert, wobei schon der erste Titel „We are young“ deutlich macht, das Holiday on Ice zwar eine Vergangenheit hat, aber alles andere als in die Jahre gekommen ist. Holiday on Ice führt die Zuschauer u.a. nach Paris, Wien und nach Brasilien. Die Reise durch sieben Jahrzehnte Eis-Entertainment der Spitzenklasse ist verbunden mit einer zeitgemäßen Umsetzung der typischen Elemente aus Musik, Eiskunstlauf, Tanz und Kostümen.


Holiday on Ice Platinum
© Stage Entertainment

Fetzige Ensemblenummern mit beeindruckender Präzision, romantische Liebesduette und faszinierende Soli mit den waghalsigsten Sprüngen begeistern. Allen voran Rohene Ward aus den USA und das russische Paar Baria Perminova und Evgenii Belianin, aber auch die in Kanada aufgewachsene MacKenzie Crawford und die Österreicherin Stina Martini.
Große Namen sind schon immer mit Holiday on Ice verbunden, derer bei dieser Show auch gedacht wird: wie Marika Kilius mit Partner Hans-Jürgen Bäumler, Tanja Szewczenko mit Partner Norman Jeschke und natürlich „unsere“ Katarina Witt. Zu Ehren der Schweizer Eiskunstläuferin Denise Biellmann gibt es eine eigene Nummer, an deren Ende die legendäre Biellmann-Pirouette gezeigt wird.
Und Norbert Schramm, moderiert nicht nur gut gelaunt und mit flotten Sprüchen, er steigt auch selbst auf die Kufen und läuft, wie schon früher, zu Musik von Jean Michel Jarre. Diese wurde, wie alle andere Musik auch, speziell für diese Show bearbeitet (Musikalischer Direktor: Stephen Emmer (Speed), Sounddesign: Jeroen ten Brinke), sei es Disco, Techno, Gospel, Samba oder Walzer.


Holiday on Ice Platinum
Eistänzerinnen in den Roben von Stardesigner Harald Glööckler („La Vie De Paris“-Szene)

© Stage Entertainment

Harald Glööckler designte sieben schillernde Showroben unterschiedlichen Stils, die hier in eine Pariser Modenschau („La Vie De Paris“-Szene) eingebunden sind (Glööckler tritt in Nachfolge von Christian Dior und Rudolph Mooshammer, die auch schon Kostüme für Holiday on Ice entwarfen). Darunter ein schulterfreies Ballkleid im Reifrockstil, ein eng anliegendes schwarzes Kleid mit Faltenwurf, ein Kleid mit aufgesetzten Blüten und ein fernöstlich anmutendes Goldkleid. Für die weiteren Kostüme, insgesamt sind es pro Show über 300, zeichnet David Shields verantwortlich, der nicht nur Kostüm-, sondern auch Set- und Requisitendesigner ist.

Seit 1996 erweiterte Holiday on Ice sein Repertoir um spektakuläre Luftakrobatikszenen. Bei Platinum sorgen die gut trainierten Ukrainer Lykov Dmytro und Liannoi Kyrylo für spektakuläre Haltefiguren an Seilen in luftiger Höhe.

Viel Applaus von den über 4000 Zuschauern für die extravagante Holiday on Ice Geburtstagsshow Platinum.

Holiday on Ice „Platinum“ ist noch bis zum Sonntag zu Gast in Frankfurt (am Wochenende laufen jeden Tag sogar drei Shows). Karten gibt es von Euro 29.90 bis Euro 49.90. Danach folgen noch Gastspiele in Dortmund, Ulm, Düsseldorf, Hamburg, Zwickau und Bremen.

Markus Gründig, Januar 14

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